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'Verstehen Sie mich recht, …' - Versuch einer Dialoganalyse in Franz Kafkas Roman "Das Schloß"

Title: 'Verstehen Sie mich recht, …' - Versuch einer Dialoganalyse in Franz Kafkas Roman "Das Schloß"

Seminar Paper , 2004 , 23 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Stefan Dettl (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Im Rahmen des Seminars „Schlossfassaden“ wurden zwei Romane gegenübergestellt: zum einen Monikovas „Die Fassade“ und zum anderen Kafkas „Das Schloss“. Das paradoxe daran war, dass für nahezu alle Kursteilnehmer der Kafka-Text wesentlich mehr Verständnisprobleme bereitete, obwohl dessen Sprache einfacher gehalten ist. Den Dialogen in Kafkas Roman kam dabei eine Schlüsselrolle zu, denn sie sorgen wohl allgemein für besondere Verwirrung beim Leser. Irgendwie reden die Figuren ständig aneinander vorbei. Genau an diesem Punkt setzt nun die vorliegende Arbeit an. Es soll der Versuch unternommen werden, an einem Dialog aus dem Roman herauszuarbeiten, warum hier die Kommunikation scheitert bzw. was den Leser daran verwirrt. Welches Interesse der Autor Kafka nicht zuletzt wegen seiner Verwirrungstechnik erregt, zeigt sich an der Bücherwand in der Bibliothek, welche einen fast erschlägt. Doch über die Analyse von Dialogen findet sich kaum Material. Die meisten Werke folgen Interpretationsansätzen, wie sie bei Ludwig Dietz1 aufgeführt sind. Über eine Publikation mit sprachphilosophischem Ansatz2 geriet das Augenmerk mehr durch Zufall auf den Aufsatz von Gotthard Oblau: „Sie sprechen die gleiche Sprache und reden aneinander vorbei“. Die Auseinandersetzung mit diesem Aufsatz stellt den Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit dar. Im Weiteren wird ein Standpunkt bezogen, der zwar an Oblaus Ansatz anknüpft, jedoch in einigen Teilen davon abweicht. Sodann wendet sich die Arbeit einem Dialog aus dem Text Kafkas zu. Zum Schluss kommt die Arbeit paradoxerweise zu nahezu dem gleichen Ergebnis wie der Ansatz, von dem sie sich abgegrenzt hat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Suche nach einem Standpunkt

2.1 Das Erzählverhalten

2.2 Sprachliche Befangenheit

2.3 Eine Kritik

2.4 Folgerungen

2.5 Kurze Ergänzung zu Sprache und Denken

3. Das geheimnisvolle Protokoll – Versuch einer Dialoganalyse

3.1 Der Inhalt

3.2 Kommunikative Hinweise

3.3 Lexeme und Widersprüche

3.4 Fazit

4. Schlusswort

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das systematische Scheitern von Kommunikation in Franz Kafkas Roman „Das Schloß“ anhand einer Dialoganalyse, um zu ergründen, warum trotz vermeintlich gemeinsamer Sprache zwischen den Protagonisten kein Verständnis erzielt wird.

  • Analyse des Erzählverhaltens und der Perspektivität in Kafkas Texten.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der These der „sprachlichen Befangenheit“ nach Gotthard Oblau.
  • Durchführung einer konkreten Dialoganalyse zwischen K., der Wirtin und Momus.
  • Semantische Untersuchung zentraler Lexeme wie „Hoffnung“ und „Aussicht“ als Ursache für Kommunikationsstörungen.
  • Einordnung der Ergebnisse in den Kontext sprachphilosophischer Ansätze zur literarischen Verfremdung.

Auszug aus dem Buch

3.2 Kommunikative Hinweise

Gleich zu Beginn weist der Dorfsekretär Momus darauf hin, dass seine abweichende Formulierung nur dazu diente, „dem Herrn Landvermesser verständlich zu sein“ (S.173, Z.23). Die Wirtin deutet wenig später an, dass sie mit Momus kooperieren will, da sie aus eigener Erfahrung weiß, wie schwierig es ist, mit einem Mann wie K. zu verhandeln (S.177, Z.9). Die Vorzeichen stehen scheinbar gut. Die beiden Dorfbewohner sind offensichtlich bereit, sich auf K. einzulassen.

