Praktikum im Kinder- und Jugendheim


Praktikumsbericht / -arbeit, 2001

24 Seiten, Note: 2,2


Leseprobe

Inhalt

1. Situationsanalyse: Zusammenfassung der gesammelten Informationen über die Ist- Situation

2. Auswertung des Ist- Zustandes unter dem Aspekt: Konsequenzen und Perspektiven für die weitere pädagogische Arbeit
2.1 Zielsetzungen und das daraus folgende Erzieherverhalten
2.2 Entwerfen bzw. Vorüberlegungen von Aktivitäten
2.3 Überlegungen von didaktischen und methodischen Vorgehensweisen

3. Auswertung des Projektes (Planung, Ziele, Positives, Negatives; Reflexion)
3.1 Einleitung und Durchführung des Projektes
3.2 Reflexion
3.3 Was war besonders gut und was war nicht so gut?
3.4 Kurze Abschlussreflexion des gesamten Heimpraktikums

4. Über die Praxis
4.1 Eine Handlungsweise nennen und begründen
4.2 Praxisgeschichte
4.3 Analyse der Praxisgeschichte und Selbstreflexion
4.3.1 Motiv
4.3.2 Analyse der gezeigten Fähigkeiten
4.3.3 Welche Ziele gab es?
4.3.4 Welches Verhalten wurde deutlich, um die Ziele umzusetzen?
4.4 Alternativen zum aufgezeigten Verhalten/ Handeln
4.5 Mögliche alternative
4.6 Welche Hilfe und Unterstützung gab es, worauf ich zurück greifen konnte?
4.7 Selbstreflexion

Literatur

Schriftliche Aufgaben und Praxisgeschichte

1. Situationsanalyse: Zusammenfassung der gesammelten Informationen über die Ist-Situation

Im Worbiser Kinder und Jugendheim gibt es 21 Kinder und Jugendliche. Davon sind 11 Mädchen und 10 Jungen.

Es arbeiten 9 Erzieherinnen, 1 Heimleiter, 1 Verwaltungskraft, 1 Raumpflegerin und zur Zeit ein Zivildienstleistender, der bei Reparaturen, dem Einkauf und den Jugendlichen bei den Hausaufgaben hilft, dort (13 Angestellte).

Der Träger der Einrichtung ist das DRK Niedersachsen.

Ziele der Einrichtung sind die Förderung der sozialen Integration, die Selbständigkeit, die Alltagsbewältigung, die Rückführung bzw. Vorbereitung in eine Familie, Beratung bei schulischen Fragen, Integration in die Gesellschaft, Eigen- und Sozialverantwortliche Lebensführung und auch die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung.

Deshalb versuchen die Erzieher den Jugendlichen Stabilität und Sicherheit zu geben, indem die eigentliche Gruppe als Beziehungsnetz (Gemeinschaft im sozialen Bereich) aufgebaut wird.

Um später einmal im alltäglichen Leben zurecht zu kommen wird die Selbständigkeit und die Reinlichkeitserziehung gefördert. Dies wird umgesetzt indem die Jugendlichen bestimmte Haushaltsämter erledigen müssen, und auch dadurch das sie ihre Zimmer ordentlich und sauber halten sollen.

Die Identitätsfindung wird geübt, indem die Jugendlichen Entscheidungsfreiheit in ihrer Freizeitplanung haben und ihre Bedürfnisse und Wünsche äußern können.

Als Übungsfeld für problematische Situationen und Konfliktbereichen dienen Einzel- und Gruppengespräche, die zur Lösungsfindung und Bewältigung sehr effizient sind.

Enge Kontakte bestehen mit Jugendämtern, Arbeitsämtern, Arbeitgebern, Lehren, Eltern, Therapeuten und Psychologen, um eine möglichst effektive Hilfeunterstützung zu ermöglichen.

Die Erzieher achten sehr darauf das die Aufgaben und Pflichten mit Sorgfalt erledigt werden, denn zur Eigenständigkeit gehört auch die Sorgfalt und die Reinlichkeitserziehung.

