Die Bronzetür des Nordportals des Baptisteriums San Giovanni in Florenz gilt als Einleitung der Renaissance in Italien und damit auch in Europa. Das Hauptwerk der Florentiner Kunstgeschichte im ersten Viertel des Quattrocento, das vom Bildhauer Lorenzo Ghiberti ausgeführt wurde, ist nicht nur stilistisch sondern auch durch seine Entstehungsgeschichte kunsthistorisch besonders interessant. Deshalb beschäftigt sich diese Hausarbeit insbesondere mit den geschichtlichen Umständen und der Frage, warum ausgerechnet Lorenzo Ghiberti den Auftrag für die zweite Bronzetür erhielt. Zuerst beginne ich mit einer kurzen Beschreibung der Nordportaltür, die aber nur einen Überblick geben soll und sich nicht mit den dargestellten Szenen im Detail auseinandersetzt. Der Hauptteil dieser Arbeit wird sich anschließend mit der Entstehung der Tür beschäftigen, wobei das Hauptaugenmerk auf den Vergleich der beiden Konkurrenzreliefs und die Entscheidung der Jury fallen soll. Im Fazit fasse ich die genannten Aspekte noch einmal zusammen, um zu einer abschließenden Klärung meiner Ausgangsfrage zu gelangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beschreibung der Nordportaltür
3. Die Entstehungsgeschichte
3.1 Die Vorgeschichte
3.2 Der Wettbewerb von 1401
3.3 Vergleich der Konkurrenzreliefs
3.4 Die Herstellung der Tür
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die geschichtlichen Hintergründe und die künstlerische Genese der Nordportaltür des Baptisteriums San Giovanni in Florenz. Das primäre Ziel ist es, die Beweggründe der Jury für die Beauftragung des jungen Bildhauers Lorenzo Ghiberti zu analysieren und das Werk in den Kontext der frühen Renaissance einzuordnen.
- Historische Rahmenbedingungen und politische Situation in Florenz um 1400
- Der öffentliche Wettbewerb von 1401 zur Gestaltung der Bronzetür
- Vergleichende Analyse der Konkurrenzreliefs von Ghiberti und Brunelleschi
- Die kunsthistorische Bedeutung der Nordportaltür als Meilenstein des frühen Quattrocento
- Methoden der Werkstatteffizienz und künstlerischen Umsetzung unter Ghiberti
Auszug aus dem Buch
Vergleich der Konkurrenzreliefs
Die Probereliefs hatten nach den Vorgaben der Calimala die gleiche Größe, Vierpassrahmung und Anzahl der Personen, unterschieden sich aber in der Art der Figurenkomposition enorm. Die Aufgabe der Jury war es nun zu entscheiden, welches Relief als Prototyp für einen 28gliedrigen Zyklus am geeignetsten war.
Paolucci nennt hier lediglich „die Anerkennung seiner [die Rede ist von Ghibertis] vielseitigen Leistungsfähigkeit“ durch die Jury als maßgeblichen Grund für die Entscheidung. Nur dieses eine Argument anzuführen ist meiner Meinung aber mehr als bedenklich, denn Paolucci spricht von der Prüfung der „Professionalität, Erfahrung und Organisationsvermögen“ des Künstlers, die der erst vierundzwanzigjährige Ghiberti kaum mehr als seine älteren Konkurrenten besessen haben konnte.
Perrig hingegen nennt vier Kriterien, die für die Entscheidung über die Auftragsvergabe relevant gewesen sein müssen. Dabei handelt es sich um das Gewicht, die Ausführung, um die Übereinstimmung mit dem Wortlaut der Bibel und die „Qualität ihrer Menschen-, Tier- und Landschaftsgestaltung“.