Als die Wirtin merkt, dass K. Ihre Intention missversteht korrigiert sie ihn: „… heißt es vorwärts treiben, wenn ich sage, dass Ihre Versuche hoffnungslos sind?“ (S.178, Z.26ff.). Sie ist also durchaus darum bemüht, dass K. sie versteht. Zwei weitere Zitate sollen die kommunikative Absicht der Wirtin belegen: „So ist es immer, Herr Sekretär, so ist er immer. Fälscht die Auskünfte, die man ihm gibt, und behauptet dann, falsche Auskunft bekommen zu haben“ (S.180, Z.8ff.). „Nur dies habe ich gesagt und wer etwas anderes behauptet, verdreht böswillig die Worte“ (S.180, Z.23f.).

Den beiden Aussagen lässt sich entnehmen, dass die Wirtin von K. zum einen verlangt, genauer auf ihren Wortlaut zu hören. Zum anderen aber unterstellt sie ihm scheinbar die Worte absichtlich anders auszulegen, als sie von ihr gemeint sind. Zudem könnte man aus dem Zusatz des Adverbs „böswillig“ im letzten Zitat folgern, dass die Wirtin gekränkt ist, weil ihre Bemühungen um Verständigung nicht auf Gegenseitigkeit beruhen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Einleitung in die Themenstellung und Verortung der Arbeit im Kontext bestehender Kafka-Forschung und der Seminararbeit.

2. Suche nach einem Standpunkt: Theoretische Untersuchung des Erzählverhaltens und der sprachlichen Voraussetzungen bei Kafka.

3. Das geheimnisvolle Protokoll – Versuch einer Dialoganalyse: Empirische Analyse eines zentralen Dialogabschnitts zur Identifikation von Verständnisschwierigkeiten.

4. Schlusswort: Synthese der Ergebnisse und Reflexion über die sprachphilosophischen Implikationen des "Verfremdungseffekts" bei Kafka.

Schlüsselwörter

Franz Kafka, Das Schloß, Dialoganalyse, Sprachphilosophie, Kommunikation, Sprachliche Befangenheit, Semantik, Hoffnung, Aussicht, Lexeme, Erzählverhalten, Gotthard Oblau, Sprachsystem, Verfremdungseffekt, Interpretation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Phänomen der gescheiterten Kommunikation in Kafkas Roman „Das Schloß“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen das Erzählverhalten, die sprachliche Bedeutung von zentralen Begriffen und die Diskrepanz zwischen den Welten der Dorfbewohner und der Figur K.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob Kommunikationsstörungen allein durch die „sprachliche Befangenheit“ der Akteure zu erklären sind oder ob andere strukturelle Faktoren vorliegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es wird eine Dialoganalyse durchgeführt, die den Fokus auf die semantische Verwendung und Missverständnisse spezifischer Lexeme legt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert konkret den Dialog zwischen K., der Wirtin und Momus sowie die unterschiedliche Verwendung der Begriffe „Hoffnung“ und „Aussicht“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Kafka, Dialoganalyse, Sprachphilosophie, Semantik und der spezifische Hoffnungsbegriff der Wirtin.

Wie unterscheidet sich der Ansatz der Arbeit von dem von Gotthard Oblau?

Während Oblau von einem komplett fremden Sprachsystem der Dorfbewohner ausgeht, argumentiert die Arbeit, dass das Scheitern in der synonymen, aber unterschiedlich begründeten Verwendung zentraler Wörter liegt.

Warum spielt das „Protokoll“ eine so wichtige Rolle für das Verständnis des Dialogs?

Das Protokoll dient als zentraler Streitpunkt, an dem die Wirtin „Hoffnung“ festmacht, während K. es aufgrund der Nutzlosigkeit rational ablehnt.

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Details

Title
'Verstehen Sie mich recht, …' - Versuch einer Dialoganalyse in Franz Kafkas Roman "Das Schloß"
College
University of Augsburg
Course
Proseminar: 'Schloß-Fassaden'
Grade
1,7
Author
Stefan Dettl (Author)
Publication Year
2004
Pages
23
Catalog Number
V32469
ISBN (eBook)
9783638331791
Language
German
Tags
Verstehen Versuch Dialoganalyse Franz Kafkas Roman Schloß Proseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Dettl (Author), 2004, 'Verstehen Sie mich recht, …' - Versuch einer Dialoganalyse in Franz Kafkas Roman "Das Schloß", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32469
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