Die Berücksichtigung englischer Verb-Noun-Collocations in einsprachigen Wörterbüchern. Untersuchungen anhand wissenschaftlicher Artikel in Time und Newsweek


Examensarbeit, 2004
95 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Stand der Wissenschaft
1.2 Ziel der Arbeit

2 Entwicklung und Definition des Kollokationsbegriffs im Rahmen der Sprachwissenschaft
2.1 Von Wortkombinationen zu Kollokationen
2.2 Die verschiedenen Definitionen des Kollokationsbegriffs - Vorwort
2.3 Kollokationen im Britischen Kontextualismus
2.3.1 Kollokationen bei Firth
2.3.2 Kollokationen bei Halliday
2.3.3 Automatische Gewinnung von Kollokationen mit der Unterstützung statistischer Verfahren – Kollokationen nach Sinclair
2.4 Kollokationen in der Lexikographie
2.4.1 Kollokationen nach Cowie
2.4.2 Definition des Kollokationsbegriffs nach Hausmann
2.4.3 Kollokationen als grammatische und lexikalische Kombinationen-Benson und Ilson
2.5 Weitere Klassifikationen von Kollokationen
2.5.1 Der Kollokationsbegriff nach Kromann
2.5.2 Kollokationen nach Lehr
2.5.3 Syntaktische Muster für Kollokationen
2.6 Kritik an der frequenzorientierten Kollokationsforschung
2.7 Kollokationsauffassung der zugrunde liegenden Studie

3 Die Abgrenzung des Kollokationbegriffs von anderen sprachlichen Phänomenen
3.1 Paradigmatische und Syntagmatische Beziehungen als sprachlich verwandte Phänomene
3.1.1 Definition syntagmatischer und paradigmatischer Beziehungen
3.1.2 Wesenhafte Bedeutungsbeziehungen nach Porzig
3.1.3 Lexikalische Solidaritäten nach Coseriu
3.1.4 Kollokationen als neutrale Syntagmen
3.2 Phraseolexeme und Funktionsverbgefüge

4 Lexikographische Aspekte der Kollokationen
4.1 Vorwort
4.2 Allgemeine Klassifikation von Wörterbüchern
4.2.1 Einsprachige Wörterbücher
4.2.2 Zweisprachige Wörterbücher
4.2.3 Lernerwörterbücher

5 Die Behandlung von Kollokationen in einsprachigen Wörterbüchern
5.1 Einführung
5.2 Die wichtigsten Wörterbücher im Umgang mit Kollokationen
5.2.1 Kollokationswörterbücher
5.2.2 Kollokationen in einsprachigen Wörterbüchern
5.2.3 Elektronische Medien
5.3 Terminologie

6 Verb-Noun-Collocations als Basis der Studie
6.1 Allgemeines
6.2 Klassifikation von Verb und Nomen
6.3 Relevante Typen von Verb-Noun-Collocations
6.4 Wie und wo werden Verb-Noun-Collocations in den verschiedenen Wörterbüchern verzeichnet ?
6.4.1 DEWC
6.4.2 BBI
6.4.3 CCELD
6.4.4 DCE
6.4.5 OCDE
6.4.6 Zusammenfassung

7 Bestimmung eines eigenen Untersuchungskorpus
7.1 Auswahl der zu untersuchenden Kollokationen und Festlegung des Untersuchungskorpus
7.2 Untersuchungsansatz - was soll wie untersucht werden ?
7.3 Letzte Bemerkungen
7.4 Auswertung der Studie
7.5 Weitere Fragestellungen
7.6 Zusammenfassung

8 Schluss

9 Bibliographie

1 Einleitung

1.1 Stand der Wissenschaft

Obwohl das Konzept der Kollokation im Bereich der Sprachwissenschaft schon lange existiert, ist ihm bis heute, im Vergleich zu anderen sprachwissenschaftlichen Phänomenen, relativ wenig an Bedeutung zugemessen worden (Bartsch 2004:27). Altenberg (1991:127) spricht in seinem Artikel „recurrent word combinations of some kind“ von dem Problem der Begriffsfindung für rekurrente Wortkombinationen, zu deren Gruppe auch die Kollokationen gehören. Der Begriff der Kollokation war in der Vergangenheit als Oberbegriff für diejenigen Wortkombinationen verwendet worden, die als Verbund häufiger aufgetreten waren als normalerweise üblich.

