Der effektive und wirksame Sprachgebrauch ist nur durch die praktische Anwendung der Sprache möglich. Die meisten heutigen Theorien zum Spracherwerb schlagen vor, sich die Prinzipien des Muttersprachenerwerbs beziehungsweise des ungesteuerten Spracherwerbs für den Fremdsprachenunterricht zunutze zu machen.
Aufgrund dieser Zielsetzung erweist sich die Handlungsorientierung als ein grundlegendes Konzept des Fremdsprachenunterrichts. Das Konzept geht davon aus, dass Lernen ein ganzheitlicher Prozess ist, der „mit Kopf, Herzen, Händen und allen Sinnen abläuft.“ Die Ganzheitlichkeit erweist sich demnach als ein wichtiges Prinzip der Handlungsorientierung und setzt sich gegen die allgemeine Praxis der „einseitig kognitiven Zielausrichtung“ durch. Anhand der dargestellten Grundlagen und Prinzipien und anhand meiner früheren Unterrichtserfahrungen als Lehrerin wird ein Unterrichtsentwurf in dieser Arbeit dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Handlungsorientierung als Konzept der allgemeinen Pädagogik
3. Handlungsorientierung im Fremdsprachenunterricht
3.1. Grundlagen des handlungsorientierten Fremdsprachenunterrichts
3.1.1. Lern- und soziotheoretische Grundlagen
3.1.2. Psycholinguistische und fachdidaktische Grundlagen
3.2 Ziele und Abgrenzung des handlungsorientierten Fremdsprachenunterrichts
3.3 Prinzipien des Spracherwerbs und Merkmale des handlungsorientierten Unterrichts
3.3.1. Prinzipien des Spracherwerbs
3.3.2. Wichtige Elemente und Merkmale eines handlungsorientierten Unterrichts
4. Neues Unterrichtskonzept: Szenariendidaktik
4.1 Zur Didaktik mit Szenarien im Fremdsprachenunterricht
4.2 Darstellung des Entwurfs eines handlungsorientierten Fremdsprachenunterrichts
5. Probleme und mögliche Lösungen des handlungsorientierten Unterrichts in Benin
5.1. Lerntradition und Probleme des handlungsorientierten Unterrichts in Benin
5.2 Mögliche Lösungen des handlungsorientierten Unterrichts
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und praktischen Anwendungsmöglichkeiten der Handlungsorientierung im Fremdsprachenunterricht, insbesondere für den Deutschunterricht an Sekundarschulen in Benin. Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie durch eine Abkehr von traditionellen, lehrerzentrierten Methoden hin zu einem schüleraktiven Unterricht die kommunikative Kompetenz der Lernenden nachhaltig gefördert werden kann.
- Grundlagen der Handlungsorientierung in der allgemeinen Pädagogik
- Lern- und soziotheoretische sowie psycholinguistische Voraussetzungen
- Einführung und Anwendung der Szenariendidaktik
- Herausforderungen der Implementierung im beninischen Bildungssystem
- Strategien zur Förderung von natürlichem Spracherwerb und Lernerautonomie
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Lern- und soziotheoretische Grundlagen
Die Handlungsorientierung hat sich in der Pädagogik durchgesetzt und ist ein grundlegendes, wenn auch viel diskutiert, „Unterrichtsprinzip“ (Gudjons 2008, S.8). Obwohl Gudjons erkennt, dass umfassende Grundlagen dieses Prinzips bis heute fehlen, ist er davon überzeugt, dass das Prinzip geeignet für den heutigen Unterricht ist. Das Konzept wurde stark von der Reformpädagogik geprägt. Reformpädagogische Strömungen wie die Arbeitsschulbewegung von Gaudig/Kerschensteiner, die Sinnespädagogik von Montessori und die amerikanische Erfahrungspsychologie von Dewey bilden deren wichtigste Basis. Eine andere stellt die Tätigkeitspsychologie der Kulturhistorischen Schule von Wygotkij dar. Der Konstruktivismus erweist sich als eine wichtige Grundlage für das Konzept.
