Berufsfeldpraktikum an einer Hauptschule in Chemie und Philosophie


Praktikumsbericht / -arbeit, 2016
20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Vorstellung der Schule

Besondere Erlebnisse während des Praktikums
Der erste Schultag
Die unterschiedlichen Lehrerpersönlichkeiten
Inklusion und Integration

Mein eigener Unterricht

Schlussbetrachtung

Literatur

Einleitung

Das vierwöchige Berufsfeldpraktikum bietet den Studierenden die Möglichkeit eines Einblicks in den Schulalltag, sowohl in der Position des Lernenden, als auch in der des Lehrenden. Wie die meisten Anderen absolvierte auch ich vor Antritt meines Studiums das schulische Eignungspraktikum und das Orientierungspraktikum, in welchem mir bereits ein erster Einblick ermöglicht wurde. Dort erfuhr ich allerdings viel eher die Behandlung einer Schülerin durch die Lehrerinnen und Lehrer, als auszubildende Lehrerin. Eigenständiges Unterrichten war mir demnach vor dem Berufsfeldpraktikum ein bisschen fremd, weshalb dieses Erlebnis mich im Vorfeld besonders beschäftigte, wobei ich mich fragte, ob mich die Schülerinnen und Schüler als Lehrenden annehmen und respektieren würden und wie leicht bzw. schwer mir diese Tätigkeit fallen würde, gerade auch durch die Anwesenheit körperlich oder geistig beeinträchtigter Schüler. Die Antworten auf diese Fragen konnte ich nach vier Wochen im Praktikum finden, vor allem aufgrund des regelmäßigen Unterrichtens einer siebten Klasse.

Neben den Erwartungen, die ich an mich selbst richtete, beobachtete ich ebenfalls meine Umgebung, den Umgang der Schülerinnen und Schüler und des Kollegiums unter- und miteinander. Ich war gespannt, ob sich meine Beobachtungen in den Erinnerungen an meine eigene Schulzeit widerspiegeln würden oder ob der Perspektivenwechsel zu völlig neuen Erkenntnissen führen würde. Außerdem interessierte ich mich insbesondere für die Themen Inklusion und Integration, da in gleich mehreren der von mir betreuten Klassen Jugendliche mit mentalen, körperlichen oder auch sprachlichen Einschränkungen am Unterricht teilnahmen. Dabei fragte ich mich, ob Inklusion an Schulen überhaupt funktioniert, ob sie sinnvoll ist und wie die Schülerinnen und Schüler mit diesem Konzept umgehen.

Vorstellung der Schule

Die Hauptschule Xxxxxxx etwas abseits der Xxxxx Innenstadt nicht weit vom Bahnhof entfernt, sodass das Einzugsgebiet sich von Xxxxxxxx bis nach Xxxxxxxx erstreckt. Direkt hinter der Hauptschule liegt das Ganztagsgymnasium mit eigener Sporthalle. Eine Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Schulen findet allerdings überhaupt nicht statt.

Die Hauptschule Xxxxxxx verfügt über eine Zweigstelle in der Gewerbeschulstraße, gute 15 Minuten Fußweg entfernt. Der Schülerschaft bleibt ein Pendeln erspart, dem Lehrpersonal hingegen nicht.

An der Schule wird versucht, die Kinder bei der Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit zu unterstützen und ihre Lern- und Ausbildungschancen zu verbessern. Die Motivation wird durch gezielte Förderung und Erfolge wieder erweckt Spaß am Lernen entwickelt. Dieser Weg wird neben den vielen externen Mitarbeitern durch den der Sozialpädagogen, Herr S., der mit vielfältigen Beratungs- und Hilfsangeboten für Schüler, Eltern und Lehrer da ist, ermöglicht. Fachleute und Institutionen der Region wie zum Beispiel Betriebe unterstützen die Schule ebenso.

Die Ausstattung der Schule, gerade im Bereich der Chemie ist leider nicht sehr gut. Dennoch verfügt diese Schule über einen Computerraum für den Informatik-Unterricht sowie eine Küche und einen Technikraum. In einem separaten Gebäude befindet sich 1 der 3 Förderklassen. In denen befinden sich Jugendliche, vornehmend aus Migration, unterschiedlichsten Alters zusammenfinden, mit der Gemeinsamkeit, dass sie alle kaum bis kein Deutsch sprechen können. In diesen Klassen befanden sich immer rund 10 – 15 SchülerInnen, denen grundlegende Deutsch- und Mathematikkenntnisse vermittelt und mit denen kulturelle Verwirrungen aufarbeitet wurden. Den Klassen wurde eine feste Klassenlehrerin zugeteilt, nach deren Einschätzung auch der Übergang eben dieser Kinder in „normale“ Klassen stattfinden konnte. Die Schülerschaft dieser Förderklassen strebt keinen regulären Schulabschluss an, sondern die direkte Ausbildung in der Wirtschaft.