Dies spiegelt sich auch in der Hausordnung wieder, denn dort sind allgemeine Verhaltensregeln aufgeführt. Es wird z.b. aufgeführt, das Musik nur in Zimmerlautstärke gehört werden soll, Küchenabfälle regelmäßig und richtig entsorgt werden müssen, der Ämterplan eingehalten werden muss, Hausschuhe im Wohnbereich getragen werden, Notausgänge nicht verschlossen oder versperrt werden dürfen, Rauchen nur an den dafür vorgesehenen Plätzen erlaubt ist und unter sechzehn Jahren verboten ist, Waffen sind verboten, der Erwerb, Besitz, Einnahme und Vertrieb von Drogen und anderen Rauschmitteln ist verboten und führt zur Anzeige.

Außerdem ist die Nachtruhe um 21.30 Uhr einzuhalten. Auch beim verlassen des Geländes sollten die Jugendlichen sich abmelden. Körperliche Angriffe gegenüber Erziehern führen zur Beendigung des Aufenthaltes im Heim.

Pro Etage stehen den Jugendlichen zehn Räume inklusive. Ein gesonderter Raum (ein Erzieherzimmer, zwei Büroräume) zur Verfügung. Neun Kellerräume im Erdgeschoss, die nun wieder nutzbar sind, da die Renovierung beendet ist.

Insgesamt gibt es Neununddreißig Räume, davon stehen Sechsunddreißig den Jugendlichen zur Verfügung.

Es gibt im Haus drei Etagen, auf jeder ist eine Gruppe.

Die Jugendlichen kommen aus den Bundesländern Niedersachsen und Thüringen.

In meiner Gruppe sind acht Jugendliche, vier Jungen und vier Mädchen, die im Alter von sechzehn und achtzehn Jahren alt sind.

Es gibt bestimmte Gruppenregeln, die jedoch individuell in jeder Gruppe konkret noch mal gesondert von festen Regeln, beschlossen und festgelegt werden.

Diese Regeln beinhalten in meiner Gruppe, dass die Ämter (Küche, Bad, Flur, Kammer, Schuhregal, Wäsche, Bügeln, Gruppenraum) erledigt werden, nach der Schule sich umgezogen wird und die Hausaufgabengleich zu machen sind, Musik nur in Zimmerlautstärke gehört wird, keine Kleidungsstücke von anderen Gruppenmitgliedern getragen werden dürfen, keine Schimpfwörter verwendet werden, Hausschuhe im Wohnbereich getragen werden, nicht gestohlen wird und das die Nachtruhe eingehalten werden muss. Einige dieser Regeln decken sich mit denen in der Hausordnung, sind aber noch mal in meiner Gruppe als Schwerpunkte mit in den Gruppenregeln aufgeführt worden.

Zum Tagesablauf ist zu erwähnen, dass er in groben Zügen kontinuierlich beständig ist.

Nach dem Aufstehen, machen die Jugendlichen sich schul- und arbeitsfertig, dann folgt ein gemeinsames Frühstück und anschließend gehen sie in die Schule oder zur Arbeitstelle.

Mittag wird in der Schule gegessen oder Brote werden vom Heim mit zur Arbeit genommen. Nach der Schul- bzw. Arbeitszeit kommen die Jugendlichen wieder ins Heim, ziehen sich um und fertigen ihre Hausaufgaben. Die Ämter müssen im Laufe des Tages erledigt werden. Um 18.00 Uhr wird zu Abend gegessen und bis 20.00 Uhr sollte sich jeder geduscht haben. Um 21.30 Uhr ist während der Schulzeit Nachtruhe, in den Zwischenphasen besteht für die Jugendlichen Freizeit.

In ihrer Freizeit können sie vor Ort vorhandene Materialien (Inliner, Videos, CDs, Kassetten, Gesellschaftsspiele, die Sauna, den Discoraum, den Töpferraum, die Playstationspiele, einzelne Musikinstrumente, Bücher) in Anspruch nehmen.

