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Gewalt durch Frauen oder hat Gewalt ein Geschlecht

Title: Gewalt durch Frauen oder hat Gewalt ein Geschlecht

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 27 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Joachim Klenk (Author)

Sociology - Law and Delinquency
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Gewalt ist eine wesentliche Frage für die gesamte Gesellschaft, für die Freiheit der Einzelnen und soziale Gerechtigkeit. Wenn Menschen durch Gewalt gehindert werden, sich persönlich zu entwickeln, das Haus zu verlassen, Freundschaften zu schließen, sich im Beruf voll einzubringen oder sich politisch zu beteiligen, dann geht das an die Substanz des Gemeinwesens. Gewalt betrifft den Menschen als Ganzes, der wiederum systemtheoretisch gesprochen, als organisches und psychisches System einen Teil sozialer Systeme bildet. Analog dazu leisten die jeweiligen Einzelwissenschaften ihren Erklärungsbeitrag zum „Gewaltphänomen“. Wie groß und gewichtig kann der Beitrag der Sozialwissenschaften und der Soziologie im Besonderen sein, um Empirie und Theorie von Biologie, Medizin und Psychologie zu ergänzen und eventuell zu korrigieren, und Ursachen und Wirkungen von Gewalt zu erklären? Ohne in die Tiefe einer ätiologischen Untersuchung als solcher zu gehen, versucht die vorliegende Arbeit das Phänomen „Gewalt“ mit dem Phänomen „Geschlecht“ zu kombinieren und diesbezüglich einen soziologischen Forschungsansatz zu begründen, dessen Ergebnisse bzgl. des Zusammenhangs von Gewalt und Geschlecht von großer praktischer Bedeutung z. B. für das politische System und das Rechtssystem einer Gesellschaft sein müssen.

Wie steht es nun um die Gewaltaffinität der Geschlechter? Die sowohl in der Täter- als auch in der Opferstatistik ausgewiesenen starken Unterschiede der geschlechtlichen Verteilung von Gewaltdelikten können ein Anlass sein, die These einer geschlechtlichen, nämlich vorwiegend männlichen Konnotation von Gewalt zu verfolgen und im Extremfall ausschließlich biologistisch zu determinieren. Eine soziologische Analyse kann sich mit dem Hinweis auf ein quantitatives Ungleichgewicht nicht begnügen. Zu entschlüsseln ist, welche geschlechtstypische Handlungslogik die Wirklichkeit produziert, die in den Zahlen der Statistik sichtbar wird. Das erfordert, geschlechtsspezifisches Gewalthandeln aus den sozialen Konstitutionsbedingungen vom jeweiligen Geschlecht zu erklären. Diese Perspektive, die auf die geschlechtliche Differenz der „Sozio-Logiken“ von Gewalt zielt, ist ungeachtet dessen notwendig, dass laut amtlicher Statistik Frauen vergleichsweise selten Gewalt ausüben. Anliegen der vorliegenden Arbeit kann es nicht sein, eben diesen „sozialen Sinn“ geschlechtsspezifischer Gewalt herauszuarbeiten, vielmehr soll allein die Möglichkeit eines solchen Unterfangens belegt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Forschung

2.1 Geschichte der Thematisierung

2.1.1 Suzanne Steinmetz und „The battered husband“

2.1.2 Reaktionen auf Susanne Steinmetz

2.2 Forschungsstand Querschnitt

2.3 Forschungsstand Längsschnitt

3 Arbeitshypothese

3.1 Gewalt als soziales Phänomen

3.2 Geschlecht als soziales Konstrukt

4 Zusammenfassung und Fazit

5 Erstellen eines Fragebogens

5.1 Methodologie und Methode

5.2 Fragebogen

5.2.1 Persönliche Daten

5.2.2 Einstellungen zur Gewalt

5.2.3 Gewalterfahrungen: aktiv, passiv

5.2.4 Subjektive Empfindungen

6 Literatur

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Gewalt und Geschlecht, mit dem Ziel, einen soziologischen Forschungsansatz zu begründen, der über eine rein biologische Betrachtung hinausgeht. Dabei wird analysiert, inwieweit das Phänomen „Gewalt“ als geschlechtsspezifisch oder als soziales Konstrukt zu verstehen ist und welche Korrelationen sich empirisch nachweisen lassen.

  • Soziologische Analyse des Zusammenhangs von Gewalt und Geschlecht
  • Kritische Aufarbeitung der Familienkonfliktforschung und ihrer Kontroversen
  • Untersuchung von Gewalt als soziales Phänomen in heterosexuellen Beziehungen
  • Konzeption eines empirischen Erhebungsinstruments zur Gewaltproblematik

Auszug aus dem Buch

2.1 Geschichte der Thematisierung

Danach rückte zunächst in den USA die Kindesmisshandlung in das Bewusstsein einer interessierten Öffentlichkeit. Die Tatsache, dass amerikanische Kinderärzte seit der Erfindung von Röntgenapparaten nach den zweiten Weltkrieg bei Kindern Knochendeformationen und schlecht verheilte Knochenbrüche sowie andere schwere Verletzungen fanden, die nur von schweren, körperlichen Misshandlungen stammen konnten, führte zu den ersten Veröffentlichungen zu diesem Thema. Für die typischen Merkmale schwer, körperlich misshandelter Kinder, die gegenüber Außenstehenden nur selten zugegeben werden, wurde 1962 der Begriff „battered child syndrome“ geprägt. Ursachen solcher Misshandlungen , die man für seltene Ausnahmefälle hielt, suchte man in individuell-pathologischen Persönlichkeiten der Täter. Nach der damaligen Vorstellung konnte jemand nur „geisteskrank, psychisch gestört oder asozial sein“, wenn er sein Kind schwer verprügelte. Interessanterweise nach dem Vorbild des damals schon bestehenden Tierschutzbundes, wurde der amerikanische Kinderschutzbund gegründet.

