Das letzte Abendmahl als vergleichende Bildinterpretation


Seminararbeit, 2014

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das originale Abendmahl
2.1 Das Bild
2.2 Materialbeschreibung
2.3 Vorikonographische Beschreibung
2.4 Ikonographische Analyse
2.5 Reflektierende Interpretation
2.6 Ikonologisch-Ikonische Interpretation

3 Abendmahl der Fernsehserie
3.1 Das Bild
3.2 Materialbeschreibung
3.3 Vorikonographische Beschreibung
3.4 Ikonographische Analyse
3.5 Reflektierende Interpretation
3.6 Ikonologisch-Ikonische Interpretation

5 Fazit

Literatur

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit wird eine vergleichende Bildanalyse an zwei ausgewählten Bildern unternommen. Ausgangspunkt des Vergleiches ist eines der berühmtesten Wandgemälde der Welt: das Abendmahl von Leonardo da Vinci. Dem gegenübergestellt wird ein Bild, das auf den ersten Blick das Thema mit Jesus und seinen zwölf Aposteln aufgreift, bei genauerem Betrachten aber etwas ganz anderes ausdrückt und vermitteln will. Das Bild des Vergleiches stammt von einer bekannten Fernsehserie und dient als Wahlplakat für diese. Am Ende soll diese Arbeit zeigen, dass das Bild der Fernsehserie auf den ersten Blick zwar das gleiche Thema wie das Abendmahl behandelt, ein zweiter Blick sich aber dank der dokumentarischen Methode mehr als lohnt. Grundlage dafür bietet die dokumentarische Bildinterpretation nach Ralf Bohnsack (2009). Die von Bohnsack entwickelte Methode, fixiert sich dabei zusätzlich zur vor-ikonograpischen und ikonograpischen Ebene (Panofsky 1975) auf den Sinngehalt eines Bildes als eine Konstruktion zweiter Ordnung und damit mit der Ikonizität eines Bildes. Bohnsack re-kategorisiert seine Methode in zwei Interpretationsebenen: die formulierende Ebene, welche die Frage nach dem WAS beantwortet und aus der vor-kinographischen und ikonograpischen Ebene besteht sowie die reflektierende Ebene, die nach dem WIE frägt und aus drei Dimensionen besteht: „perspektivische Projektion“, „planimetrische Ganzheitsstruktur“ sowie „szenische Choreographie“ (vgl. Bohnsack, 2009: S. 961).

Dokumentarische Methoden werden in den Sozialwissenschaften auch als rekonstruktive Methoden bezeichnet. Entstanden sind rekonstruktive Methoden vor dem Hintergrund der Kritik, dass sich die sozialwissenschaftliche Interpretation eines Zusammenhangs in ihrem Wesen nicht von alltäglicher Interpretation unterscheiden kann. Ein Sachverhalt kann von Sozialwissenschaftlern nur verstanden werden, wenn zwischen der betrachteten Person oder Gruppe und den Forschenden ein Konsens in Form eines gemeinsamen Verständnismusters besteht. Dieser Konsens in Form eines Verständnismusters ist sowohl im Rahmen von wissenschaftlicher Analyse als auch bei der Interpretation von Alltagssituationen der Selbe. Die Stärke der rekonstruktiven Methoden liegt darin, dass eben dieser Konsens thematisiert wird. Ein Interview, das auf dieser Grundlage geführt wird beispielsweise, muss offen gestaltet werden. D.h. die Interviewten müssen ihre Prioritäten selbst setzen können. Die Sinnhaftigkeit, die in diesen Prioritäten deutlich zu erkennen ist, muss von den Forschenden rekonstruiert werden. Weil dabei ein den Dingen zugrunde liegendes Muster rekonstruiert bzw. dokumentiert wird, werden diese Verfahrensweise auch als dokumentarisch bezeichnet (vgl. Bohnsack 2010).

