Die Rolle der Erinnerung im Film "The Butterfly Effect" von Eric Bress und J. Mackey Gruber


Essay, 2015

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung – Die Erinnerung

2. Der Schmetterlingseffekt

3. The Butterfly Effect – Der Film
3.1 Die Handlung
3.2 Die Zeitlinien
3.3 Erinnerungsthematik im Film
3.4 Erinnerung bedeutet Verantwortung

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einführung – Die Erinnerung

„Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude.“[1] Dietrich Bonhoeffer

Im rein psychologischen Sinne bedeutet Erinnerung ein erneutes Durchleben vergangener Ereignisse innerhalb des eigenen Gedächtnisses.[2] Meist spielen sie sich bildhaft in unseren Gedanken ab und ähneln einem nie endenden, teilweise unzusammenhängenden Film. Die einzelnen Filmausschnitte können sowohl explizit abgerufen als auch unerwartet eingeblendet werden

Die Erinnerung an sich stellt keine unfehlbare Grundlage der eigenen Entscheidungen oder Entwicklung dar, da sie vergangene Erfahrungen sowohl beschönigen als auch verdrängen kann. So trauert man häufig um die „guten, alten Zeiten“ und vergisst beinahe jedes negative Vorkommnis, welches uns aber nicht minder zu jenem Menschen macht, der wir später sind.

Das Thema der Erinnerung wird auch innerhalb der Literatur und des Films betrachtet. In diesem Essay möchte ich mich mit dem Erinnerungsaspekt in dem amerikanischen Film „The Butterfly Effect“ aus dem Jahr 2004 befassen. Das oben genannte „erneute Erleben“ einer Erinnerung erhält in dieser Verfilmung eine etwas andere Bedeutung. Denn die Hauptfigur sieht sich tatsächlich in der Lage, die eigenen Erinnerungen erneut zu erleben und diese dort auch beeinflussen zu können. Doch in welchen Zusammenhängen erscheint dieses Thema der Erinnerungsarbeit innerhalb des Films? Mit diesem Aspekt und der Verbindung zwischen Erinnerung und Verantwortung möchte ich mich nach der Veranschaulichung des filmischen Inhaltes auseinandersetzen.

2. Der Schmetterlingseffekt

Der Schmetterlingseffekt beschreibt in der Chaostheorie den Umstand, dass auf eine geringe Ursache eine weitaus größere Wirkung folgen kann. In den Jahren um 1960 stellte der Meteorologe Edward N. Lorenz diesbezüglich die Theorie auf, dass ein an einem Ort getätigter Schlag eines Schmetterlingsflügels an einem anderen Ort einen Wirbelsturm verursachen kann. Als Konsequenz dieses Phänomens zeigt sich, dass geringfügige Veränderungen, über einen bestimmten Zeitraum gesehen, einen Zusammenhang stark abwandeln können.[3]

3. The Butterfly Effect – Der Film

3.1 Die Handlung

Der Film “The Butterfly Effect” von Eric Bress und J. Mackey Gruber aus dem Jahr 2004 erzählt die Geschichte des sehr begabten Psychologiestudenten Evan Treborn. Dieser wird in seiner Kindheit mit sogenannten Blackouts konfrontiert. In bestimmten Konfliktsituationen vollzieht sein Gedächtnis eine Art Sprung, wodurch er nicht mehr in der Lage ist, sich an die letzten Minuten zu erinnern.

Als Student findet er heraus, dass er mit Hilfe seiner alten Tagebücher in der Zeit zurück in die jeweilige Erinnerung reisen und sie nun auch erleben kann. Verändert er allerdings in den Erinnerungen sein Verhalten oder jenes von einem der anderen Charaktere, verschiebt sich ebenfalls die gesamte Gegenwart. Auf diese Weise versucht Evan, die Gegenwart in eine positivere Richtung zu lenken. Doch bei jedem Erwachen sieht er sich mit weiteren Folgen seines Handelns konfrontiert.