Besondere Erlebnisse während des Praktikums

Der erste Schultag

Der erste Tag an der Hauptschule verlief noch etwas chaotisch. Der harte Wintereinfall waren gerade erst vorbei und aufgrund des Ausfalls einer Lehrkraft mussten die Stundenpläne abgeändert werden. Nach einer kurzen Führung über das Schulgelände wurde ich demnach zunächst in das Lehrerzimmer geführt, wo ich mir anhand einiger Pläne selbst einen Stundenplan gestalten konnte. Aufgrund meiner beiden Fächer notierte ich mir Fachraumnummern, Namen der Lehrkräfte und die dazugehörigen Zeiten der Chemie und der Praktischen Philosophie. Während für den Chemieunterricht nur ein einziger Lehrer zuständig war, der an diesem Tag fehlte, gab es zwei Lehrerinnen der Praktischen Philosophie, denen ich ab der dritten Stunde hospitierte. Die erste Stunde, die ich besuchte, fand in einer 7. Klasse statt, in der das Thema „Reichtum und Armut“ behandelt wurde. Ich stellte mich vor und setzte mich auf einen der freien Plätze in der hinteren Tischreihe des Klassenzimmers, von wo aus ich einen guten Überblick über das Gesamtgeschehen hatte. Sofort fiel mir auf, dass es in der Klasse, obgleich die Schülerzahl mit 18 Jugendlichen recht gering war, sehr chaotisch und unruhig zuging. Die Lehrerin versuchte die Schülerinnen und Schüler auf kreative Art für das Thema zu begeistern und deren Aufmerksamkeit zu gelangen, doch scheiterte bei dem Großteil des Plenums, welches nicht zu beruhigen war. Es fehlte deutlich eine „Regelklarheit“, wie sie in Hilbert Meyers „Was ist guter Unterricht?“[1] geschildert wird.

Die Gruppenarbeitsphase, die in dieser Einzelstunde stattfinden sollte, wurde aufgrund der Unruhe sooft unterbrochen, dass sie letztlich abgebrochen werden musste und die Schülerinnen und Schüler einen Text abschreiben mussten. Außerdem wurden die unruhigsten Jugendlichen so weit wie möglich auseinandergesetzt, was zunächst sogar für etwas Ruhe sorgte, bald aber nur dazu führte, dass mit Papierkugeln geworfen wurde. Der fehlende Respekt einiger Schüler der Lehrkraft und den Mitschülern gegenüber, machte ein lernförderliches Klima nahezu unmöglich[2].

Unter Respekt verstehe ich hier den Wertschätzenden Umgang sowohl von Seiten der Lehrkraft als auch von Seiten der Schülerschaft, aber auch die Anerkennung der institutionell gesetzten Autorität eines Lehrers.

Die vierte Stunde verbrachte ich bei der gleichen Lehrerin, die allerdings nun eine 5. Klasse unterrichten würde. Schon beim Begrüßen der Schülerinnen und Schüler wurde klar, dass dort ein ganz anderes Klima herrschen würde. Die frisch eingeschulten Schülerinnen und Schüler waren ruhig und aufmerksam, obgleich die Klasse mit fast 30 Kindern wesentlich größer war, als die Gruppe zuvor. Da es sich um ihre erste Philosophiestunde handelte, wurden die Kinder zunächst aufgefordert sich im Stuhlkreis mit Namen, Alter, Hobbys und Konfession vorzustellen, was sogleich in das Thema „Religionen“ einleitete. In dieser Stunde erhielten die Schülerinnen und Schüler mithilfe eines bunten Tafelbildes eine Art Crashkurs über den Islam, das Juden- und das Christentum. Nach dem Übertragen des Tafelbildes ins Heft wurden die Kinder zu einer Diskussion ermutigt, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Religionen gegenüberstellen sollten. Bis zum Ende der Stunde arbeiteten die Schüler aufmerksam und konzentriert mit.

Die letzte Unterrichtsstunde an diesem Tag war wieder eine Philosophiestunde, dieses Mal jedoch bei einer anderen Lehrerin in der 8. Klasse. Bei ihr war gleich eine völlig andere Körperhaltung zu erkennen, die ihr, trotz niedriger Körpergröße, schon beim Hereinkommen eine gewisse Autorität verlieh. Es wurde ein für die Lehrerin typisches, aber einzigartiges Begrüßungsritual durchgeführt, woraufhin sie mit sehr lauter Stimme einen Ausblick auf den kommenden Stundenablauf gab. Die Jugendlichen machten sich ohne Rückfragen sofort an die Arbeit. „Eine klare Aufgabenstellung ist ein didaktisches Kunstwerk. In ihr findet eine Bündelung von Ziel-, Inhalts- und Methoden Entscheidungen statt."[3] Die Schülerinnen und Schüler respektierten sie sichtbar und waren den gesamten Unterricht über leise und aufmerksam.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass ich bereits an meinem ersten Tag völlig unterschiedliche Lernatmosphären beobachten konnte, unabhängig vom Fach. Was hierbei eine Rolle spielte, war sowohl die jeweilige Lehrerpersönlichkeit, als auch die Jahrgangsstufe, in der sich die Schülerinnen und Schüler befanden. Diese Phänomene weiterhin zu beobachten, nahm ich mir zur Aufgabe für die nachfolgenden vier Wochen meines Praktikums.

[...]


[1] Meyer, Hilbert; Zehn Merkmale guten Unterrichts, 9. Auflage, Cornelsen Verlag, Berlin 2013

[2] Ebd. S. 47

[3] Ebd. S. 55

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Berufsfeldpraktikum an einer Hauptschule in Chemie und Philosophie
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V324105
ISBN (eBook)
9783668238541
ISBN (Buch)
9783668238558
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
berufsfeldpraktikum, hauptschule, chemie, philosophie
Arbeit zitieren
Christoph Höveler (Autor), 2016, Berufsfeldpraktikum an einer Hauptschule in Chemie und Philosophie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324105

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