Zusätzlich finden Ausflüge, Ferienfahrten und Aktivitäten in- und außerhalb Worbis statt, die Abwechslung zum Alltag bieten z.b. Kegeln, Kino und Schwimmbäder.

Die Jugendlichen kochen, backen, tanzen und malen sehr gerne. Außerdem sind viele von ihnen handwerklich begabt.

Da im Schichtdienst gearbeitet wird, ist die Absprache unter den Erziehern sehr wichtig und notwendig. Jeder Erzieher plant für sich in seiner Schicht die Woche eigenständig.

Jedoch ist Spontanität und Flexibilität, innerhalb der Planung Vorraussetzung.

Am Wochenende fahren viele Jugendliche zu ihren Familien nach Hause.

Spezielle Planungen finden deshalb nur zu besonderen Vorkommnissen z.b. Feiertage, Geburtstage, Ferien statt.

Viele der Jugendlichen haben schulische Defizite und sind durch ständig wechselnde Aufenthaltsorte „entwurzelt“. Sie unterlagen auch schlechten Familienverhältnissen (Missbrauch, Alkoholismus, Vernachlässigung, überforderte Verantwortung im Haushalt, Tod eines der Elternteile).Daraus lässt sich bestimmtes, unangemessenes Verhalten in gewissen Bereichen auch erklären und in Maßen nachvollziehen.

Die Jugendlichen legen ein Trotz- und Bockverhalten, bei der Einhaltung von Konsequenzen ihres Verhaltens manchmal da. Auch werden sie frech und mit ihrer Wortauswahl sehr ausfallend, wenn ihnen etwas nicht zusagt.

Bei Strafen werden sie manchmal wütend und schmeißen schon mal mit Gegenständen durch das Zimmer.

Sie versuchen andere Jugendliche oder Erzieher gegeneinander „aufzuhetzen“, nur um ihren Willen durchzusetzen oder um sich vor bestimmten Aufgaben zu drücken.

Sie wissen auch bei welchem Erzieher sie sich schon mal mehr erlauben können und bei welchen sie die klaren Konsequenzen für ihr Verhalten tragen müssen.

Deshalb ist es besonders wichtig ihnen eine klare und verständliche Struktur und Rahmenbedingungen vorzugeben. Nur so können sie sich durch Übungen in anderen bzw. zukünftige Situationen angemessen Verhalten.

Auch Gruppengespräche bei Konfliktsituationen tragen dazu bei.

Jedoch ist der Zusammenhalt in meiner Gruppe den Jugendlichen sehr wichtig, wenn es z.b. um ernste Themen, welche die ganze Gruppe betreffen, geht.

In meiner Gruppe gibt es bestimmte Rollenstrukturen und Rangordnungen. So gibt es innerhalb der großen Gruppe kleinst Gruppen, die für sich schon etwas abgegrenzt in ihrer Freizeit Aktivitäten alleine Unternehmen.

Es gibt zwei zweier Gruppen, zwei Einzelgänger und zwei Mitläufer, die gerne der einen zweier Gruppe angehören möchten, jedoch werden sie nicht „richtig“ aufgenommen.

Zur Rangordnung ist zu erwähnen das viele der schon älteren Jugendlichen, im Sommer das Heim verlassen werden (ca. fünf aus meiner Gruppe von acht), jedoch die Älteste aus meiner Gruppe erfüllt am selbständigsten und sehr pflichtbewusst ihre Aufgaben.

Es ist wahrscheinlich das sie deshalb für die anderen Jugendlichen als Vorbild fungiert, denn sie übernimmt in der Gruppe die Hauptführungsrolle. Die anderen Jugendlichen richten sich nach ihr. Sie ist eigentlich sehr vernünftig.

Bei so vielen Mitgliedern in der Gruppe ist die Verständigung und Absprache untereinander notwendig, denn die Rahmenbedingungen sind eingeschränkt z.b. Benutzung der einen Dusche (acht Jugendliche, die jeden Abend duschen).

