Was macht einen Text zum Text? Empirische Analyse hypotaktischer Strukturen in ausgewählten Zeitungsartikeln


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

20 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist ein Text?
2.1 Die sieben Kriterien der Textualität

3. Hauptteil
3.1 Einordnung des Textgegenstandes
3.2 Empirische Analyse
3.2 Konnektoren

4.Fazit

5.Literatur

1. Einleitung

Zeitungen sind ein selbstverständlicher Gegenstand des Lebens. Sie werden täglich medial konsumiert und dienen dem Leser als Informations- und Unterhaltungsquelle. Ihre Sprache ist meist verständlich und die Dekodierung auf der Informationsebene erhebt keinen hohen kognitiven Anspruch. Doch inwiefern werden die Informationen eingearbeitet, was verleiht dem Zeitungsbericht eine gewisse Textualität? Woher weiß der Leser, was zu einem Text gehört und was nicht?

Die vorliegende Arbeit hat sich mit den genannten Fragen beschäftigt und Zeitungsartikel zum Gegenstand einer linguistischen Analyse gemacht. Im ersten Kapitel wurde der Versuch unternommen, den Text als solches zu definieren. Reelle und konstruierte Satzkonstellationen sollten Probanden dazu dienen, Hypothesen bezüglich der Definition von „Text“ zu entwickeln. Im nächsten Schritt wurden diese mit Hilfe von Fachliteratur entweder falsifiziert oder verifiziert.

Das zweite Kapitel, welches sich mit den Kriterien von Textualität befasst, sollte dem fachwissenschaftlichen Anspruch der Hausarbeit Rechnung zuträglich sein.

Im Hauptteil der Hausarbeit wurden die selektierten Zeitungsartikel hinsichtlich ihrer Charakteristik eingeordnet und anschließend einer empirischen Untersuchung unterzogen. Hierbei lag der Fokus eindeutig auf der syntaktischen Ebene, denn die Artikel wurden in Teilsätze und anschließend in abhängige Sätze zerlegt, um eventuell vorhandene Verknüpfungsebenen sichtbar machen zu können. Es besteht zusätzlich noch die Möglichkeit, Sätze auch auf semantischer Ebene durch die Verwendung von Konnektoren zu verknüpfen. Dies wurde im nächsten Kapitel angesprochen und durch Beispiele erläutert.

Durch die empirische Analyse konnte der theoretische Teil mit dem praktischen verbunden werden. Nun galt es, die Beobachtungen zu fixieren. Im letzten Kapitel wurde sowohl auf die Bedeutung, als auch Wirkung von Hypotaxen eingegangen und diese näher erläutert.

2. Was ist ein Text?

Bevor anhand von Textbeispielen die Analyse erfolgen kann, soll als Erstes geklärt werden, wie dieser definitorisch zu beschreiben ist. So alltäglich dieser Begriff auch erscheint, so schwierig ist dieser zu definieren. Dennoch soll nun der Versuch unternommen werden, charaktistische Merkmale zu finden, um einen Konsens innerhalb der vorliegenden Arbeit zu bestimmen. Im Vorfeld dieser Arbeit wurden Dialoge mit Probanden zur Fragestellung „Was ist ein Text?“ geführt und ausgewertet. Es wurde deutlich, dass die Befragten mannigfaltige Begriffe zur Merkmalsbeschreibung nannten, die sich tendenziell in eine Richtung bewegten. Darunter fielen Aussagen bezüglich einer gewissen Einheit im Schriftbild und in der Thematik. Die Personen wurden absichtlich außerhalb des Studiengangs und der Fachwissenschaft ausgesucht, da eine möglichst intuitive und unmittelbare Meinung abgegeben werden sollte, die nach Möglichkeit nicht auf linguistischem Wissen basiert. Die meisten Personen bildeten einen Konsens darüber, dass ein Text mehrere Sätze beinhaltet. Es wurden diverse Beispiele für Texte genannt, etwa ein Kapitel in einem Buch, Zeitungsartikel, Gebrauchsanweisungen, Gedichte, Liedtexte etc.. Im Laufe der Zeit wurde die Liste der Beispiele immer länger. Die Liste der definitorischen Merkmale aber blieb vergleichsweise kurz. Dies führte zur subjektiven Überzeugung, dass das „Gefühl für Textualität“ intuitiver Natur sein könnte, dem es oftmals an fachwissenschaftlicher Einbettung fehlt. Im weiteren Gesprächsverlauf wurden den Gesprächspartnern verschiedene Satzkonstellationen vorgelegt, zu denen sie sich bezüglich der Textualität äußern sollten. Während die erste Konstellation ein reeller Text, nämlich ein Auszug aus Astrid Lindgrens Madita war, ist die zweite konstruiert.

