Ernst Theodor Amadeus Hoffmann „Der goldene Topf“. Eine Betrachtung des Werks anhand selbst entwickelter Thesen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

15 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Defintion Kunstmärchen

2. Thesen
2.1 In dem Werk Der goldene Topf von E.T.A. Hoffmann ist die reale Welt untrennbar mit der magischen Welt verbunden.
2.2 Durch das Werk wird deutlich, dass die Fantasie in jedem von uns steckt, aber nur ein gewisses Maß an Fantasie gesellschaftlich akzeptiert wird.

3. Fazit

4. Literatur

1. Einleitung

Im Proseminar der Literaturgeschichte Romantische Märchen befassten wir uns mit Werken verschiedener Autoren der Romantik, vor allem in Hinblick auf den Bereich der Märchen. Die Werke wurden gelesen und anschließend im Plenum vorgestellt und diskutiert. Kenntnisse über den Inhalt der jeweiligen Werke wurde vorausgesetzt, denn Gegenstand der Diskussionen waren ausschließlich selbst entwickelte Thesen. Diese wurden aufgestellt, präsentiert und anhand von Textbelegen und den daraus resultierenden Gedanken hinterfragt. Im Fokus standen weder die Gesellschaft und ihre Konventionen der damaligen Zeit, noch die Persönlichkeit der verschiedenen Autoren. Somit konnte ein produktives Klima ermöglicht werden, in dem das Hauptaugenmerk darauf lag, sich mit dem tatsächlichen Inhalt und Ästhetik der Märchen auseinanderzusetzen. Der Begriff des Märchens wird primär mit den gesammelten Volksmärchen der Gebrüder Grimm assoziiert und internalisiert. Davon abzugrenzen ist der Begriff der Kunstmärchen. Beide Begriffe weisen auffällige Parallelen, aber auch differente Charakteristika auf. Dementsprechend wird im folgendem Kapitel der Versuch unternommen, das Kunstmärchen als solches zu definieren, um sämtliche Thesen im Anschluss lediglich auf dieses spezielle Genre zu reduzieren. Nachdem die Frage nach der Definition geklärt ist, werden die Thesen der vorliegenden Hausarbeit vorgestellt und anhand vom Text gegebenenfalls verifiziert oder falsifiziert. Beim Lesen werden des Öfteren subjektive Eindrücke auf der Basis des Gelesenen reflektiert, woraus bestimmte Vermutungen oder Assoziationen geweckt werden. Diese Gedanken kommen nicht zufällig, da im Text selbst häufig Indizien herausgefiltert werden können, die einen bestimmten Eindruck vermitteln. Dieser Eindruck kann in geschriebener oder verbalisierter Form als These bezeichnet werden. Nun gilt es, diese These zu stützen oder gar zu verteidigen und sich intensiv mit dem Text zu befassen. Lediglich auf diese Weise können die wichtigen und aussagekräftigen Stellen herausgefiltert und zur Verifizierung der These instrumentalisiert werden. Wenn eine These entwickelt wurde, gilt es im Prinzip herauszufinden, was wozu geschrieben wurde. Es gilt Fragen zu beantworten, inwiefern stilistische Mittel zu welchen Zweck eingesetzt werden. Welche Funktion hat eine Passage? Wie wirkt sich eine Handlung auf die nächste aus?

1.1 Defintion Kunstmärchen

Relativ auffällig sind die geläufigen Assoziationen mit dem Begriff "Märchen". Dieser Begriff wird meist im selben Atemzug mit den Gebrüdern Grimm in Verbindung gebracht. Diese sammelten mündlich überlieferte Volksmärchen und fixierten diese schriftlich. Dem gegenüber stehen sogenannte Volksmärchen. Eines davon ist der Gegenstand der Untersuchung .Die klare Trennung beider Märchentypen gestaltet sich als schwierig, dennoch können einige Merkmale zur Unterscheidung herangezogen werden. Um nicht lediglich eine gültige Definition zu rezitieren, sollen nun die Merkmale des Kunstmärchens auf das vorliegende Werk bezogen werden. Das Märchen "Der goldene" Topf ist nicht mündlich überliefert, sondern schriftlich in seiner Originalfassung fixiert vorliegend und geistiges Eigentum seines Verfassers. Laut Klotz sind "Kunstmärchen [...] literarische, geschichtlich und individuell geprägte Abwandlungen der außerliterarischen, geschichtlich unbestimmten, anonymen Gattung Volksmärchen durch namhafte Autoren" (KLOTZ S. 2). In diesem Fall ist bekannt, dass E.T.A Hoffmann der Verfasser des Märchens ist und dieses im Jahre 1814 entstand. Die für Volksmärchen typische "Flachheit" der Figuren ist hier nicht anzutreffen. Laut Pöger-Alder wundern sich Helden des Volksmärchens nicht, wenn sie auf wundersame Dinge treffen (vgl. PÖGER-ALDER S. 24). Sie besitzen also keine tiefgehende Psyche, machen keine psychologische Entwicklung durch und sind nicht autoreflexiv. Im Gegensatz dazu agiert Anselmus durchaus psychologisiert, er hinterfragt seinen Geisteszustand, nachdem er mit der magischen Welt und deren Wesen in Berührung kommt und hat durchaus Wünsche und Ängste. Die Aufhebung von Raum und Zeit im Volksmärchen erschafft eine Fiktionaliät, die dem Volksmärchen typisch ist (vgl. PÖGER-ALDER S. 25). Dem gegenüber wird zugleich am Anfang von Hoffmanns Märchen eine detaillierte Orts-und Zeitangabe geliefert "Am Himmelfahrtstage nachmittags um drei Uhr rannte ein junger Mensch in Dresden durchs schwarze Tor..." (HOFFAMNN S. 9). Max Lüthi nennt eine typische Märchenästhetik, die durch Eindimensionalität und Flächenhaftigkeit der Figuren charakterisiert ist (LÜTHI S. 12). In Hoffmanns Märchen besitzen sämtliche Figuren eine facettenreiche Persönlichkeit, die je nach Bedarf modifiziert wird. Doch nicht nur die Figuren sind entstereotypisiert, auch die darin vorkommenden Handlungen sind des Öfteren unvorhersehbar.