Mit dem Aufkommen der modernen Frauenbewegung und den Forderungen nach Emanzipation der Frau seit Ende der 60er Jahre wurde auch Gewalt gegen Frauen zum Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzung. Gemäß der Devise, dass das Private das Politischste sei, wurde zum ersten mal ein Aspekt von „Gewalt in der Familie“ als ein Politikum definiert. „Gewalt gegen Frauen“ als der „sichtbarste Teil“ der Benachteiligung und Unterdrückung der Frauen, sollte nicht länger durch die individuelle Pathologie des Misshändlers erklärt werden, vielmehr wurde ihr massenhaftes Vorkommen vorgebracht und als Ursache geriet die gesamte, patriarchalisch strukturierte Gesellschaft in den Focus der Überlegungen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einführung begründet die soziologische Relevanz der Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Gewalt und Geschlecht und hinterfragt die biologische Determiniertheit von Gewalthandlungen.

2 Forschung: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Gewaltforschung nach, mit besonderem Fokus auf die Debatte um das „battered husband syndrome“ und den Forschungsstand zu geschlechtsspezifischen Gewaltdelikten.

3 Arbeitshypothese: Hier wird Gewalt als soziales Phänomen definiert und Geschlecht als ein soziales Konstrukt analysiert, um eine theoretische Grundlage für die Untersuchung zu schaffen.

4 Zusammenfassung und Fazit: Das Kapitel fasst die empirische Evidenz zusammen und plädiert für eine ganzheitliche soziologische Betrachtungsweise, die Gewalt gegen Männer und Frauen als zwei Seiten einer Münze begreift.

5 Erstellen eines Fragebogens: Dieser Abschnitt erläutert die methodische Konzeption eines Fragebogens, der zur Gewinnung neuer Daten über geschlechtsspezifisches Gewaltverhalten und dessen soziale Ursachen dienen soll.

6 Literatur: Ein umfassendes Verzeichnis der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Referenzen.

Schlüsselwörter

Gewalt, Geschlecht, Soziologie, Sozialforschung, Familienkonfliktforschung, Battered Husband Syndrome, Gewalt gegen Frauen, Strukturelle Gewalt, Gender, Sozialisation, Empirie, Sekundäranalyse, Soziales Konstrukt, Kriminalitätsstatistik, Geschlechtslogik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob Gewalt ein Geschlecht hat, indem sie den soziologischen Zusammenhang zwischen Gewalthandeln und der Konstruktion von Geschlechterrollen analysiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Zu den zentralen Themen gehören die Familienkonfliktforschung, die Kritik an traditionellen Opfer-Täter-Bildern sowie die Unterscheidung zwischen biologischem Sex und sozialem Gender.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, einen soziologischen Forschungsansatz zu begründen, der es erlaubt, geschlechtsspezifisches Gewaltverhalten jenseits von rein biologischen Erklärungsmodellen zu verstehen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine Sekundäranalyse bestehender empirischer Untersuchungen und entwirft ein methodisches Design für eine neue quantitative Erhebung mittels Fragebogen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die historische Entwicklung der Thematisierung von Gewalt, der aktuelle Forschungsstand sowie die theoretische Fundierung von Gewalt und Geschlecht als soziale Kategorien dargelegt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie soziale Konstruktion, Gewaltphänomene, geschlechtsspezifische Sozialisation und empirische Gewaltforschung charakterisiert.

Warum spielt das "battered husband syndrome" eine Rolle für das Verständnis der Arbeit?

Es dient als exemplarischer Fall für die wissenschaftliche Debatte darüber, warum Gewalt von Frauen gegen Männer lange Zeit in der öffentlichen und wissenschaftlichen Wahrnehmung unterdrückt oder abgewertet wurde.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen direkter und struktureller Gewalt?

Während sich direkte Gewalt auf konkrete Handlungen mit erkennbaren Akteuren bezieht, definiert die Arbeit strukturelle Gewalt als im System verankerte Zwänge, die Lebenschancen und Machtverhältnisse innerhalb einer Gesellschaft ungleich verteilen.

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Details

Title
Gewalt durch Frauen oder hat Gewalt ein Geschlecht
College
University Karlsruhe (TH)  (Institut für Soziologe)
Course
Bevölkerungssoziologie
Grade
1,3
Author
Joachim Klenk (Author)
Publication Year
2004
Pages
27
Catalog Number
V32454
ISBN (eBook)
9783638331715
Language
German
Tags
Gewalt Frauen Gewalt Geschlecht Bevölkerungssoziologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Joachim Klenk (Author), 2004, Gewalt durch Frauen oder hat Gewalt ein Geschlecht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32454
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