Großbritanniens Mandatsherrschaft in Palästina. Welche Auswirkungen hatte die britische Politik auf den Nahostkonflikt?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitende Worte

1. Der Erste Weltkrieg und die Rolle Großbritanniens

2. Entstehungsfaktoren des Völkerrechtlichen Mandats Großbritanniens
2.1 Britisch - arabische Vereinbarung - die Hussein-McMahon Absprache
2.2 Die Vereinbarung der Alliierten - das Sykes-Picot-Abkommen
2.3 Britisch- zionistische Vereinbarungen - die Balfour-Deklaration

3. Palästina Mandat GB - die Zeit von 1922 bis 1948
3.1 Allgemeines zum völkerrechtlichen Mandat
3.2 Palästina Mandat
3.3 Verhältnis von Juden und Arabern untereinander und zu Großbritannien

Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anlagen

Anlage 1

Einleitende Worte

„ Eine Nation schenkt einer zweiten Nation das Land einer dritten “

Dieser Kommentar des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Arthur Koestler (1905-1983) bezieht sich auf das Versprechen Großbritanniens bezüglich der Errichtung einer nationalen jüdischen Heimstätte in der Balfour-Deklaration von 1917, welche dann 1920 in den Man- datstext des Völkerbundes inkorporiert wurde. Koestler stellt in dieser Formulierung, die, in seinen Augen, Absurdität des Umstandes dar, dass Großbritannien über die Zuweisung des Gebietes Palästinas entschied. Nachdem den Britten im Jahr 1920 auf der Konferenz von San Remo Palästina als Mandatsgebiet zugesprochen wurde, begann das Buhlen um die Gunst der vermeintlichen britischen Befreier. Denn sowohl die einheimischen Araber, als auch die ein- gewanderten Juden Palästinas erhofften sich aufgrund der Hussein-McMahon-Korrespondenz von 1915 und der Balfour-Deklaration von 1917 eine Realisierung eines unabhängigen Staates durch Großbritannien. Die Briten konnten den in dieser Zeit bereits entflammten Konflikt zwischen Arabern und Juden während ihrer Mandatszeit in Palästina nicht lösen, was in An- betracht der aktuellen Situation offensichtlich erscheint. Ob sie s.g. Nahostkonflikt jedoch mit ihrer unentschlossenen Politik sogar katalysiert und beschleunigt haben, wird in dieser Haus- arbeit herausgearbeitet.

Zu diesem Zwecke, soll zunächst ein kurzer Überblick über die Ereignisse vor Beginn der Mandatsherrschaft gegeben werden. Dieser Überblick über den Ersten Weltblick und die Rolle Großbritanniens soll als Grundlage für das folgende Kapitel dienen, in welchem die einzelnen Entstehungsfaktoren des Völkerrechtlichen Mandats Großbritanniens erläutert werden. Hierbei stehen die drei wichtigsten Abkommen Großbritanniens mit den Akteuren der Anspruchsdis- kussion im Fokus. Das daraus folgende Mandat ist Gegenstand des letzten Kapitels. Vorweg wird allgemein erklärt, was ein völkerrechtliches Mandat war und wie es zu einem solchen kam. Auf dieser Wissensbasis wird die Entstehung des Palästina Mandat Großbritanniens untersucht. Das letzte Kapitel stellt die Geschehnisse und Vorgänge in der Mandatszeit von 1922 bis 1948, sowohl in innenpolitischer und außenpolitischer als auch in gesellschaftlicher und sozialer Perspektive, dar.

