Lyrik im Deutschunterricht mit "Abschied" von Joseph von Eichendorff (Gymnasium, 8. Klasse)


Unterrichtsentwurf, 2015

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsübersicht

I. Lerngruppe

II. Gegenstand
a. Unterrichtszusammenhang
b. Sachanalyse
c. Didaktische und methodische Analyse
d. Lernziele

III. Unterrichtsverlauf

Tafelbild

Arbeitsblätter/ Materialien

Literaturverzeichnis

I. Lerngruppe

Die Unterrichtsstunde wird in einer fiktiven achten Klasse an einem deutschen Gymnasium gehalten. Die Klasse ist auf einem sehr homogenen Niveau und besteht zu etwa gleichen Teilen aus Mädchen und Jungen. Die Schüler sind meist lernwillig und verhaltensunauffällig, weswegen die Klasse als eher leistungsstark einzustufen ist. Unterrichtet wird eine Einzelstunde von insgesamt 45 Minuten.

II. Gegenstand

a. Unterrichtszusammenhang

Bereits in Klasse sechs und sieben haben die Schüler die Grundlagen der Herangehensweise an lyrische Texte sowie den handwerklichen Umgang mit Textbeispielen wie Fabeln, Schwänken und Gedichten erlernt. Fachvokabular wie Handlung, Erzählperspektive, Wortwahl, Bilder, Strophe, Vers und Reimform1 sind bekannt und wurden in den vorherigen Stunden noch einmal wiederholt. Die Schüler beherrschen somit in der Theorie das Handwerkzeug der Gedichtanalyse. In der hier beschriebenen Stunde sollen die Schüler nun ihre formalen Kenntnisse anwenden, ihr Wissen praktisch nutzen und gleichzeitig an eine inhaltliche Interpretation herangeführt werden. Beides soll zu einer umfassenden Gedichtinterpretation führen. Die Schüler beherrschen das Verfassen eigener Texte in ausreichendem Maße, da in vorangehenden Einheiten schon andere Textarten, wie zum Beispiel die Erörterung, erarbeitet wurden. Da das Niederschreiben der Interpretation den Unterrichtsrahmen sprengen würde, wird das Verfassen als Hausarbeit über eine Woche gegeben.

Die Unterrichtsstunde ist gegen Ende einer Lyrikeinheit in Klasse acht eingeordnet, die ungefähr 10 Stunden beinhaltet. Vor der hier beschriebenen Stunde haben die Schüler ihr Lyrikvorwissen wiederholt und die einzelnen Teile einer kompletten Interpretation, wie Formanalyse, Inhalt und Erzählperspektive, einzeln angewandt. Nun sollen die einzelnen Komponenten einer Gedichtinterpretation zusammengesetzt und sinnvoll miteinander verbunden werden.

Inhaltlich geht es um die Natur und die eigene Gefühlswelt, Themen, in die sich jeder Schüler hineinfinden kann. Gerade in der beginnenden Pubertät spielen Gefühle und ihre Verarbeitung eine wichtige Rolle im Leben der Schüler.

b. Sachanalyse

Die Schüler sollen anhand des Gedichts Abschied von Joseph von Eichendorff ihr theoretisches Wissen nun anwenden. Das Gedicht besteht aus zwei Strophen mit je sechs Versen, welche im gleichen Kadenzschema enden. Die ersten vier Verse wechseln zwischen männlicher und weiblicher Kadenz, die letzen zwei Verse verdrehen dieses Muster, sodass folgendes Schema entsteht: m, w, m, w, w, m. Das Reimschema ist entspricht einem Kreuzreim und ist dem der Kadenzen angepasst, auch hier tritt eine Variation in den jeweils letzten beiden Versenden auf: a, b, a, b, b, a beziehungsweise c, d, c, d, d, c. Das Metrum folgt dem Prinzip des Trochäus.

Der jeweils erste und letzte Vers jeder Strophe sind fast identisch, mit nur kleinen Wortvariationen wiederholt. Die Verdrehung der Kadenzen und des Reimschemas ermöglichen diese Wiederholung, welche besonders augenscheinlich in der ersten Strophe ist:

Abendlich schon rauscht der Wald Abendlich nur rauscht der Wald2

Das Gedicht eignet sich gut für die Kombination aus formaler Analyse und Interpretation, da recht leicht Stilmittel wie Alliteration, Anapher, Enjambement erkannt und interpretatorisch gedeutet werden können. Auch das lyrische Ich kann gut bestimmt werden.

Inhaltlich gesehen verbindet das Gedicht Natureindrücke mit dem Gefühlsleben des lyrischen Ich, das die Form eines Wanderers annimmt. Es will sich, ebenso wie der Abend sich vom Tag verabschiedet, von seinem bewegten Innenleben verabschieden und zur Ruhe kommen. Dies verdeutlicht auch der, zuerst zusammenhangslos erscheinende, Titel des Gedichtes: Abschied. Um zu verdeutlichen, was im Innern des

Wanderers geschehen soll, wird viel mit Naturbildern gearbeitet: Die schwindenden Geräusche des Waldes, die langsam erglühenden Sterne, die ruhiger werdende Welt. Schwerpunkt ist klar die monumentale Natur, die mit pathetischem Wortschatz beschrieben wird und die beim Wanderer ein Schaudern (V. 9) verursacht. So beherbergt der Wald Schlünde (V. 5). Gott selbst zündet die Sterne (V. 4) an und die Geräusche kommen aus den tiefsten Gründen (V. 2).