Bei dem Versuch einer präziseren oder gar allgemeinen Definition des Kollokationsbegriffs stößt man schnell auf Schwierigkeiten:

- Der Kollokationsbegriff ist in der Sprachwissenschaft geteilt. Kollokationen werden zum einen auf syntaktisch-semantischer Ebene und zum anderen auf statistischer Ebene untersucht. Kollokationen, die mit Hilfe von statistischen Methoden gefunden werden, umfassen beliebige Wortkombinationen ungeachtet ihrer grammatischen Wohlgeformtheit, während Kollokationen nach dem syntaktischen Ansatz auf die Kombination bestimmter Wortarten (z.B. Substantiv-Adjektiv-Kollokationen) beschränkt sind.
- Kollokationen werden in verschiedenen sprachwissenschaftlichen Schulen wie dem Strukturalismus, der Transformationsgrammatik und dem Kontextualismus untersucht und sind in verschiedenen Bereichen der Linguistik von Bedeutung (z.B. in der Lexikologie und Lexikographie, in den Bereichen der Wortbildung und Fremdsprachendidaktik, Übersetzungswissenschaft, Computerlinguistik und Fachsprachen-forschung). In den sprachwissenschaftlichen Teilbereichen haben sich im Laufe der Zeit aufgrund der verschiedenen Sichtweisen unterschiedliche Kollokationskonzepte entwickelt, die jeweils eigene Bezeichnungen prägten.

Neben Bahns (1996:1ff) vertritt auch Bartsch (1996:26) die Ansicht, dass die verschiedenen Strukturen, die unter dem Begriff der Kollokation zusammengefasst worden sind, dazu geführt haben, dass für den Kollokations-begriff unterschiedliche Definitionsansätze entstanden sind. Auch Herbst / Stoll / Westermayer (1991:164), stellen fest, dass der Begriff der Kollokation in der wissenschaftlichen Literatur stark variiert.

Die Tatsache, dass das Phänomen der Kollokation an der Grenze zwischen Grammatik und Lexik bzw. Syntax und Semantik anzusiedeln ist, stellt nach Bartsch ein weiteres wichtiges Kriterium für die unterschiedlichen Definitionsansätze des Kollokationsbegriffs dar; Kollokationen können dadurch nur schwer einer der jeweils beiden Disziplinen zugeordnet werden, außer man zieht zu ihrer genaueren Bestimmung bzw. Untersuchung Kriterien heran, die die Berücksichtigung weiterer Ebenen der Sprachwissenschaft erfordern.

“The multifaceted nature of collocations begs an integrated, multilevel description incorporating syntactic, semantic, lexical and pragmatic, and in some cases even phonological criteria.” (Bartsch 2004:27)

Kollokationen können demnach nicht ausschließlich auf syntaktischer Ebene betrachtet werden, da dadurch die spezifischen lexikalischen und pragmatischen Eigenschaften unbeachtet blieben.

Bartsch (2004:27) vertritt im Hinblick auf die gegenwärtige Situation der Kollokationsforschung die Meinung, dass viele Eigenheiten des Kollokationsphänomens bis heute noch nicht verstanden worden sind

It must appear to many researchers that by their seemingly idiosyncratic nature, collocations defy characterisation within a systematic framework and that they are thus an impediment to any coherent linguistic theory.”

Dies ist mir Sicherheit ein weiterer Grund, warum sich viele Linguisten nicht mit dem Konzept der Kollokationen auseinander gesetzt haben und diesem Phänomen äußerst negativ gegenüber standen bzw. immer noch stehen. Dagegen bekräftigen andere Linguisten wie z.B. van der Wouden (1997:44) die Notwenigkeit, sich im Rahmen der Linguistik mit Kollokationen zu befassen.

