Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der emotionalen Entwicklung und den Einfluss der Erziehung auf diese. In unserer Gesellschaft rückt die Frage nach der emotionalen Intelligenz zunehmend in das öffentliche Bewusstsein. Verstärkt wurde dies durch die Veröffentlichung von Daniel Golemans Buch „Emotionale Intelligenz“. Dabei steht die Frage, was den Lebenserfolg eines glücklichen Menschen ausmacht und welche Kompetenzen dazu notwendig sind im Vordergrund. Frühere Forschungsgebiete beschäftigten sich häufig nur mit der kognitiven Intelligenz.
Ein inzwischen eigenständiger Forschungszweig, der sich an der Schnittstelle zwischen Emotionsentwicklung und kognitiver Entwicklung befindet, befasst sich mit der Entwicklung des Emotionsverständnisses oder des naiven Wissens über Emotionen. Kernfragen sind beispielsweise: „Wann lernen Kinder Bezeichnungen für grundlegende Emotionen wie Freude, Ärger, Angst oder Trauer? Woran erkennen sie, ob eine Person oder sie selbst ärgerlich oder traurig sind? Wissen Kinder, dass ambivalente Gefühle entstehen können? Ist das Wissen über Emotionen für die sozialen Fähigkeiten von Bedeutung? (vgl. Janke 1999, S.71)
Vertraute sowie relevante Probleme in unserer Gesellschaft sind Burn-out, Drogenmissbrauch oder Gewalttaten, welche sich auf viele Faktoren zurückführen lassen. Ein Faktor ist dabei ein Mangel an emotionaler Kompetenz. (vgl. Salisch 2002, S.IX) Welche Fertigkeiten hierzu gehören habe ich in dieser Arbeit aufgezählt.
Die vorliegende Arbeit ist in zwei Teile gegliedert. Teil A befasst sich mit der emotionalen Entwicklung. Nach einer Arbeitsdefinition von Emotionen gehe ich der Frage nach, welche Faktoren für die Entwicklung des kindlichen Emotionskonzepts relevant sind. Dazu führe ich die Entwicklung des Emotionsausdruck, des Emotionsverständnisses und der Emotionsregulation auf. Ich beschränke mich hauptsächlich auf die Entwicklung in den ersten Jahren der Kinder (0-6 Jahre), da hier das „Grundgerüst“ für den Erwerb emotionaler Kompetenz gelegt wird.
Im zweiten Teil B gehe ich der Frage nach, welchen Einfluss Eltern bzw. Bezugspersonen auf diese Entwicklung nehmen. Dabei gibt es Unterschiede im Kulturvergleich. Ich werde aber in der vorliegenden Arbeit nicht darauf eingehen, sondern mich ausschließlich auf den europäischen, amerikanischen Raum beschränken.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
Teil A: Die emotionale Entwicklung
1 Definition für Emotionen
2 Die Entwicklung des kindlichen Emotionskonzeptes
2.1 Entwicklung des Emotionsausdrucks
2.1.1 Entwicklung primärer Emotionen
2.1.2 Entwicklung sekundärer Emotionen
2.2 Entwicklung des sprachlichen Emotionsausdrucks
2.3 Entwicklung des Emotionsverständnisses
2.3.1 Erkennen mimischen Emotionsausdrucks
2.3.2 Verständnis situativer Einflüsse auf das Emotionserleben
2.3.3 Verständnis kognitiver Einflüsse auf das Emotionserleben
2.3.4 Verständnis multipler Emotionen
2.3.5 Trennung von emotionalen Erleben und Ausdruck
2.4 Emotionsregulation
2.4.1 Kindliches Temperament
2.4.2 Inter- und intrapsychische Emotionsregulation
2.4.3 Emotionsregulationsstrategien in der frühen Kindheit
Teil B: Erziehung und emotionale Entwicklung
3 Definition für Erziehung
4 Einfluss der Erziehung auf die emotionale Entwicklung
4.1 Einfluss der Erziehung auf die Entwicklung des Emotionsausdrucks
4.2 Einfluss der Erziehung auf die Entwicklung des Emotionsverständnisses
4.3 Einfluss der Erziehung auf die Emotionsregulation
5 Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die emotionale Entwicklung in den ersten sechs Lebensjahren und analysiert, wie erzieherische Einflüsse durch Eltern und Bezugspersonen diesen Prozess prägen. Im Zentrum steht die Frage, welche emotionalen Fertigkeiten Kinder erwerben und welche pädagogischen Rahmenbedingungen eine gesunde emotionale Entwicklung unterstützen.
- Grundlagen der emotionalen Entwicklung (Emotionsausdruck, Emotionsverständnis, Emotionsregulation)
- Die Bedeutung der frühkindlichen Eltern-Kind-Interaktion
- Einfluss des familiären emotionalen Klimas auf die kindliche Kompetenz
- Strategien zur Emotionsregulation und deren altersabhängige Entwicklung
- Zusammenhang zwischen Kommunikation über Gefühle und emotionalem Wissen
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Kindliches Temperament
Mit dem Temperament eines Kindes wird ein Set von Verhaltenstendenzen beschrieben, das vermutlich biologisch bedingt ist, eine hohe Kontinuität über die Lebensspanne aufweist und bereits ab dem frühen Säuglingsalter mit spezifischen physiologischen Prozessen assoziiert ist.
