Die politischen Prozesse unter Stalin und Hitler. Der gezielte Einsatz von Prozessen zur Sicherung und Durchsetzung von Herrschaft


Seminararbeit, 2011

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung

2. Begriffbestimmung

3. Schauprozess unter Stalin

4. Schauprozess unter Hitler

5. Vergleich Stalins und Hitlers Innenpolitik

6. Grundlegende Thesen des Otto Kirchheimer

7. Soziologische Erklärungsversuche

8. Zusammenfassung

9. Stellungnahme

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

Sowohl die Sowjetunion in ihrer totalitär-terroristischen Epoche von der Oktoberrevolution bis zu Stalins Tod als auch die Nationalsozialisten griffen bei der Durchsetzung ihrer politischen Ziele und der Verfolgung ihrer Gegner nicht nur auf rein terroristische Herrschaftsmittel - vor allem die mächtigen Geheimpolizeiapparate und ausgedehnten Lagersysteme - zurück, sondern ebenfalls auf das Strafrecht und die Strafjustiz1. Wie Prof. Dr. Günther Hirsch in seiner Rede am 29. September 2014 zu der Ausstellung „Justiz und Nationalsozialismus“ sagte, die Volksgeschichte spiegelt immer die Geschichte des Rechts und der Rechtsprechung wider2.

Politische Schauprozesse sind keine bloßen Fiktionen totalitärer oder kommunistischer Staaten. Sie sind ein wichtiges Mittel zur Durchsetzung und Sicherung einer Herschafft. Die Justiz wird zu politischen Zwecken missbraucht und in Kombination mit parteieigenen Säuberungen dazu verwandt politische Gegner auszuschalten. Die Intention hinter politischen Prozessen ist klar ersichtlich und zielt auf eine Massenbeeinflussung ab. Durch gezieltes Einsetzen dieser Prozessart soll nicht nur abschrecken, sondern auch Beispiel für die Handhabung politischer Gegner sein.

Die Schauprozesse unter Stalin dienen dabei als Vorbild für Prozesse der Nationalsozialisten. Ihnen ist es jedoch nie geglückt, politische Prozesse Stalinscher Prägung auch in der deutschen demokratischen Republik durchzuführen. Trotzdem lassen sich Parallelen festmachen, die die politischen Vorgehensweisen beider Diktatoren vergleichbar machen.

In dem ersten Kapitel wird zunächst der Begriff des politischen Prozesses definiert und seine Merkmale benannt. Es soll auf die ausschließlich negative Bewertung des Begriffes eingegangen werden und Funktion und Wirkung des Schauprozesses wiedergegeben werden.

Danach sollen die Schauprozesse unter Stalin thematisiert werden. Woraufhin im nächsten Kapital die politischen Prozesse unter Hitler beschrieben werden. Dann folgt ein kurzer Vergleich der politischen Handlungsweisen beider Diktatoren. Im nächsten Kapital wird versucht anhand der Theorien der Frankfurter Schule die politischen Geschehnisse zu analysieren. Daraufhin folgt eine kurze Zusammenfassung und abschließend eine Stellungnahme.

2. Begriffsbestimmung

Otto Kirchheimer sagt, dass von politischer Justiz die Rede ist, wenn Gerichte zu politischen Zwecken beansprucht werden, um politisches Handeln auszuweiten oder abzusichern. In einem politischen Prozess wird das politische Handeln von Gruppen oder Individuen hinterfragt und gerichtlichen geprüft. Diese gerichtliche Kontrolle politischen Handelns fordern die, die ihre eigene Position festigen und ihre Gegner schwächen wollen. Somit ist die politische Justiz immer mit der Bekämpfung politischer Gegnerschaft verbunden. Für die Analyse der politischen Strafjustiz ist stets die Unterscheidung von Freund und Feind notwendig3.

Im Folgenden werden die Begriffe politischer Prozess und Schauprozess synonym verwendet.

Der Schauprozess dient dazu aktive oder früher aktive politische Gegner, die sich gegen die Machtinhaber auflehnen können, zu vernichten. Die Regimefeindlichkeit solcher Gegner wird nicht immer anhand konkreter Vergehen gegen das Regime festgestellt, sondern häufig durch das Zuschreiben feindlicher Merkmale. Beispielsweise die Mitgliedschaft regimefeindlicher Gruppen. Politische Gegner wegen ihren Beziehungen zu politischen Gegnern anzuklagen hat eine Doppelfunktion. Zum einen kann dadurch die Unterdrückung regimefeindlicher Gruppen gerechtfertigt werden und zum anderen soll plakatiert werden, dass verurteile Regimegegner, die sich nachträglich dem Regime anschließen, prämiert werden4.

