Werte im Zuge wachsender Mobilität


Hausarbeit, 2004
21 Seiten, Note: Siehe Kommentar

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Mobilität in einer Gesellschaft
2.1 Soziale Mobilität
2.2 Räumliche Mobilität

3. Werte in einer Gesellschaft
3.1 Begriffsdefinition von Werten
3.2 Vermittlung von Werten
3.3 Wertewandel

4. Zusammenhang zwischen Werte und Mobilität
4.1 Werte unter dem Einfluss von Mobilität
4.2 Mobilität als Wert einer Gesellschaft

5. Zusammenfassung

„Wir sind alle Opfer der Zeit und das Ortes“

(zitiert in Sennett, 2000, S.202)

1.) Einleitung

Moderne Gesellschaften sind immer mehr von Mobilität geprägt und fordern diese von ihren Mitgliedern. Durch den Fortschritt im technischen Bereich, wird die Welt immer „kleiner“. Flugzeug, Auto und Zug machen es möglich, dass immer mehr Orte in immer kürzerer Zeit erreichbar sind. Moderne Telekommunikation wie Telefon, Internet und Fax lassen eine Person scheinbar zur gleichen Zeit an mehreren Orten sein. Informationsaustausch ist immer weniger eine Frage des Standorts oder der Zeit. Auch die Werbung macht sich diesen Trend zu Eigen. In einem Werbespot von IBM tauschen zwei Mitarbeiter eines Unternehmens per Handy aktuelle technische Daten aus ohne dass der eine vom anderen weiß ob dieser sich gerade in Chicago, New York oder sonst wo auf der Welt befindet. Es ist prinzipiell alles zu jeder Zeit überall möglich. Der Mensch bewegt sich hin zu einer driftenden (vgl. Sennett, 2000) Trolley Gesellschaft ohne festen Wohnsitz.

Die Menschen moderner Nomadengesellschaften mutieren zu Jobnomaden, Liebensnomaden, Werte- und Glaubensnomaden (vgl. Englisch, 2001).

Auch die soziale Beweglichkeit hat in den letzten Jahren zugenommen. Möglich geworden ist diese Mobilität beispielsweise durch ein offeneres Bildungssystem. Bildung ist für einen großen Teil der Menschen zugängliche geworden und hängt nicht mehr in einem so hohen Maß von der Schicht ab, in die ein Akteur geboren wird. Die Durchlässigkeit der Schichten hat sich vergrößert. Das Netz der Möglichkeiten und Chancen vergrößert sich in einer modernen von Mobilität geprägten Gesellschaft.

In dieser Arbeit soll versucht werden darzustellen ob zwischen Mobilität und der Vermittlung und den Inhalten der Werte einer Gesellschaft ein Zusammenhang besteht und wenn ja welcher.

Hierzu sollen erst die theoretische Darstellung der Begriffe erfolgen. So werden in Kapitel 2 die in einer Gesellschaft typischen Formen der Mobilität erläutert. In Kapitel 2.1 wird die soziale Mobilität mit der Unterscheidung in horizontale und vertikale, Karriere- und Generationenmobilität sowie die Strukturelle- und die Zirkluationsmobilität dargestellt. Im darauffolgenden Kapitel 2.2 wird die Form der räumlichen Mobilität erläutert. Oftmals können die aus der Mobilität resultierenden Phänomene sowohl unter dem Aspekt des Sozialen wie auch des Räumlichen erklärt werden. Diese beiden Mobilitätsarten überschneiden und bedingen sich häufig. Aus diesem Grund soll im Folgenden dieser Arbeit die Unterscheidung zwischen sozialer und räumlicher Mobilität nur dann erfolgen wenn es für das Verständnis und den Verlauf der Arbeit wichtig ist.

In dem darauffolgenden Kapitel 3 werden die Begrifflichkeiten bezüglich der in einer Gesellschaft existierenden Werte dargestellt. So wird in Kapitel 3.1 eine Begriffsbestimmung von Werten, wie diese in der Soziologie verstanden werden, erläutert. Daraufhin erfolgt in Kapitel 3.2 eine Darstellung über die Art ihrer Vermittlung. Dies ist in Zusammenhang dieser Arbeit wichtig, da davon ausgegangen wird, dass Mobilität besonders die Vermittlung von Werten beeinflusst. Kapitel 3.3 wird der Wandel von Werten aufgezeigt. Als exemplarische Erklärungsversuche sollen hierbei die Theorien von Inglehart (1977) und Klages (1988) dargestellt werden.