1. Der Erste Weltkrieg und die Rolle Großbritanniens

Der erste Weltkrieg war für Großbritannien von großer Bedeutung, denn gegen Ende des 19. Jahrhunderts galt Großbritannien als eine, wenn nicht sogar als die stärkste Weltmacht, u.a. aufgrund der Kolonien und Industrie. Dieser Vorteil verringerte sich mit dem Wachsen anderer Großmächte z.B. Deutschland und USA. Der Druck nach Erhaltung der britischen Macht wuchs, besonders Deutschland geriet ins Fadenkreuz der Briten. Nachdem Deutschland mit der Invasion in Belgien in den Krieg eintrat, sah Großbritannien die Chance auf Machterhaltung, dieses Kriegsziel wurde durch weitere später ergänzt. Es lässt sich jedoch ein Wechsel in der Methodik der Briten feststellen.1 Demnach agierte Großbritannien zu Beginn des Krieges be- sonders in Hinblick auf die Verteidigung nationaler Interessen. Ab 1916 lässt sich dagegen das Motiv der Neuverteilung der Welt erkennen, wozu auch der unter Osmanenherrschaft befind- liche Nahe Osten gehörte (Siehe Anlage 1). Auf dem Gebiet des Nahen Ostens kämpften während des ersten Weltkrieges die Großmächte gegen das Osmanische Reich an der Seite Deutschlands.2

Der Nahe Osten war für Großbritannien besonders aus einem Grund relevant: Ge- bietsabsicherung. Bereits ab 1757 war Großbritannien herrschende Macht über Indien, die Kolonie galt es abzusichern, auch territorial. Das dazwischenliegende Palästina sollte dazu genutzt werden, die geografische Verbindung zwischen Großbritannien und Indien herzustel- len. Um diese Ziel zu verwirklichen, wurden seit Mitte des 18. Jahrhunderts umliegende Ge- biete erobert: Im Jahr 1800 Malta, im Jahr 1839 Aden und im Jahr 1882 Ägypten. Im 1875 kauften die Briten Aktien des Suezkanal, um auch den Seeweg abzusichern. Die Kleinfürsten- tümer des Persischen Golfes wurde mittels „Verteidigungsabkommen“ an die Briten gebunden. Im Iran wurde ab 1907 mit Russland gemeinsam geherrscht. Der deutsche Bau einer Bahnlinie von Berlin nach Bagdad sahen die Briten als Bedrohung an. Als dann im Jahr 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, waren die Ziele der Briten klar: Einschränkung der Macht anderer Groß- mächte, Ausbau der eigenen Macht, auch territorial. Palästina schien durch den Krieg erreich- bar.3 Welche Schritte und Abkommen während des Krieges in Bezug auf das Gebiet Palästina unternommen und gemacht wurden, und welche Strategie Großbritannien jeweils verfolgte, soll im nächsten Kapitel erläutert werden.

2. Entstehungsfaktoren des Völkerrechtlichen Mandats Großbritanniens

Während des Ersten Weltkrieges schlossen die kriegführenden Großmächte Abkommen mit verschiedenen Ländern, die direkt oder indirekt am Krieg beteiligt waren. Ziel dieser Ab- kommen war es, noch vor Ende des Erstes Weltkrieges einen strategischen Vorteil in der Nachkriegszeit aufzubauen. Tenor dieser Abkommen war die Zuweisung und der Handel mit territorialen Gebieten des niedergehenden Osmanischen Reiches.4 Das dazugehörige Gebiet Palästina wurde in den Abkommen ohne „Blick auf regionale Belange, lokale Interessen und Akteure“5 verhandelt, was Palästina durch die britischen Verhandlungsführer zu einem „much too promised land“6 machte. Es folgt die Darstellung dreier Abkommen, wobei nur eines un- mittelbar entscheidend für die Zukunft Palästinas als britisches Mandatsgebiet war: Das s.g. Sykes-Picot-Abkommen beinhaltet die Verteilung der osmanischen Gebiete zwischen Frank- reich und Großbritannien. Die anderen zwei Abkommen thematisieren die britischen Zuwei- sungen Palästinas zur arabischen und jüdischen Seite. Im Kontext der Fragestellung dieser Arbeit, inwiefern Großbritannien Schuld am Nahostkonflikt hat, sind diese Abkommen be- sonders interessant, da die heute kriegführenden Parteien sich unter anderem auf diese Ab- kommen mit Großbritannien berufen und damit ihren Besitzanspruch rechtfertigen. Im Fol- genden werden diese Abkommen dargestellt und analysiert, um die Beweggründe Großbritan- nien und die Argumentation der Juden und Araber, im „Dickicht der Versprechungen“7 nach- vollziehbar zu machen.