Ein Schauprozess setzt eine gerichtliche Urteilsfindung voraus, diese kann wiederrum nur erfolgen, wenn sich ein konkretes Fehlverhalten einer Person widerlegen und erhärten lässt. Neben den gerichtlichen Verfahren gibt es administrative Maßnahmen durch die politische Gegner aus dem Weg geschafft werden können. Zum Beispiel durch Verbannung, Verschleppung oder Festnahme auf unbestimmte Zeit. Die Wahlmöglichkeit zwischen gerichtlichen und administrativen Maßnahmen ist dann begrenzt, wenn sich die Maßnahmen gegen Menschenmassen richten soll oder diese zeitlich begrenzt. Ob gerichtlich oder außergerichtlich verfahren wurde ist von der vorherrschenden politischen und administrativen Lage des Landes und dem Zeitpunkt des feindlichen Vergehens abhängig. Unabhängig davon mit welcher Brutalität und Grad an Terror ein Regime agiert, weder der ausschließliche Gebrauch von Gerichten noch der administrativen Maßnahmen ist zulässig5.

Politische Prozesse sind dadurch gekennzeichnet, dass der Angeklagte keine verfahrensmäßigen Rechte besitzt, eine Vielzahl von Belastungszeugen und wenige Entlastungszeugen vernommen werden und das Urteil festgelegt ist. Darüber hinaus beruhen Beschuldigungen oftmals auf Fiktionen und überspitzten Behauptungen6.

Die Intention hinter politischen Prozessen war es missliebige Personen, die sich gegen das Regime aussprechen, auszuschalten. Diese Prozessart dient dazu politische Gegner zu eliminieren, bloß zu stellen oder einfach ihre politische Karriere zu beenden. Für die größtmögliche Aufmerksamkeit wurden die Prozesse als großes Medienspektakel inszeniert. Auch die Berichterstattungen der Medien wurden dahingehend so zensiert, dass nur regierungsfreundliche Artikel veröffentlicht werden durften7.

Jedoch muss auch hinterfragt werden, ob politische Justiz die Antwort auf eine tatsächliche reale Gefährdung für ein Regime war oder nur eine Folge von Inszenierungen und Paranoia der Machtinhaber. Viele Beispiele politischer Justiz zeigen, dass politische Gegner dazu benutzt werden, um Macht und Herrschaft strafrechtlich zu festigen. Gustav Heinemann und Dieter Posser haben 1959 gesagt, dass die politische Justiz eine „Präventionsmaßnahme“ sei, indem sie dazu bestimmt ist politische Gegner, denen regimefeindliches Verhalten zum Vorwurf gemacht wird, frühzeitig durch ein gerichtliches Verfahren zu beseitigen. Daher kommt dem politischen Strafrecht eine generalpräventive Form zu. Ziel der negativen Generalprävention ist, die Bevölkerung durch verhältnismäßig harte Strafen abzuschrecken und das Volk zu disziplinieren8.

Nach allgemeinen Sprachgebrauch kann „Politische Justiz“ so verstanden werden: „politisch motivierte Willkür unter dem Deckmantel der Justiz“9. Somit kommt der politischen Justiz eine ausschließlich negative Bedeutung zu. Dies liegt daran, dass man politische Prozesse, die zur politischen Justiz gehören, mit einem politischen Kampf um Macht assoziiert. Diese Prozessart spiegelt willkürliche, egoistische und manipulative Eigenschaften einer Regierung wider10.

Darüber hinaus nimmt der Justizapparat eine untergeordnete Rolle unter der politischen Herrschaftsstruktur der Gesellschaft an. Das kennzeichnet sich dadurch, dass Richter und Verteidiger in den meisten Fällen parteiisch sind. Auch dies suggeriert die vollständige Abwertung der verfassungsmäßigen Rechtsprechung.