Angewandt werden können diese Methoden sowohl im Rahmen von Interviews als auch im Rahmen von Bild- und Filminterpretation. Im Folgenden soll ausschließlich auf die dokumentarische Bild- und Filminterpretation eingegangen werden. Im Mittelpunkt dabei muss der Fokus, neben der formulierenden Interpretation, auf der Art und Weise stehen, wie das Bild hergestellt wurde (reflektierende Interpretation). Daran kann ermittelt werden, was genau Hersteller mit dem Bild beabsichtigt haben. Hierfür werden die bereits genannten drei Dimensionen des kompositionellen Aufbaus unterschieden, die im Folgenden kurz genannt und erklärt werden sollen. Die „perspektivische Projektion“ (Räumliche Anordnung, Anordnung von Körpern) bietet Aufschlüsse über die Weltanschauung des Herstellers. Durch eine Untersuchung der „szenischen Choreographie“ des Bildes können Rückschlüsse über das Verhältnis einzelner Figuren zueinander erfolgen. Eine Betrachtung der „planimetrischen Ganzheitsstruktur“ des Bildes macht die Strukturen des Bildes erkennbar und liefert somit die Grundlage für eine sehende Beurteilung eines Bildes (vgl. Bohnsack 2009). Der Aufbau der Arbeit gestaltet sich wie folgt: Zu Beginn werde ich das originale Abendmahl von da Vinci analysieren und anschließend das Bild der TV. In einer abschließenden Betrachtung wird schließlich ein Fazit zu den zwei Analysen gezogen.

2 Das originale Abendmahl

2.1 Das Bild

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Materialbeschreibung

Das Bild für die Bildanalyse liegt in digitaler Form vor. Es wurde von URL http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4b/%C3%9Altima_Cena_- _Da_Vinci_5.jpg heruntergeladen. Bei dem vorliegenden Bild handelt es sich um eine Fotografie. Die Fotografie ist in Farbe und misst eine Breite von 1280 Pixel und eine Höhe von 696 Pixel.

2.3 Vorikonographische Beschreibung

Szenenbeschreibung

Auf dem Bild erkennt man 13 Personen. Sie sind alle männlich. Alle Personen versammeln sich auf der gleichen Seite an einem langen Tisch in einem großen Innenraum mit Blick auf eine idyllische Außenwelt. Die Außenwelt ist durch drei Fenster im Hintergrund zu erkennen. Der Tisch ist mit einem weißen Tuch bedeckt. Auf dem Tisch liegen Brotlaibe in verschiedenen Größen, weiteres Essen sowie Trinkgläser. Jede Person hat vor sich auf dem Tisch einen Teller stehen. In der Mitte des Tisches steht zusätzlich noch einmal ein größerer Teller. Der Tisch steht auf einem weißen Boden. Auf der linken und rechten Seite der Wand hängen jeweils 4 dunkle Teppiche.

Körperhaltung der Männer

Ebenfalls in der Mitte des Bildes sitzt ein Mann mit leicht nach außen zeigenden angewinkelten Armen. Seine Hände sind dabei knapp über dem Tisch. Seine linke Hand zeigt mit der Handfläche nach oben, die rechte Hand zeigt mit der Handfläche nach unten. Auf der rechten und der linken Seite des Mannes sind jeweils sechs Personen. Die von dem Mann aus gesehen äußerste Person auf der rechten Seite steht am Tisch und stützt sich auf eben diesen. Die Person direkt neben ihm greift hinter dem dritten Mann von links (vom Betrachter aus gesehen) über die Schulter und berührt den vierten Man von links, welcher wiederum sich im Rücken des fünften Mannes zum sechsten Mann von links beugt und mit seiner linken Hand auf den Mann in der Mitte deutet. Der fünfte Mann hat den Kopf gedreht und schaut die beiden an. Der dritte Mann von links hebt seine beiden Arme, sodass seine Handflächen von vorne zu sehen sind.

