Geschlechterverhältnis im Internet - Projekt: Männerdominanz im Chatroom


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
44 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis iii

Teil I: Theoretische Grundlagen ñ Martina Korff

Geschlechter im Internet

1 Das Internet und seine Nutzer in Zahlen
1.1 Userstrukturen, ñtypologien und Nutzungsmotive
1.1.1 Grundlegende Statistik
1.1.2 Motive der Onlinenutzung
1.1.3 Frauen im Internet
1.1.4 Einstellungen zum Internet
1.2 Das Internet ist Teil des Alltags

2 Die Geschlechter im Netz
2.1 Grundlagen der Geschlechterforschung
2.1.1 In den 70ern: Gleichheitsansatz
2.1.2 In den 80ern: Differenzansatz
2.1.3 In den 90ern: Geschlechterforschung
2.2 Begegnungen in der virtuellen Welt
2.2.1 Zeitverzˆgert-einseitige Kommunikation
2.2.2 Zeitverzˆgert-direkte Kommunikation
2.2.3 Zeitgleich-direkte Kommunikation
2.2.3.1 Schriftlichkeit und geographische Distanz
2.2.3.2 Virtuelle Repr‰sentation: "You are who you pretend to be"
2.2.3.3 Exkurs: Forschung im Netz
2.2.3.4 Glaubwurdigkeit und Vertrauen
2.3 Herausforderungen und Chancen computervermittelter Kommunikation
2.4 Geschlechterverh‰ltnis in der virtuellen Welt
2.4.1 Cyberfeminismus
2.4.2 M‰nnerdominanz

3 Fazit

Teil II: Empirische Analyse - Stefan Janotta

M‰nnerdominanz im Chat-Room

4 Der Chat-Room der Frauen-Zeitschrift Allegra als ideales Untersuchungsobjekt zur ‹berprufung der Geschlechterordnung
4.1 Allegra ñ Zielgruppe der Zeitschrift und des Online-Angebotes
4.2 Formaler Aufbau des Allegra Chat-Rooms

5 Formulierung der Forschungsfragen

6 Forschungsdesign

7 Methoden zur Operationalisierung der Forschungsfrage im Allegra-Chat-Room
7.1 Formale Kriterien
7.2 Inhaltliche Kriterien

8 Die ‹berprufung der Geschlechterordnung im Allegra-Chat-Room anhand einer teilnehmenden Beobachtung
8.1 Teilnehmende Beobachtung
8.1.1 Formale Kriterien
8.1.2 Inhaltliche Kriterien
8.2 Bedeutung der Ergebnisse fur die Forschungsfrage und ein Vergleich zu bisherigen Untersuchungen

9 Fazit und Ausblick: Das Ergebnis der explorativen Analyse als Basis neuer Fragestellungen zur

Geschlechterordnung im Internet

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Struktur der "Allgera"-Leser im Vergleich zum Durchschnitt aller Zeitschriften

Abbildung 2: Prozentualer Anteil der Teilnehmer und Statements aufgeteilt auf die Nicknames Phantasie, Frau und Mann

Abbildung 3: Gesamtwert der m‰nnertypischen-frauenfeindlichen Statements aufgeteilt auf die Bezugsgruppen

Tabelle:

Matrix zur Ableitung formaler Indikatoren

Geschlechter im Internet

Internet, Online, World Wide Web ñ Begriffe fur das derzeit wohl in der Kommunikationsforschung, der Soziologie, der Psychologie und auch den Wirtschaftswissenschaften ñ um nur einige zu nennen ñ am eindringlichsten betrachtete Ph‰nomen. Die weltweite Vernetzung erˆffnet Chancen, formt neue Blickwinkel und stellt seine Nutzer vor Herausforderungen. Die gesch‰ftlichen Mˆglichkeiten reizen die Phantasie von Weltmarktstrategen, die Technologien ˆffnen Horizonte fur globalen Kontakt auf privater Basis, geographische Unabh‰ngigkeit und steigende Verbreitungszahlen erleichtern traditio- nelle Alltagsprozesse. 327 Millionen Menschen weltweit haben derzeit Zugang zum World Wide Web (WWW), alle 14 ñ 19 Monate verdoppelt sich diese Zahl (vgl. Der Markt der Online-Kommunikation 2000, S. 1). Bedingt durch seine Grenzenlosigkeit hat sich das Internet1 in den letzten Jahren zu einem "ˆkonomischen Faktor von enormer Bedeutung" (ebd.) entwickelt. Neue Arbeitspl‰tze, neue Arbeits- und Gesch‰ftsformen haben sich ergeben und mussen jetzt ihre Effektivit‰t und Zukunftssicherheit unter Beweis stellen. Die Nutzer innerhalb dieser Strukturen haben die Mˆglichkeit von (fast) uberall, (fast) immer auf die ge- wunschten Informationen zuzugreifen oder eigene Aussagen zu verˆffentlichen ñ und dies nicht nur in einem geographisch begrenzten Raum, sondern weltweit und nahezu zeitgleich. "Globales Know- ledge Management", "E-Business", "Virtuelle Teams", "Culture Change" oder "Online Konferenz" sind aktuelle Schlagworte und auch Herausforderungen an die Menschen, die Teil sind dieser berufli- chen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Verhalten und Verst‰ndnis eines jeden Beteiligten mussen angepasst werden an erweiterte Wirkungsbereiche, neue Kundenkreise und modifizierte Arbeitspro- zesse. Doch nicht nur die Wirtschaft und das berufliche Feld haben sich unter dem Einfluss des Inter- net ver‰ndert, sondern gerade auch in letzter Zeit das private.