Auch im wissenschaftlichen Sprachgebrauch wird unter der politischen Justiz ein Missbrauch der Justiz verstanden. Dadurch, dass dem Justizbegriff zusätzlich das Wort „politisch“ hinzugefügt wird, verdeutlicht nur, dass die Justiz als politisches Willkürinstrument missbraucht wird. Eine mögliche positive Betrachtung des Begriffs „Politische Justiz“ wird im meisten wissenschaftlichen Schrifttum nicht in Erwägung gezogen. Trotz alldem wird in vereinzelter einschlägiger Literatur diskutiert, ob „Politische Justiz“ fälschlicherweise ein negatives Etikett verdiene. Da jede Art von Justiz für politisch gehalten wird, könnte sich der Begriff „Politische Justiz“ rechtfertigen. Da richterliche Beschlüsse und Betätigungen immer einer verfassten Herrschaftsform obliegen, sind diese auch politisch. Daher darf der Begriff der „Politischen Justiz“ nicht im engeren Sinne interpretiert werden. Dem Bereich der richterlichen Tätigkeit und dem der Auseinandersetzung um politische Macht sind eigene Bedeutungen zuzumessen. Beide müssen auf unterschiedliche Art und Weise als politische Justiz gedeutet werden11.

3. Schauprozesse unter Stalin

Als Stalin am 5. März 1953 starb endete gleichzeitig eine Ära des Terrors und der Gewalt in der Sowjetunion. Schon 1922 warnte Lenin vor der Gefahr eines Konfliktes zweier mächtiger Männer des Zentralkomitees: Trotzki und Stalin12. Um die historischen und politischen Ereignisse unter Stalin analysieren zu können muss zunächst sein politischer Werdegang betrachtet werden. Nachdem die Oktoberrevolution das zaristische System stürzte gewannen die Bolschewiki mit Leo Trotzki als Führer die Herrschaft in der Sowjetunion. Stalin, dem das Parteihaupt zugesprochen wurde, suchte Verbündete gegen Trotzki als er die geheime Schwäche des Machtapparates erkannte. Zwar war die Partei die lenkende Kraft im Herrschaftssystem, aber trotzdem nur das Instrument der Hierarchen. Daher versuchte Stalin die Partei zu verstaatlichen, um seiner Position heraus den Apparat lenken zu können13. Trotzki glaubte an den Marxismus, da er ein Optimist war und versuchte deswegen an das Volk zu appellieren. Stalins Ziel war es den Sozialismus auf allen Gesellschaftsebenen und im gesamten Staat durchzusetzen. Dafür manipulierte er das russische Volk, indem er Trotzkis Lehre von der Wichtigkeit der Weltrevolution seinem Sozialismus gegenüberstellte. Darüber hinaus verkleinerte er Trotzkis Rolle in der Revolution, als er ihn den „Napoleon der Revolution“ nannte.14.

Durch die Beherrschung des Apparates erreichte Stalin seine gewünschte Machtposition und drängte Trotzkis somit zur Abdankung. Trotzki und Sinowjew, der vorher Kritik an Stalin äußerte, wurden beide 1926 aus dem Politbüro verbannt und 1927 aus der Partei ausgestoßen. Durch Trotzkis Deportierung und Sinowjews Abschwörung war auch die Linke besiegt. Im Jahre 1929 begann die zweite Revolution. Der rasante Übergang zum Kollektiv und der übereilten Industrialisierung führten zu Hungernot bei der Bevölkerung. Stalin wankte zwischen einer Politik der Mäßigung und der führenden Hand15. Stalins Position im Politbüro und seine Zusammenarbeit mit der Staatspolizei verstärkte sich, wodurch er es geschafft hat Lenins Idee der kollektiven Herrschaft zu einer absoluten Alleinherrschaft zu transformieren. Um seine Machtposition zu stärken begann 1936 bis 1938 die große Säuberung, die mit S.M. Kirows Ermordung am 1. Dezember 1934 begann. Am selbigen Tag erklärte Stalin, dass jeder Verratsvorwurf mit der Todesstrafe bestraft werden würde und für den Angeklagten keinerlei Verteidigungsmöglichkeiten bestünden. Die ersten Betroffenen der Massensäuberung waren die vermeintlichen Mörder Kirows, damit der Verdacht, dass Stalin Kirows Ermordung veranlasst haben könnte, umgelenkt werden kann16.

