Zusammenfassung zur "Quellenkunde". Geschichtswissenschaft zum Sprechen bringen


Vorlesungsmitschrift, 2014
44 Seiten
Ella Lamper (Autor)

Leseprobe

[...]


10.04 1. Einführung

14.04 2. Wie bringen wir Geschichtswissenschaft zum Sprechen?

24.04.2014 3. Die Epochen und ihre Quellen

08.05. 4. Vorlesung Quellenkunden: Sinn und Zweck

15.05 5.Vorlesung

22.05. 6. Vorlesung

05.06 7. Urkunden und Briefe

26.06 8. Akten und Gegenstände

03.07 9.

10.07 10. Ton und Film

17.10.14 11. Zusammenfassung& Wiederholung

10.04 1. Einführung

- Warum/Wofür Quellenkunde?

- Um mit jeder Sorte Text/Quelle umgehen zu können

- Fehler die durch irrtümlichen Umgang mit Quellen entstehen könnten vermeiden

- Beispiele für Quellen

- Münzen

- Karikaturen

- Ziele von Quellenkunde

1. Überblick über das Spektrum der Quellen und Quellengattungen geben- epochenübergreifend
2. Sensibilisierung für die Bedingungen der Entstehung, Überlieferung und Entschlüsselung von Quellen
3. Einführung in den (sinn)adäquaten Umgang mit Quellen (was ist bei der Interpretation zu berücksichtigen?)

- Grund-Satz der Geschichtswissenschaft

- „man muss wissen was die Quelle will, erst dann kann man klären was man von ihr erwarten kann“ (Kontextualisierung der Quelle in ihrer Zeit)

- Aus dem Grundsatz ergibt sich Idee und Anspruch der Vorlesung: deutlich machen dass Quellen eine doppelte Kommunikationssituation wiederspiegeln: geben Auskunft über die Vergangenheit wie die Gegenwart

- In Hinblick auf die Vergangenheit enthalten Quellen sinnhafte Äußerungen und reflektieren das Denk- und Sagbare der Zeit, geben ausschnitthaft Auskunft über die Kommunikationshandlungen in vergangenen Gesellschaften

- in Hinblick auf die Gegenwart nutzen Historiker ihr verfügbares Wissen, um die sinnhafte Überlieferung des vergangenen zu befragen

in diesem Sinn arbeiten Historiker Detektive, Übersetzer, Psychologen, Sozialwissenschaftler usw. um vergangenes soziales Handeln und Denken zu rekonstruieren

- Bsp. Für Quellen

- Schriftquellen: Urkunden

- Quelle 1 (Urkunde) antwortet auf die Frage wie die Verlegung eines Klosters damit in Worte gefasst worden ist, Rechtssprache im 13. Jh., Begründung für die Verlegung eines Klosters

- Quelle 2 (Fahrkarte), warum ist sie eine Urkunde? Beweisurkunde: beweist dass ich bezahlt habe

- Quelle 2, Wofür ist die Fahrkarte eine Quelle? Wie die Menschen von A nach B kamen, was es kostete und welche Informationen (optisch) enthalten sein mussten

- Es gibt 2 Grundtypen von Urkunden (wichtig für das Funktionieren von Gesellschaften)

1. Urkunden die Recht setzen: Gesetze
2. Beweisurkunden

- Sachquellen: Gegenstände

- Quelle 1 (Faustkeil)

- Quelle 2 (Mikrowelle), Quelle dafür wie eine Gesellschaft funktioniert und wie sie das Verhalten der Gesellschaft verändert

- Bildquellen

- Historiengemälde und Herrschaftsverherrlichung als 2 verschiedene Formen von Bildquellen

- Karikatur

- Schriftquellen: Zeitungen

- Quellen für öffentliche Diskurse

- Schriftquellen: Briefe

- Akten

- Kritisch einzuordnen

- Zeit von 1500-1800: „Aktenzeit“, es werden viele Aktentypen produziert, Zeit der Bürokratie und der Institutionalisierung von Verwaltung, Entstehung einer eigeständigen politischen Wissenschaft

- Wichtig sind Randbemerkungen von Akten an denen man Entstehungsprozesse von Quellen sieht

- Entscheidende Frage: auf welche Frage antwortet die Quelle?