1.2 Ziel der Arbeit

Wie bereits in der Einführung bemerkt wurde, handelt es sich beim Konzept der Kollokationen um einen Bereich der Linguistik, dem einerseits wenig Bedeutung zugemessen wurde, für den es aber andererseits viele Definitionsansätze gibt.

Das Interesse an diesem Themenbereich basiert nicht nur auf dem gewissermaßen „gespaltenen Verhältnis“ der Linguisten zum Konzept der Kollokationen. Auch die verschiedenen Ansätze und Studien, die durch Linguisten wie Firth, Halliday, Sinclair und anderen in der Vergangenheit durchgeführt wurden und dem Kollokationsbegriff zu seinem heutigen Status verholfen haben - allen Untersuchungen zum Kollokationsbegriff liegen heute ihre Thesen zugrunde - machen ihn, sowohl in seiner theoretischen Bedeutung als auch in seiner dadurch möglichen empirischen Anwendbarkeit zu einem äußerst interessanten Themenbereich.

Die folgende Arbeit, die sich aus einem theoretischen (Teil 1) und einem empirischen (Teil 2) Teil zusammensetzt, möchte sich nun mit dem Themenkomplex der Kollokationen auseinandersetzten.

Im ersten Teil soll es, neben der Klärung der für diese Arbeit relevanten Grundterminologie, um die ausführliche Behandlung der wichtigsten Grundkonzepte des Kollokationsbegriffs gehen. Dabei soll versucht werden, diese Konzepte nicht nur unreflektiert wiederzugeben, sondern nach Möglichkeit auch kritisch zu beleuchten.

Der Bereich der Lexikographie, soll im Hinblick auf die Berücksichtigung von Kollokationen in Wörterbüchern im ersten Teil der Arbeit zunächst allgemein behandelt werden – im zweiten Teil will sich die Arbeit dann auf diejenigen Gebiete dieser Disziplin einschränken, die im Hinblick auf die spätere Untersuchung von Relevanz sind.

Um eine eindeutige Vorstellung vom Kollokationsbegriff zu bekommen, ist dessen Abgrenzung von anderen linguistischen Konzepten von größter Wichtigkeit. Eine solche „Abgrenzung“ kann jedoch oft nicht eindeutig gemacht werden, da es sich beim Konzept der Kollokationen um ein „Grenzphänomen“ handelt, welches mehrere Bereiche / Disziplinen der Sprachwissenschaft in sich „vereint“ (siehe Punkt 1.1). Die Verfasserin sieht darin auch den Grund für die verschiedenen Definitionsansätze - die eindeutig das „Dilemma“ derjenigen Linguisten widerspiegeln, die sich in der Vergangenheit mit dem Kollokationsbegriff auseinandergesetzt haben.

Nach Klärung der Terminologie soll im zweiten praktischen bzw. empirischen Teil der Arbeit versucht werden, einen eigenen Untersuchungsansatz zur Bestimmung und Einordnung von Kollokationen zu entwickeln. Die Arbeit will sich dabei auf die sog. Verb-Noun- Collocations konzentrieren.

Basis der Untersuchungen werden ausgewählte Artikel der Kategorie „Technology and Science“, wie sie wöchentlich in den englischsprachigen Magazinen Time und Newsweek erscheinen; ihnen sollen für die Untersuchung relevante Kollokationen entnommen werden. Der dadurch entstehende Untersuchungskorpus soll daraufhin auf verschiedene Fragestellungen untersucht und anschließend ausgewertet werden.

Da die Verfasserin nur sehr bedingt auf technische Mittel zur Korpuserstellung und dessen Bearbeitung zurückgreifen kann, muss der Umfang des Untersuchungskorpus insoweit begrenzt werden, dass dessen manuelle Bearbeitung möglich ist und weiterhin der Rahmen dieser Arbeit nicht gesprengt wird. Die Verfasserin hofft trotz dieser Begrenzung dennoch zu befriedigenden und aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen.

