Die Vereinbarkeit von kritischer Sozialarbeit mit Schulsozialarbeit erscheint zunächst utopisch. Die hier beschriebene Schule mit einem alternativen Schulsystem zeigt jedoch beispielhaft, dass es möglich ist an einer Schule kritische, selbstbestimmte Soziale Arbeit in der Praxis anzuwenden.
Es ist besonders im sozialpädagogischen Arbeitsbereich bekannt, dass die A-Schule durch ihr besonderes Konzept einen Arbeitsbereich darstellt, der zunächst von Außen sehr „einfach“ scheint. So hat die Schule den Ruf, eines Selbstläufers, welcher auch dem Klientel zugeschrieben wird, dass man an der sogenannten „Eliteschule“ vorfindet. Übliche Probleme, wie sie an Regelschulen zu finden sind, treten hier nicht oder nur stark reduziert auf.
Doch wird dies oft damit verwechselt, dass eine alternative Schule nicht zwingend weniger Probleme hat, als eine Regelschule, sich die Problemlagen und Bedürfnisse stattdessen bloß auf andere Bereiche verlagern. Ein Praktikum an der A-Schule verdeutlichte, dass die Schulsozialarbeit hier anders verortet ist, als es in Regelschulen der Fall ist. Die besonderen Strukturen der Schule, bringen besondere Aufgaben für die Schulsozialarbeit mit sich.
Aber macht es das generell einfacher? Ist die Arbeit an einer Schule mit pädagogischen Grundmauern auch unmittelbar ein Ort der einfachen Schulsozialarbeit? Es stellt sich die Frage, ob Soziale Arbeit sich hier überhaupt noch als eigene Profession durchsetzen kann oder sie eher gezwungen ist, sich unterzuordnen, ist die A-Schule doch schon pädagogisch genug?! Im Laufe des Praktikums zeigten sich viele Arbeitsbereiche der sozialen Arbeit im Kontext der alternativen Schule.
Es zeigte sie, wie die Schulsozialarbeit verortet ist, welche professionellen, sozialen und ökonomischen Interessen dahinterstehen und wie sie in Wechselwirkung zu ihrem Umfeld steht. Außerdem wurde in dem Praktikum deutlich, welche Eigenschaften Schulsozialarbeit mit sich bringen sollte, welche Rolle Belastungsfähigkeit und Ausgeglichenheit spielen und warum selbstkritische Reflexion aber auch Empathie einen großen Stellenwert haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die A-Schule – Das Konzept
2.1 Die Entstehung der A-Schule
2.1.1 Gründung, Entwicklung und Leitgedanken der A-Schule
2.1.2 Selbstregulierung – ein Arbeitsprinzip der A-Schule
3. Kein Platz mehr – Hier ist schon überall Pädagogik
3.1 Kritische soziale Arbeit – Die Pädagogik an der A-Schule
3.1.1 Selbstbestimmte Schulsozialarbeit
3.1.2 Erziehungsbegriff
3.1.3 Bildungsbegriff
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Verortung der Schulsozialarbeit an einer alternativen Schule, der sogenannten "A-Schule". Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob Soziale Arbeit in einem pädagogisch stark geprägten Umfeld als eigene Profession bestehen kann oder Gefahr läuft, sich lediglich unterzuordnen, und wie sie dabei gesellschaftliche Normen und Bildungsbegriffe kritisch reflektiert.
- Analyse des pädagogischen Konzepts und der Entstehungsgeschichte der A-Schule
- Untersuchung der professionellen Identität und Selbstbehauptung der Schulsozialarbeit
- Kritische Auseinandersetzung mit den Begriffen Erziehung und Bildung im Kontext der Schule
- Bedeutung von Partizipation, Selbstbestimmung und Machtstrukturen im Schulalltag
- Reflexion der Rolle der Schulsozialarbeit als Vermittler zwischen Kind und Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Selbstbestimmte Schulsozialarbeit
Die Praxis der schulsozialarbeiterischen Tätigkeiten an der A-Schule, zeigt viele Parallelen zur kritischen Theorie auf. Als Funktion der sozialen Arbeit werden hier u.a die Realisierung der Teilhabe an der Gesellschaft, Chancengleichheit und Partizipation benannt. Die Kinder haben die Möglichkeit, sich als aktive Akteure zu begreifen und bekommen die Möglichkeit an der Gestaltung des Sozialen teilzunehmen. Besonders deutlich wird dies am Beispiel der Projektwochen. Hier hat die Sozialarbeit besonderen Einfluss auf die Entstehung dieser genommen. So wurden anfangs noch Themen von den Erwachsenen vorgestellt und dann von den Kindern gewählt. Da dies jedoch nicht mit dem Übereinstimmte, wie solche Prozesse in Hinblick auf Partizipation sozialpädagogisch gestaltet werden sollten, stellte der Schulsozialarbeiter den Lehrenden ein neues Modell vor, wo die Kinder selbst Themen sammeln und finden, die dann von den Erwachsenen aufgegriffen und vorbereitet werden.