Die vom Betrachter aus gesehenen ersten drei Männer rechts von dem Mann in der Mitte, haben sich zu diesem gedreht und schauen eben jenen an. Der erste Mann der Drei spreizt seine Arme weit auseinander, sodass die Handflächen zu sehen sind. Der zweite Mann ist versteckt hinter dem ersten. Man sieht nur sein Gesicht und seine rechte Hand. Diese streckt er bis zu seinem Gesicht nach oben und zeigt mit seinem Zeigefinger nach oben, während alle anderen Finger wie bei einer Faust zusammen sind. Der dritte Man steht, ebenfalls mit Blick zu dem Mann in der Mitte. Dabei hebt er seine beiden Hände vor seine Brust und ballt seine linke Hand zu einer Faust während er seine rechte Hand auf sich selbst richtet, sodass der Handrücken zu sehen ist.

Die drei Männer, auf der vom Betrachter aus gesehen rechten Seite, richten dagegen ihren Blick nicht auf den Mann in der Mitte. Die ersten beiden Männer schauen dabei den äußersten Mann an. Der erste Mann streckt seine beiden Arme in Richtung des Mannes in der Mitte. Dabei hat er seine rechte Hand offen, sodass die Handfläche zu sehen ist. Seine linke Hand ist nach oben gedreht wodurch seine Handfläche nach oben gerichtet ist. Der Mann rechts daneben hebt seine rechte Hand ebenfalls nach oben. Seine Hand ist offen und so gedreht, dass der Handrücken zu sehen ist. Seine linke Hand hat er auf dem Tisch liegen, mit der Handfläche nach oben. Der äußerste rechte Mann schaut den vorletzten Mann an. Seine Hände hebt er dabei in Brusthöhe und streckt sie leicht nach vorne. Beide Hände sind offen und so gedreht, dass die Handflächen nach oben zeigen.

Aussehen der Männer (vom Betrachter aus von links nach rechts)

1. Mann: Braune kurze Haare und brauner Bart, blaues Oberteil mit grünem Gewand.
2. Mann: Blonde lange Haare, kein Bart. Trägt ein hellrotes Oberteil.
3. Mann: Keine Haare, dafür ein grauer Bart. Trägt ein braunfarbenes Oberteil mit einer grünen Weste darauf.
4. Mann: Graue kurze Haare und grauer Bart, blaues Oberteil mit gelbem Gewand.
5. Mann: Kurze schwarze Haare, schwarzer Bart. Blaues Oberteil mit grünem Gewand.
6. Mann: Lange hellbraune Haare. Er trägt ebenfalls ein blaues Oberteil mit einem hellroten Gewand.
7. Mann: Der Mann in der Mitte hat braune lange Haare und keinen Bart. Er trägt ein rotes Oberteil und darauf ein blaues Gewand.
8. Mann: Lange braune Haare und kein Bart. Das Oberteil ist hellgrün.
9. Mann: Die Kleidung des neunten Mannes ist nicht zu sehen. Er hat mittellange braune Haare und keinen Bart.
10. Mann: Lange braune Haare und kein Bart. Er trägt ein Blaues Oberteil mit einem hellroten Gewand.
11. Mann: Braune mittellange Haare, kein Bart. Blaues Oberteil mit blauem Gewand.
12. Mann: Graue lange Haare und ein grauer Bart. Gelbes Gewand.
13. Mann: Keine Haare, grauer Bart. Weißes Oberteil und weißes Gewand.

2.4 Ikonographische Analyse

Tisch

Der Tisch mit den Tellern und dem Essen und den Trinken zeigt, dass die Männer beim gemeinsamen Mahl befinden. Da die meisten Teller aber schon leer sind scheint das Essen bereits zu Ende zu sein. Dies bestätigt sich auch dadurch, dass keiner der Männer mehr am Essen ist. Des Weiteren ist auffällig, dass kein Besteck auf dem Tisch liegt. Diese Tatsache und die Tatsache, dass die Teller sehr alt aussehen, lässt darauf schließen, dass das Essen nicht in der modernen Zeit stattfand. Weiter ist zu sehen, dass der Tisch nicht sehr üppig und mit wertvollem Gedeck gedeckt ist. Bei den Männern handelt es sich also scheinbar nicht um reiche oder höher gestellte Männer.