Im nun folgenden Kapitel 4 werden die beiden Themengebiete zusammengeführt. Dem ersten Aspekt, dass Werte von der Mobilität einer Gesellschaft beeinflusst werden, sollen hierbei in Kapitel 4.1 mehr Aufmerksamkeit beigemessen werden Es wird dabei davon ausgegangen, dass dieser Umstand von großer Wirkung auf eine Gesellschaft ist. Außerdem wird davon ausgegangen, dass es sich bei dem in Kapitel 4.2 erläuterten Phänomen der Mobilität als Wert einer Gesellschaft um ein Ergebnis des Einflusses dieser auf die Werte handelt. Es wird also angenommen, dass im Zuge der Veränderung der Werte durch Mobilität, diese fast zwangsweise zu einem solchen wird.

2.) Mobilität in einer Gesellschaft

Der Begriff der Mobilität erlangt in der modernen Gesellschaft und damit auch für die Soziologie immer größere Relevanz. Verschiedenste Lebensbereiche einer Person wie beispielsweise Familie, Beruf, Freizeit, Religion und Politik sind durch soziale und räumliche Mobiliätsprozesse geprägt (Hillmann, 1994, S. 565). „Im Laufe der Zeit ist die ehemals ortsfeste Bevölkerung hoch mobil geworden“ (Bertels, 1997, S. 7). Die Bewegung einer modernen Gesellschaft ist für Simmel nicht nur „eine räumliche Tatsache mit soziologischer Wirkung, sondern eine soziologische Tatsache, die sich räumlich formt“ (Simmel, 1992, S. 697).

Unter Mobilität im Allgemeinen versteht die Soziologie die „Bewegungen von Personen (als Individuen, als Familien oder als Gruppen) zwischen sozialen Positionen, Kategorien oder Lagen“ (Berger, 2001, S. 595). Bestimmt werden kann diese durch „...subjektive oder objektive Faktoren, d.h. individuelle Lebensschicksale, familien- oder schichtspezifische Traditionen, epochale Zeitumstände, sozialen Wandel, technische - wirtschaftliche Innovationen, Veränderungen von Kultur und das Wohlstandsgefälle zwischen verschiedenen Regionen“ (Hillmann, 1994, S. 565).

In der Soziologie wird bzgl. Mobilität einer Gesellschaft zumeist in Migration oder räumliche- bzw. regionale Mobilität und in soziale Mobilität unterschieden. Hillmann definiert Mobilität als „Beweglichkeit, Bewegungsvorgänge von Einzelpersonen, Gruppen und Kollektiven innerhalb einer Gesellschaft in sozialer und regionaler Hinsicht“ (Hillmann, 1994, S. 565). Hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass diese Mobilitätsformen häufig auch zusammen auftreten und sich auch gegenseitig beeinflussen können (Herlyn, 1974, S. 28 und Berger, 2001, S. 595).

Die Formen der räumlichen und der sozialen Mobilität sollen, beginnend mit der sozialen Mobilität in den nun folgenden Kapiteln erläutert werden.

2.1) Soziale Mobilität

Unter dem Begriff der sozialen Mobilität versteht man in der Soziologie

„Bewegung oder Wechsel zwischen beruflichen Positionen

(berufliche Mobilität) bzw. zwischen sozialen Lagen, Schichten oder

Klassen (Schichten- oder Klassenmobilität). Darüber hinaus kann

darunter auch die Erwerbsmobilität (z.B. Übergänge von

Vollzeiterwerbstätigkeit in eine Teilzeitbeschäftigung oder in

Arbeitslosigkeit), Bewegungen zwischen Teilarbeitsmärkten oder die

„konnubiale“ bzw. Heiratsmobilität (Wahl eines Partners mit

ähnlicher/unterschiedlicher sozialer Herkunft) gefasst werden“

(Berger, 2001 S. 595).

Hat die Bewegung zwischen Klassen oder Schichten, Positionen und den sozialen Lagen einen Auf- bzw. Abstieg zur Folge spricht man in der Soziologie von vertikaler Mobilität. Verläuft diese Bewegung auf einer Ebene, so handelt es sich um horizontale Mobilität. (Berger, 2001, S. 596). Diese Unterteilung in die vertikale und horizontale Dimension wurde von Sorokin (1927) entwickelt. Er analysierte die soziale Mobilität unter dem Aspekt des social space, welcher sich aus den folgenden vier Merkmalen zusammensetzt. Erstens der Gesamtheit der menschlichen Bevölkerung. Zweitens: Die soziale Position des Individuums ist die Gesamtheit der Beziehungen zu allen Gruppen einer Bevölkerung und innerhalb dieser zwischen ihren Mitgliedern. Das dritte Merkmal ist, dass die Position des Individuums in der sozialen Gesamtheit durch die Festlegung der Beziehungen erhalten werden. Viertens wird die soziale Position eines Individuums durch die Koordinaten, welche die Gesamtheit der Gruppen und der Positionen in einem System bilden, definiert (Sorokin, 1927, S. 6).

