Ursprung und Grenzen des Falsifikationismus nach Karl Popper


Hausarbeit, 2015
14 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Gegenstand der Arbeit

2. Der Ursprung des Falsifikationismus
2.1 Der Induktivismus und dessen Probleme
2.2 Als einen Einwand gegen den Induktivismus: Der Konventionalismus
2.3 Die Falsifizierbarkeit als abgrenzendes Kriterium
2.4 Die Falsifikationistische Methode

3. Die Grenzen des Falsifikationismus

4. Raffinierter methodologischer Falsifikationismus

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Gegenstand der Arbeit

Diese Seminararbeit handelt von dem von Karl Popper definierten Falsifikationismus, welcher aus der wissenschaftstheoretischen Debatte des letzten Jahrhunderts hervorgeht. Insbesondere beziehe ich mich auf sein Werk „Logik der Forschung“ aus dem Jahr 1935.

Der Falsifikationismus stellt eine wissenschaftliche Herangehensweise dar, dessen Ursprung auf dem Versuch des Beweises der Unrichtigkeit einer Theorie basiert. Dies geschieht primär durch den Vergleich der jeweiligen Theorie mit einer zutreffenden Beobachtungsaussage, weshalb folglich durch die Unvereinbarkeit der beiden Aussagen die Falschheit der Theorie bestätigt wird. Falsifikationisten sind sich der differenzierten Bedeutung einer Verifizierung und einer Falsifikation bewusst. Es besteht die Möglichkeit eines endgültigen Beweises der Falschheit, während eine endgültige Bestätigung niemals akzeptiert wird. Die maximale Bestätigung stellt eine vorläufige Anerkennung der Theorie dar, selbst, wenn diese zu keinem Zeitpunkt widerlegt wird.[1]

Insbesondere beschäftigt sich der Falsifikationismus mit dem Nachweis der Falschheit einer wissenschaftlichen Allaussage. „Alle Menschen sind sterblich.“- lässt sich beispielsweise als Allaussage bezeichnen.[2]

Des Weiteren beziehe ich mich innerhalb meiner Erarbeitung auf den Induktivismus und den Konventionalismus. Beide Bereiche stellen vorangegangene Theorien dar, welche Popper zu seinem Falsifikationismus führten.

Zusätzlich beschäftige ich mich mit der falsifikationistischen Methode und werde daraufhin auf die Schwächen der Theorie eingehen. Die Erweiterung des Falsifikationismus nach Lakatos wird den Abschluss der Erarbeitung bilden.

2. Der Ursprung des Falsifikationismus

2.1 Der Induktivismus und dessen Probleme

Der Induktivimus kennzeichnet sich durch drei Aspekte: das Argument einer wissenschaftlichen Feststellung, die Empirie als ausschließliche Erkenntnisquelle, sowie die induktive Ableitung als Basis der wissenschaftlichen Arbeit in diesem Bereich.[3]

Zu häufigen Problemen führt die Fragestellung, wie man induktiv eine wissenschaftlich gefestigte Erkenntnis erreicht, obwohl Subjektivität sich allgemein gegensätzlich zu fundiertem Wissen verhält. Im Induktivismus wird zur Wiederlegung dieses Argumentes eine seiner drei grundlegenden Thesen angeführt und somit, wie bereits oben erwähnt, die Erfahrung als einzige Erkenntnisquelle beschrieben. Ein Experiment muss vollkommen objektiv beobachtet und archiviert werden. Dieser Vorgang des Berichts und somit der festgehaltenen Ergebnisse wird in Kim Bo-Hyungs „Kritik des Strukturalismus“ als „Kontakt mit der Natur“[4] beschrieben.

Eine empirische Schlussfolgerung zeichnet sich zudem dadurch aus, dass ein Geschehen stets an einer expliziten „Raum-Zeit-Stelle“[5] existiert. Karl Popper beschreibt einen Allsatz, wie allgemein definiert, als wissenschaftliche Feststellung, welche gemeinsam mit weiteren Allsätzen die Grundlage für eine Theorie darstellt. Nach Popper bildet die „Ableitung des Allsatzes der Theorie (…) aus den besonderen Erfahrungssätzen“[6] eine Induktion.

Dies bedeutet beispielsweise, dass das Naturgesetz nach induktivem Denken lediglich eine Summe von Beobachtungen ist.

An diesem Punkt zeigt sich die Problematik des Induktivismus. Naturgesetze sind für den Menschen zu keinem Zeitpunkt vollständig greifbar. Dieser Aspekt wurde auch durch David Hume, schottischer Philosoph (26.04.1711-25.08.1776), kritisiert.[7] Aufgrund dieses Einwandes gelangten viele Anhänger des Induktivismus gezwungenermaßen zu der sogenannten „Wahrscheinlichkeitsposition“[8]. Sie besagt, dass eine wissenschaftliche Theorie mehr beinhaltet als die durch die Beobachtung greifbaren Erkenntnisse. Somit kann sie niemals als vollständig bestätigt angesehen werden, allerdings als wahrscheinlich.[9]