Ursprunglich fur das Milit‰r, die universit‰re Bildung und Wissenschaft entwickelt, ist das Internet in aktueller Zeit deutlich zu einem Medium der Allgemeinheit avanciert. Es ermˆglicht schnelle Kommu- nikation zwischen Privatpersonen, erleichtert den Konsum von Produkten und liefert Information und Unterhaltung. Ziel dieser Arbeit ist es, diesen Aspekt des WWW unter dem speziellen Licht der Geschlechterverh‰ltnisse zu betrachten. Fragen wie: "Was ist der typische Nutzer?", "Unter welchen Bedingungen begegnen sich User?" und "Welche Konsequenzen ergeben sich daraus fur das Verh‰ltnis der Geschlechter?" sollen zuerst theoretisch erl‰utert und im zweiten Teil anhand der Analyse eines Mitschnitts der Aussagen in einem Chat-Room empirisch untersucht werden.

1 Das Internet und seine Nutzer in Zahlen

"War das Internet noch vor einigen Jahren ein Informations- und Kommunikationsmedium fur eine relativ uberschaubare, klar definierte Gruppe, so ist es inzwischen fester Bestandteil des Alltags." (Eimeren / Gerhard 2000, S. 338)

Diese Aussage fasst die augenscheinlichste Ver‰nderung der Internetnutzung (allerdings nur fur Deutschland) uber die letzten Jahre pr‰gnant zusammen. Die weltweite Vernetzung nahm ihren An- fang auf den Schreibtischen einer relativ kleinen Gruppe, die sich sehr einfach zusammenfassen l‰sst: m‰nnlich, formal hoch gebildet, relativ jung. Denn Mitglieder aus dem Milit‰r und der Wissenschaft waren es, die sich voller Begeisterung in die Programmierung und Weiterentwicklung dieser Techniken gesturzt haben. Oder anders gesagt, nur diese Berufsgruppen hatten die nˆtigen Geldmittel fur Daten- banken, vernetzte Rechner und Online-Kommunikation zur Verfugung. Doch das ist mittlerweile einige Jahre her. Die Technologie ist mittlerweile gunstiger geworden, die Gesellschafts- und Berufs- strukturen haben sich ver‰ndert und die Datenverarbeitung per Computer hat ihren Einzug gehalten in den beruflichen und privaten Alltag.

36 Prozent aller Internet-User weltweit kommen derzeit aus Europa (Der Markt der OnlineKommunikation 2000, S. 1) ñ es stellt sich die Frage, ob es sich dabei ausschliefllich um Berufst‰tige handelt oder ob nicht ein grofler Teil auch Privatpersonen sind.

Die folgenden Kapitel werden mit Rucksicht auf den Umfang der Arbeit und vor allem auf das an- schlieflend beschriebene Forschungsprojekt, welches sich auf eine deutsche Frauenzeitung bezieht, Aufschluss uber Entwicklungen und Zahlen der Online-Bevˆlkerung in Deutschland gegeben.

1.1 Userstrukturen, ñtypologien und Nutzungsmotive

1.1.1 Grundlegende Statistik

Laut der ARD/ZDF-Online-Studie 2000 surften im Fruhjahr 2000 28,6 Prozent der Erwachsenen (ab 14 Jahren) in Deutschland im Netz. Das bedeutet, dass mittlerweile mehr als vier mal so viele wie 1997, n‰mlich 18,3 Millionen Menschen, Zugang zum WWW haben.2 Bei der letzten Erhebung 1999 wurden erst 11, 2 Millionen, 1998 sogar nur 6,6 Millionen gez‰hlt. Im Durchschnitt also Zuwachsraten von ca. 65 Prozent pro Jahr (Eimeren / Gerhard 2000, S. 339).

Die Verbreitung des Internets nimmt damit stetig zu. Ein Grund dafur liegt einerseits sicherlich in dem wachsenden Online-Bewusstsein seitens der Anbieter von Konsumgutern und Dienstleistungen, fur die "[...] die Internetpr‰senz nicht mehr ein Zeichen der Innovationsfreude, sondern ein "Muss" [...]" (Eimeren / Gerhard 2000, S. 338) ist. So stieg zum Beispiel allein die Anzahl der .de-Domains von 441.000 im M‰rz 1999 auf 1.999.000 im M‰rz 2000 (vgl. Der Markt der Online-Kommunikation 2000, S. 1). Internetpr‰senz bedeutet in diesem Fall nicht nur, sich selbst online zu repr‰sentieren, sondern in immer grˆflerem Mafle Dienstleistungen im Internet anzubieten, Produkte direkt zu (ver)kaufen oder spezielle Interessensgruppen ñ auch interaktiv ñ mit den gewunschten Daten zu versorgen. Um diese Erwartungen immer gezielter entsprechend der Kundenwunsche zu erfullen, bauen Firmen OnlineAbteilungen auf. Immer mehr Mitarbeiter, auch die ohne technischen Berufshintergrund, haben dadurch direkt in ihrem Berufsalltag mit dem Medium Internet zu tun.