Momentan gibt es einige Jugendliche im Heim, die sich um einen Ausbildungsplatz bewerben.

Auch Freundschaften und Beziehungen in anderen Gruppen bestehen und werden gepflegt.[1]

2. Auswertung des Ist-Zustandes unter dem Aspekt: Konsequenzen und Perspektiven für die weitere pädagogische Arbeit

2.1 Zielsetzungen und das daraus folgende Erzieherverhalten

- Die Selbständigkeit und die Eigenverantwortlichkeit bezüglich der Haushaltsführung sollen geschult werden. Darum ist es wichtig, dass den Jugendliche Verantwortung durch die Aufgaben des Ämterplanes zugewiesen wird. Auch die Kontrolle dabei ist sehr wichtig, damit die Jugendlichen bemerken das es ernst und notwendig ist diese zu erfüllen (Sorgfaltspflicht und auch Reinlichkeitserziehung).
- Der Umgang mit Geld soll geübt werden, damit sie lernen es für sich über einen bestimmten Zeitraum einzuteilen. Dieses Ziel kann erreicht werden indem die Jugendlichen beraten werden, bei dem was sie sich anschaffen und bei ihren Ausgaben unterstützt werden durch gemeinsame Gespräche über die „Geldeinteilung“.
- Schulische Defizite und Lernprobleme soll entgegengewirkt werden, durch Hausaufgabenhilfe bzw. Betreuung. Hierbei werden Themen in verschieden Fächern wiederholt und so geübt, das sie von den Jugendlichen verstanden werden.
- Bei Fehlverhalten der Jugendlichen oder aber beim Verstoß von Regeln, Konsequente Folgerungen aufzeigen und einhalten. Dies ist notwendig einzuhalten, damit die Jugendlichen lernen, das gewisses Verhalten Folgerungen nach sich zieht und sie dafür gerade „stehen“ müssen. Die Konsequenzen bestehen darin, dass es bestimmte Verbote (kein Ausgang, evtl. Taschengeldkürzung, Ausschluss von einigen Freizeitaktivitäten) für den Verstoß der Regeln / Rahmenbedingungen gibt. Wichtig hierbei ist, dass die Jugendlichen weiterhin akzeptiert werden und nicht verstoßen bzw. abgelehnt werden aufgrund von Fehlverhalten.
- Die Identitätsentwicklung / Persönlichkeitsentwicklung soll gefördert und erweitert werden, so dass die Jugendlichen sich zu stabilen und selbstbewussten Menschen entwickeln können. Dies kann durch Einzel- oder Gruppengespräche, wo jeder Jugendliche seine eigene Meinung und seinen Standpunkt vertritt geschehen. Auch durch die Übertragung von Verantwortung oder durch persönlich stärkende Worte und Bestätigung kann dieses Ziel erreicht werden.
- Der soziale faire Umgang in der Gemeinschaft sollte geachtet und eingehalten werden. Dies geschieht dadurch, indem die Gruppenregeln, der gegenseitige Respekt und allgemeine Umgangsformen eingehalten werden. Vor allem sollte von jedem, nicht nur von Erziehern oder Praktikanten, darauf geachtet werden, dass diese eingehalten werden und gegebenenfalls darauf hingewiesen wird. So ist nur ein späteres Gesellschaftsleben und das Leben von allen Jugendlichen im Heim möglich.

[...]


[1] Vgl. Von Grüneberg und Hauser Erziehen als Beruf 2 Auflage Themenschwerpunkt: Situationsanalyse Kapitel: B 4.3, C 4.3, C 4.3.1, F 3. Hintergründe für die Darstellungt.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Praktikum im Kinder- und Jugendheim
Note
2,2
Autor
Jahr
2001
Seiten
24
Katalognummer
V32432
ISBN (eBook)
9783638331555
ISBN (Buch)
9783638651868
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Praxisgeschichte
Schlagworte
Praktikum, Kinder-, Jugendheim
Arbeit zitieren
Sonja Schlüter (Autor), 2001, Praktikum im Kinder- und Jugendheim, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32432

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