- Vorlesung: Aufbau und Programm

1. Systematische Gesichtspunkte zum Umgang mit Quellen

- Definition, Erscheinungsform, Überlieferung

- Warum kommt Geschichtswissenschaft mit einer Historik im 19. Jh. Auf? Und wie bringen wir Quellen zum Sprechen?

- Die Epochen und ihre Quellen

2. Gattungsspezifische Quellenbeispiele

- Inschriften (jede Zeit hat etwas dass sie in Stein meißelt), Münzen, Bilder, Zeitungen, Urkunden, Briefe, Akten, Gegenstände, Historiographie, Film und Ton

3. Abschlusssitzung

- Summierende Erörterung der Frage „ Welche Probleme liegen in der Werkstatt des Historikers transepochal auf dem Tisch?“

1. Systematische Gesichtspunkte zum Umgang mit Quellen
1.1 Definition, Erscheinungsform und Überlieferung

- Quellen: Definition, Erscheinungsform& Überlieferung

- Definition

- „Quellen sind alle Texte, Gegenstände oder Tatsachen, aus denen Kenntnis der Vergangenheit gewonnen werden kann“

(Paul Kirn, Einführung in die Geschichtswissenschaft, 1947)

- Alles kann eine Quelle sein (wenn Kenntnis aus der Vergangenheit daraus gewonnen werden kann), hängt davon ab welche Frage man an sie richtet

→ etwas wird zu einer Quelle indem ich es zu einer Quelle mache

→ alles aus der Vergangenheit hat seine Funktion in seiner Zeit

- Erscheinungsformen

- Sache, Bild, Schrift, Ton/Film

- Überlieferung

- Problem des Verlustes von der Entstehung bis zur möglichen Überlieferung

- Verluste: man muss sich klar machen welche Verluste man unterwegs erlitten hat, was ist eigentlich überliefert?

→ Man hat immer nur kleine Teile von dem was die Zeit produziert hat

- Archiv: Aufbewahrung von Schriftgut (von Behörden) und Bildern, zu unterscheiden von der Bibliothek (beherbergt nur Bücher)

→ bewahrt gezielt Urkunden auf um ein Beleg zu haben

- Edition: wissenschaftliche Aufbereitung von Quellen (Schrift&Bild)-für Wissenschaftler, Text wird abgedruckt…kritisch kommentiert und es wird was über den Entstehungskontext gesagt

→ verlässliche Darbietung der historischen Quelle

→ eine Quellensammlung ist nicht so schön ediert aber praktischer im Alltag

- Kanonbildung durch Edition: Vorstellung „das was ediert ist, ist das wichtige“

?

- Medienwechsel (Handschrift-Buch/Druck, Schreibmaschine- digitale Medien)

- Spielt eine wichtige Rolle

- Die Quellenüberlieferung verändert sich

- Führt zum Anwachsen von Schriftquellen

- Verbreitung

- Problem der digitalen Medien: Daten/Quellen gehen verloren und können nicht mehr gelesen werden

- Termini, die für die Geschichtswissenschaft und Quellenkunde fundamental sind

- Quellenwert und Quellenkritik

Quellenwert

- Quellenwert: dasjenige was wir aus einer Quelle herauskriegen können, was kann uns eine Quelle sagen?

- Quellenwert von z.B. Tagebuchaufzeichnungen: besteht in der großen subjektiven Ehrlichkeit und individuellen subjektiven Wahrnehmung

Quellenkritik

- Was ist quellenkritisch zu berücksichtigen wenn man z.B. ein Tagebuch als Quelle verwendet? Subjektivität

→Bei allen Ergo-Dokumenten wo das subjektive Schreiben vorkommt ist die Subjektivität eine Chance und Gefahr

- Weitere Begriffe aus der Quellenkunde: Gegensätze

- Tradition- Überrest

- Tradition: Quellenarten die ihre Hauptfunktion in der Zukunft haben, sie sollen etwas überliefern, Denkmal

- Überrest: hat seine Bedeutung unmittelbar in der Gegenwart

- Man kann bei keiner Quelle sagen es sei eindeutig Tradition oder Überrest

→ jede Tradition hat ein bisschen Überrestcharakter und jeder Überrest hat ein bisschen Traditionscharakter

- Die Unterscheidung dient dazu zu reflektieren, ob die Quelle ihre Funktion in ihrer Zeit oder in der Zukunft hat (wurde sie produziert um etwas für die Gegenwart oder Zukunft zu sagen?)