(A) In dem großen Haus unten Fluss, da wohnt Madita. Dort wohnen auch Mama und Papa und die kleine Schwester Elisabeth, ein schwarzer Pudel, der Sasso heißt und das Kätzchen Gosan. Und dann noch Alva. Madita und Elisabeth wohnen im Kinderzimmer, Alva in der Mädchenkammer, Sasso in einem Korb auf dem Flur und Gosan vor dem Herd in der Küche. Mama aber wohnt beinah überall im Haus und Papa auch, wenn er nicht gerade in der Stadt ist und für seine Zeitung schreibt, damit die Leute dort etwas zu lesen haben (Lindgren 2007: 7).

(B) In einem großen Haus unten am Fluß wohnt Madita. Die Flasche ist blau. In dem kleinem Korb liegt eine schlafende, schwarze Katze. Das Wetter ist für einen Ausflug nicht besonders geeignet. In dem grünen Baum flattert eine kleine rote Fahne. Gemessen an den hierzulande herrschenden gesellschaftlichen Normen gilt er als wohlhabend. Die Zeitung ist gedruckt. Mit einer Kerze kann ein Raum beleuchtet werden. Morgen kommt die Großmutter zu Besuch. Der Werkzeugkasten ist sehr schwer.

Die erste Satzkonstellation wurde ohne weiteres als Text wahrgenommen und akzeptiert. Bei der zweiten waren sich die Befragten sicher, dass kein Text vorliege. Obwohl darauf geachtet wurde, dass die Schriftart und der Umfang identisch waren, die Konstellationen sich also optisch sehr ähnelten, konnte ein großer Unterschied festgestellt werden. Es kann also davon ausgegangen werden, dass sich die Merkmale eines Textes im Text selbst und nicht an seiner Oberfläche befinden. Auf die Frage hin, was der Unterschied der beiden sei, wurde oftmals der ‚fehlende Zusammenhang‘ in der zweiten Konstellation angedeutet. Brinker beschreibt in seinem Werk eine ähnliche Beobachtung. Er kommt zu dem Schluss, dass sich der Leser eines Textes nicht rein vom Äußerlichen eines Textes dazu verleiten lässt, unzusammenhängende Aneinanderreihung von Sätzen als Text zu akzeptieren, wenn sich der Inhalt nicht mit dem Äußeren deckt (vgl. Brinker 2010: 10f). Da lediglich formale Kriterien nicht ausreichen, um einen Text als zusammenhängendes Konstrukt zu begreifen, kann davon ausgegangen werden, dass etwas existieren muss, was dem Ganzen eine gewisse Einheit verleitet. In der Linguistik kann dieses Etwas mit dem Begriff der Kohärenz beschrieben werden. Dieser Begriff beschreibt die sogenannte Sinnkontinuität in einem Text, also den inhaltlichen Zusammenhang zwischen den einzelnen Sätzen, deren Sinn über Propositionen vermittelt wird. Laut Eroms (2008: 42f.) werden die Sätze nicht willkürlich, sondern auf beabsichtigte Art und Weise miteinander verbunden, was wesentlich für eine Textkonstitution ist.

2.1 Die sieben Kriterien der Textualität

Um den Begriff Text adäquat charakterisieren zu können, ist es sinnvoll, die sieben Kriterien der Textualität von de Beaugrande und Dressler zu berücksichtigen. Neben dem ersten Kriterium, der schon genannten Kohärenz werden noch weitere Kriterien genannt und näher erläutert, über die ein Text verfügen sollte (vgl. De Beaugrande/Dressler 1981):

2.) Kohäsion

Die Kohäsion bewegt sich auf der Textoberfläche und ist ein formales Charakteristikum, welches Wörter in einem Text logisch miteinander verknüpft. Zur Bildung von Kohäsion können Substitutionen verwandter Lexeme oder Proformen verwendet werden, um Anaphern zu bilden. Hierbei wird zuvor Erwähntes wieder aufgegriffen und durch eine Pro-Form ersetzt:

(C) „Mama aber wohnt beinah überall im Haus und Papa auch, wenn er nicht gerade in der Stadt ist und für seine Zeitung schreibt […]“ (Lindgren 2007: 7).

Desweiteren besteht die Möglichkeit, Kohäsion durch Wiederholungen von einzelnen Wörtern, der sogenannten Rekurrenz, zu bilden:

(A) In dem großen Haus unten Fluss, da wohnt Madita. Dort wohnen auch Mama und Papa und die kleine Schwester Elisabeth, ein schwarzesr Pudel, der Sasso heißt und das Kätzchen Gosan. Und dann noch Alva. Madita und Elisabeth wohnen im Kinderzimmer, Alva in der Mädchenkammer, Sasso in einem Korb auf dem Flur und Gosan vor dem Herd in der Küche (Lindgren 2007: 7).

