Kooperation von Jugendhilfe und Schule im Rahmen des Fachkonzepts Sozialraumorientierung


Hausarbeit, 2015

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Sozialraumorientierung als Konzept Sozialer Arbeit
1.1 Begriff Sozialraum und Sozialraumorientierung
1.2 Methodische Prinzipien sozialraumorientierter Arbeit
1.2.1 Orientierung an Interessen und am Willen des Menschen
1.2.2 Unterstützung von Eigeninitiative und Selbsthilfe
1.2.3 Konzentration auf die Ressourcen
1.2.4 Zielgruppen- und bereichsübergreifende Sichtweise
1.2.5 Kooperation und Koordination

2. Das Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendhilfe
2.1 Grundsätze und Aufgaben traditioneller Jugendhilfe
2.2 Sozialraumorientierte Jugendhilfe

3. Institution Schule
3.1 Auftrag und Funktion von Schule
3.2 Schule als Teil des Sozialraums

4. Kooperation von Jugendhilfe und Schule
4.1 Notwendigkeit der Zusammenarbeit
4.2 Kooperation im Rahmen sozialräumlicher Arbeit
4.3 Gemeinsame Entwicklungsfelder

Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Einleitung

Veränderte gesellschaftliche und familiäre Strukturen haben dazu geführt, dass im Feld der Sozialen Arbeit dem Fachkonzept Sozialraumorientierung eine immer größere Bedeutung beigemessen wird. Die Konzentration auf den Sozialraum und somit auf die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen erfordert eine Erweiterung der traditionellen Muster von Jugendhilfe und Schule, indem auch sie sich den Paradigmen der Sozialraumorientierung bedienen.

Ausgangspunkt für diese Veränderung ist die These, dass die erfolgreiche Bewältigung von Kindheit und Jugend zunehmend ein gesellschaftliches Problem darstellt. Neben der Familie sind die Jugendhilfe und Schule aufgefordert, sich diesem anzunehmen und als entscheidende Entwicklungsinstanzen zu einer positiven Entwicklung beizutragen. Besonders die Veränderung des Bildungssystems führt zu einer Überforderung von Schülern[1] und rückt beide Systeme in den Vordergrund. Die Erwartungen seitens der Gesellschaft sind gestiegen und erfordern eine Weiterentwicklung bzw. Modifizierung von Jugendhilfe und Schule, die in einer sozialraumorientierten Kooperation liegen kann. Diese These führt dazu, dass ich mich im Rahmen dieser Hausarbeit mit dem Fachkonzept Sozialraumorientierung in der Jugendhilfe und Schule befassen werde und unter Berücksichtigung dieser inhaltlich-methodischen Ausrichtung die Relevanz einer Kooperation zwischen beiden Systemen aufzeigen werde.

Zum Einstieg in die Thematik stelle ich zunächst das Konzept der Sozialraumorientierung vor und erläutere die Begriffe Sozialraum und Sozialraumorientierung. Aufbauend auf einem allgemeinen Begriffsverständnis beschreibe ich die Handlungsprinzipien sozialräumlicher Arbeit. Im zweiten Teil meiner Hausarbeit gehe ich auf das Konzept in Bezug auf die Kinder- und Jugendhilfe und auf die Institution Schule ein. Hier soll vor allem erläutert werden, wie die unterschiedlichen Ausrichtungen die Handlungsstrukturen beeinflussen. Im Anschluss führe ich beide Themen zusammen, indem ich die Notwendigkeit einer Kooperation begründe. Darauf aufbauend beschreibe ich schließlich die Kooperation im Rahmen sozialräumlicher Arbeit. Wichtig ist es mir dabei aufzuzeigen, wie eine sozialraumorientierte Zusammenarbeit aussehen kann und welche gemeinsamen Aufgaben auf Basis dieser konzeptionellen Ausrichtung verfolgt werden.