Andererseits hat die ARD/ZDF-Projektgruppe Multimedia herausgefunden, dass vor allem in den letzten zwei Jahren die private Nutzung des Internets die grˆflten Zuwachsraten erlebt. So haben mittlerweile 33 Prozent, statt 14 Prozent im Jahr 1997, aller Nutzer im Beruf, am Ausbildungsplatz und zu Hause die Mˆglichkeit, online zu gehen. Waren es 1997 noch 59 Prozent aller Online-User, die nur am Arbeits- oder Ausbildungsplatz Internet zur Verfugung hatten, so ist dieser Anteil 2000 auf 22 Prozent gesunken. Der Anteil derjenigen, die ausschliefllich zu Hause Anschluss an die virtuelle Welt haben ist dagegen von 27 auf 43 Prozent gestiegen (vgl. Eimeren / Gerhard 2000, S. 339). Es gilt zu kl‰ren, warum sich immer mehr Menschen in Deutschland einen privaten Internetanschluss anschaffen.

1.1.2 Motive der Onlinenutzung

Die ARD/ZDF-Online-Studie 2000 identifiziert mehrere Motive, die die Anschaffung eines Interne- tanschlusses zus‰tzlich zum Buro oder uberhaupt zu Hause erkl‰ren kˆnnten. An erster Stelle steht die Mˆglichkeit auf einfachem und schnellem Wege Informationen, Produkte und Dienstleistungen abrufen zu kˆnnen, die das allt‰gliche, private und soziale Leben erleichtern. Gefolgt wird dies von der Kommunikation per E-Mail oder Chat-Room / Newsgroups und dem Zu- gang zu Weiter- und Fortbildungsmaterial. Kaum Relevanz dagegen haben Motive der Unterhaltung und technischen Spielereien (vgl. Eimeren / Gerhard 2000, S. 340f). Zusammenfassend l‰sst sich also fol- gern, dass die kommunikativen, informativen und gebrauchsorientierten Vorteile des Internets ñ zu- mindest bei Befragungen, die auf Selbsteinsch‰tzungen beruhen ñ deutlich uberwiegen. Diese Aussage wird unterstutzt und weiter differenziert durch eine aktuelle W3B Studie des Marktfor- schungsunternehmens Fittkau & Maafl GmbH (2001). Hier wurden die besonderen Interessen derje- nigen Internetuser untersucht, die im vergangenen Jahr 2000 zum ersten Mal das Internet genutzt haben. Folgende Ergebnisse zeigen sich: 58,7 Prozent der sogenannten "Newbies" interessieren sich fur "Mode, Kosmetik, Kˆrperpflege", 35,1 Prozent fur "Kochen und Backen", 30,6 Prozent fur "Er- n‰hrung". Auch hier eher der Anspruch an Information und Gebrauch. Noch etwas f‰llt auf: Alles in allem handelt es sich eher um 'weibliche' Themen, wenn man g‰ngigen Stereotypen Glauben schenkt. Und in der Tat: "knapp 58 Prozent der Neuzug‰nge im Alter von 14 bis 39 Jahren [sind] weiblich" (Fittkau&Maafl 2001, Anhang 2, S. 48ff).

Das fugt eine neue Perspektive zu den Erkenntnissen des vorherigen Kapitels hinzu: nicht nur findet der Zuwachs der Internetanschlusse mittlerweile eher im privaten Bereich statt, sondern mehr als die H‰lfte aller Neuzug‰nge sind Frauen. Findet da gerade eine Trendwende statt?

1.1.3 Frauen im Internet

"Bis 1998 war der Onlinenutzer eindeutig beschreibbar: Berufst‰tig (70% aller Onlinenutzer), m‰nnlich (72%), formal hochgebildet (62%) und zwischen 20 und 39 Jahre alt (63%)." (Eimeren / Gerhard 2000, S. 340)

Seit 1999 finden vermehrt Frauen wie auch jungere und ‰ltere Menschen den Anschluss an die virtuelle Welt. Der Anteil der Internetanwenderinnen an allen Frauen in der Bundesrepublik Deutschland stieg zum Beispiel von 3,3 Prozent in 1997 auf 21, 3 Prozent in 2000. Somit sind mittlerweile 39 Prozent aller Onlinenutzer Frauen ñ im Vergleich: 1997 waren es noch 27 Prozent (ebd.). Auf den ersten Blick vielleicht nicht revolution‰r, aber auf den zweiten Blick doch interessant. Erkl‰rend ein paar weitere Zahlen: Zwischen 1997 und 2000 stieg die Zahl der 'typischen', also m‰nnlichen Onlinenutzer um 8 Millionen auf gesamt 11 Millionen. Nahezu genauso viele Frauen, n‰mlich knapp 6 Millionen, sind in dieser Zeit ebenfalls zu Onlinenutzern geworden. Allerdings kommt die weibliche Beteiligung am Internet derzeit erst auf insgesamt 7 Millionen Nutzerinnen.

