Moderne Gesellschaften sind immer mehr von Mobilität geprägt und fordern diese von ihren Mitgliedern. Durch den Fortschritt im technischen Bereich, wird die Welt immer „kleiner“. Flugzeug, Auto und Zug machen es möglich, dass immer mehr Orte in immer kürzerer Zeit erreichbar sind. Moderne Telekommunikation wie Telefon, Internet und Fax lassen eine Person scheinbar zur gleichen Zeit an mehreren Orten sein. Informationsaustausch ist immer weniger eine Frage des Standorts oder der Zeit. Auch die Werbung macht sich diesen Trend zu Eigen. In einem Werbespot von IBM tauschen zwei Mitarbeiter eines Unternehmens per Handy aktuelle technische Daten aus ohne dass der eine vom anderen weiß ob dieser sich gerade in Chicago, New York oder sonst wo auf der Welt befindet. Es ist prinzipiell alles zu jeder Zeit überall möglich. Der Mensch bewegt sich hin zu einer driftenden (vgl. Sennett, 2000) Trolley Gesellschaft ohne festen Wohnsitz.
Die Menschen moderner Nomadengesellschaften mutieren zu Jobnomaden, Liebensnomaden, Werte- und Glaubensnomaden (vgl. Englisch, 2001).
Auch die soziale Beweglichkeit hat in den letzten Jahren zugenommen. Möglich geworden ist diese Mobilität beispielsweise durch ein offeneres Bildungssystem. Bildung ist für einen großen Teil der Menschen zugängliche geworden und hängt nicht mehr in einem so hohen Maß von der Schicht ab, in die ein Akteur geboren wird. Die Durchlässigkeit der Schichten hat sich vergrößert. Das Netz der Möglichkeiten und Chancen vergrößert sich in einer modernen von Mobilität geprägten Gesellschaft.
In dieser Arbeit soll versucht werden darzustellen ob zwischen Mobilität und der Vermittlung und den Inhalten der Werte einer Gesellschaft ein Zusammenhang besteht und wenn ja welcher.
Hierzu sollen erst die theoretische Darstellung der Begriffe erfolgen. So werden in Kapitel 2 die in einer Gesellschaft typischen Formen der Mobilität erläutert. In Kapitel 2.1 wird die soziale Mobilität mit der Unterscheidung in horizontale und vertikale, Karriere- und Generationenmobilität sowie die Strukturelle- und die Zirkluationsmobilität dargestellt. Im darauffolgenden Kapitel 2.2 wird die Form der räumlichen Mobilität erläutert. Oftmals können die aus der Mobilität resultierenden Phänomene sowohl unter dem Aspekt des Sozialen wie auch des Räumlichen erklärt werden. Diese beiden Mobilitätsarten überschneiden und bedingen sich häufig. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mobilität in einer Gesellschaft
2.1 Soziale Mobilität
2.2 Räumliche Mobilität
3. Werte in einer Gesellschaft
3.1 Begriffsdefinition von Werten
3.2 Vermittlung von Werten
3.3 Wertewandel
4. Zusammenhang zwischen Werte und Mobilität
4.1 Werte unter dem Einfluss von Mobilität
4.2 Mobilität als Wert einer Gesellschaft
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den wechselseitigen Zusammenhang zwischen der in modernen Gesellschaften geforderten Mobilität sowie deren Auswirkungen auf die Vermittlung und die inhaltliche Ausgestaltung gesellschaftlicher Werte. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie soziale und räumliche Mobilitätsprozesse bestehende Wertesysteme beeinflussen und ob Mobilität selbst zunehmend zu einem eigenständigen gesellschaftlichen Wert avanciert.
- Analyse der Formen sozialer und räumlicher Mobilität
- Theoretische Fundierung und Begriffsbestimmung von Werten
- Untersuchung von Sozialisationsprozessen im Kontext von Mobilität
- Diskussion des Wertewandels in modernen Industriegesellschaften
- Bewertung von Mobilität als normativer Leitwert
Auszug aus dem Buch
2.) Mobilität in einer Gesellschaft
Der Begriff der Mobilität erlangt in der modernen Gesellschaft und damit auch für die Soziologie immer größere Relevanz. Verschiedenste Lebensbereiche einer Person wie beispielsweise Familie, Beruf, Freizeit, Religion und Politik sind durch soziale und räumliche Mobiliätsprozesse geprägt (Hillmann, 1994, S. 565). „Im Laufe der Zeit ist die ehemals ortsfeste Bevölkerung hoch mobil geworden“ (Bertels, 1997, S. 7). Die Bewegung einer modernen Gesellschaft ist für Simmel nicht nur „eine räumliche Tatsache mit soziologischer Wirkung, sondern eine soziologische Tatsache, die sich räumlich formt“ (Simmel, 1992, S. 697).