Allerdings wird auch diese abgeschwächtere Version des Induktivismus von Popper widerlegt. Es könne geschehen, dass das Naturgesetz nicht mit einer bestimmten Folgerung durch ein Experiment übereinstimmt, wodurch sich das Naturgesetz als unwahr herausstellen und die Wahrscheinlichkeit in Kürze bei null Prozent liegen würde.[10] Somit ist selbst diese Wahrscheinlichkeitspostion nicht zu vertreten, was zusätzlich durch Schwächen im Bereich der Erkenntnistheorie verstärkt wird. Denn der Anspruch, die Wissenschaft von der Nicht-Wissenschaft zu unterscheiden, bleibt unerfüllbar.[11]

Die grundsätzlichen empirischen Sätze des Induktivismus werden als gewiss beschrieben und gelten demnach als wahr. Dem setzt Popper jedoch entgegen, dass keine „unmittelbar gegebene Tatsache“[12] besteht, da sie durch die im Kindesalter erlernten Fähigkeiten, konfuse Nachrichten dennoch zu verstehen, verändert wird.[13] Demzufolge beinhaltet auch die Gewissheit Subjektivität.

2.2 Als einen Einwand gegen den Induktivismus: Der Konventionalismus

Der Konventionalismus beschreibt philosophische Zusammenhänge, nach welchen wissenschaftliche Annahmen auf der Konvention (Übereinkunft) der Wissenschaftler basieren. Die Grundbegriffe werden durch subjektive Aspekte beeinflusst.[14]

Eine „Theorie ist nicht einfach aus der Erfahrung zu gewinnen. Umgekehrt ist die Erfahrung nur mit Hilfe der Theorie möglich“[15].

Die Erfahrung steht unter dem Einfluss der Theorie, während sie zugleich auf diese einwirkt. Dass die Theorie allerdings trotz des wechselseitigen Verhältnisses einen höheren Stellenwert genießt, wird dadurch deutlich, dass ihre Belange daraus bestehen, die Natur von unterschiedlichen Standpunkten aus zu sehen.[16] Man muss sich im Vorhinein über die Mittel und die Art des Experimentierens einigen, um unvoreingenommen arbeiten zu können.

Laut Popper wird „die Naturwissenschaft nicht befriedigend“[17] gedeutet, da sich die Wissenschaften der Wirklichkeit und die Wissenschaften der Formalität kaum separat voneinander identifizieren lassen. Der somit geschilderte defizitäre Sachverhalt lässt sich als erkenntnistheoretisches Problem beschreiben.[18] Es besteht die Möglichkeit, dass die Theorie nicht mit der Beobachtung zu vereinen ist. Dies stellt zwar keine Wiederlegung der Theorie dar, belegt aber eine fehlerhafte Perzeption, weshalb Popper zu seiner oben genannten Annahme gelangt.

Die detaillierte Auseinandersetzung mit der Thematik des Konventionalismus führt für Popper dazu, dass er die Relevanz der Falsifizierbarkeit im Bezug auf wissenschaftliche Sätze erkennt. Ihre Betrachtung stellt sich als essentiell heraus, um die erkenntnistheoretischen Schwierigkeiten verstehen zu können.

[...]


[1] Chalmers, Alan F.: Wege der Wissenschaft. Einführung in die Wissenschaftstheorie. Heidelberg: Springer-Verlag, 1999. S.1f.

[2] Wörterbuch der Philosophischen Begriffe. „Falsifikationismus“. Philosophische Bibliothek. Band 500. Hamburg: Felix Meiner Verlag, 2013. Vgl.: S.217. Im Folgenden: WpB.

[3] Vgl.: Kim, Bo-Hyun: Kritik des Strukturalismus. Eine Auseinandersetzung mit dem Strukturalismus vom Standpunkt der falsifikationistischen Wissenschaftstheorie. Amsterdam: Editions Rodopi B.V., GA 1991. S.12. Im Folgenden: Kds.

[4] Kim, Bo-Hyun: Kritik des Strukturalismus. Eine Auseinandersetzung mit dem Strukturalismus vom Standpunkt der falsifikationistischen Wissenschaftstheorie. Amsterdam: Editions Rodopi B.V., GA 1991. S.12.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Zwahr, Anette: Hume, David. In: Meyers großes Taschenlexikon, hg. von Meyers Lexikonredaktion. Band 11. 10. Neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim: Meyers Lexikonverlag 2006. S.3286.

[8] KdS, S.12.

[9] Vgl.: Ebd.

[10] Vgl: KdS, S.14.

[11] Ebd.

[12] KdS, S.15.

[13] Vgl.: Ebd.

[14] Konventionalismus. http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Konventionalismus.html. Erstellt: 06.08.2015. Eingesehen: 11.08.2015.

[15] KdS, S.16.

[16] Vgl.: KdS, S.17

[17] KdS, S.21.

[18] Vgl.: Ebd.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Ursprung und Grenzen des Falsifikationismus nach Karl Popper
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Klassiker der Wissenschaftstheorie
Note
2,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V324365
ISBN (eBook)
9783668234819
ISBN (Buch)
9783668234826
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ursprung, grenzen, falsifikationismus, karl, popper
Arbeit zitieren
Lena Wegener (Autor), 2015, Ursprung und Grenzen des Falsifikationismus nach Karl Popper, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324365

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