Beim Konstruktivismus steht die Frage im Mittelpunkt, wie Wissen zustande kommt und gelernt wird. Die Vertreter der konstruktivistischen Lerntheorie verstehen:
Lernen als Prozess, bei dem der Einzelne auf der Grundlage seiner erworbenen Denk-, Gefühls- Wollens- und Könnensstrukturen dem Wahrgenommenen durch Akte der Konstruktion, Rekonstruktion und Dekonstruktion Bedeutung und Sinne gibt. (Wiater 2010, S.29)
D.h. Wissen wird nur aktiv vom Lernenden aufgebaut und kann nicht vermittelt werden, man lernt durch selbsttätiges und selbstbestimmtes Entdecken und Experimentieren, Beobachten und Erkennen, durch aktive Konfrontation mit dem Lerngegenstand.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die sprachliche Situation in Benin und begründet die Notwendigkeit handlungsorientierter Ansätze im Deutschunterricht zur Förderung kommunikativer Fachkompetenzen.
2. Handlungsorientierung als Konzept der allgemeinen Pädagogik: Erläutert die theoretischen Wurzeln der Handlungsorientierung und definiert diese als ganzheitlichen, schüleraktiven Unterrichtsprozess.
3. Handlungsorientierung im Fremdsprachenunterricht: Analysiert die lern- und soziotheoretischen sowie psycholinguistischen Grundlagen und leitet daraus Prinzipien und Merkmale für den Fremdsprachenunterricht ab.
4. Neues Unterrichtskonzept: Szenariendidaktik: Stellt die Szenariendidaktik als praktisches Instrument vor und skizziert einen konkreten Unterrichtsentwurf zum Thema „Besuch in Berlin“.
5. Probleme und mögliche Lösungen des handlungsorientierten Unterrichts in Benin: Diskutiert lokale Widerstände, wie Lerntraditionen und mangelnde Ressourcen, und schlägt Lösungsstrategien für die Lehrerpraxis vor.
6. Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Bedeutung einer fundierten Lehrerausbildung sowie die Notwendigkeit, den Lerner in den Mittelpunkt des Unterrichts zu stellen.
7. Literaturverzeichnis: Listet die verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literatur auf.
Schlüsselwörter
Handlungsorientierung, Fremdsprachenunterricht, Deutschunterricht, Benin, Szenariendidaktik, Konstruktivismus, Sprachkompetenz, Lernerautonomie, Lernprozess, kommunikativer Unterricht, Reformpädagogik, Schüleraktivierung, Spracherwerb, Fachdidaktik, Unterrichtsmethode.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Implementierung des didaktischen Konzepts der Handlungsorientierung im Deutschunterricht an Sekundarschulen in Benin, um die fremdsprachliche Kompetenz der Schüler zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Handlungsorientierung, die Verknüpfung von pädagogischen Ansätzen mit dem Fremdsprachenlernen sowie die praktische Gestaltung durch Szenariendidaktik unter Berücksichtigung lokaler Gegebenheiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie handlungsorientierte Prinzipien dem Unterricht in Benin zugrunde gelegt werden können, um von einer passiven, lehrerzentrierten Grammatikvermittlung zu einer lebendigen, anwendungsbezogenen Sprachpraxis zu gelangen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit nutzt eine fundierte Literaturanalyse pädagogischer und didaktischer Standardwerke, um theoretische Grundlagen zu erarbeiten, ergänzt durch einen konkreten, selbst entwickelten Unterrichtsentwurf, der an der beninischen Realität ausgerichtet ist.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine tiefgehende Auseinandersetzung mit lerntheoretischen Grundlagen, eine Abgrenzung zu anderen Unterrichtskonzepten sowie eine detaillierte Darstellung und exemplarische Planung einer handlungsorientierten Unterrichtsstunde.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Handlungskompetenz, Lernerzentrierung, Ganzheitlichkeit, Konstruktivismus und das Konzept der Szenariendidaktik charakterisiert.
Warum ist die traditionelle Lehrmethode in Benin ein Hindernis für den Spracherwerb?
Traditionelle Methoden wie der Frontalunterricht und die Grammatik-Übersetzung-Methode fördern laut der Autorin eher strukturelle Kompetenzen, führen jedoch zu Defiziten in der aktiven mündlichen und schriftlichen Äußerungsfähigkeit, da die kommunikative Anwendung fehlt.
Wie soll das vorgeschlagene Szenario den Unterricht verändern?
Die Szenariendidaktik soll den Unterricht von einer festen Struktur befreien und den Schülern authentische Aufgaben bieten, in denen sie die Zielsprache in realitätsnahen Situationen, wie etwa bei einer Berlin-Rallye, aktiv und selbstbestimmt anwenden können.
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- Odile Ahouansinkpo (Author), 2013, Handlungsorientierung. Grundlagen und Prinzipien im Fremdsprachenerwerb am Beispiel des Deutschunterrichts in Benin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324185