Das ganze Gedicht strahlt Sehnsucht nach Ruhe und Geborgenheit aus; während der Wanderer abends durch den Wald geht wünscht er sich nach Hause (V.10) und möchte genauso zu innerem Frieden gelangen, wie die Natur äußerlich friedlich wird. Die Verbindung zwischen Herz (V.12) und Wald ist das ganze Gedicht hindurch auffällig, einzelne Verse können sogar auf zweierlei Art gedeutet werden. So lässt sich Vers 2 Aus den tiefen Gründen sowohl auf den Wald, als auch auf das Herz beziehen.

Das Gedicht spricht von einem Wanderer, der sowohl physisch, als auch psychisch auf dem Weg ist. Der letzte Ausruf Herz, geh endlich auch zur Ruh (V. 12) verdeutlicht, dass der beschriebene Prozess noch nicht zu Ende ist und sich das lyrische Ich auch über das Gedicht hinaus noch als Wanderer sieht.

c. Didaktische und methodische Analyse

Wie oben schon beschrieben steht diese Unterrichtsstunde am Ende einer Lyrikeinheit, die sich mit einfachen Gedichten, vor allem Naturgedichten, befasst hat. Die Natur- und Emotionsthematik soll den Schülern den Zugang zu Lyrik erleichtern, da beides Themenfelder sind, die sich für Siebtklässler gut erschließen lassen. Vor allem in der Pubertät beschäftigen sich die Schüler viel mit ihrem wandelnden Selbst und den vielfältigen, damit verbundenen Emotionen. Somit ist die Verbindung zur Lebenswelt der Schüler gewährleistet. Das Gedicht regt dazu an, selbstreflektierend zu denken und sich und die Umwelt in Beziehung zueinander zu setzen. Denkbar wäre, durch die Verknüpfung mit dem Schulstoff in anderen Fächern, eine erweiterte Bearbeitung des Themas Mensch und Natur. So könnte zum Beispiel im Biologieunterricht die besondere Rolle des Menschen bei der Erhaltung der Umwelt dem Thema einen anderen Blickwinkel verleihen.3

Der Einstieg der Stunde soll die Schüler an die Stimmung des Gedichts heranführen und sie zur Ruhe kommen lassen. Dazu wird eine CD mit Wald- und Naturgeräuschen für wenige Minuten abgespielt und die Schüler aufgefordert ruhig zu werden. Während des Zuhörens sollen die Schüler sich zu den zuvor gestellten Fragen Gedanken machen. Durch das laute Vorlesen des Gedichts über die Geräusche des Waldes wird die Wirkung unterstrichen. Die Fragen, die die Schüler still für sich beantworten, dienen der Verbindung zwischen Gehörtem und den eigenen Empfindungen. Hier soll schon in einfacher Weise eine Verbindung zwischen Form und Empfindung stattfinden. Im Unterrichtsgespräch werden daraufhin die Eindrücke der Schüler gesammelt und unkommentiert stehen gelassen. Dies schafft einen freien Rahmen für die Schüler, da es weder falsche noch richtige Antworten gibt; somit kann jeder Schüler etwas beitragen, auch die sonst stilleren oder leistungsschwächeren Schüler. Dadurch, dass alle mit eingebunden werden, wird jedem Schüler der Zugang zum Gedicht ermöglicht. Die Schüler lesen daraufhin das Gedicht nochmals in Einzelarbeit, um ein tieferes Textverständnis zu erlangen. Diese kognitive Herangehensweise ermöglicht es den Schülern neue Aspekte, die beim einfachen Vorlesen nicht entdeckt wurden, zu erkennen und für die spätere Interpretation zu verwenden. Die Textrezeption ist subjektiv, da jeder Schüler eigene Eindrücke sammelt, was zu differenzierten Ansichten des Gedichts führt und unterschiedliche Interpretationen gewährleistet. Während des Leseprozesses steht die Lehrkraft für Fragen und Worterklärungen zur Seite. Möglich wären Schülerfragen zu den Worten Schlünden (V. 5), versausen (V. 8), Klause (V. 11).

[...]


1 Bildungsstandards für Deutsch, Gymnasium - Klassen 6, 8, 10, Kursstufe. www.bildung-staerkt- menschen.de. <http://www.bildung-staerkt-menschen.de/service/downloads/Bildungsstandards/Gym/Gym_D_bs.pdf > (18.04.2014). Seite 80.

2 von Eichendorff, Joseph: Abschied. In: Gedichte. Joseph von Eichendorff. Gedächtnisausgabe. Jazzybee Verlag. Altenmünster: 2012.

3 Die Bildungsstandards für Biologie in der Mittelstufe sehen eine Beschäftigung mit der Thematik vor. Schüler sollen „bereit sein zu aktivem Eintreten für die Erhaltung unserer Umwelt“. Bildungsstandards für Biologie, Gymnasium - Klassen 6, 8, 10, Kursstufe. www.bildung-staerkt- menschen.de. http://www.bildung-staerkt-menschen.de/service/downloads/Bildungsstandards/Gym/Gym_Bio_bs.pdf. (12.08.2015). S. 203.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Lyrik im Deutschunterricht mit "Abschied" von Joseph von Eichendorff (Gymnasium, 8. Klasse)
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Didaktik und Methodik des Lyrikunterrichts
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V324096
ISBN (eBook)
9783668240780
ISBN (Buch)
9783668240797
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtsentwurf, Lyrik, Eichendorff, Abschied
Arbeit zitieren
Janina Franke (Autor), 2015, Lyrik im Deutschunterricht mit "Abschied" von Joseph von Eichendorff (Gymnasium, 8. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324096

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