Durch die Verwendung von Ellipsen können kleine Suchanweisungen für den Leser geschaffen werden. Das Prädikat „“ im zweiten Satz tritt nur ein Mal auf, wird jedoch von vier Satzgliedern in Anspruch genommen. Der Text wäre zwar in der folgenden Version grammatikalisch und semantisch korrekt, erscheint aber dennoch unnötig überladen:

Dort wohnen auch Mama und Papa und dort wohnt die kleine Schwester Elisabeth, dort wohnt ein schwarzer Pudel, der Sasso heißt und dort wohnt das Kätzchen Gosan.

Durch das Aufteilen des Prädikats erscheint der Abschnitt in sich stimmig und zusammengehörig. Doch auch durch Konnektoren und dem gezielten Wechsel oder der Konstanz von Tempus kann Kohärenz gestiftet werden.

3.) Intentionalität

Mit diesem Begriff ist die Intention des Sprechers/Autors/Textproduzenten gemeint. Gansel und Jürgens sehen die Intentionalität „[…] in einem engem Zusammenhang mit dem Handlungsbegriff […] wie er durch die Sprechakttheorie in die Lingustik eingebracht worden ist“ (2007: 26). Dies ist insofern von Bedeutung, weil jeder in sich einheitliche Text eine spezifische Vertextungsstrategie verfolgt, da er je nach Intention des Produzenten eher narrativer, deskriptiver oder appellativer Natur sein soll.

4.) Akzeptabilität

Während mit der Intention ausschließlich die Perspektive des Produzenten fokussiert wird, gewinnt der Rezipient bei der Akzeptabilität eines Textes an Bedeutung. Der Leser geht mit einer bestimmten Grundeinstellung an den Text heran und erwartet eine gewisse Systematik, die er in einem einheitlichen Text auch finden wird.

5.) Informativität

De Beaugrande und Dressler sind der Meinung, dass jeder Text auf seine Arte und Weise informativ ist und anzunehmen sei, dass das „[…] Ausmaß der Erwartetheit oder Unerwartetheit des Rezipienten […] bezüglich der darin enthaltenen Wörter stark subjektiv zu werten ist (vgl. De Beaugrande/Dressler 1981: 10).

6.) Situationalität

Mit diesem Kriterium ist die Adäquatheit gemeint, mit der eine Äußerung/ein Text mit einer Situation kompatibel ist. Als Beispiel wird hier der Text:

„LANGSAM

SPIELENDE KINDER“

aufgeführt. Ein Spaziergänger müsste dem Schild keine besondere Aufmerksamkeit schenken, wenn er mit einer normalen Geschwindigkeit unterwegs ist, denn er ist kein beabsichtigter Rezipient des Produzenten. Das Schild sollte allerdings von Autofahrern verstärkt berücksichtigt werden. Denn im Idealfall suggeriert es dem Fahrer, seine Aufmerksamkeit zu erhöhen und auf eventuelle spielende Kinder zu achten. Dies zu verstehen setzt allerdings ein gewisses Welt- und Kulturwissen voraus.

7.) Intertextualität

Dieses Kriterium setzt ein hohes Maß an Textwissen seitens des Rezipienten voraus, denn hierbei wird der Bezug zu anderen Texten hergestellt. Meist handelt es sich um Texte, die einen hohen Bekanntheitsgrad aufweisen.

Zwar wurden sämtliche in der Hausarbeit vorkommenden Texte anhand der genannten Kriterien selektiert und begutachtet, dennoch wäre es vermessen zu behaupten, eine eindeutige Definition vom Begriff Text gefunden zu haben. Das Schema dient ausschließlich zur Orientierung und kann nicht als absolut betrachtet werden. Auch Gansl und Jürgens sind der Meinung, dass „die Kategorie >Text< sich einer eindeutigen, auf alle potientiellen Textexemplare zutreffenden Auflistung von Merkmalen entzieht“ (vgl.Gansl/Jürgens 2007: 33). Aus subjektiver Perspektive bietet Brinker (2010:20) dennoch eine befriedigende tendenzielle Definition des Begriffes, denn nach ihm ist ein Text „[…] als eine sprachliche und zugleich kommunikative Einheit zu betrachten,[…] eine begrenzte, grammatische, thematische und kohärente Folge von sprachlichen Zeichen, die […] eine kommunikative Funktion realisiert“.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Was macht einen Text zum Text? Empirische Analyse hypotaktischer Strukturen in ausgewählten Zeitungsartikeln
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Germanistik)
Note
2,0
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V324290
ISBN (eBook)
9783668237001
ISBN (Buch)
9783668237018
Dateigröße
710 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Textualität, Hypotaxe, Hoypotaktische Strukturen, Linguistik, Pressesprache
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Was macht einen Text zum Text? Empirische Analyse hypotaktischer Strukturen in ausgewählten Zeitungsartikeln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324290

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