2.1 Britisch - arabische Vereinbarung - die Hussein-McMahon Absprache

Mit dem Kriegseintritt des Osmanischen Reichs in den Ersten Weltkrieg begannen die Versuche Großbritanniens, die fremdbeherrschten Araber als Verbündeten zu gewinnen. Hintergrund war die Verbindung des Osmanischen Reiches mit den Mittelmächten. Araber und Briten waren so durch einen gemeinsamen „Feind“, das Osmanische Reich an der Seite Deutschlands und Österreichs, verbunden. Die Araber verfolgten dabei das Ziel, unabhängiger vom Osmanischen Reich zu sein und Selbstbestimmung zu erlangen. Auf Grundlage dieses Wunsches fanden in der Zeit zwischen Juli 1915 und März 1916 Verhandlungen zwischen dem britischen Hochkommissar in Kairo, Sir Henry McMahon, und arabischen Emir Hussein, damaliger Herrscher über die Beduinenstämme des Hedjaz, statt.8

Das Abkommen, welches letztlich getroffen wurde, sah von arabischer Seite einen Aufstand gegen die osmanische Fremdherrschaft vor und beinhaltete gleichzeitig auf britischer Seite, die Unterstützung der Araber bei der Verwirklichung des arabischen Großreiches bei Kriegsende. Mit der Bestätigung des Abkommens am 25. Oktober 1915, bleib das Ziel des Abkommens, nämlich die „ Die Vertreibung der T ü rken aus arabischen L ä ndern und die Be- freiung der arabischen V ö lker vom t ü rkischen Joch, das so lange auf ihnen lastete9 zwar gleich, aber McMahon grenzte den Bereich in dem das Arabische Großreich entstehen sollte ein. Demnach sollten „ die Gebiete westlich der Bezirke Damaskus, Homs, Hama und Aleppo liegenden Teile Syriens nicht als arabisch gelten und deshalb au ß erhalb der geforderten Grenzen liegen […]“10. Diese territoriale Eingrenzung wurde für die Araber in der späteren Anspruchsdebatte um Palästina sehr relevant. Die arabische Seite verstand Palästina eher süd- lich als westlich von Damaskus und dadurch als impliziert. Bis heute beharren die Araber da- rauf, dass Ihnen das Gebiet von den Briten zugesichert wurde.11 Spätere jüdische und britische Gegenstimmen widerlegten diese Annahme mit der Begründung eines Fehlers in der Überset- zungen oder mit der fehlenden Rechtsverbindlichkeit dieses Abkommens.12 Politiker und Historiker diskutieren auch heute noch darüber, inwiefern diese Eingrenzung und die Haltung der Beteiligten zu bewerten ist. Einige Stimmen behaupten, Großbritannien wäre mit Absicht unkonkret geblieben, um die eigenen Herrschaftsansprüche auf Palästina umsetzen zu können.13 In einem Dokument der königlichen Kommission Großbritannien räumte man hierzu ein, dass „es im höchsten Maße unglücklich war, dass die britische Regierung unter der kritischen Lage des Krieges nicht im Stande war, dem Scherifen ihre Absichten klar zu machen.“14 Andere versuchen die Sichtweise der Araber zu belegen, indem sich auf Karten und die geographische Richtigkeit der Eingrenzung berufen wird.15 Um diese These greifbar zu machen, wurde nachfolgend eine Karte erstellt, die das besagte Gebiet mit der Eingrenzung McMahons zeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: McMahons Gebietsgrenzen

Fest steht jedoch, dass sich die Araber an das Abkommen hielten und u.a. im „Arabischen Aufstand“ gegen die Osmanen am 05. Juni 1916 kämpften. Die Briten waren nicht bemüht, das Abkommen einzuhalten.16 Gleichwohl der Tatsache, dass sie den Arabern ein Großreich ver- sprochen hatten, begannen sie, unberücksichtigt dessen, in den Jahren 1915/1916 gemeinsam mit Russland, Italien, Frankreich und Griechenland eine abweichende Verteilung der Osmani- schen Gebiete, wohlbemerkt bevor der erste Weltkrieg endete.17 Die Verhandlungen brachten mehrere Vereinbarungen hervor. Für diese Arbeit relevant ist besonders das Sykes-Picot-Abkommen vom 16. Mai 1916, welches im folgenden Kapitel näher Erläuterung wird.