Eine weitere Unterscheidung der sozialen Mobilität wurde von Max Weber (1964) vorgenommen. Er unterschied in Karriere- und Generationenmobilität. Die Karrieremobilität, welche auch intragenerationelle Mobilität genannt wird, bezeichnet den Positions- Schicht- bzw. Klassenwechsel den eine Person im Laufe ihres Lebens vollzogen hat. Bei der Generationen- oder auch intergenerationellen Mobilität wird der Wechsel, der zwischen der Eltern- und der Kindergeneration stattgefunden, hat aufgezeigt. (Berger, 2001, S. 596).

Werden diese Bewegungen von einzelnen Personen gemacht handelt es sich um individuellen Mobilität. Bewegen sich hingegen ganze Gruppen, Schichten oder Klassen so kommt es zu kollektiver Mobilität (Berger, 2001, S.596). Diese Differenzierung nach der Anzahl der betrachteten Akteure stammt vom Pionier der Mobilitätsforschung, Theodor Geiger (1955). Geiger (1955) betonte in seiner Arbeit ebenso die doppelte Dynamik dieses Forschungszweiges. Damit meinte er, dass die Schichten sich in Größe und Charakter oder auch in beidem, durch die Bewegung der Individuen zwischen diesen verändern (Geiger, 1955, S. 102).

Die hier aufgezeigten Formen der Mobilität können sich überschneiden. So kann beispielsweise die Karriere- und die Generationenmobilität sowohl vertikal als auch horizontal verlaufen. Außerdem können sie an einem einzelnen Akteur (individuelle Mobilität) oder aber an einer ganzen Gruppe oder Schicht (kollektive Mobilität) beobachtet werden (vgl. Hradil, 1999, S. 205-207).

Das Maß an sozialer Mobilität einer Gesellschaft gibt Auskunft über ihre „Offenheit oder Geschlossenheit, d.h. der für den einzelnen bestehenden sozialen Entwicklungschancen oder sozialen Bindungen“ (Hillmann, 1994, S. 565). Gesellschaften mit einer hohen Mobilitäts-Rate oder Indices gelten als sozial mobil was eine hohes Maß an Demokratie und sozialer Chancengleichheit impliziert. Theoretisch existieren in einer offenen Gesellschaft nur wenig Mobilitätsbarrieren. Gesellschaften mit niedriger Mobilitäts-Rate oder Indices gelten als geschlossen. Sie werden meistens als traditionelle oder totalitäre Herrschaftsform bezeichnet (Berger, 2001, S. 596). Zur Ermittlung der Mobilitätswerte werden verschiedene Prozesse, wie beispielsweise Arbeitsplatzwechsel, Wechsel der beruflichen Position, Konfessionswechsel, Wechsel der politischen Parteien u.a. betrachtet (Hillmann, 1994, S. 565).

Mobilitätsvorgänge lassen sich jedoch nicht einzig durch Chancenungleichheit und Mobilitätsbarrieren erklären. Wie schon Geiger (1955) erläutert hat, beinhaltet Mobilität immer eine doppelte Dynamik. Durch diesen Wandel ganzer Positionssysteme, wie beispielsweise Berufszweige und der Veränderung sozialer Schichten bzw. Klassen kommt es zu push- und pull- Faktoren. Der push-Faktor bezeichnet den Umstand, dass beispielsweise ein bestimmter Berufszweig im Laufe des sozialen Wandels uninteressant wird oder so geschrumpft ist, dass nicht genug freie Plätze für die nachrückende Generation vorhanden sind. Dieser Beruf hätte einen Abstoßeffekt (push-Effekt). Der pull-Faktor bezeichnet den Umstand des Sogeffekts. So kann es dazu kommen, dass ein Berufszweig beispielsweise an Attraktivität gewinnt, oder ein Überangebot an freien Plätze besitzt und somit Akteure anzieht (pull-Faktor) (Berger, 2001, S. 597).