Beachtenswert aus dem Blickwinkel der Geschlechterverh‰ltnisse ist vor allem, dass 48 Prozent aller Internetnutzerinnen nur zu Hause die Mˆglichkeit haben, das Internet zu benutzen. Hierbei muss es sich also um Hausfrauen oder andererseits Berufst‰tige handeln, die sich einen erg‰nzenden Anschluss zuhause angeschafft haben, um entweder von dort zu arbeiten, oder die Vorzuge des Internets auch privat zu nutzen.

Dennoch muss folgendes Ergebnis der ARD/ZDF-Online-Studie 2000 im Hinterkopf bleiben: "Die absolut hˆchsten Zuwachszahlen resultieren weiterhin aus der Stammklientel der Internetnutzer, den 39-J‰hrigen und formal Hochgebildeten." (Eimeren / Gerhard 2000, S. 348) ñ hinzuzufugen ist "M‰nner".

1.1.4 Einstellungen zum Internet

Werden Menschen danach befragt, was sie uber das Internet denken, zeigen sich vor allem zwei Haltungsrichtungen: positiv, bejahend, neugierig und eher negativ, ablehnend, zuruckhaltend. Auf der positiven Seite zeigen sich in erster Linie Meinungen, dass es leicht sei, online neue Menschen kennen zu lernen (74% aller Onlinenutzer ab 14 Jahre), dass der Onlinezugang zu Chancengleichheit verhilft (64%) oder dass das Verst‰ndnis fur andere Kulturen wachsen wird (64%). Negative Einstellungen gehen davon aus, dass jugendgef‰hrdende / extremistische Inhalte zunehmen werden (71%), Onlinenutzer seltener persˆnliche Kontakte haben (48%) und dass der gemeinsame Gespr‰chsstoff in der Gesellschaft abnehmen wird (30%) (ebd., S. 344.).

Erkl‰ren diese negativen Einstellungen die Tatsache, dass nur 18,3 Millionen Menschen in Deutschland online sind? Die ARD/ZDF-Projektgruppe Multimedia fuhrt seit 1999 eine eigenst‰ndige Untersuchung, die ARD/ZDF-Offline-Studie, durch, die sich speziell den Nichtnutzern, beziehungsweise den jeweiligen Zugangsbarrieren widmet.

Nach wie vor ist die Mehrheit der deutschen Bevˆlkerung offline. Und auch im Jahr 2000 geben nur 17 Prozent der Gesamtbevˆlkerung (entspricht 24 Prozent der Offliner) an, dass Sie sich demn‰chst ganz bestimmt oder wahrscheinlich einen Internetzugang anschaffen wollen (vgl. Grajczyk / Mende 2000, S. 351). Grunde fur diese Entscheidung liegen vor allem in dem Bestreben, den Umgang mit dem Me- dium zu erlernen, per E-Mail erreichbar zu sein und das umfassende Informations- und Kommunika- tionsangebot zu nutzen. Diese Angaben decken sich mit den Aussagen, die die Online-Studie der ARD/ZDF-Projektgruppe Multimedia hervorbrachte. Interessant ist dabei vor allem, dass sowohl die positiven als auch die negativen Einstellungen unter den Offlinern nicht von speziellen soziodemogra- phischen Zugehˆrigkeiten abh‰ngig sind. Frauen, M‰nner, ‰ltere und jungere Personen scheinen also ‰hnlich uber das Medium zu denken.

Erkl‰rungen fur Online-Abstinenz mussen daher im Detail gesucht werden: 88 Prozent derjenigen, die in Zukunft nicht planen, online zu gehen, geben als Grund an, weder beruflich noch privat Bedarf fur einen Personal Computer (PC) beziehungsweise einen Internetanschluss zu haben. 47 Prozent sagen, dass durch PC-Nutzung soziale Kontakte vernachl‰ssigt werden und 43 Prozent geben an, sich die Bedienung dieser technischen Ger‰te nicht zuzutrauen (vgl. ebd.). Eine weitere wichtige Komponente stellt die Kostenbelastung dar: 47 Prozent der oben genannten Gruppe sind der Meinung, dass PCs und Internet eine zu hohe Kostenbelastung fur sie darstellen, da einerseits kein allzu hoher Anstieg der Einkommen erwartet, aber andererseits das Medienbudget durch die Verbreitung von Pay-TV und ‰hnlichem steigen wird (vgl. ebd., S. 353f).

Soziale Folgen der weltweiten Vernetzung stellen sich also auch fur die Offliner zweiseitig dar: auf der einen Seite sch‰tzen sie die kommunikative, informierende und auch integrierende Funktion des Net- zes, auf der anderen Seite thematisieren sie wesentlich st‰rker mˆgliche negative Folgen. Die erleich- terte Verbreitung pornographischer, extrem politischer oder jugendgef‰hrdender Inhalte, und die Un- sicherheit bezuglich der eigenen Privatsph‰re sind fur sie in Zusammenspiel mit hohen Kosten, feh- lendem Nutzen und umst‰ndlicher Bedienung zu hohe Barrieren, um eventuell doch online zu gehen. Daraus folgt, dass steigende Userzahlen in allen Altersgruppen unter anderem durch geringere Kosten und eine hˆhere Benutzerfreundlichkeit der Hard- und Software sowie der Webinhalte zu erreichen w‰ren.