1. Sozialraumorientierung als Konzept Sozialer Arbeit

In der Sozialen Arbeit wird dem Fachkonzept Sozialraumorientierung eine immer größer werdende Bedeutung beigemessen. Bedingt durch die Vielfalt der Arbeitsgebiete und Handlungsfelder dieses Berufsbildes wird das Konzept immer häufiger als Grundlage sozialarbeiterischen Handelns herangezogen. Entwickelt wurde dieser konzeptionelle Ansatz am Essener Institut für stadtteilorientierte Soziale Arbeit und Beratung (ISSAB).[2] Das in der Tradition von dem Arbeitsprinzip Gemeinwesensarbeit abgeleitete Konzept hat seinen Ursprung in den 1970er Jahren und wurde parallel zur Jugendhilfe entwickelt.[3] Aufbauend auf seinen Wurzeln und unter Einfluss von erziehungskritischen und humanistischen Einflüssen ist das Konzept nicht als neue Theorie zu verstehen, sondern als ein Ansatz, der sowohl eine personenbezogene als auch sozialökologische Perspektive integriert[4] und stetig präzisiert und spezialisiert wurde.[5] Durch die Kombination von verschiedenen theoretischen und methodischen Blickrichtungen ist das Konzept Sozialraumorientierung nicht als konkurrierender Ansatz zu betrachten. Wolfgang Hinte beschreibt ihn vielmehr als „inhaltliches Konzept mit klaren Konturen und methodischen Prinzipien“[6], welches ergänzend berücksichtigt werden soll. Um die Konturen dieses Konzepts zu verstehen werden im Kapitel 1.1 zunächst die Begriffe „Sozialraum“ und „Sozialraumorientierung“ definiert. Darauf aufbauend wird in Kapitel 1.2. erläutert was es bedeutet, sozialraumorientiert zu arbeiten und nach welchen methodischen Prinzipien gearbeitet wird.

1.1 Begriff Sozialraum und Sozialraumorientierung

Um das Konzept Sozialraumorientierung in seinen Kernaussagen zu verstehen ist es zunächst notwendig, den zentralen Begriff „Sozialraum“ zu erläutern. Durch die Zusammensetzung des Begriffs wird bereits auf den Zusammenhang zwischen etwas „Sozialem“ und etwas „Räumlichen“ hingewiesen.[7] Der Raum soll damit nicht auf eine geografische Einheit reduziert werden, sondern als das Ergebnis menschlichen Handelns betrachtet werden.[8] Die Sozialraumperspektive fokussiert demnach nicht primär territoriale Grenzen, wie z. B. einzelne Stadtteile, sondern „den von den Menschen konstituierten Räumen der Beziehungen, der Interaktionen und der sozialen Verhältnissen.“[9] Folglich wird der Sozialraum überwiegend durch die Individuen und ihrer persönlichen Sozialstruktur definiert. In Anlehnung daran wird von Wolfgang Hinte betont, dass es „so viele Sozialräume wie Individuen“[10] gibt. Neben den von den Menschen selbst konstituierten Räumen wird der Sozialraum zudem von Institutionen definiert. Er wird von diesen als Steuerungsgröße benutzt, „die bezogen auf ein Wohngebiet Personal und Geldströme konzentrieren.“[11] Diese begriffliche Doppelbedeutung führt dazu, dass der Sozialraum sowohl durch die Individuen als auch durch die Institutionen kreiert, bestimmt und getragen wird.

Durch die Erläuterung des Wortes „Sozialraum“ lässt sich auch der Begriff „Sozialraumorientierung“ ableiten. Sozialraumorientierung ist als handlungsleitendes Prinzip im Fachkonzept Sozialraumorientierung verankert. Unter Berücksichtigung der im Vorfeld vorgenommenen begrifflichen Einordnung von „Sozialraum“ zielt sozialraumorientierte Arbeit „auf die Veränderung bzw. Gestaltung sozialer Räume“[12] ab. Es geht in der Sozialraumorientierung also nicht primär darum Menschen und ihre psychischen Strukturen zu verändern, sondern die vorgefundenen individuellen Lebenswelten so zu gestalten, dass Menschen auch unter schwierigen Lebensbedingungen zurechtkommen.[13] Demnach ist von einem handlungsleitenden Prinzip die Rede, welches innerhalb des Konzeptes Sozialraumorientierung „an den Möglichkeiten und Ressourcen eines Quartiers ebenso wie der dort lebenden Menschen ansetzt.“[14]

1.2 Methodische Prinzipien sozialraumorientierter Arbeit

Die methodischen Prinzipien sozialraumorientierter Arbeit bilden die Grundlage des Konzepts Sozialraumorientierung. Sie sollen als eine Orientierungshilfe für das methodische Handeln dienen und somit einen offenen und individuellen Praxisbezug ermöglichen.