2. Thesen

2.1 In dem Werk Der goldene Topf von E.T.A. Hoffmann ist die reale Welt untrennbar mit der magischen Welt verbunden.

Selbst bei oberflächlicher Betrachtung des Werkes fällt auf, dass sowohl die reale, als auch die magische Welt wichtige Rollen spielen. Denn schon allein die Überschriften der einzelnen Vigilien deuten darauf, dass im vorliegendem Werk beide Welten entweder eine Koexistenz aufweisen, oder gar miteinander verwoben sind. "Die Unglückfälle des Studenten Anselmus. Des Konrektors Paulmann Sanitätsknaster und die goldgrünen Schlangen" , "Die Bibliothek der Palmbäume-Schicksale eines unglücklichen Salamanders- Wie die schwarze Feder eine Runkelrübe liebkosete und der Registrator Heerbrand sich sehr betrank" (HOFFMANN S.67). Die jeweiligen Überschriften der ersten und achten Vigilie zeigen auf, dass sowohl reale, als auch fantastische Inhalte mit Selbstverständlichkeit in einem Satz genannt werden können. So wie genannten Bespiele sind auch die restlichen zehn Überschriften aufgebaut, denn in sämtlichen ist mindestens ein Indiz für die magische Welt vorhanden. Desweiteren fällt beim Lesen auf, dass sich die Geschehnisse im schnellen Wechsel befinden und weder eine geografische, noch eine zeitliche Grenze gezogen werden kann. In der ersten Vigilie wird die reale Welt beschrieben, denn sowohl die genaue Zeit, wie auch Ortsangabe lässt darauf schließen, dass es sich um das reale Dresden handelt "Am Himmelfahrtstage Nachmittags um drei Uhr rannte..." (HOFFMAN S.9). Der junge Anselmus läuft versehentlich in einen Korb mit Äpfeln, der herunterfällt. Die Besitzerin des Korbes wird als Alte vorgestellt, die sich daraufhin unverhältnismäßig über das Ereignis ärgert. Dass diese sich ärgert, ist nachvollziehbar, doch die Art und Weise geht über das konventionelle Maß hinaus, denn die Tirade mündet in rätselhafte Verwünschungen oder Prophezeiungen, die einer Hexe entstammen könnten. "[...] ja renne-renne nur zu, Satanskind-ins Krystall bald dein Fall-ins Krystall! "( HOFFMANN S. 9). Dieser Effekt wird dadurch verstärkt, dass das umstehende Publikum involviert wird. Denn Schaulustige, deren anfänglicher Beitrag allenfalls Neugier war, werden durch das Auftreten der Alten verängstigt und das Klima der gesamtem Situation verändert sich schlagartig mit den Verwünschungen des Äpfelweibes (vgl. KLOTZ 1985). In der dritten Vigilie wird die Liebesgeschichte zwischen der Feuerlilie und dem Jüngling Phosphorus von Achivarius Lindhorst erzählt. Daran anschließend verkündet er den Zuhöhrern, dass eben diese fantastische Geschichte keiner Fantasie entstammt, sondern seine Abstammungsgeschichte ist (vgl. HOFFMANN S. 28). Die anderen Figuren reagieren mit Ungläubigkeit und Gelächter auf die Geschichte, doch Lindhorst besteht darauf, dass er die Wahrheit erzählt "Ja lacht nur recht herzlich [...] aber es ist dem unerachtet nichts weniger als ungereimt oder auch nur allegorisch gemeint sondern buchstäblich wahr "(HOFFMANN S. 9). Im weiteren Verlauf offenbart Lindhorst mehr über seine Familie und der Gehalt an Fantasie steigt aus rationaler Perspektive ins Unermessliche. Lindhorst erzählt mit einer stoischen Selbstverständlichkeit seine Geschichte, in der jeder Satz ein Paradoxon in sich ist, in der realen und wenig magischen Lokalität einer Kaffeestube. Beispielsweise berichtet er vom kürzlichen Tod seines Vaters und erwähnt dabei, dass dieser erst 385 Jahre her sei. Er und sein Bruder seien in Erbschaftsstreit geraten, der den, wohlbemerkt, toten Vater in einem Maße aufregte, dass dieser aufsprang und den Bruder die Treppe hinunterwarf (vgl. HOFFMANN S 29). Was für die Umstehenden aufgrund von Naturgesetzen kaum zu begreifen, aufgrund dessen zweifelsohne der Fantasie entstammen muss und somit zu Gelächter führt, besitzt eine gänzlich andere Wirkung auf Anselmus. Dieser glaubt ihm anscheinend, denn im Gegensatz zu den anderen belustigt ihn die Geschichte