1.2 Das Internet ist Teil des Alltags

Die st‰rkere Einbindung des Mediums in den Alltag, die, wie in Kapitel 1 und folgende beschrieben, gerade in den letzten Jahren stattgefunden hat, zeigt, dass die Angebotspalette an Inhalten im Internet immer mehr den Wunschen und Erwartungen unterschiedlichster sozialer Gruppen entspricht. Nicht mehr nur berufst‰tige M‰nner besch‰ftigen sich mit der virtuellen Welt, sondern vor allem Frauen und ‰ltere Personen entscheiden sich, online zu gehen. Grunde dafur sind eine durchweg kritische, aber positive Sicht der Mˆglichkeiten von Kommunikation, Information und Integration. Dennoch beste- hen nach wie vor Zugangsbarrieren, die die unterschiedlichen Gruppen der Gesellschaft auf verschie- dene Weise affektieren.

Warum zum Beispiel sind nach wie vor M‰nner die aktivste und absolut am st‰rksten wachsende Gruppe bei den Internetusern? Warum gehen jetzt so viele Frauen online und was machen sie da? Wie setzen sie sich mit der herrschenden Dominanz der M‰nner in diesem Bereich auseinander? Antworten sollen die n‰chsten Kapitel liefern.

2 Die Geschlechter im Netz

7 Millionen Frauen und 11 Millionen M‰nner in Deutschland sind im Jahr 2000 an das weltweite Netz angeschlossen (vgl. Eimeren / Gerhard 2000, S. 340). Zum Vergleich: 1999 waren es nur knapp 4 Millionen weibliche und rund 7 Millionen m‰nnliche Nutzer (vgl. ARD/ZDF-Arbeitsgruppe Multimedia 1999 b, S. 423). Obwohl die Frauen wesentlich am Zuwachs der Online-Gemeinde beteiligt sind, ist das Internet zahlenm‰flig noch fest in m‰nnlicher Hand.

"Die verschiedenen Erkl‰rungsans‰tze reichen von der Vermutung, dass Medien bei M‰nnern und Frauen unterschiedliche Bedurfnisse ansprechen bis hin zu der Annahme, dass unterschiedliche Alltagsbedingungen der Geschlechter, wie beispielsweise das Aus- mafl der Berufst‰tigkeit, bestimmend fur die Diskrepanzen im Umgang mit Medien sind." (ebd.)

M‰nner und Frauen haben ganz unterschiedliche Ausgangspunkte bezuglich der Online-Technik. So w‰hlen M‰nner sehr viel ˆfter technische Ausbildungswege, w‰hrend Frauen h‰ufig soziale oder kommunikative Berufe erlernen. Dies zeigt sich auch in der Wahl der Studienf‰cher. In den Sprach- und Kulturwissenschaften belief sich der Frauen-Anteil im Wintersemester 1998/99 auf 65,5 Prozent, in den Ingenieurwissenschaften dagegen nur auf 19 Prozent (vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland, Anhang 4, S. 62ff). Dies hat naturlich Folgen im Berufsleben: M‰nner sind erstens nach wie vor h‰ufiger berufst‰tig als Frauen und arbeiten zweitens noch h‰ufiger in Bereichen, die die Besch‰ftigung mit Computern und technischen Medien erfordern. Die Studie "Internet ñ (k)eine M‰nnerdom‰ne" hat erwiesen, dass die erste Begegnung mit dem Internet h‰ufig am Arbeitsplatz stattfindet (vgl. ARD/ZDF- Arbeitsgruppe Multimedia 1999 b). Eine deutliche Zugangsbarriere fur Frauen, da sie oft zugunsten von Familienplanung die Berufst‰tigkeit aufgeben oder nur noch teilweise besch‰ftigt sind. Dies zieht einen zweiten Unterschied zwischen den Geschlechtern nach sich. M‰nner verdienen heute im Durchschnitt nach wie vor mehr als Frauen. Sie kˆnnen es sich also eher leisten, zus‰tzliche Ausgaben fur techni- sche Neuheiten oder Schulungen in diesen Bereichen zu haben.

Weitere Differenzen zeigen sich in der Herangehensweise an das Medium. Elisabeth Klaus setzt sich in ihrem Buch "Kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung" (1998) mit dem Thema der "Gendered Technologies" auseinander. Dabei wird erˆrtert, welche Position M‰nner und Frauen in den Bereichen Technologieentwicklung, -nutzung und -aneignung besetzen. Sie zeigt, dass durch Erziehung, Ausbildung, Beruf und soziale Rollenverst‰ndnisse das Thema Technik auch heute noch mit einem m‰nnlichen Interessens- und Herrschaftsgebiet gleichgesetzt wird. Frauen sind zwar zum Teil versierte Anwender verfugbarer Technologien, bleiben aber bei der Produktion meistens auflen vor. Sie lernen eher, mit Hilfe der Technik ein Ziel zu erreichen, w‰hrend M‰nner sich um der Tech- nologie selbst willen damit besch‰ftigen.