Die Männer

Beim Betrachten der Männer ist zunächst auffallend, dass sie mit ihren Gewändern sehr alte Kleidung tragen. Das gemeinsame Essen der Männer scheint also zu einer lang zurückliegenden Zeit stattgefunden zu haben. Auch die Frisuren deuten auf diesen Sachverhalt hin. So sind lange Haare und langer Bart bei Männern heutzutage nicht mehr so üblich.

Weiter fällt auf, dass keiner der 13 Männer am Lächeln oder Lachen ist. Die Stimmung des Essens scheint also sehr ernst zu sein. Die Diskussion der 12 Männer scheint sich um den Mann in der Mitte zu drehen. Der zweite Mann rechts neben ihm (vom Betrachter aus gesehen) scheint mit erhobenem Mittelfinger ihm zu drohen. Der Mann links davon schaut den Mann in der Mitte an als sei er entsetzt von ihm. Die drei Männer ganz rechts außen diskutieren miteinander. Der dritte Mann von rechts zeigt mit seinen Händen ebenfalls auf den Mann in der Mitte. Deshalb scheint sich die Diskussion ebenfalls um ihn zu drehen. Die drei Männer ganz links schauen ebenfalls sehr ernst den Mann in der Mitte an. Der vierte Mann scheint dabei dem sechsten Mann von links etwas über den Mann in der Mitte ins Ohr zu flüstern. Insgesamt sieht es so aus als ob der Mann in der Mitte kurz zuvor eine Aussage, Geste oder etwas anderes gemacht habe, was die anderen Männer zu ihrer ernsten Haltung veranlasst.

Der Mann in der Mitte

Der Mann in der Mitte ist der Einzige der sich nicht zu einem der anderen Männer wendet sondern mit fast geschlossenen Augen nach unten auf den Tisch schaut. Die ernsten Blicke, Drohungen und Diskussionen der anderen Männer scheint ihm allerdings nichts auszumachen. Er wirkt ruhig und entspannt. Seine Haltung mit den ausgebreitenden Armen und sein Blick lassen erkennen, dass er von seiner getroffenen Aktion zuvor, einer möglichen Aussage oder Geste, überzeugt ist. Dadurch dass der Mann nicht nur was die Anzahl der Männer angeht in der Mitte sitzt, sondern auch der Mittelpunkt des Bildes ist, scheint er die wichtigste Person auf dem Bild zu sein. Er ist vielleicht der Anführer der anderen zwölf Männer.

Der Ort

Der Raum ist sehr groß, er erinnert mehr an eine Halle oder einen Saal als ein Zimmer. Außer den Wandteppichen und dem Tisch ist sonst nichts in dem Raum. Dadurch wirkt der Raum sehr kalt. Fenster befinden sich nur auf der hinteren Seite. Schaut man durch sie und durch die Tür nach draußen erkennt man den blauen Himmel und Berge. Der Saal befindet sich also womöglich in einer ländlichen Gegend und nicht in einer Stadt, da keine anderen Häuser zu sehen sind. Durch den Blick nach draußen wird deutlich dass der Zeitpunkt des Essens tagsüber stattfindet. Die Gestaltung des Raumes verdeutlicht weiter, dass das gemeinsame Essen lang in der Vergangenheit stattgefunden haben muss. Der Saal erinnert mit seiner Aufmachung an römische Bauten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Das letzte Abendmahl als vergleichende Bildinterpretation
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Soziologie)
Veranstaltung
Qualitative Verfahren
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V324302
ISBN (eBook)
9783668234055
ISBN (Buch)
9783668234062
Dateigröße
1966 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Bildinterpretation, Sozialwissenschaften, Qualitative Methoden, Empirische Sozialforschung
Arbeit zitieren
M.A. Attila Büyükcakir (Autor), 2014, Das letzte Abendmahl als vergleichende Bildinterpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324302

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