Ein weiterer Aspekt der Mobilitätsforschung ist die Unterscheidung in strukturelle- und Zirkulationsmobilität. Die strukturelle Mobilität ist erzwungene Mobilität. Sie kommt durch die push- und pull-Faktoren zustande. In der Mobilitätsforschung wird zumeist die Zirkulations- oder auch freiwillige Mobilität als Indikator für die Offenheit oder Geschlossenheit einer Gesellschaft herangezogen, da sich diese ohne Zwang nur durch sozialen Wandel entwickelt (Berger, 2001, S. 598).

In dem nun folgenden Kapitel soll die Form der räumlichen Mobilität dargestellt werden.

2.2) Räumliche Mobilität

Nach der Definition von Hillmann (1994) (vgl. Kapitel 2) kann Mobilität Bewegung sowohl in sozialer, als auch im regionaler Hinsicht bedeuten. In diesem Kapitel wird die in regionaler Hinsicht definierte Mobilitätsform dargestellt.

Im alltäglichen Sprachgebrauch wären dies „alle Bewegungsvorgänge eines oder mehrere Individuen Im Raum“ (Zimmermann, 2001, S. 529). Um für die Wissenschaft jedoch eine präzisere Bestimmung mit analytischen Charakter zu erhalten, soll diese Definition um die „Angaben von Einheiten des geographischen Raums, zwischen denen ein Wechsel erfolgt“ (Zimmermann, 2001, S. 529), erweitert werden. In diesem Sinne soll im nun Folgenden unter räumlicher oder geographischer Mobilität der „Wechsel eines oder mehrere Individuen zwischen den (vorab) festgelegten Einheiten eines räumlichen Systems“ (Mackensen, 1975, S. 8) verstanden werden. Ebenso soll in dieser Arbeit gelten, dass nicht wie häufig in der Sozialwissenschaft zu finden, allein die Mobilitätsbereitschaft oder das Mobilitätsvermögen, sondern nur tatsächliche Bewegungsvorgänge als räumliche Mobilität gelten (vgl. Zimmermann, 2001, S.530).

Eine mit dieser Mobilitätsform verknüpftes gesellschaftliches Phänomen ist das des Verkehrs. Bei den Klassikern der soziologischen Aufklärung gilt der Verkehr als Motor auf dem Weg in die Moderne. Bewegung und Schnelligkeit ist der Schlüsselbegriff der Moderne und des Fortschritts. Die industrielle Revolution mit ihren technischen Errungenschaften und auch die Lokomotive wurden Synonyme für Mobilität und Modernität (Pankoke, 2001, S. 716). Räumliche Mobilität beeinflusst viele Lebensbereiche. Beispielsweise haben sich mit zunehmender Mobilität die Siedlungsweisen, der Güteraustausch und die Freizeitgestaltungen der Menschen verändert (Hillmann, 1994, S. 566). Aus diesem Grund ist dieser Aspekt für viele Teilgebiete der Soziologie wie beispielsweise die Stadtsoziologie von großer Wichtigkeit.

In der Regel wird in der Soziologie zwischen residentieller und zirkulärer oder auch rekurrenter räumlicher Mobilität unterschieden. Das Kriterium ist hierbei, ob ein Individuum im Zuge der Bewegung seinen Wohnraum verlagert oder nicht. Bei der zirkulären Mobilität wird der Wohnraum während des Bewegungsvorganges nicht gewechselt. Anders bei der residentiellen Mobilität, hier bedeutet Bewegung immer auch eine Verlagerung des Wohnraums. Üblicherweise wird die residentielle Mobilität auch als Wanderung bezeichnet. Eine Wanderung liegt dann vor, wenn „der Hauptwohnsitz über die Gemeindegrenze hinweg verlegt wird, und berücksichtigt damit, dass Personen mehr als eine Wohnung nutzen können“ (Zimmermann, 2001, S. 529).

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Werte im Zuge wachsender Mobilität
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
Siehe Kommentar
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V32442
ISBN (eBook)
9783638331609
ISBN (Buch)
9783656068815
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
An der Fernuniversität Hagen gibt es für Hausarbeiten keine Noten, daher hier der Kommentar des Professors: Eine außerordentlich sackundige, gut und übersichtlich gegliederte und überzeugend argumentierte Arbeit. Voll einverstanden !
Schlagworte
Werte, Zuge, Mobilität
Arbeit zitieren
Josina Johannidis (Autor), 2004, Werte im Zuge wachsender Mobilität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32442

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