Mit Blick auf die virtuelle Welt l‰sst sich sagen: M‰nner sind bezogen auf technische Dinge spieleri- scher, konzeptueller veranlagt und nutzen entsprechend das Internet, um diesen Interessen nachzuge- hen. Einerseits bedeutet dies, dass sie mehr Zeit mit dem ziellosen Surfen ohne konkreten Informati- onsbedarf verbringen, andererseits bezieht sich die Aussage tats‰chlich auf die Teilnahme an (Rollen-) Spielen im Netz. Frauen dagegen sch‰tzen am Internet vor allem seinen konkreten Gebrauchswert, also Informations- und Serviceleistungen sowie die Mˆglichkeit der E-Mail-Kommunikation (vgl. ARD/ZDF-Arbeitsgruppe Multimedia 1999 b).

Doch auch hier kˆnnen sich die Ergebnisse je nach Studienanlage unterscheiden. Das W3B-Profil "Wie nutzen Frauen das Web?" von der Fittkau & Maafl GmbH zeigt, dass M‰nner und Frauen im- merhin ungef‰hr gleichh‰ufig E-Mail benutzen, n‰mlich jeweils ca. 85 Prozent aller Nutzer. Aber be- reits bei den Besuchen von Chat-Rooms zeigt sich, dass Frauen hier aktiver sind: 31,9 Prozent der Frauen versus 25,3 Prozent der M‰nner nutzen diese Kommunikationsmˆglichkeit h‰ufig / gelegent- lich. Noch deutlicher ist der Unterschied beim Versenden elektronischer Postkarten, das von 41,5 Prozent der weiblichen, aber nur 21,5 Prozent der m‰nnlichen Nutzer h‰ufig / gelegentlich genutzt wird (vgl. Fittkau & Maafl 2000 a, Anlage 3, S. 53ff). Zu beachten bleibt, dass es sich dabei um online erho- bene Daten in Form von Selbstaussagen handelt. Das Ph‰nomen der sozialen Erwunschtheit ñ even- tuell als seriˆs und informationsorientiert, statt sexbesessen und verspielt zu gelten ñ kann also nicht ausgeschlossen werden.

Die Studien von Dorer (1998) und Nerverla (1998) charakterisieren zusammenfassend das m‰nnliche Online-Verhalten als dominant bis aggressiv, das weibliche dagegen als integrativ-kooperativ und kommunikativ. Diese Erkenntnisse haben zwar auch eine Auswirkung darauf, wo sich die Geschlech- ter im Netz aufhalten, wesentlich st‰rker jedoch beeinflussen sie die Art und Weise, wie sie sich dort verbal repr‰sentieren.

Der zweite Teil der vorliegenden Arbeit soll empirisch untersuchen, inwieweit diese Thesen haltbar und im virtuellen Raum 'real' sind.

Zuvor gilt es allerdings, eine Grundlage zu schaffen, die kl‰rt, wie die Wissenschaft Geschlechter im Netz sieht, wie Geschlecht verstanden wird und welche Herausforderungen und Chancen das Medium Internet M‰nnern und Frauen bietet.

2.1 Grundlagen der Geschlechterforschung

Bei der derzeitigen Situation der Geschlechter im Internet stellt sich die Frage, warum gerade jetzt so viele Frauen das Netz fur sich entdecken. Die Studien der ARD/ZDF-Forschung haben ergeben, dass, bedingt durch vermehrte Berufst‰tigkeit unter Frauen und Eingliederung des Mediums in den Alltag, die Frauen den Gebrauchswert und den Dienstleistungscharakter entdecken und daher Anbindung an die virtuelle Welt suchen. Das W3B Profil: "Wie nutzen Frauen das Netz?" (Fittkau & Maafl 2000 a) zeigt, dass sich Frauen sogar lieber noch als M‰nner in Chat-Rooms tummeln und elektronische Postkarten versenden. M‰nner dagegen unterhalten sich lieber in Newsgroups, oder widmen sich technischen Herausforderungen. Dabei zeigen M‰nner deutlich einen dominanteren Kommunikationsstil als Frauen, die eher Motiven der Integration folgen.

Die kommunikations- und sozialwissenschaftliche Geschlechterforschung hat sich damit auseinandergesetzt, was dieser Einzug der Frauen in das nach wie vor m‰nnlich dominierte Refugium Internet bedeutet und welche Folgen er fur die sozialen Beziehungen zwischen M‰nnern und Frauen sowie den Geschlechterkonstruktionsprozess nach sich zieht.

Nach Elisabeth Klaus l‰sst sich die sozialwissenschaftliche Besch‰ftigung mit dem Verh‰ltnis von Mann und Frau in drei Phasen unterteilen: die Frauenforschung, zu der der Gleichheitsansatz und der Differenzansatz z‰hlt und die darauf aufbauende Geschlechterforschung (dies und nachfolgende Kapitel vgl. Klaus 1998, S. 15ff sowie Tabelle 1, S. 67). Ziel dieses Kapitels ist es nicht, einen vollst‰ndigen ‹berblick uber Forschungsstand und ñentwicklung zu geben, da ein solcher mit der Arbeit von Elisabeth Klaus (1998) schon vorliegt. Vielmehr ist die Absicht, Sichtweisen zu skizzieren, mit denen das Thema ÑGeschlechter im Internetì aufgearbeitet und strukturiert werden kann.

