Die Nordportaltür des Baptisteriums in Florenz von Lorenzo Ghiberti


Seminararbeit, 2004

15 Seiten, Note: 2+


Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Beschreibung der Nordportaltür

3. Die Entstehungsgeschichte
3.1 Die Vorgeschichte
3.2 Der Wettbewerb von 1401
3.3 Vergleich der Konkurrenzreliefs
3.4 Die Herstellung der Tür

4. Fazit

5. Literatur

6. Anhang

1. Einleitung

Die Bronzetür des Nordportals des Baptisteriums San Giovanni in Florenz gilt als Einleitung der Renaissance in Italien und damit auch in Europa. Das Hauptwerk der Florentiner Kunstgeschichte im ersten Viertel des Quattrocento, das vom Bildhauer Lorenzo Ghiberti ausgeführt wurde, ist nicht nur stilistisch sondern auch durch seine Entstehungsgeschichte kunsthistorisch besonders interessant. Deshalb beschäftigt sich diese Hausarbeit insbesondere mit den geschichtlichen Umständen und der Frage, warum ausgerechnet Lorenzo Ghiberti den Auftrag für die zweite Bronzetür erhielt.

Zuerst beginne ich mit einer kurzen Beschreibung der Nordportaltür, die aber nur einen Überblick geben soll und sich nicht mit den dargestellten Szenen im Detail auseinandersetzt.

Der Hauptteil dieser Arbeit wird sich anschließend mit der Entstehung der Tür beschäftigen, wobei das Hauptaugenmerk auf den Vergleich der beiden Konkurrenzreliefs und die Entscheidung der Jury fallen soll.

Im Fazit fasse ich die genannten Aspekte noch einmal zusammen, um zu einer abschließenden Klärung meiner Ausgangsfrage zu gelangen.

2. Beschreibung der Nordportaltür

Die Bronzetür am Nordportal des Baptisteriums San Giovanni in Florenz entstand durch Lorenzo Ghiberti in den Jahren 1403 bis 1424. Über dem Portal befinden sich heute drei überlebensgroße Bronzefiguren von Giovan Francesco Rustici mit Beihilfe von Leonardo da Vinci. Sie stellen Johannes den Täufer lehrend zwischen einem Pharisäer und einem Leviten dar und stammen aus den Jahren 1506 bis 1511.

Das Bildprogramm der Nordtür zeigt in 28 Relieffeldern Szenen aus dem Alten Testament, die vier Kirchenväter und die vier Evangelisten. Die Reliefs in Vierpassrahmung, die wiederum in quadratische Felder eingelassen sind, werden mit Pflanzendekor und 48 Prophetenköpfen an den Ecken umrahmt. Zur besseren Übersicht der Szenen habe ich ein Schema der Nordportaltür entworfen, was dem Anhang beigefügt ist. Die Nummerierung der Szenen bezieht sich auf jenes Schema.

Die Leserichtung des Bildprogramms verläuft von unten nach oben und in den Registern von links nach rechts über beide Türen hinweg. In der untersten Reihe werden die vier lateinischen Kirchenväter Augustinus (I), Hieronymus (II), Gregorius (III) und Ambrosius (IV) dargestellt. Darüber befinden sich die vier Evangelisten Johannes (A), Matthäus (B), Lukas (C) und Markus (D). Im dritten Register beginnt die Abfolge der 20 Szenen mit der Vita Christi. Es sind der Reihe nach folgende Ereignisse dargestellt: Verkündigung Mariä (1), Geburt Christi (2), Anbetung der Könige (3), Christus und die Schriftgelehrten (4), Taufe Christi (5), Christi Versuchung (6), Vertreibung der Händler aus dem Tempel (7), Christus wandelt auf dem Meer (8), Verklärung Christi (9), Lazari Erweckung (10), Einzug in Jerusalem (11), Das letzte Abendmahl (12), Christus am Ölberg (13), Gefangennahme Christi (14), Geißelung Christi (15), Christus vor Pilatus (16), Kreuztragung (17), Kreuzigung Christi (18), Auferstehung (19) und Pfingsten (20).

Die Prophetenköpfe zwischen den Vierpässen sind bis auf einen nicht genau bestimmbar. Bei einem Kopf handelt es sich aber nachweislich um ein Selbstbildnis des 26-jährigen Ghibertis. Er stellt sich mit einem Turban dar. Es befindet sich über der Künstlerinschrift an der rechten oberen Ecke des ersten Bildes der dritten Reihe von unten (im Schema ist die Position durch einen schwarz eingefärbten Kopf markiert). Darunter befindet sich die Signatur „OPUS LAVRENTII FLORENTINI“, was bedeutet „das Werk des Lorenzo aus Florenz“.[1]

Die Rückseite der Tür ist hingegen sehr schlicht gehalten. Darauf befinden sich lediglich 28 Löwenköpfe in Rundmedaillons. Sie sind jeweils als Entsprechung zur Vorderseite in einem hochrechteckigen Bildfeld angebracht.