Um den Marxismus endgültig zu beenden wurden Terror- und Zwangsmaßnahmen eingesetzt. Jeder, der sich Stalin widersetzte wurde liquidiert, oder ausspioniert. Das Verlassen des Landes oder der Partei war nicht gestattet. Stalin ließ Prozesse für die Öffentlichkeit abhandeln, damit er seine Herrschaftsweise und dadurch auch seine Brutalität zu rechtfertigen. Die drei Moskauer Prozesse sind die bedeuteten politischen Terrorprozesse Stalins17. Alle drei Verfahren folgten dem gleichen Ritual. Nach der Inhaftierung der Beschuldigten folgte eine tagelange Vernehmung durch die NKWD bei der alle Anschuldigungen gestanden wurden. Dies sollte die rechte Sühne der Beschuldigten zeigen. War der Angeklagte zu keinem Geständnis bereit wurden sie mit Stromschlägen im Wasserbad, Schlaf- und Wasserentzug und anderer Foltermethoden dazu gezwungen. Darüber hinaus wurden die Angeklagten dazu genötigt andere Parteimitglieder zu beschuldigen. Erst danach erfolgte eine Verurteilung der Angeklagten. Bei dem „Prozess der 16“ im August 1936 wurden Sinowjew, Smirnoff, Kamenjew und weitere dreizehn Angeklagte zum Tode verurteilt und erschossen18. Die Anklageerhebung dieser einst Vertrauten Stalins sorgte für Bestürzung des Volkes, da diese Politiker schon Gefängnisstrafen absaßen und somit eigentlich schon diskrediert waren. Die Geständnisse der Angeklagten lösten Verwunderungen im Volk aus, da selbst für Laien innere Widersprüche des gesamten Prozesses erkennbar waren. Somit verfehlte die Propaganda Stalins ihren gewünschten Effekt19. Die kritische Äußerung Jagodas bezüglich der Prozesspraxis tadelte Stalin dadurch, dass er Jeschow die Leitung der NKWD übertrug. Kurz darauf folgte der „Prozess der 18“ im Januar 1937 bei dem vierzehn angebliche Anhänger Trotzkis und Sinowjews zum Tode verurteilt wurden. All diejenigen, die andere Parteimitglieder belastet haben wurden zu einer Gefängnisstrafe von zehn Jahren verurteilt. Im März 1938 fand dann der „Prozess der 21“ bei dem Bucharin, Jagoda und Rykow und weitere Staatsmänner wegen Hochverratsdelikten zum Tode verurteilt wurden, statt. Dieser Prozess war Paradox, weil Jagoda dafür angeklagt wurde Verbündeter Sinowjews zu sein, obwohl er den Prozess gegen Sinowjew selber geführt hat. Man nannte den dritten Moskauer Prozess auch die „Säuberung der Rechtsopposition“. Nicht nur Politiker waren von der Säuberung betroffen, sondern die gesamte sowjetische Bevölkerung20.

Ziel Stalins war es sowjetische Kommunisten sowie jeden politische Gegner auszuschalten, die die Staatssicherheit und seine Machtposition gefährden könnten. Durch die permanente Angst vor Verhaftungen gab es weder Eigeninitiativen noch Widerwillen jeglicher Art. Die Belastung Anderer wurde dazu genutzt, um nicht selber in Verdacht konterrevolutionärer Gesinnung zu sein, zu geraten. Die Geständnisse und die politischen Prozesse dienten dazu andere Staaten zu blenden, die an die sowjetische Objektivität glaubten. Erst zu einem späteren Zeitpunkt war es ersichtlich, dass diese Maßnahmen zur Verteidigung des Regimes gegen eventuell bevorstehende Gefahren waren21. Die Sowjetunion blendete das Ausland nicht nur mit ihren rechtsstaatlichen Hochverratsprozessen gegen politische Gegner, sondern ebenfalls durch die „demokratische Verfassung der Welt“ von 1936. In dieser Verfassung wurden den Sowjets demokratische Rechte und Freiheiten zugesprochen22.

Stalin verfolgte die ältere Praxis des politischen Prozesses, die einem didaktischen Schauspiel ähnelten. Um den Schein der Rechtsstaatlichkeit zu wahren und die Morde an ehemaligen Politikern ins richtige Licht zu rücken, wurde eine Alternativwirklichkeit erschaffen. Nur der innere Stab wusste über die eigentliche Wahrheit Bescheid. Stalin nutze die Propaganda dazu, dass entlarvte Verräter auch gesellschaftlich Ablehnung fanden. Die Konsequenz daraus war, dass sich das Volk dem Traum vom Sozialismus im gesamten Land näher denn je sah. Diese totalitäre Politik der Repression und Ausbeutung Stalins hatte zur Folge, dass die Arbeitseinstellung und die moralische Haltung der Bevölkerung reduziert wurden. Erst nach Stalins Tod wurden exorzierte Politiker aus der Haft schwächte eine Ära der Brutalität und Angst ab23.