- Primärquelle- Sekundärquelle

- Primärquelle:

- Sekundärquelle: wenn das Tagebuch z.B. von Cicero in einer mittelalterlichen Quelle inseriert wird

→ wenn nicht die ursprüngliche Überlieferung –wie sie gemacht worden ist- benutzt wird, sondern die inserierte (überarbeitete), die man irgendwo findet

- Es wird davon abgeraten mit dieser Unterscheidung zu arbeiten

→ besser: konsequent zwischen Quelle und (Forschungs-)Literatur zu unterscheiden

- Äußere und innere Quellenkritik

- Äußere Quellenkritik: Kritik an der äußeren Darbietungs-/Erscheinungsform der Quelle

- Innere Quellenkritik:

- Gattungszwänge

- Emails z.B. folgen bestimmten Anordnungen (Sehr geehrte usw.)

→ Gattungszwänge (Form, die eingehalten werden muss)

- In der Vorlesung sollen Gattungszwänge (Gesetze) kennen gelernt werden

→ wie haben Menschen früher Urkunden formuliert?

1.2 Wie bringen wir Quellen zum Sprechen? In der Werkstatt der Historikerin

- Wodurch unterscheidet sich Geschichtswissenschaft von Geschichtsschreibung?

- Geschichtswissenschaft: Phänomen des 19. Jh.

- Nachprüfbarkeit: Sachen sich nachprüfbar

- Reflexion: Reflektiert über die eigenen Methoden

- Systematisches Vorgehen

- Empirische Studien statt Spekulation

- Erkenntnisinteresse/Fragestellung statt Aufzählung von Daten, Zahlen, Fakten

→ eigenständige Disziplin mit anerkannten Methoden

→ Methoden kommen aus den Naturwissenschaften

- Geschichtsschreibung: gibt es so lange wie Menschen schreiben

- Exkurs: Leibnitz

- Chemiker, Theologe, Mathematiker, Philosoph

→ Universalgelehrter

- Um 1700 sind alle Universalgelehrte, weil es keine anerkannten eigenständigen Disziplinen nicht gibt

- Warum kommt Geschichtswissenschaft (mit einer Historik) im 19. Jh. Auf?

(Historik- die Wissenschaft von den Grundlagen unserer Faches)

- Stimmung

(wichtige Voraussetzung dafür dass Geschichtswissenschaft entsteht)

- Um das Ende Napoleons Herrschaft in Europa gibt es nationale Bewegungen in Europa: Befreiungskriege, nationale Aufstände gegen die Herrschaft Napoleons

- Der nationale Gedanke kommt auf

- Nationalgefühl und Patriotismus (1.)

- Der romantische Nationalismus mit historischer Ausrichtung (2.)

→ viele Teile der Romantik haben eine historische Ausrichtung

→ Bsp.: Bilder von Caspar David Friedrich

- Gegenbewegung zum Rationalismus der Aufklärung (3.)

→ Aufklärung hat auf Rationalismus gesetzt und wollte weniger die Gefühle des Menschen thematisieren

→ Gegenbewegung um 1800

- Die ersten Schritte, die unternommen werden damit die Geschichtswissenschaft entsteht

- 1. Schritt: Nach dem Wiener Kongress (wir haben keinen deutschen Einheitsstaat bekommen) wird die „Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde“ gegründet, 1819 von Freiherr von Stein

- 2. Schritt: Editionsvorhaben MGH

→ Idee: alle älteren Geschichtsquellen sollen ediert werden

- 3. Schritt: Motto mit dem historische Vereine gegründet werden: „Sanctus amor patriae dat animum“- „die heilige Vaterlandsliebe gibt den (rechten) Geist“

→ aus Vaterlandsliebe wendet man sich den historischen Quellen zu

- Die Entstehung des Fachs „Geschichtswissenschaft“, was die Geschichtsschreibung tut indem sie zur Geschichtswissenschaft wird

- Emanzipation von der Kirchengeschichte (gefördert durch: Aufklärung, Säkularisierung)