1.2.1 Orientierung an Interessen und am Willen des Menschen

Das erste Prinzip umfasst die Orientierung an den Interessen und am Willen des Menschen. Ausgangspunkt für professionelles Handeln ist somit der Wille des leistungsberechtigten Individuums, welcher in Abgrenzung zu Wünschen oder Bedürfnissen im direkten Kontakt herausgefiltert wird.[15] Es wird davon ausgegangen, dass „der Wille der Menschen eine wesentliche Kraftquelle für Aktivitäten zur Gestaltung des eigenen Lebens bzw. des Wohnumfeldes darstellt.“[16] Durch den konsequenten Bezug auf die eigene Aktivität trägt das Individuum selbst die Verantwortung für die Erreichung seiner persönlichen Ziele und kann dabei professionell unterstützt und begleitet werden.

1.2.2 Unterstützung von Eigeninitiative und Selbsthilfe

Hier gilt der Grundsatz: Sozialraumorientierte Arbeit betreut nicht sondern aktiviert die Menschen. Diese darin enthaltene Forderung nach Eigenaktivität wird nur dann gewährleistet sein, wenn die Fachkraft nicht versucht durch übereiltes Engagement und organisierte Betreuung für den Menschen tätig zu werden. Nur die Erkenntnis, dass Menschen „unter Aufbietung eigener Kräfte […] prekäre Lebenssituationen meistern, so dass sie rückblickend sagen können: ‘Das habe ich selbst geschafft!‘“[17] führt dazu, dass sie einen Selbstwert entwickeln.

1.2.3 Konzentration auf die Ressourcen

Das methodische Prinzip „Konzentration auf die Ressourcen“ knüpft unmittelbar an das vorherige an. Sozialräumliches Arbeiten berücksichtigt dabei sowohl persönliche als auch räumliche Ressourcen, wenn es um die Gestaltung einer Hilfe geht.[18] Den Blick auf die persönlichen Ressourcen des Menschen zu lenken führt dazu, alle Eigenarten und Verhaltensweisen des Menschen zu berücksichtigen und als potenzielle Stärken anzuerkennen.

Konzentriert man sich auf die Ressourcen eines Sozialraums wird dem Individuum eine zentrale Funktion zugewiesen. Der Mensch bestimmt was für ihn eine Ressource sein kann, indem er durch seine individuelle Betrachtungsweise festlegt was im Sozialraum für ihn nutzbar ist und was nicht. Der Fachkraft kommt dabei die Aufgabe zu sich diesen individuellen Sozialraum, der gleichzeitig auch die Lebenswelt des Klienten darstellt, zu erschließen. Dieser Sozialraum bildet den Ausgangspunkt für professionelles Handeln und muss in der Praxis berücksichtigt werden.[19]

[...]


[1] Obwohl aus Gründen der Lesbarkeit im Text die männliche Form gewählt wurde beziehen sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter

[2] vgl. Universität Duisburg-Essen (2015): Fachkonzept Sozialraumorientierung

[3] vgl. Kalter, B./Schrapper, Ch. (2006): S. 21

[4] vgl. Budde, W./Früchtel, F./Hinte, W. (2006): S. 11

[5] vgl. Merten, R. (2002): S. 95

[6] Kalter, B. (2006): S. 21

[7] vgl. Budde, W./Früchtel, F./Hinte, W. (2006): S. 33

[8] vgl. Kessl, F./Reutlinger, Ch. (2010): S. 25

[9] Kessl, F./Reutlinger, Ch. (2010): S. 25

[10] Hinte, W./Treeß, H. (2011): S. 30

[11] Hinte, W./Treeß, H. (2011): S. 32

[12] Hinte, W./Treeß, H. (2011): S. 30

[13] vgl. Budde, W./Früchtel, F./Hinte, W. (2006): S. 9

[14] Kalter, B./Schrapper, Ch. (2006): S. 11

[15] vgl. Budde, W./Früchtel, F./Hinte, W. (2006): S. 10

[16] Hinte, W./Treeß, H. (2011): S. 46

[17] Hinte, W./Treeß, H. (2011): S. 53

[18] vgl. Hinte, W./Treeß, H. (2011): S. 60ff.

[19] vgl. Hinte, W./Treeß, H. (2011): S. 70

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Kooperation von Jugendhilfe und Schule im Rahmen des Fachkonzepts Sozialraumorientierung
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik)
Veranstaltung
Konzepte sozialräumlicher Arbeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V324145
ISBN (eBook)
9783668232785
ISBN (Buch)
9783668232792
Dateigröße
621 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, Konzepte, Sozialraumorientierung, Schule und Jugendhilfe, Kooperation
Arbeit zitieren
Alina Jeske (Autor), 2015, Kooperation von Jugendhilfe und Schule im Rahmen des Fachkonzepts Sozialraumorientierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324145

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