2.1.1 In den 70ern: Gleichheitsansatz

Der Gleichheitsansatz, der vor allem in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts vertreten wird, geht davon aus, dass M‰nner und Frauen eigentlich gleichgestellt sein mussten. Die soziale Funktion der Frau als Mutter und Huterin des Haushaltes wird in diesem Verst‰ndnis jedoch als Diskriminierung ihrer Entwicklungsmˆglichkeiten gegenuber denen des Mannes gesehen, da sie kaum Mˆglichkeiten hat, Einfluss auf soziale und wirtschaftliche Prozesse zu nehmen. "Frau" bedeutet "Nicht Mann" und entspricht so einer abh‰ngigen, untergeordneten Position, die sich vor allem auch in stereotypischen Darstellungen in den Medien manifestiert.

Alexandra Bader betrachtet "Weiber im Cyberspace" (1998) aus einem ‰hnlichen Blickwinkel. Das Netz ist eindeutig m‰nnerdominiert, Frauen halten nicht nur physikalisch, sondern auch nach wie vor mental ñ mangels Alltagsnutzen ñ Abstand zum Medium. Die Autorin ist der Meinung, dass Frauen fur weniger f‰hig im Umgang mit dem Internet gehalten werden, ein Zustand, der sich in ihren Augen nur durch konsequente Frauenfˆrderung und -organisation ‰ndern wird. Besonders viel Wert legt sie in ihren Ausfuhrungen darauf, dass das "schwache" Geschlecht, sollte es auf die Idee kommen, eine kommunikative Plattform wie Chat oder Newsgroup zu besuchen, nahezu grunds‰tzlich erwarten kann, einem aggressiven, bel‰stigenden und zu jeder Beleidigung bereitem "starken Geschlecht" ge- genuber zu stehen: "Der Frauenfeindlichkeit ist damit auch Tur und Tor geˆffnet." (Bader 1998, S. 434). Das Internet wird hier androzentrisch betrachtet ñ alles ist m‰nnlich und aufs M‰nnliche ausgerichtet, die Frau ist nur Eindringling, Sonderfall, Auflenseiter.

Ist der Gleichheitsansatz als Schema der 70er Jahre noch verst‰ndlich, f‰llt es mir schwer, die ƒufle- rungen von Frau Bader, die erst 1998 verˆffentlicht wurden, als zeitgem‰fl zu empfinden. Wie schon das aktuelle W3B-Profil: "Wie nutzen Frauen das Netz?" (Fittkau & Maafl 2000 a) zeigt, gibt es sogar mehr weibliche als m‰nnliche Interessenten fur Chat-Rooms. Frauen haben ñ wenn auch nach wie vor in der Minderzahl ñ das Medium fur sich entdeckt und wissen, es in ihrem Sinne und Spafl zu benut- zen.

"Dennoch zeigt sich auch hier wieder, dass die Welt des Internet doch von den Gegebenheiten der realen Welt bestimmt wird" (Bader 1998, S. 435). Und damit trifft die Autorin ñ wenn auch nicht in diesem Sinne beabsichtigt ñ sehr viel n‰her die heutige Realit‰t. Auch im 'real life' gibt es M‰nner, die Frauen bel‰cheln, anpˆbeln und fur etwas Minderwertiges halten. Aber es gibt auch die 'Gentlemen', die 'Muttersˆhnchen' und den 'besten Freund zum Pferdestehlen drei Etagen tiefer'. Genauso gibt es hier und da Frauen, die engstirnig, aggressiv und rude sind oder sich gerne bei einem Fuflballspiel in der Kneipe um die Ecke betrinken.

Hier zeigt sich eine der signifikantesten Schw‰chen des Gleichheitsansatzes: M‰nner und Frauen werden aneinander gemessen und dabei wird ein identischer Ausgangspunkt angenommen. Doch warum werden M‰nner nicht an den Frauen und an ihrem speziellen Lebenswandel gemessen? Weil sie ñ zum Beispiel im Internet ñ zuf‰llig in der ‹berzahl sind?

Der Differenzansatz, der die n‰chste Epoche der Frauenforschung beherrscht, korrigiert diesen Blickwinkel.

2.1.2 In den 80ern: Differenzansatz

Bei diesem Geschlechterverst‰ndnis wird angenommen, dass M‰nner und Frauen aufgrund ihres Ge- schlechts unterschiedliche Handlungsweisen und Verst‰ndnisprozesse an den Tag legen. Es werden also keine Machtgefuge oder soziale Positionen betrachtet, sondern die Geschlechter werden als etwas von vornherein Unterschiedliches verstanden ñ wobei gerade in dieser Verschiedenheit die St‰rken liegen. Frauen haben ñ gepr‰gt durch jahrelange Erziehung in eine bestimmte soziale Funktion hinein ñ F‰higkeiten entwickelt, die bei M‰nnern in ganz anderer Weise oder eventuell sogar gar nicht ausge- bildet sind. Andersherum gilt naturlich das gleiche. Dieses spezifische Wissen kann und wird von den Geschlechtern in privater und beruflicher Hinsicht aktiviert werden und fuhrt somit zu m‰nnlich und weiblich besetzten "Spezialgebieten", ohne dass dies als Diskriminierung, wie das beim Gleichheitsan- satz der Fall ist, fuhrt.

Bezogen auf das Internet bedeutet dies, dass Frauen hier nicht als Eindringlinge in die m‰nnlich besetzte Welt der Technik und Belustigungsobjekte fur eine eingeschworene Gemeinschaft gesehen werden, sondern als erg‰nzende Teilnehmer, die an ganz anderen Informationen, Herausforderungen und Kommunikationsmˆglichkeiten interessiert sind.