Unter Mobilität im Allgemeinen versteht die Soziologie die „Bewegungen von Personen (als Individuen, als Familien oder als Gruppen) zwischen sozialen Positionen, Kategorien oder Lagen“ (Berger, 2001, S. 595). Bestimmt werden kann diese durch „...subjektive oder objektive Faktoren, d.h. individuelle Lebensschicksale, familien oder schichtspezifische Traditionen, epochale Zeitumstände, sozialen Wandel, technische - wirtschaftliche Innovationen, Veränderungen von Kultur und das Wohlstandsgefälle zwischen verschiedenen Regionen“ (Hillmann, 1994, S. 565).
In der Soziologie wird bzgl. Mobilität einer Gesellschaft zumeist in Migration oder räumliche- bzw. regionale Mobilität und in soziale Mobilität unterschieden. Hillmann definiert Mobilität als „Beweglichkeit, Bewegungsvorgänge von Einzelpersonen, Gruppen und Kollektiven innerhalb einer Gesellschaft in sozialer und regionaler Hinsicht“ (Hillmann, 1994, S. 565). Hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass diese Mobilitätsformen häufig auch zusammen auftreten und sich auch gegenseitig beeinflussen können (Herlyn, 1974, S. 28 und Berger, 2001, S. 595).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zur Thematik der Mobilität in modernen Gesellschaften und Definition der Forschungsfrage hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen Mobilität und Wertevermittlung.
2. Mobilität in einer Gesellschaft: Theoretische Differenzierung zwischen sozialer Mobilität (Auf- und Abstieg, Karriere/Generation) und räumlicher Mobilität (Migration, Wanderung).
3. Werte in einer Gesellschaft: Analyse soziologischer Begrifflichkeiten, Sozialisationsmechanismen und Erklärungsmodelle für den langfristigen Wertewandel.
4. Zusammenhang zwischen Werte und Mobilität: Untersuchung der Auswirkungen mobilitätsbedingter Instabilität auf Sozialisationsinstanzen und die Entstehung von Mobilität als eigenständiger Wert.
5. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Ausblick auf die zukünftige Bedeutung mobiler Lebensweisen für die menschliche Werteorientierung.
Schlüsselwörter
Soziale Mobilität, Räumliche Mobilität, Werte, Wertewandel, Sozialisation, Globalisierung, Gesellschaft, Flexibilität, Wertesystem, Moderne, Migration, Sozialstruktur, Identität, Nomadengesellschaft, Lebensstil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die soziologische Frage, wie sich zunehmende soziale und räumliche Mobilität auf die Werte einer Gesellschaft und deren Vermittlung an den Einzelnen auswirken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Mobilitätsforschung, die soziologische Werteforschung, Sozialisationsprozesse in der Familie sowie der Einfluss von Globalisierung und technischem Fortschritt auf gesellschaftliche Strukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit Mobilität nicht nur bestehende Wertesysteme beeinflusst, sondern ob sie in der modernen Gesellschaft selbst zu einem normativen Leitwert geworden ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die auf Basis soziologischer Standardwerke und Studien den aktuellen Wissensstand zu Mobilität und Werten zusammenführt und interpretativ verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung von Mobilität und Werten sowie die anschließende Zusammenführung beider Themengebiete, um die Wechselwirkungen und den Einfluss der Mobilität auf die Wertevermittlung zu analysieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind soziale und räumliche Mobilität, Wertewandel, Sozialisation, Flexibilität und der Begriff der modernen Nomadengesellschaft.
Wie verändert Mobilität die Rolle der Familie als Sozialisationsinstanz?
Die Arbeit diskutiert, dass zunehmende Mobilität den familiären Zusammenhalt schwächen kann, wodurch die traditionelle Wertevermittlung erschwert wird und neue Formen wie die „mobile Wir-Gruppe“ entstehen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Mobilität?
Der Autor schließt, dass Mobilität zwar Chancen auf Freiheit und Diversität bietet, ein Übermaß an Mobilität jedoch die soziale Stabilität gefährden kann, da sie die Bildung notwendiger Vertrauensverhältnisse behindert.
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- Josina Johannidis (Author), 2004, Werte im Zuge wachsender Mobilität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32442