Für die Jury wird ein erster wichtiger Faktor gewesen sein, dass Ghiberti sparsamer mit der ihm zu Verfügung gestellten Erzmenge umgegangen ist, denn bei gleicher verfügbarer Menge wiegt Brunelleschis Relief sieben Kilogramm mehr. Das hätte die Calimala, hochgerechnet auf die gesamte Tür, zwei Zentner Erz mehr gekostet. Das passte natürlich nicht zur sparsamen Kalkulation der Zunft. Ein weiterer Punkt war, dass Brunelleschis Relief aus mehr einzeln gegossenen Teilen bestand, wodurch ein sehr viel höherer Arbeits- und wahrscheinlich auch Zeitaufwand entstanden wäre.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Nordportaltür als Werk der frühen Renaissance ein und definiert die Fragestellung nach der Auswahl des Künstlers Lorenzo Ghiberti.
2. Beschreibung der Nordportaltür: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über das Bildprogramm, die ikonographische Struktur und die technische Ausführung der Bronzetür.
3. Die Entstehungsgeschichte: Der Abschnitt beleuchtet die historischen Umstände, die den Wettbewerb von 1401 motivierten, vergleicht die Wettbewerbsentwürfe und beschreibt die langjährige Herstellung der Tür.
3.1 Die Vorgeschichte: Dieser Teil erörtert die politische und wirtschaftliche Lage von Florenz und den Wunsch der Zunft, die Taufkirche mit neuen Bronzetüren auszustatten.
3.2 Der Wettbewerb von 1401: Hier wird der Verlauf des öffentlichen Wettbewerbs und die Rolle der Jury im Kontext der damaligen Bedrohung durch Mailand analysiert.
3.3 Vergleich der Konkurrenzreliefs: Der Fokus liegt auf der Gegenüberstellung der Probereliefs von Ghiberti und Brunelleschi unter Berücksichtigung von Kriterien wie Gewicht und Bibelkonformität.
3.4 Die Herstellung der Tür: Dieses Kapitel behandelt den langwierigen Arbeitsprozess, die Vertragsanpassungen und die chronologische Einordnung der verschiedenen Relieffelder.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Entscheidungsgründe der Jury zusammen und ordnet das Werk in die Kunstgeschichte des frühen Quattrocento ein.
Schlüsselwörter
Lorenzo Ghiberti, Nordportaltür, Baptisterium San Giovanni, Florenz, Renaissance, Quattrocento, Filippo Brunelleschi, Wettbewerb 1401, Opferung Isaaks, Calimala, Bildprogramm, Reliefkunst, Bronzeguss, Kunstgeschichte, Ikonographie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Entstehung der Nordportaltür des Baptisteriums in Florenz, insbesondere die Beweggründe, die zur Beauftragung von Lorenzo Ghiberti durch die Zunft der Calimala führten.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die historischen Rahmenbedingungen der Florentiner Renaissance, die Analyse des Wettbewerbs von 1401 sowie der künstlerische Vergleich der Entwürfe von Ghiberti und Brunelleschi.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, warum die Jury sich trotz seiner Jugend für den Bildhauer Lorenzo Ghiberti und gegen seine älteren, erfahrenen Mitbewerber entschieden hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer kunsthistorischen Quellenanalyse, einem vergleichenden Stilvergleich der erhaltenen Wettbewerbsreliefs sowie der Auswertung historischer Dokumente und Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Vorgeschichte, den Ablauf des Wettbewerbs von 1401, die detaillierte Gegenüberstellung der Konkurrenzreliefs und die technischen Aspekte der Herstellung der Tür.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Ghiberti, Baptisterium Florenz, Wettbewerb 1401, Quattrocento, Bronzetür und die ikonographische Analyse des Bildprogramms.
Warum war das Gewicht der Reliefs ein entscheidendes Kriterium für die Jury?
Da die Zunft der Calimala die Kosten für das Material tragen musste, war Ghibertis sparsamer Umgang mit dem Erz gegenüber Brunelleschis schwererem Entwurf ein ökonomisch gewichtiger Vorteil.
Welchen Einfluss hatte die Bibelkonformität auf die Entscheidung der Jury?
Die exakte Umsetzung der biblischen Vorgaben war für die Auftraggeber von zentraler Bedeutung; Ghibertis Entwurf entsprach hierbei präziser den Erwartungen als die freiere Interpretation von Brunelleschi.
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- Nicole Giese (Author), 2004, Die Nordportaltür des Baptisteriums in Florenz von Lorenzo Ghiberti, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32397