Christina Holtz-Bacha erl‰utert dieses Verst‰ndnis, allerdings ubertragen auf die Kommunikationsforschung, in ihrer Abhandlung "Der kleine Unterschied im Medienverhalten und seine Folgen fur die Kommunikationsforschung" (1990). Kurz zusammengefasst:

"Nicht die biologischen Unterschiede sind dafur verantwortlich, wenn Frauen eine andere Beziehung zu den Medien entwickeln als M‰nner, sondern das, was die Gesellschaft aus den Unterschieden macht." (Holtz-Bacha 1990, S. 165)

Die Gesellschaft ist hier als konstituierendes Element zu verstehen. Sieht die gesellschaftliche Norm die Frau als Verantwortliche fur Haushalt, Kindererziehung und soziale Integration, so erwartet sie von ihr, diese Aufgabe zu beherrschen und sich naturlich auch aus einem praktischen Gesichtspunkt dafur zu interessieren. Sieht die Gesellschaft im Gegenteil den Bereich des Mannes in Technik, Fuflball, Politik und finanzieller Versorgung, so erwartet sie auch von ihm, sich entsprechend zu verhalten und sich mit den spezifischen Informationsquellen zu besch‰ftigen. Dies kann in einem ersten Schritt die langj‰hrige Absenz der Frauen im Internet plausibel erkl‰ren.

Die Internettechnologie wurde fur das Milit‰r und die Wissenschaft entwickelt ñ zu der damaligen Zeit haupts‰chlich mit M‰nnern besetzte Berufe. Demzufolge waren auch die ersten Themen im Internet angelehnt an diese Interessensbereiche. Um Frauen und das Internet zusammenzubringen, mussen also mehrere Barrieren uberwunden werden: mehr Frauen sind heute berufst‰tig und haben dadurch eher Bedarf fur virtuellen Anschluss. Zus‰tzlich finden immer mehr Computer ihren Weg auf private Schreibtische und das Internet bietet mittlerweile zahllose Seiten zu Schˆnheit, Erziehung, Ern‰hrung, Privatleben und Frauenzeitschriften.

Ein berechtigter Einwand hier kˆnnte lauten: "Um das zu erfahren, muss man sich uberhaupt erst einmal mit der Technik auseinandersetzen!" Das ist richtig und Studien wie die ARD/ZDF-Online- Studie belegen das. Immer mehr Frauen bewegen sich im WWW. Wahrscheinlich nicht nur angezogen durch die Mˆglichkeiten der Kommunikation, entdecken Sie praktische Werkzeuge, virtuelle Treff- punkte und Informationsplattformen, die Zugang zu Daten auf der ganzen Welt bieten. Begunstigt durch Mundpropaganda, Marketingstrategien, Fortbildungen, die st‰ndige Weiterentwicklung der Zu- gangssoftware sowie steigende Qualit‰t und Alltagstauglichkeit der Angebote im Netz, w‰chst die Rate der weiblichen User rapide an. Wichtig ñ aus dem Blickwinkel des Differenzansatzes ñ ist zu erw‰h- nen, dass M‰nner und Frauen tats‰chlich auch anders an das Netz herangehen. Wie schon erw‰hnt, wird der m‰nnliche Stil bei Irene Nerverla als "dominant bis aggressiv", der weibliche dagegen als "in- tegrativ-kooperativ" (Nerverla 1998, S. 140) charakterisiert, was seine Ursachen, zumindest teilweise, sicher auch in gesellschaftlich auferlegten und lange erlernten Verhaltensweisen hat. Frauen nutzen danach das Medium Internet eher, um soziale Kontakte zu pflegen oder herzustellen und eher privat- orientierte Informationen wie Rezepte, Ratschl‰ge und Serviceleistungen abzurufen. M‰nner dagegen finden sich in Multiple User Dungeons (MUDs)3 oder auf Technik-Homepages, diskutieren in News- groups oder erfreuen sich an Erotik-Angeboten. So sucht also jedes Geschlecht das, was zu seinem persˆnlichen Alltag passt ñ soziale Stellung und Lebenswandel, nicht Geschlecht allein, sind nach der Theorie des Differenzansatzes dafur verantwortlich, dass manche fruher, manche sp‰ter damit anfan- gen.

Doch was passiert, wenn die 'kommunikativen Frauen' und die 'aggressiven M‰nner' im Netz aufeinandertreffen?

[...]

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Geschlechterverhältnis im Internet - Projekt: Männerdominanz im Chatroom
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar Online-Angebote aus dem Blick der Kommunikationswissenschaft
Note
1,0
Autoren
Jahr
2001
Seiten
44
Katalognummer
V3242
ISBN (eBook)
9783638119658
Dateigröße
677 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschlechterverhältnis, Internet, Projekt, Männerdominanz, Chatroom, Hauptseminar, Online-Angebote, Blick, Kommunikationswissenschaft
Arbeit zitieren
Martina Korff (Autor)Stefan Janotta (Autor), 2001, Geschlechterverhältnis im Internet - Projekt: Männerdominanz im Chatroom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3242

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