Zusammenfassend sind die politischen Prozesse Instrumente der innen-, außen- und wirtschaftspolitischen Intention der Moskauer Führung. Meist wurde aus einer politisch schwachen Position ein potentiell stärkerer Gegner als mögliche Gefahr besiegt. Die Prozesse sollten Aufmerksamkeit erregen und die Medien mobilisieren, die durch ihre Berichterstattung das Volk nicht nur abschrecken, sondern auch lehren sollten.

4. Schauprozesse unter Hitler

Das totalitäre System der Nationalsozialisten, um politische Gegner zu eliminieren, baute sich mit der Machtergreifung am 30. Januar 1933 auf. Durch die Verordnung des Artikels 48 Absatz 2 der Weimarer Reichsverfassung gab es eine rasante Zunahme an politischen Strafprozessen. Während den nächsten Jahren gelang es den Nationalsozialisten Widersacher durch (schein-)legale, aber auch offenkundig gewalttätige Taten auszuschalten. Somit konnte die politische Verfassung des deutschen Reiches umgestürzt werden24. In der Zeit der totalen Machtergreifung, die durch die Übertragung des Reichspräsidentenamtes auf Hitler vollbracht war, erhöhte sich der terroristische Druck auf Regierungsgegner. Dadurch, dass Hitler die Innenministerien von dem Reich und Preußen mit Nationalsozialisten besetzte, hatte er legalen Einfluss auf die Polizei und die SA- und SS- Truppen, wodurch sein Terror entfaltet werden konnte. Durch diese Bindung der Polizei, als Teil der dienenden Exekutive, an das Bestreben der Reichsregierung, war der Anfang der Willkürherrschaft der politischen Führung geebnet. Die Legalisierung der Verfolgung politischer Gegner, hier überwiegend Kommunisten, wurde durch die „Reichstagsbrandnotverordnung“ beschlossen. Mit dieser Verordnung waren der Terrorisierung der Bevölkerung und Bekämpfung von politischen Gegnern keine Grenzen gesetzt. Durch weitere Verordnungen und Gesetze, wie beispielsweise dem „Ermächtigungsgesetz“, dem Verbot der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und dem „Gesetz gegen die Neubildung von Parteien“, wurde die Herrschaft der NSDAP gesichert25.

Ebenso wichtig für die Machtsicherung war neben der Ausschaltung politischer Gegner der absolute Einfluss auf den Polizeiapparat und die Bürokratie des Landes. Um aus der Staatsbürokratie ein Werkzeug der Machtinhaber zu machen wurde das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ erlassen, welches die rassische und politische Säuberung legalisierte. Diese Säuberungen verliefen unblutig und dienten zur Machterhaltung. Es gab tagelange Massenprozesse mit weit mehr als Fünfzig bis Einhundert Angeklagten an einem Tag. Durch die Beseitigung von Ernst Röhm, der ein innerparteiischer Gegner Hitlers war, indem er durch seine starke Stellung in der SA eine Bedrohung für Hitlers Machterhaltung darstellte26. Die Ermordung Röhms und seinen Anhängern war dabei nicht nur eine Entledigung eines Rivalen, sondern gleichzeitig band Hitler das Militär näher an sich. Weiterhin ernannte sich Hitler zum Obersten Gerichtsherrn, wodurch die Rechtsgleichheit und Rechtssicherheit Deutschlands, die ohnehin schon stark durch Terrormaßnahmen und Sondergerichten eingeschränkt waren, endgültig aufgehoben. Als Richter wurden nur tüchtige und der nationalsozialistischen Weltanschauung befürwortende Beamte eingesetzt, die ebenfalls unter staatlicher Beobachtung standen. Dabei war die Entwicklung der Rechtsprechung immer der herrschenden politischen Lage angepasst und verdeutlichte die zweckgerichtete Maßnahmejustiz der Gerichte, die das Ziel der völligen Ausschaltung innerpolitischer Gegner aus dem linken Parteienspektrum verfolgten. Durch die Routine stumpften die Richter ab, wodurch er ein entindividualisierter Akteur der Regierung wurde27.