Seiner Mutter fallen schon früh die Verbindungen zwischen Evan und seinem inhaftierten Vater auf, welcher unter ähnlichen Gedächtnisverlusten leidet. Von der Außenwelt als verrückt angesehen, erkennt Evan zum Ende des Films sein wirkliches Dilemma. Er reist so häufig in die Vergangenheit, dass die verschobene Gegenwart für ihn nicht mehr zu retten ist. Auch Evan selbst befindet sich am Schluss in einer vergleichbaren Situation. Nachdem er in einem seiner Erinnerungssprünge versehentlich seine große Liebe Kayleigh tötet, findet er sich in einer Nervenheilanstalt wieder. Durch altes Filmmaterial gelingt ihm ein letzter Sprung in eine vergangene Erinnerung. Dort verhindert er das Kennenlernen zwischen sich und Kayleigh und ermöglicht durch diesen Verzicht allen beteiligten Charakteren ihre bestmögliche Zukunft.

Nach dieser letzten Wendung verbrennt er seine Tagebücher, die Tore zu seinen Zeitsprüngen.

3.2 Die Zeitlinien

„It has been said that something as small as the flutter of a butterfly's wing can ultimately cause a typhoon halfway around the world.” (Einblende zu Beginn des Films)

Unter ebenjenem Aspekt der Konsequenz ist der amerikanische Film „The Butterfly Effect“ zu betrachten. „Du kannst Menschen nicht verändern, ohne zu zerstören, was sie waren.“- heißt es in dem Film. Dies ist eine Lektion, die der Protagonist Evan schmerzlich lernen muss. Er reist mehrmals in seine eigenen Erinnerungen zurück und verändert somit den Verlauf der Gegenwart und auch die Menschen in ihr. Durch diesen Vorgang kreiert er im Laufe des Films sieben unterschiedliche Zeitlinien.

Die erste Zeitlinie zeigt sich dem Zuschauer als die Ausgangszeitlinie. Sie stellt die Gegenwart dar, in welcher Evan als Kind und auch später als Student unter seinen Blackouts leidet, in welcher keine psychologische Behandlung ihm weiterhilft und, in welcher er erkennt, dass er durch seine Tagebücher in der Lage ist, in die Vergangenheit zu reisen und die von dort aus gesehene Zukunft zu verändern.

Evan reist zurück in die Vergangenheit, um den Missbrauch ihres Vaters an Kayleigh zu verhindern und sie somit in der Zukunft vor einem Selbstmord zu bewahren. Als er erwacht, befindet er sich in der zweiten Zeitlinie und dort in einer glücklichen Beziehung mit ihr. Ihr gemeinsames Leben scheint vollkommen. Als jedoch Kayleighs Bruder Tommy aus dem Gefängnis entlassen wird, tötet Evan ihn im Kampf, um sich selbst zu verteidigen, und findet sich selbst in einem Gefängnis wieder. Er hatte nicht bedacht, dass er den Hass des Vaters ausschließlich auf Tommy lenkte, indem er Kayleigh rettete. Sowohl Kayleigh und Tommy als auch Evan selbst veränderten sich durch sein Eingreifen, dessen Folgen er in der neuen Gegenwart tragen muss.

Als er mit Hilfe seiner Tagebücher und seines Zellengenossen erneut zurückreist in jene Erinnerung, in welcher Tommy seinen Hund tötet, erschafft er die dritte Zeitlinie. Um Tommys Seelenheil zu retten und seinem Freund Lenny die Schuld an einem Streich, bei welchem ein Kind getötet wurde, zu nehmen, versucht er, die Erinnerung zu beeinflussen. Doch Lenny tötet Tommy. Evan erwacht also erneut in einer Gegenwart, welche er nicht besser, sondern lediglich auf eine andere Weise schlecht abgewandelt hat. Lenny befindet sich dort aufgrund des Mordes an Tommy in einer psychiatrischen Klinik.

Evan reist nun in eine Erinnerung, in welcher er seinen Vater mit seinen Erkenntnissen konfrontieren und ihn bestimmte Dinge fragen möchte. Doch dieser weist ihn daraufhin, nicht „Gott spielen“ zu können und versucht, ihm das Leben zu nehmen, da es „mit ihm enden muss“. Letztendlich stirbt er bei diesem Versuch selbst. Daraufhin sucht Evan Kayleigh, welche in dieser vierten Zeitlinie als Prostituierte arbeitet und ihm im Streit rät, zu der Erinnerung des Streiches zurückzukehren.

