Sadomasochismus beschreibt eine Menge an sexuellen Vorlieben, welche sich hauptsächlich mit dem Thema Macht beschäftigen. Die Dominanz oder Unterwerfung der Sexualpartner äußert sich häufig durch Fessel- oder Rollenspiele. Auch der Bereich des Schmerzempfindens erlangt innerhalb dieser Praktiken große Bedeutung. „Safe, sane and consensual“ (sicher, mit gesundem Menschenverstand und freiwillig) – diese drei Aspekte werden von den Anhängern des Sadomasochismus selbst als Richtlinien angesehen. Der amerikanische Wissenschaftler Weinberg erweitert diese noch durch die Begriffe „erotic and recreational“ (erotisch und zur Erholung). Den wichtigsten Aspekt stellt allerdings zu jedem Zeitpunkt die Freiwilligkeit dar. Ohne diese verhindert der Zwang das Ausleben der sexuellen Neigung von zumindest einem der beiden Sexualpartner. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Der Sadomasochismus
2. “Let’s Play Master and Servant” – Spielformen des paradoxen Selbst in sadomasochistischen Subkulturen – Volker Woltersdorff
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretische Einordnung des Sadomasochismus als "Spiel" innerhalb der Spieltheorie und analysiert, inwieweit sich die komplexen Strukturen dieser sexuellen Neigung mit klassischen Spielbegriffen in Einklang bringen lassen oder durch die Unveränderlichkeit von Identität und Neigung davon abgrenzen.
- Die Definition von Sadomasochismus und seine Abgrenzung von Sadismus und Masochismus.
- Die Rolle der Freiwilligkeit und des Konsenses als zentrale Pfeiler der SM-Praxis.
- Spieltheoretische Analysen von Volker Woltersdorff und John Huizinga im SM-Kontext.
- Die Ambivalenz zwischen stilisierter Künstlichkeit und realem Schmerzempfinden.
- Die psychologische und soziale Funktion der Rollenverteilung in der SM-Szene.
Auszug aus dem Buch
Der Sadomasochismus
„Die subkulturellen sadomasochistischen Spiele siedeln sich in einem paradoxen Zwischenraum von subkultureller und künstlerischer Performance, von Alltag und Ausnahme, von existentieller Nachhaltigkeit und folgenlosem Amüsement, von stilisierter Künstlichkeit und ungefilterter Echtheit an.“
Sadomasochismus beschreibt eine Menge an sexuellen Vorlieben, welche sich hauptsächlich mit dem Thema Macht beschäftigen. Die Dominanz oder Unterwerfung der Sexualpartner äußert sich häufig durch Fessel- oder Rollenspiele. Auch der Bereich des Schmerzempfindens erlangt innerhalb dieser Praktiken große Bedeutung. „safe, sane and consensual“ (sicher, mit gesundem Menschenverstand und freiwillig) – diese drei Aspekte werden von den Anhängern des Sadomasochismus selbst als Richtlinien angesehen. Der amerikanische Wissenschaftler Weinberg erweitert diese noch durch die Begriffe „erotic and recreational“ (erotisch und zur Erholung). Den wichtigsten Aspekt stellt allerdings zu jedem Zeitpunkt die Freiwilligkeit dar. Ohne diese verhindert der Zwang das Ausleben der sexuellen Neigung von zumindest einem der beiden Sexualpartner.
Die unbedingte Erhaltung der Freiwilligkeit sowie die fehlende körperliche Brutalität unterscheiden den Sadomasochismus von Sadismus und Masochismus, welche ursprünglich lediglich als medizinische Diagnosen zu verstehen waren. Beide Definitionsformen lassen sich geschichtlich weit zurückverfolgen. Der Sadomasochismus taucht schon in der „Kama Sutra“ um 300 n.Chr. auf, während die Begriffe „Sadismus“ und „Masochismus“ spätestens durch Sigmund Freud einen festen Platz im Bereich der Psychiatrie einnehmen. Erst um 1970 allerdings beschäftigt sich die Wissenschaft detaillierter mit diesen Themen und stellt die geistige Gesundheit und Freiwilligkeit der Praktizierenden heraus, wodurch man sich wieder im Bereich des Sadomasochismus befindet.
Zusammenfassung der Kapitel
Der Sadomasochismus: Dieses Kapitel definiert den Sadomasochismus, erläutert die Bedeutung von Konsens und Freiwilligkeit und stellt die historische Entwicklung der Begriffe sowie deren Abgrenzung zur reinen Pathologie dar.
“Let’s Play Master and Servant” – Spielformen des paradoxen Selbst in sadomasochistischen Subkulturen – Volker Woltersdorff: Dieser Abschnitt diskutiert die spieltheoretische Verortung von SM-Praktiken, beleuchtet die Begriffe Macht und Rollenverteilung und reflektiert kritisch, ob SM trotz der Realität von Schmerz und Identität als "Spiel" bezeichnet werden kann.
Schlüsselwörter
Sadomasochismus, Spieltheorie, Freiwilligkeit, Macht, Rollenspiel, SM-Szene, Konsens, Identität, Safeword, Homo ludens, Perversion, Sexualität, Selbstverwirklichung, Rollendistanz, Körperlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Frage, ob die sadomasochistische Praxis aus einer spieltheoretischen Perspektive als "Spiel" definiert werden kann und welche theoretischen Voraussetzungen dafür notwendig sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition und Abgrenzung von SM-Praktiken, das Konzept des "safe, sane and consensual", die psychologische Funktion von Rollen innerhalb dieser Subkultur sowie die Grenze zwischen Spiel und Realität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Einordnung von Sadomasochismus als Spielform, unter Einbeziehung von Theorien zur Spielwissenschaft und zur Identitätsbildung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und spieltheoretische Analyse, die Fachliteratur (u.a. von Volker Woltersdorff, John Huizinga und Erving Goffman) heranzieht, um die Praxis des Sadomasochismus konzeptionell zu durchdringen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Begriffe des Spiels in Bezug auf SM analysiert, die Bedeutung des Safewords und der Rahmung diskutiert sowie Argumente pro und contra einer spieltheoretischen Definition abgewogen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Sadomasochismus, Freiwilligkeit, Spieltheorie, Rollenspiel, Macht, Identität und die Unterscheidung zwischen Alltag und Spielsituation.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen "SM-Lebern" und "SM-Spielern"?
Die Autorin schlägt eine Differenzierung vor: SM-Spieler nutzen die Praxis als begrenzte Spielsituation, während SM-Leber Identitätsanteile in einer Weise ausleben, die über ein rein zeitlich begrenztes Spiel hinausgeht.
Warum spielt das Safeword in der Argumentation eine wichtige Rolle?
Das Safeword dient als Indikator für die bewusste Rahmung des Geschehens; es ermöglicht den Ausstieg aus der Spielsituation und sichert somit die Freiwilligkeit, die für die Definition als Spiel essenziell ist.
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- Lena Wegener (Author), 2015, Die Rolle des Spiels im Sadomasochismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324369