Nach der Erlangung totaler Herrschaft begann nun die Konsolidierungsphase der Innenpolitik des „Dritten Reiches“, die am deutlichsten in den Jahren zwischen 1935 und 1938 zu erkennen ist.

[...]


1 Vgl. Lutz Graf von Schwerin von Krosigk, Die großen Schauprozesse 1987, S. 295.

2 Bundesgerichtshof.de

3 Vgl. Dirk Blasius, Politische Strafjustiz in der früheren Bundesrepublik, in: Politische Strafjustiz 1951- 1968, S. 15.

4 Vgl. Otto Kirchheimer, Prozesspraxis außerhalb es rechtsstaatlichen Raums, in: ders. Politische Justiz, 1961, S. 155.

5 Vgl. Otto Kirchheimer, Prozesspraxis außerhalb es rechtsstaatlichen Raums, in: ders. Politische Justiz, 1961, S. 153.

6 Vgl. Otto Kirchheimer, Prozesspraxis außerhalb rechtsstaatlichen Raums, in: ders. Politische Justiz, 1961, S. 156 f.

7 Vgl. Cornelia Vismann, Nürnberg, in: ders. Medien der Rechtsprechung, 2011, S. 245 f.

8 Vgl. Dirk Blasius, Politische Strafjustiz in der früheren Bundesrepublik, in: Politische Strafjustiz 1951- 1968, S. 22.

9 Vgl. Gerhard Wolf, Politische Justiz? Rechtsstaatliche Gerichtsbarkeit oder Willkürjustiz, in: PolitischeStrafjustiz 1951- 1968, S. 118.

10 Vgl. Lutz Graf Schwerin von Krosigk, Die großen Schauprozesse, 1987, S. 295 ff.

11 Gerhard Wolf, Politische Justiz? Rechtsstaatliche Gerichtsbarkeit oder Willkürjustiz, in: PolitischeStrafjustiz 1951- 1968, S. 119 f.

12 Vgl. Lutz Graf Schwerin von Krosigk, Die großen Schauprozesse, 1987, S. 295.

13 Vgl. Lutz Graf Schwerin von Krosigk, Die großen Schauprozesse, 1987, S. 296.

14 Vgl. Lutz Graf Schwerin von Krosigk, Die großen Schauprozesse, 1987, S. 296.

15 Vgl. Lutz Graf Schwerin von Krosigk, Die großen Schauprozesse, 1987, S. 296

16 Vgl. Franz Stadelmaier, Die Sowjetunion 1917 bis 1991- zwei Revolutionen verändern die Welt, 1991, S. 73 ff.

17

18 Vgl. Franz Stadelmaier, Die Sowjetunion 1917 bis 1991- zwei Revolutionen verändern die Welt, 1991, S. 75 ff.

19 Vgl. Lutz Graf von Schwerin von Krosigk, Die großen Schauprozesse 1987, S. 299f.

20 Vgl. Rudi Beckert, Die erste und letzte Instanz, 1995, S. 17.

21 Vgl. Lutz Graf von Schwerin von Krosigk, Die großen Schauprozesse 1987, S. 302 ff.

22 Vgl. Georg Rauch, Geschichte der Sowjetunion, 1987, S. 267 ff.

23 Vgl. Fred E. Schrader, Der Moskauer Prozess 1936, 1995, S. 76 ff.

24 Vgl. Karl Dietrich Hehl, Die Deutsche Diktatur, 1993, S. 1 ff.

25 Vgl. Bernd Jürgen Wendt, Deutschland 1933- 1945- Das Dritte Reich, 1995, S. 202 ff.

26 Vgl. Klaus Malettke, Der Nationalsozialismus an der Macht, 1984, S. 30 ff.

27 Vgl. Hans- Eckard Niermann, Politische Strafjustiz im Nationalsozialismus, 1996, S. 202.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die politischen Prozesse unter Stalin und Hitler. Der gezielte Einsatz von Prozessen zur Sicherung und Durchsetzung von Herrschaft
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Universität)
Veranstaltung
Schauprozesse
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V323962
ISBN (eBook)
9783668229877
ISBN (Buch)
9783668229884
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stalin, Hitler, Politischer Prozess, Schauprozess, Vergleiche, Nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Pauline Kasimir (Autor), 2011, Die politischen Prozesse unter Stalin und Hitler. Der gezielte Einsatz von Prozessen zur Sicherung und Durchsetzung von Herrschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323962

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