Es werden hierbei die Temperamentsfaktoren physiologische Reaktivität beim Erleben spezifischer Emotionen und die Emotionalität (genetische Einflüsse auf die allgemeine emotionale Befindlichkeit) eines Kindes voneinander unterschieden. Diese Temperamentsfaktoren beeinflussen zusammen mit den emotionalen Regulationsstrategien die emotionale Selbstregulation.
Physiologische Reaktivität: Eine niedrige Schwelle für emotionale Erregung haben Kinder, die eine hohe physiologische Reaktivität aufweisen. Man kann diese auch als Stressanfälligkeit bezeichnen. Außerdem erleben sie Emotionen sehr intensiv. Bestimmte Emotionen scheinen spezifische physiologische und neurochemische Prozesse auszulösen. Weiterhin scheinen sie aufgrund bestimmter psychobiologischer Faktoren einem größerem Risiko ausgesetzt zu sein, emotionale und Verhaltensstörungen zu entwickeln.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung umreißt die Relevanz der emotionalen Intelligenz und definiert die Arbeit als Untersuchung an der Schnittstelle zwischen emotionaler und kognitiver Entwicklung im Alter von 0 bis 6 Jahren.
1 Definition für Emotionen: Dieses Kapitel erörtert die Komplexität einer einheitlichen Definition von Emotionen und stellt eine wissenschaftlich akzeptierte Arbeitsdefinition sowie deren Merkmale vor.
2 Die Entwicklung des kindlichen Emotionskonzeptes: Hier werden die zentralen Säulen emotionaler Kompetenz – Emotionsausdruck, Verständnis und Regulation – als sich gegenseitig beeinflussende Entwicklungsprozesse dargestellt.
3 Definition für Erziehung: Das Kapitel reflektiert den Erziehungsbegriff nach Brezinka und legt den Fokus auf die bewusste Förderung der kindlichen Persönlichkeit als Ziel pädagogischen Handelns.
4 Einfluss der Erziehung auf die emotionale Entwicklung: Dieser Abschnitt analysiert, wie Eltern durch ihr eigenes Ausdrucksverhalten, Kommunikation und ein emotional positives Familienklima die Kompetenzentwicklung ihrer Kinder steuern.
5 Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass eine sensible pädagogische Begleitung und ein offener Umgang mit Emotionen essenziell für die Vermeidung von Entwicklungsrisiken und die Förderung sozialer Kompetenz sind.
Schlüsselwörter
Emotionale Entwicklung, Emotionsausdruck, Emotionsverständnis, Emotionsregulation, Erziehung, Kindliche Kompetenz, Frühkindliche Entwicklung, Eltern-Kind-Interaktion, Familienklima, Basisemotionen, Sozialisation, Empathie, Temperament, Emotionsvokabular, Psychologische Entwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die emotionale Entwicklung von Kindern im Alter von null bis sechs Jahren und erforscht den prägenden Einfluss von Erziehung und familiärer Interaktion auf diesen Prozess.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind der Erwerb von Fähigkeiten zum Emotionsausdruck, die Entwicklung des Emotionsverständnisses, Strategien zur Emotionsregulation sowie der Einfluss von Eltern und Bezugspersonen auf diese Bereiche.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kinder emotionale Fertigkeiten erwerben und welchen Anteil elterliches Erziehungsverhalten daran hat, um pädagogische Handlungsmöglichkeiten zur Förderung emotionaler Kompetenz abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die verschiedene psychologische Ansätze und Studien zur emotionalen Entwicklung zusammenführt und kritisch diskutiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei Teile: Teil A beschreibt detailliert die Stufen und Merkmale der emotionalen Entwicklung bei Kindern; Teil B beleuchtet die erziehungswissenschaftlichen Zusammenhänge zwischen Elternverhalten und emotionaler Kompetenz.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind emotionale Kompetenz, Emotionsregulation, inter- und intrapsychische Regulation, familiäres Klima sowie die frühkindliche Entwicklung von Basisemotionen.
Was unterscheidet interpsychische von intrapsychischer Emotionsregulation?
Interpsychische Regulation bezeichnet die gemeinsame Regulation durch das Kind und die Bezugsperson, während die intrapsychische Regulation die selbstständige Fähigkeit des Kindes meint, seine Gefühle ohne äußere Hilfe zu regulieren.
Welche Rolle spielt das kindliche Temperament für die Emotionsregulation?
Das Temperament beeinflusst durch Faktoren wie physiologische Reaktivität und negative Emotionalität die Stressanfälligkeit des Kindes und damit die Notwendigkeit und Art der eingesetzten Regulationsstrategien.
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- Hoa Phuong Ngo (Author), 2004, Die emotionale Entwicklung und der Einfluss der Erziehung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32462