Bei der Herstellungstechnik der Bronzetür handelt es sich nach Vasari um einen damals „üblichen Guss mit einer weichen Legierung [...]. Jede Tafel wurde einzeln gegossen und sodann in einem langwierigen Arbeitsprozess ziseliert und teilweise vergoldet.“[2]

Am Architrav und Türpfosten der Nordtür befindet sich an der Vorderseite ein Rahmenfries aus Blumen, Blättern und Zweigen, das eine Vielfalt von kleinen Tieren wie Vögeln, Eichhörnchen und anderen beherbergt. Die Innenseite der Rahmung ist dagegen mit einem schlichten Blumenfries dekoriert. Während sich das Relief nach außen prachtvoll entfaltet und schon fast vollplastische Elemente aufweist, zeigen die inneren Flächen nur ein flaches fortlaufendes Bandmotiv mit Rosen und Lilien.

„Das ikonographische Programm der ersten Ghiberti-Tür steht im Zeichen der Erlösung der Menschheit durch Christus und seine zentrale Rolle als Tür zum Heil.“[3] Durch die Kirchenväter und die Evangelisten wird die kirchliche Doktrin verkörpert. Dadurch wird be-stätigt, dass „Christus wirklich Gott und wirklich Mensch ist [...]“.[4] Die Geschehnisse Anbetung der Könige, Christus und die Schriftgelehrten, Verklärung Christi und Einzug in Jerusalem sind der Erscheinung des Herrn gewidmet, sechs Szenen beziehen sich auf die Passion und die Tafel Pfingsten steht dafür, dass Christus in seiner Kirche weiterlebt. Zwei Relieffelder, Christus wandelt auf dem Meer und Lazari Erweckung, thematisieren darüber hinaus die Tugend des Glaubens und das ewige Leben für Gläubige. Die 48 Köpfe der männlichen und weiblichen Propheten spielen auf die Verheißung und Erwartung des Messias an.

Das stilistische Vorbild für die Nordtür ist nach der Bestimmung des Auftraggebers die erste Tür des Baptisteriums von Andrea Pisano. Bei der Südportaltür, die von 1330 bis 1336 entstanden ist, befinden sich auf den beiden Türflügeln in 28, von Vierpässen gerahmten Reliefs Szenen aus dem Leben und Martyrium Johannes des Täufers und in den unteren Feldern acht Tugendallegorien.

3. Die Entstehungsgeschichte

3.1 Die Vorgeschichte

In der Mitte des 13. Jahrhunderts stand die Stadt Florenz auf dem Höhepunkt ihrer wirtschaftlichen und politischen Macht. Die Florentiner betrachteten Florenz als „wiedergeborenes Rom“ am Tiber.[5] Allerdings fehlte es ihnen an antiker Architektur, die sie mit Rom konkurrenzfähig hätte machen können. So verbreitete sich die Legende, dass das Baptisterium San Giovanni zu Zeiten Julius Cäsar um 100 v. Chr. erbaut worden sei und den Legionen als Marstempel gedient haben solle. In Wirklichkeit aber war die Taufkirche erst zwischen 1059 und 1150 im Stil der ersten Renaissance, Protorenaissance genannt, errichtet worden.[6] Diese Datierung konnte oder wollte man aber zu jenem Zeitpunkt nicht machen, wobei das Letztere wahrscheinlicher erscheint. Den Florentinern bot sich dadurch nämlich die Möglichkeit des Vergleichs des Baptisteriums mit dem römischen Pantheon.

[...]


[1] Übersetzung nach Paolucci, Antonio: Die Bronzetüren des Baptisteriums in Florenz. München 1997, S.76. (Kurztitel: Paolucci: Bronzetüren des Baptisteriums, 1997.)

[2] Paolucci: Bronzetüren des Baptisteriums, 1997, S.75.

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] Perrig, Alexander: Lorenzo Ghiberti – Die Paradiestür – Warum ein Künstler den Rahmen sprengt. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1987, S.9. (Kurztitel: Perrig: Die Paradiestür, 1987.)

[6] Vgl. Paatz, Walter und Elisabeth: Die Kirchen von Florenz. Bd. II, Frankfurt am Main 1941, S.173-181.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Nordportaltür des Baptisteriums in Florenz von Lorenzo Ghiberti
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Kunstgeschichtliches Seminar)
Veranstaltung
Die Skulptur des 15. Jh. in Italien
Note
2+
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V32397
ISBN (eBook)
9783638331265
ISBN (Buch)
9783638775045
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nordportaltür, Baptisteriums, Florenz, Lorenzo, Ghiberti, Skulptur, Italien
Arbeit zitieren
Nicole Giese (Autor), 2004, Die Nordportaltür des Baptisteriums in Florenz von Lorenzo Ghiberti, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32397

Kommentare

  • Gast am 11.1.2005

    Korrektur.

    Liebe Nicole,
    ich habe nur die ersten Zeilen Deiner Hausarbeit gelesen,weshalb ich sie gar nicht beurteilen kann. Ich kann Dich also nur auf einen kleinen Flüchtigkeitsfehler aufmerksam machen: Du schreibst, dass die "Nordtür in 28 Relieffeldern Szenen aus dem ALTEN TESTAMENT (zeigt)", was natürlich nicht zutrifft, wie Du selbst darlegst, wenn Du im folgenden die erzählenden Szenen, Relieffeld für Relieffeld, mit ihrem Titel benennst. Und da erweist es sich schnell, dass alle Szenen der Nordtür - angefangen mit der Verkündigung an Maria bis zum Pfingstwunder - aus dem NEUEN TESTAMENT stammen.
    Gruß Gerhard Straehle

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