Die fünfte Zeitlinie erschafft Evan, indem er in ebenjene Erinnerung zurückreist, in welcher sie als Jugendliche durch einen Streich eine Mutter und ihr Kind töteten. Er verhindert diese Situation und muss dafür in der Gegenwart akzeptieren, dass er bei diesem Rettungsversuch beide Arme und Beine verloren hat. Alle Charaktere um ihn herum scheinen in der dortigen Gegenwart glücklich zu sein bis auf ihn selbst. Er trifft die Entscheidung, sich umzubringen, um somit seinen Freunden diese Gegenwart nicht zu zerstören. Doch als er erfährt, dass seine Mutter im Sterbebett liegt, da sie aufgrund seiner Verletzungen zur Kettenraucherin geworden ist, fasst er erneut den Entschluss, seine Tagebücher zu nutzen. Wiederum beeinflussen Evans Eingriffe in die Vergangenheit das Wesen und Leben der Menschen um ihn herum.

Er befindet sich in seiner nächsten Zeitreise noch einmal in der Erinnerung an den Missbrauch. Dort funktionieren jedoch seine Veränderungsversuche anfangs nicht, wodurch er überstürzt handelt und versehentlich Kayleighs Tod herbeiführt. Somit findet er sich in der sechsten Zeitlinie in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt wieder, da es ihm in der Gegenwart nicht gelang, seine Schuld an ihrem Tod zu verarbeiten. An dieser Stelle wird für den Zuschauer noch einmal die Verbindung zwischen Evan und seinem Vater deutlich, welcher für Außenstehende ebenfalls lediglich als verrückt zu sehen war. Er rettet sich aus dieser zunächst ausweglosen Situation, indem es ihm gelingt mittels Filmmaterial in die Erinnerung zu reisen, in welcher er Kayleigh zum ersten Mal begegnet.

Dort verhindert er ein näheres Kennenlernen und sorgt somit dafür, dass Kayleigh und ihr Bruder Tommy bei ihrer Mutter aufwachsen. In der nun entstandenen Gegenwart führen alle Charaktere voneinander unabhängig ein zufriedenes Leben. Dies beschreibt die siebte Zeitlinie, welche Evan als die letzte ansieht und somit seine Tagebücher verbrennt. Trotz der Veränderung der Wesen der Charaktere, gelingt es ihm also letztendlich, eine Gegenwart zu kreieren, in welcher alle Betroffenen ein glückliches Leben führen können. Nur er selbst weiß, welchen Verlust er dafür in Kauf nimmt. Ohne Verluste scheint eine Veränderung nicht möglich zu sein.

3.3 Erinnerungsthematik im Film

Der Film beginnt mit einer der eigentlich letzten Szenen, um den Zuschauer unmittelbar in das Geschehen zu versetzen und das Interesse nach den vorerst unklaren Zusammenhängen zu wecken. In dieser Szene ist der Protagonist Evan im Alter von 20 Jahren zu sehen. Daraufhin springt die Handlung zu Evans Kindheit. Nachdem diese dem Zuschauer gänzlich veranschaulicht wurde, wechselt sie dauerhaft zwischen den Erinnerungsausflügen des Hauptdarstellers in die Kindheit und der jeweilig veränderten Realität. Die Wirklichkeit bezieht sich immer auf denjenigen Zeitraum, in welchem er das Alter von 20 Jahren besitzt.

[...]


[1] Zitate von Bonhoeffer. Internet-Publikation: www.bonhoeffer.ch. Erstellt: 2006. Eingesehen: 10.03.15.

[2] Vgl. : Erinnerung. Internet-Publikation: www.psychology48.com. Erstellt:2006-2009. Eingesehen: 26.03.15.

[3] Vgl. : Zwahr, Anette: Schmetterlingseffekt. In: Meyers Großes Taschenlexikon, hg. von Meyers Lexikonredaktion. Band 19. 10. neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim: Meyers Lexikonverlag 2006, S. 6751.

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Details

Titel
Die Rolle der Erinnerung im Film "The Butterfly Effect" von Eric Bress und J. Mackey Gruber
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Seminar Literatur und Erinnerung
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V324367
ISBN (eBook)
9783668234857
ISBN (Buch)
9783668234864
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, erinnerung, film, butterfly, effect, eric, bress, mackey, gruber
Arbeit zitieren
Lena Wegener (Autor), 2015, Die Rolle der Erinnerung im Film "The Butterfly Effect" von Eric Bress und J. Mackey Gruber, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324367

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