Traditionell wurden im Bereich der Phonetik und der Phonologie sämtliche lautliche Merkmale von Sprachen ausschließlich an den einzelnen Lauten bzw. Segmenten - den Phonen oder den Phonemen - in ihrer linearen Abfolge festgemacht. Dies schließt Merkmale ein, die sich über mehrere Segmente erstrecken wie etwa Intonation oder Tonhöhe. Beide werden, wenn überhaupt, an den silbischen Elementen – den Vokalen – verortet. Bereits seit Mitte der siebziger Jahre beginnen sich jedoch davon abweichende Ansätze durchzusetzen, welche Repräsentationen entwickeln, in denen diese suprasegmentalen oder nichtlinearen Phänomene dargestellt werden können. Dabei lieferte vor allem die Analyse von Tonsprachen Evidenz dafür, dass Töne nicht zu den segmentalen Eigenschaften gehören können. Nach einem Überblick über das Prinzip der linearen Phonologie sollen im Rahmen dieser Arbeit die wichtigsten Themen der nichtlinearen, bzw. autosegmentalen Phonologie, wie unter anderem die Repräsentation von Ton und Vokalharmonie, behandelt werden.
Inhaltsverzeichnis
- 1. EINLEITUNG
- 2. DIE LINEARE BZW. SEGMENTALE PHONOLOGIE
- 2.1. Sound Pattern of English
- 2.2. Absolute Slicing Hypothesis
- 2.3. Von der linearen zur autosegmentalen Darstellung
- 3. DIE AUTOSEGMENTALE PHONOLOGIE
- 3.1. Die Multilinarität
- 3.2. Die autosegmentale Darstellung der Töne - wichtige Begriffsdefinitionen
- 3.3. Argumente für eine autosegmentale Schicht aus der Tonhöhenanalyse - Tonsprachen
- 3.4. Die autosegmentale Repräsentation von Tönen
- 3.4.1. Die Repräsentation von Konturtönen (Contour Tones)
- 3.4.2. Tonstabilität (stability)
- 3.4.3. Das Prinzip der obligatorischen Kontur (OCP)
- 3.4.4. Tiv-Verbal System
- 4. DIE ASSOZIATIONSKONVENTIONEN
- 4.1. Mapping
- 4.2. Dumping
- 4.3. Spreading
- 4.4. Das Kreuzungsverbot
- 5. DIE ERWEITERUNG DER AUTOSEGMENTALEN PHONOLOGIE AUF ANDERE PHONOLOGISCHE BEREICHE
- 5.1. Die Vokalharmonie
- 5.2. Prenasalisierung
- 5.3. Diphthonge
- 5.4. Geminaten
- 6. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der autosegmentalen Phonologie als Alternative zur linearen bzw. segmentalen Phonologie. Sie analysiert die Kritik an der linearen Darstellung und untersucht, wie die autosegmentale Repräsentation von Tönen und anderen suprasegmentalen Merkmalen funktioniert.
- Kritik an der linearen Phonologie und ihrer Beschränkungen
- Die autosegmentale Darstellung von Tönen und ihre Eigenschaften
- Die Rolle der Assoziationskonventionen in der autosegmentalen Phonologie
- Die Erweiterung der autosegmentalen Phonologie auf andere phonologische Bereiche
- Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und Diskussion der Relevanz des autosegmentalen Ansatzes
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel führt in das Thema der autosegmentalen Phonologie ein und stellt die traditionellen Ansätze der linearen Phonologie dar. Es beleuchtet die Schwächen dieser Ansätze und zeigt die Notwendigkeit für eine alternative Darstellung von suprasegmentalen Phänomenen auf.
Kapitel 2 widmet sich der linearen Phonologie und ihren Kernprinzipien. Hier werden wichtige Konzepte wie das „Sound Pattern of English" (SPE), die „Absolute Slicing Hypothesis" und die Probleme der linearen Darstellung im Bezug auf Tonhöhe und Betonung erläutert.
Kapitel 3 behandelt die autosegmentale Phonologie und ihre grundlegenden Prinzipien. Es werden die Multilinarität, die autosegmentale Darstellung von Tönen und wichtige Begriffe wie „Tonstabilität", „obligatorische Kontur" und das „Tiv-Verbal System" vorgestellt.
Kapitel 4 konzentriert sich auf die Assoziationskonventionen in der autosegmentalen Phonologie. Es werden Konzepte wie „Mapping", „Dumping", „Spreading" und das „Kreuzungsverbot" erläutert und anhand von Beispielen illustriert.
Das fünfte Kapitel widmet sich der Erweiterung der autosegmentalen Phonologie auf andere phonologische Bereiche wie Vokalharmonie, Prenasalisierung, Diphthonge und Geminaten. Es zeigt, wie diese Phänomene mit Hilfe des autosegmentalen Ansatzes dargestellt und erklärt werden können.
Schlüsselwörter
Autosegmentale Phonologie, lineare Phonologie, Suprasegmentale Merkmale, Tonhöhe, Betonung, Assoziationskonventionen, Vokalharmonie, Prenasalisierung, Diphthonge, Geminaten, Multilinarität, Tonstabilität, obligatorische Kontur, Tiv-Verbal System.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Kern der autosegmentalen Phonologie?
Es ist ein nichtlinearer Ansatz, der davon ausgeht, dass bestimmte Merkmale wie Tonhöhe oder Intonation auf eigenen Ebenen (Schichten) unabhängig von den Einzellauten existieren.
Warum wird die lineare Phonologie kritisiert?
Die traditionelle lineare Phonologie kann Phänomene, die sich über mehrere Segmente erstrecken (suprasegmentale Merkmale), nur unzureichend darstellen.
Was besagt das Prinzip der obligatorischen Kontur (OCP)?
Das OCP besagt, dass benachbarte identische Merkmale (z. B. zwei gleiche Töne) auf der autosegmentalen Ebene vermieden bzw. zusammengefasst werden.
Was versteht man unter "Mapping" und "Spreading"?
Dies sind Assoziationskonventionen: Mapping verknüpft Töne mit Vokalen, während Spreading die Ausdehnung eines Merkmals über mehrere Segmente beschreibt.
Auf welche Bereiche lässt sich dieses Modell noch anwenden?
Neben Tonsprachen wird die autosegmentale Phonologie auch zur Erklärung von Vokalharmonie, Prenasalisierung, Diphthongen und Geminaten herangezogen.
- Quote paper
- Claudia Vannella (Author), 2003, Die Aufwertung der Merkmale in der autosegmentalen Phonologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32478