2.2 Die Vereinbarung der Alliierten - das Sykes-Picot-Abkommen Noch vor dem Niedergang des

Osmanischen Reiches verhandelten die Großmächte Großbritannien, Russland, Frankreich, Griechen- land und Italien darüber, wie sie die osmanischen Gebiete aufteilen wollen. Doch Frankreich und Großbritannien sahen es nicht als verpflichtend an, mit sämtlichen zukünftigen Siegermächten zu teilen und begrenzten am 16. Mai 1916 ihre eigenen Interessensge- biete im Nahen Osten.18 Die Ver- handlungsführer Charles Georges

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Gebietsaufteilung des Sykes-Picot-Abkommens

Picot, als französischer Generalkonsul in Beirut, und Sir Marc Sykes, der Nahostexperte der britischen Regierung, teilten die Gebiete im Vorderen Orient unter sich auf. Demnach sollten nach Kriegsende Syrien und der Libanon, Frankreich zugesprochen werden und Großbritannien stellte Anspruch auf Mesopo- tamien, Jordanien und Palästina.19 Die abgebildete Karte visualisiert die Verteilung, wobei hier nochmals unterschieden wird zwischen französischem bzw. britischem Herrschafts -und Ein- flussgebiet.

Das Abkommen hielten Frankreich und Großbritannien geheim mit der Absicht, die Araber im Unglauben über den Abkommens-Bruch, bezüglich der MacMahon-Hussein Kor- respondenz, zu lassen. Um diese Illusion weiterhin aufrechtzuerhalten und zu bestärken, wurde von Großbritannien und Frankreich eine gemeinsame Deklaration zur „Befreiungsmission“

[...]


1 Hening, Policy, S. 205ff.

2 Vgl. Cleveland, History, S. 149.

3 Vgl. Strachan, Weltkrieg, S. 129ff.

4 Vgl. Krautkrämer, Konflikt, o.S.

5 Krämer, Geschichte, S.170.

6 Caplan, Conflict, S.57.

7 Krämer, Geschichte, S.170.

8 Vgl. Winterhur, Churchill, S. 11.

9 Wolffsohn, Briten, o.S.

10 Krautkrämer, Krieg, S.13.

11 Vgl. Fromkin, Peace, S.183.

12 Vgl. Mejcher; Schölch, Palästina-Frage, S.41.

13 Vgl. Caplan, Conflict, S.67.

14 Zit. Nach Bethell, Palästina, S.10.

15 Vgl. Krautkrämer, Konflikt, o.S.

16 Vgl. Bethell, Das Palästina-Dreieck, S.10.

17 Vgl. Wolffsohn, Land, S. 244f.

18 Vgl. Kedouire, England, S.43ff.

19 Vgl. Wolffsohn, Briten, o.S.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Großbritanniens Mandatsherrschaft in Palästina. Welche Auswirkungen hatte die britische Politik auf den Nahostkonflikt?
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Katholische Theologie)
Veranstaltung
Epochen der Kirchengeschichte - Religion und Krieg
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
24
Katalognummer
V324044
ISBN (eBook)
9783668231580
Dateigröße
856 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nahostkonflikt, Palästina, Israel, Mandat, Krieg, Naher Osten, England, Großbritannien, Juden, Araber
Arbeit zitieren
Franziska Feß (Autor), 2015, Großbritanniens Mandatsherrschaft in Palästina. Welche Auswirkungen hatte die britische Politik auf den Nahostkonflikt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324044

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