Ein weiteres Beispiel wo der Schulsozialarbeiter gefordert war, seinen Gegenstand, Funktionen und Aufgaben seiner Arbeit zu benennen zeigte sich im Kontext der Ausgestaltung seiner sozialpädagogischen Praxis. So zum Beispiel auch in der Gestaltung der „Sozialraumes“, wo, mit Beginn seiner sozialpädagogischen Praxis zunächst dieser Raum so verändert wurde, dass er für die Kinderauch ohne ständiges Nachfragen oder Bitten um Hilfe frei nutzbar wurde. Dazu gehörten bereits kleine Veränderungen, wie das Entfernen von Schranktüren und das Umlagern der Materialien in durchsichtige Kisten. Dies brachte mit sich, dass die Kinder die Machtunterschiede nicht mehr darin vorfanden, dass sie fragen mussten, ob man ihnen den Zugang zu den Materialien erlaubt oder ihnen helfen könne etwas zu finden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Ruf der A-Schule als "Eliteschule" und stellt die Frage, ob die Schulsozialarbeit dort aufgrund des pädagogischen Grundkonzepts einfacher ist oder ihre professionelle Identität erst mühsam abgrenzen muss.
2. Die A-Schule – Das Konzept: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung der Schule aus der 68er-Bewegung sowie das reformpädagogische Modell mit altersgemischten Gruppen und der Rolle der Sozialpädagogen als Begleiter.
3. Kein Platz mehr – Hier ist schon überall Pädagogik: Dieser Teil befasst sich mit der kritischen Sozialen Arbeit an der Schule, wobei der Fokus auf der Emanzipation von fremden Diskursen und der aktiven Gestaltung des pädagogischen Alltags liegt.
4. Fazit: Das Fazit betont, dass die A-Schule kein "Selbstläufer" ist, sondern eine stetige Reflexion der sozialen Arbeit erfordert, um die Selbstermächtigung der Kinder gegen gesellschaftliche Anpassungsdrücke zu sichern.
Schlüsselwörter
Schulsozialarbeit, A-Schule, Reformpädagogik, kritische Soziale Arbeit, Partizipation, Selbstbestimmung, Emanzipation, Bildungsprozesse, Machtverhältnisse, Profession, Selbstreflexion, Gender, Kindeswohl, Autonomie, Schulkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die spezifischen Herausforderungen und Arbeitsweisen der Schulsozialarbeit an einer alternativen Ganztagsschule, die sich stark an reformpädagogischen Idealen orientiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören die Abgrenzung der Sozialen Arbeit von reiner Pädagogik, die Förderung von Selbstbestimmung bei Kindern sowie die kritische Reflexion von Machtstrukturen im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schulsozialarbeit als eigenständige Profession in einem Umfeld bestehen kann, das bereits stark pädagogisch vorstrukturiert ist, und welche Bedeutung die professionelle Haltung dabei einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer reflexiven Fallbetrachtung, die aus einem Praktikum an der A-Schule resultiert und diese Erfahrungen theoretisch durch Konzepte der kritischen Pädagogik einordnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der konkreten Praxis der Schulsozialarbeit, der Untersuchung von Erziehungs- und Bildungsbegriffen sowie der Analyse von Projekten wie den Verantwortungsgruppen oder der Gestaltung des Sozialraums.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Schulsozialarbeit, Partizipation, Selbstbestimmung, Emanzipation und kritische Soziale Arbeit definiert.
Wie beeinflusst das reformpädagogische Konzept der A-Schule die Rolle der Sozialarbeiter?
Das Konzept zwingt die Sozialarbeiter dazu, ständig zwischen ihrer Rolle als professionelle Fachkraft und dem Wunsch nach einer antiautoritären, kindzentrierten Gestaltung zu vermitteln, ohne dabei in eine reine Anpassungsrolle zu verfallen.
Warum ist die Abgrenzung der Sozialen Arbeit an dieser Schule so wichtig?
Da die Schule selbst stark pädagogisch ausgerichtet ist, besteht die Gefahr, dass die spezifisch sozialarbeiterischen Aufgaben (wie z.B. Krisenintervention oder Beratung außerhalb reiner Lerneinheiten) übersehen oder von Lehrkräften übernommen werden; eine klare professionelle Verortung verhindert dies.
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- Kimberly Jones (Author), 2016, Kein Platz mehr, hier ist schon überall Pädagogik! Kritische soziale Arbeit an einer alternativen Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323868