→ ältere Geschichtsschreibung ist meist Geschichtsschreibung der Kirche

- Emanzipation von den Regierungen und Höfen

→ keine Geschichtsschreibung der Staaten und Herrscherdynastien mehr

- Geschichte wird Universitätsfach (Humboldt- Universität 1810 gegründet)

→ eigenständiges Fach

→ von anderen Fächern unterscheidbare Disziplin

→ mit eigenen Methoden

→ mit eigenen, von den Interessen des Fachs geleiteten Fragen

- Folge des Prozesses: Professionalisierung

→ Geschichtswissenschaft als Beruf

→ Abgrenzung von nicht-professionellen Historikern

- Wichtige Exponenten

- Johann Gustav Droysen (1808-1866) „Grundriss der Historik“, 1857/58, 1882

→ seine Begründung für die Notwendigkeit einer Wissenschaft von der Geschichte:

Das Gegebene für die historische Forschung sind nicht die Vergangenheiten, denn diese sind vergangen, sondern das von ihnen in dem Jetzt und Hier noch Unvergangene, mögen es Erinnerungen von dem, was war und geschah, oder Überreste des Gewesenen und Geschehenen sein.“

- Leopold von Ranke (1795-1886) Geschichtsschreibung aus Quellen, praktiziert Quellenkritik und Methodenreflexion

14.04 2. Wie bringen wir Geschichtswissenschaft zum Sprechen?

- Allgemeine Fragen

- Woher nehmen wir unser Wissen davon, unsere Gewissheit darüber „wie es früher war“?

- Woher wissen wir „wer Schuld war“?

- Woher wissen wir, ob wir richtig urteilen?

→ nur durch kritischen Umgang mit unseren Quellen

- Droysens Begründung für die Notwendigkeit einer Wissenschaft von der Geschichte:

Das Gegebene für die historische Forschung sind nicht die Vergangenheiten, denn diese sind vergangen, sondern das von ihnen in dem Jetzt und Hier noch Unvergangene, mögen es Erinnerungen von dem, was war und geschah, oder Überreste des Gewesenen und Geschehenen sein.“

- Für die historische Forschung ist nicht die Vergangenheit Gegenstand der Forschung

- Meint: man erinnert sich nur an Vergangenes wenn man Gegenstände oder Schriftstücke hat die daran erinnern

→ wissenschaftlich macht man nichts anderes

- Überrest: Haben ihren Hauptzweck in seiner Vergangenheit

- Erinnerungen=Tradition: Hauptzweck in der Überlieferung

- Historik- die Wissenschaft von den Grundlagen unseres Faches

Wichtige Teilbereiche der Historik:

- Methodik

- Die Lehre von den Methoden, von der Gesamtheit aller wissenschaftlichen „Hinwege“ (=Gesamtheit davon wie wir uns einen Fach zuwenden)

- Quellenkunde

- Die Lehre vom Umgang mit den Quellen

- Textkritik

- Die Methode, mit der die Einflüsse herausgearbeitet werden, die auf die Entstehung und Überlieferung der Gestalt des Textes wirkten

- Heuristik

- Analytisches Vorgehen, bei dem mit begrenztem Wissen Aussagen über einen Sachverhalt getroffen werden

- Hermeneutik

- Historische Hermeneutik: Die Lehre von den Voraussetzungen und Methoden sachgerechter Interpretation

- Klassische Hermeneutik (Theologie, Philosophie): die Lehre vom Auslegen und Verstehen eines Textes

- Luthers Thesenanschlag (Kritik an der bestehenden Kirche und am Papsttum) und die Geschichtswissenschaft oder : Warum wir die Quellenkunde zum richtigen Verständnis von vergangenem und gegenwärtigen Geschehen brauchen

- Geschichte

- 1517 Thesenanschlag in Wittenberg

- Thesen sind an der Tür der Schlosskirche in Wittenberg in Bronze gegossen

- 31. Oktober Reformationstag- Feiertag für die lutherische Kirche

- 1961: Ein Buch löst Verwirrung aus! Erwin Iserloh: „Luthers Thesenanschlag. Tatsache oder Legende?“

- „Luthers Thesenanschlag fand nicht statt“

- Argumente

- Luther spricht an keiner Stelle selbst davon dass er die Thesen angeschlagen hat, er spricht nur davon dass er sie versendet hat

- Erst 1546 schreibt Melanchthon (Mitarbeiter Luthers) darüber

- Melanchthon kam erst 1518 nach Wittenberg

- Fragen der Geschichtswissenschaft

1. Warum beschäftigt uns diese Frage?

2. Gab es einen Thesenanschlag?

- Zu 1.: Warum beschäftigt uns diese Frage?

