Erklärte Ziele des Mindestlohnes sind der Schutz der Arbeitnehmer vor unangemessen niedriger Entlohnung, die Förderung eines Qualitäts- statt Lohnunterbietungswettbewerbs und somit auch eine Entlastung der sozialen Sicherungssysteme durch die Verringerung der Zahl an Menschen, welche neben ihrer nichtexistenzsichernden Tätigkeit noch staatlicher Sozialleistungen bedürfen. Doch ist dieses Instrument dafür geeignet, welche Effekte bringt es auf dem Arbeitsmarkt noch mit sich und inwieweit hat es sich nach nun über einem Jahr bewährt?
Diesen Fragen widmet sich diese Arbeit und beginnt mit dem theoretischen Fundament. Dabei wird der Mindestlohn zunächst neoklassisch, dann im Zwei-Sektoren-Modell und schließlich im Monopson betrachtet. Es folgt ein kurzer Anriss weiterer Theorien, um anschließend einen Überblick über diverse Prognosestudien und weitere Vorhersagen der Wirkungen eines gesetzlichen Mindestlohnes in Deutschland zu geben. Diese werden im darauf folgenden Teil anhand der aktuell beobachtbaren Entwicklungen überprüft. Die Ergebnisse der Arbeit sowie die auftretenden Schwierigkeiten werden am Ende in einem Fazit zusammengefasst.
1 Einleitung
2 Der Mindestlohn in der ökonomischen Theorie
2.1 Neoklassisches Modell
2.2 Zwei-Sektoren Modell
2.3 Monopson Modell
2.4 Andere Theorien
3 Prognosen
3.1 Sachverständigenrat
3.2 Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose
3.3 Gutachten der Dienstleistungsgewerkschaften
3.4 Fiskalische Effekte
4 Tatsächliche Entwicklungen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland unter Berücksichtigung theoretischer Modelle sowie aktueller Prognosen und beobachtbarer Entwicklungen. Ziel ist es, die Eignung des Instruments zu bewerten und die Diskrepanz zwischen theoretischen Erwartungen und der wirtschaftlichen Realität aufzuzeigen.
- Theoretische Fundierung des Mindestlohns (Neoklassik, Zwei-Sektoren-Modell, Monopson).
- Gegenüberstellung verschiedener Prognosestudien zu den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.
- Untersuchung der fiskalischen Effekte einer flächendeckenden Mindestlohnregelung.
- Evaluation tatsächlicher Entwicklungen nach der Einführung im Jahr 2015.
- Kritische Würdigung der Problematik einer seriösen Bewertung des Mindestlohns.
Auszug aus dem Buch
2.3 Monopson Modell
Die Idee des Monopson Modells lässt sich in etwa so zusammenfassen:
“If an employer has a significant degree of control over the wage rate he pays for a given quality of labor, a skillfully-set minimum wage may increase his employment and wage rate and, because the wage is brought closer to the value of the marginal product, at the same time increase aggregate output.” (Stigler 1946, S.360)
Zentraler Ansatzpunkt ist die Marktmacht des Arbeitsnachfragers. Diese besteht im Monopson, also einem Markt mit nur einem Nachfrager, da der Monopsonist im Gegensatz zum Wettbewerbsmodell nicht mehr an einen Gleichgewichtslohn gebunden ist. Gründe für eine solche Monopsonstellung können insbesondere in regionalen Gegebenheiten, mangelnder Arbeitermobilität sowie bestimmten Qualifikationserfordernissen liegen (vgl. Hagen 2008, S.92).
Der Monopsonist wählt seinen Lohnsatz w nun so, dass er seinen Gewinn G maximiert: G = p * f(L) - w(L) * L (3)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung bettet das Thema in den Kontext der deutschen Arbeitsmarktpolitik ein und stellt die Forschungsfragen sowie den Aufbau der Arbeit vor.
2 Der Mindestlohn in der ökonomischen Theorie: In diesem Kapitel werden grundlegende ökonomische Modelle zur Wirkung von Mindestlöhnen, wie das neoklassische Modell, das Zwei-Sektoren-Modell und das Monopson-Modell, erläutert.
3 Prognosen: Das Kapitel bietet einen Überblick über verschiedene Vorhersagen und Gutachten zu den Auswirkungen des Mindestlohns auf Beschäftigung und öffentliche Haushalte.
4 Tatsächliche Entwicklungen: Hier werden die realen arbeitsmarktpolitischen Trends nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns anhand von Daten und Branchenentwicklungen analysiert.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer langfristigen, unabhängigen Evaluation sowie der kritischen Betrachtung politischer Zielsetzungen.
Schlüsselwörter
Mindestlohn, Arbeitsmarkt, Neoklassisches Modell, Monopson, Beschäftigungseffekte, Prognose, Fiskalische Effekte, Mindestlohngesetz, Lohnunterbietung, Arbeitslosigkeit, Sozialversicherung, Markt macht, Kaufkraftargument, Wirtschaftsmodell, Bestandsaufnahme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Bestandsaufnahme der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland unter Einbeziehung ökonomischer Theorie und empirischer Beobachtungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Herleitung von Mindestlohnwirkungen, der Vergleich diverser Prognosestudien und die Analyse der tatsächlichen wirtschaftlichen Entwicklungen nach 2015.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu prüfen, inwieweit das Instrument Mindestlohn geeignet ist, die angestrebten Ziele zu erreichen, und welche realen Effekte sich im Vergleich zu theoretischen Modellen zeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Theorieanalyse sowie der Auswertung bestehender Prognosestudien und empirischer Daten der Arbeitsmarktstatistik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Lohnmodellen und einen umfangreichen Überblick über verschiedene Prognosen sowie deren Abgleich mit realen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mindestlohn, Beschäftigungseffekte, ökonomische Theorie, Monopson und fiskalische Auswirkungen charakterisiert.
Warum wird das Monopson-Modell als zentral hervorgehoben?
Es dient als wichtiges Erklärungsmodell, um positive Beschäftigungseffekte bei Mindestlohnregelungen theoretisch begründen zu können, sofern Marktmacht beim Arbeitgeber vorliegt.
Welche Rolle spielt die Differenzierung nach Branchen?
Die Branchenanalyse zeigt auf, dass negative Auswirkungen in Niedriglohnsektoren, die in Studien befürchtet wurden, nicht pauschal eingetreten sind.
- Arbeit zitieren
- Myro Kerler (Autor:in), 2016, Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324275