nicht. Auch in der siebten Vigilie werden Realität und Fantasie miteinander verbunden. Veronika und ihre Wünsche werden darin instrumentalisiert, um die Verbundenheit beider Welten zu verdeutlichen. Sie schwärmt für Anselmus und möchte etwas unternehmen, um ihrer Liebe nachzuhelfen Dabei nimmt sie die Hilfe des Äpfelweibes in Anspruch, die zufällig auch ihr ehemaliges Kindermädchen ist, welche durch ihre Handlungen aber auch als Hexe betrachtet werden kann. In diesem Kapitel werden wieder genaue Orts-und Zeitangaben gemacht, um den Effekt einer realen Welt zu verstärken. Fast alle Handlungen darin sind jedoch fantastischer Natur, was teilweise darauf basiert, dass das Äpfelweib als hexenähnlich agierendes Wesen beschrieben wird, das sich augenscheinlich der schwarzen Magie bedient, um Anselmus mit einem Zauber zu belegen (vgl. HOFFMANN S.60 ff). In dieser Passage wird auch der Leser wiederholt direkt angesprochen "Ich wollte, daß du, günstiger Leser! am drei und zwanzigsten September auf der Reise [...]". Durch das Involvieren des Lesers in die Geschehnisse im Werk wird eine Spannung geschaffen, in der es dem Leser kaum möglich erscheint, ein stiller, teilnahmsloser Beobachter zu bleiben. Das Adressieren an den Leser verwischt mehrere Grenzen, die gewöhnlich in Märchen existieren und stellt diese infrage. Hierbei ist einerseits die Grenze zwischen der magischen und realen Welt zu nennen, die sich im Laufe der Geschichte nicht halten lässt. Andererseits besteht für gewöhnlich zwischen dem Geschehen im Werk und seinem Leser eine gewisse Distanz, die sich mit dem Ansprechen, verringert oder gar auflöst. Bei genauer Betrachtung der Passage fällt auf, dass diese ungewöhnlich lang und äußerst detailliert in der Beschreibung der Umgebung ist. Dies und die darin verwendeten stilistischen Mittel erzeugen eine auffällige Dynamik, die es dem Leser erleichtert, sich in das Geschehen zu imaginieren. Insgesamt wird der Leser im Werk in vier Vigilien angesprochen und das Maß des Involvierens wird stets gesteigert und mündet zum Ende hin aus rationaler Perspektive in völliger Absurdität. In der zwölften Vigilie wird der Leser über eine Schreibblockade des Verfassers in Kenntnis gesetzt, die im weiteren Verlauf vom Erzähler autoreflexiv betrachtet wird. Diese Schreibblockade basiert anscheinend auf den ausgeübten Mächten der bösen Elementargeister. Darauffolgend bringt der Erzähler sich selbst in das Werk ein und interagiert persönlich mit den Figuren, die er erdachte (vgl. KLOTZ 1985). Es fällt auf, dass die erdachte Figur Lindhorst mächtiger erscheint als der Verfasser selbst, denn dieser kann die Gedanken und Motive der Figur nur erahnen und vermuten "[...] daraus konnte ich mit Recht schließen, wie er im Grunde genommen damit einverstanden sei, daß seine wunderliche Existenz [...] bekannt werde"[...] Es kann sein, dachte ich, daß er selbst die Hoffnung daraus schöpft desto eher seine beiden noch übrigen Töchter an dem Mann zu bringen[...]" (HOFFMANN S. 123). Damit wird auch die letzte Grenze zwischen Fantasie und Realität aufgelöst, denn die Figuren werden als real wahrgenommen, obwohl sie imaginiert sind und bleiben selbst für den Verfasser rätselhaft und undurchschaubar.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann „Der goldene Topf“. Eine Betrachtung des Werks anhand selbst entwickelter Thesen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Germanistik)
Note
2,3
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V324289
ISBN (eBook)
9783668234574
ISBN (Buch)
9783668234581
Dateigröße
803 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literaturgeschichte, Märchen, Romantik
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Ernst Theodor Amadeus Hoffmann „Der goldene Topf“. Eine Betrachtung des Werks anhand selbst entwickelter Thesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324289

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