- Thesenanschlag ist Gründungsmythos der lutherischen Kirche

- Überzeugung der Protestanten des 19.Jh. verbunden mit der Absicht Luthers: Reformator als Gründer einer neuen Kirche

- Feiertag: Reformationstag seit 1667, wichtig im Kulturkampf (19.Jh.)

→ Kulturkampf: zur Zeit der Gründung des 1. Kaiserreiches

→ Gründung eines Staates, Problem: sagt der Papst oder der weltliche Staat in Berlin den Katholiken wo es lang geht?

→ historische Legitimation dessen, gäbe es ohne Thesenanschlag nicht

- Ohne Thesenanschlag: Wandel des Lutherbildes (nachdem Protestanten von Iserloh überzeugt wurden)

- Luther wollte keine Kirchen gründen, sondern Missstände ansprechen

- Er agierte im Rahmen zeitgenössischer Diskussionskultur- Veröffentlichung strittiger Thesen

→ es war üblich die Öffentlichkeit durch das Aufhängen von Schriften zu erreichen

- Sprache der Thesen: Latein- also: nicht für die allgemeine Öffentlichkeit! Gedacht

→ er wollte seine akademischen „Kollegen“ erreichen

- Andere Schriften Luthers finden größere Aufmerksamkeit

- Ohne Thesenanschlag: Veränderte Sicht auf die Zeitgenossen Luthers

- Die Bischöfe hätten Zeit zur religiös-seelsorglichen Reaktion gehabt

→ d.h.: sie bekommen eine neue Verantwortung

- Vielleicht wäre die Kirchenspaltung vermieden worden, so wie der 30 jährige Krieg oder der Kulturkampf…

- Ohne Thesenanschlag: Was wollen die Protestanten 2017 feiern?

- Zu 2.: Gab es einen Thesenanschlag?

- Die Quellen der 1540er Jahre

- Luthers Schrift „Wider Hans Worst“, 1541

→ er schreibt er hätte im Oktober 1517 Thesen an seinen Bischof versendet

→ er schrieb nicht vom Thesenanschlag

- Melanchthons im Vorwort zu Luthers gesammelten Werken, 1546

→ er schreibt dass es sich um einen Thesenanschlag gehandelt hat

→ diese beiden Quellen hatte Iserloh zur Verfügung

- Georg Rörers Notiz 1540 (2006 entdeckt): „Am Vorabend des Allerheiligenfestes im Jahre des Herrn 1517 sind von Doktor Martin Luther Thesen über den Ablass an die Türen der Wittenberger Kirchen angeschlagen worden.“

Freund und Sekretär von Luther

→ Unterschied: es steht nicht drin dass Luther die Thesen angeschlagen hat

→ es gibt ein Datum: 31. Oktober

→ nicht alle Thesen, sondern Thesen über den Ablass

→ Plural: KirchEN

→ insgesamt entsteht der Eindruck dass es von einer Gruppe von Menschen an allen Kirchen stattgefunden hat

- Die Quellen von 1517

- Ablass: wer zahlt soll nicht ins Fegefeuer (Seelenheil/Befreiung von Sünden wird versprochen)und auch bereits Tote könne so aus dem Fegefeuer befreit werden

→ zu dieser Zeit war sehr viel Sünde

→ deshalb schreibt Luther über den Ablass

→ Geld wird benötigt da es Pfarrer es sich geliehen hat und es nicht zurück zahlen konnte

- Luther spricht nicht vom Anschlag, sondern von Versendung von 95 Thesen über den Ablass an die akademische Öffentlichkeit

- Wir haben keinen Wittenberger Druck von 1517

- Was hat die Geschichte von Luther mit der Historik zu tun?

- Methodik

- Wir müssen die Fragen stellen: Welche Methoden brauchen wir um zu klären ob es einen Thesenanschlag gab? Seit wann war das wichtig? Warum müssen wir das wissen?

- Quellenkunde (& äußere/innere Quellenkritik)

- Fragen, die wir im Zusammenhang mit der Quellenkunde stellen: Welche Sprache? Welche Verbreitung? Wie weit weg (zeitlich/räumlich) vom Ereignis, über das berichtet wird?

→ Thesen auf Latein d.h. nicht für die Öffentlichkeit

→ es gibt keinen Wittenberger Druck (der Thesen) von 1517

→ zeitlich& räumlich weit weg vom Ereignis (die Menschen, die darüber schreiben/berichten)

- Textkritik

- Bsp.: unterschiedliche Fassungen, keine Ausfertigung nur Entwürfe

- Hier: sind Thesen zeitüblich? Wie werden sie verbreitet?

→ Thesen und Verbreitung durch Anschlagen ist zeitüblich

- Heuristik

- Bsp.: Schlussfolgerungen, Mutmaßungen, Plausibilitäten

„…es spricht alles dafür, dass…“

„…so ist zu vermuten, dass…“

„…es gibt Hinweise darauf, dass…“ usw.

- Hermeneutik

- Probleme und Aufgaben: Was ist zu tun um den Text zu verstehen?

24.04.2014 3. Die Epochen und ihre Quellen

- Ziel: epochenübergreifende Gemeinsamkeiten und epochenspezifische Besonderheiten verstehen

- Die Gesamtheit der Quellenüberlieferung einer Epoche spiegelt

- Die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse

- Die Herrschafts- bzw. politische Ordnung

- Die Mentalität der Menschen

….wieder, aber nicht vollständig. Warum?

- Was ist von „damals“ erhalten? Bedingungen der Überlieferung der Quellen

- Was ist „damals“ aufgeschrieben/angefertigt worden? Bedingungen des Entstehens der Quelle

- Verstehen wir das Überlieferte richtig? Bedingungen unserer Interpretation

- Zur Erinnerung: Definition Quellen

„Quellen sind alle Texte, Gegenstände oder Tatsachen, aus denen Kenntnis der Vergangenheit gewonnen werden kann“, d.h.:

- Jede Überlieferung, jedes Zeugnis, kann zur Quelle werden- je nach Fragestellung

- Quellen sind nicht dazu geschaffen worden, unsere Fragen zu beantworten

- Zur „Quelle“ wird ein Zeugnis (erst) durch seine Funktion in der Geschichtswissenschaft

→ neuen Fragen verlangen die Einbeziehung bislang wenig betrachteter Quellen(arten)

→ fragen wir nach Quellenwert (Erkenntniswert) und Quellenkritik

→ Ordnung von Quellen nach Gesichtspunkten nötig

- Zur Erinnerung: Mögliche Kategorien der Ordnung von Quellen

- Erscheinungsformen

- Sache, Bild, Schrift, Ton/Film

- Erkenntniswert

- Überrest, Tradition (Hauptzweck in der historischen Unterrichtung oder nicht)

- (Nähe zum Berichtsgegenstand/Ereignis)

- Primärquelle, Sekundärquelle

- (Wissenschaftstheoretischer Gehalt)

- Welcher Bereich? Kirchen-, Wirtschafts-, Sozial-, Kultur- etc. geschichte

- (Realitätsgehalt der Aussage)

- Faktisch, fiktiv, normativ

- Man muss die ursprüngliche Bestimmung und Absicht der Quelle kennen

- Durch kontextualisieren (Hilfsmittel) und einordnen in die historische Situation und Quellengattung oder- art

- Dazu hat das Fach Quellenkunde W-Fragen entwickelt, die jede Quelle gestellt werden

- W- Fragen der Quellenkritik

- Wer hat die Quelle produziert?

[...]

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Zusammenfassung zur "Quellenkunde". Geschichtswissenschaft zum Sprechen bringen
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Veranstaltung
Quellenkunde
Autor
Jahr
2014
Seiten
44
Katalognummer
V324055
ISBN (eBook)
9783668232211
ISBN (Buch)
9783668232228
Dateigröße
912 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zusammenfassung, quellenkunde, geschichtswissenschaft, sprechen
Arbeit zitieren
Ella Lamper (Autor), 2014, Zusammenfassung zur "Quellenkunde". Geschichtswissenschaft zum Sprechen bringen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324055

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