Da sowohl englische als auch deutsche Linguisten sich mit den Kollokationsbegriff auseinander gesetzt haben, werden in dieser Arbeit sowohl englische als auch deutsche Beispiele angeführt werden.

2 Entwicklung und Definition des Kollokationsbegriffs im Rahmen der Sprachwissenschaft

2.1 Von Wortkombinationen zu Kollokationen

Sprecher und Schreiber einer Sprache kombinieren die lexikalischen Einheiten – die Wörter – zu Äußerungen und Sätzen. Solche Kombinationen unterliegen verschiedenen, z.B. syntaktischen und semantischen Restriktionen (siehe Bartsch 2004 bzw. Bahns 1996). Bestimmte Wortkombinationen innerhalb einer Äußerung scheinen in gewisser Weise besondere, ausgezeichnete Kombinationen zu sein: Hier bilden mehrere Wörter eine neue lexikalische Einheit, sog. Mehrwörterlexeme; die Wörter gehören „irgendwie“ fester zusammen als andere Wortkombinationen. Syntaktische und semantische Selektionskriterien reichen zur Begründung dieses Zusammengehörens jedoch nicht aus.

Die Festigkeit solcher Wortkombinationen hat des Weiteren „graduellen“ Charakter. Dies soll anhand der folgenden Bespiele verdeutlicht werden, welche die Verfasserin im Rahmen dieses Kapitels aus dem Deutschen ausgewählt hat.

2.1. In der Innenstadt wird ein wunderschönes Haus gebaut.

2.2. Mutter hat gerne einen Strauß schöner Blumen im Wohnzimmer stehen.

Die Wörter in 2.1. sind frei kombiniert, d.h. sie sind auf keine besondere Weise aneinander gebunden; ihre Auswahl aus der Menge aller im Deutschen zu Verfügung stehenden Wörter erfolgt aus rein semantischen und syntaktischen Gründen: Mit ihren soll eine bestimmte Aussage (bzw. Proposition) zum syntaktisch wohlgeformten Ausdruck gebracht werden. Dabei könnte das Verb gebaut durch das Synonym[1] errichtet ersetzt werden, ohne dass die Bedeutung des Satzes sich verändert. Ebenso verhält es sich beim Beispiel 2.2. Auch hier kann die Wortkombination syntaktisch bzw. semantisch erklärt werden; des Weiteren könnte das Adjektiv schön durch hübsch ersetzt werden, ohne dass sich die Bedeutung des Satzes verändert.

Im Kontrast zu 2.1. und 2.2. können nun die folgenden Beispiele angeführt werden:

2.3. Bevor Du stolperst, solltest Du Dir mal Deine Schuhe zumachen!

2.4. Hast Du Dir schon die Zähne geputzt?

Hier fällt auf, dass diese auf den ersten Blick hinsichtlich ihrer Wortkombinationen nicht von den Beispielen 2.1. und 2.2. unterschieden werden können. Versucht man jedoch einzelne Wörter durch Synonyme zu ersetzen, so trifft man auf ein interessantes Phänomen. Ersetzt man in 2.3. zumachen durch das Synonym schließen (z.B. wie bei Türe zumachen / schließen), so ist das Ergebnis, der Satz Du solltest mal deine Schuhe schließen zwar durchaus verständlich, jedoch wird dessen tatsächliche Realisierung einem kompetenten Sprecher der deutschen Sprache als ungewöhnlich erscheinen. Das gleiche Phänomen tritt auch bei 2.4. auf, wenn man putzen durch sauber machen ersetzt.

2.5. Der Student hielt ein bemerkenswertes Referat.

2.6. Bevor ich ihn anrufe, warte ich lieber bis mein Zorn verraucht ist.

Bei den vorangegangenen Beispielen ein Referat halten und Zorn verraucht beinhalten die Kombinationen jeweils ein Nomen, das seine ursprüngliche Bedeutung trägt (Referat bzw. Zorn) und ein Verb, das eine von normalen Kontexten abweichende Bedeutung trägt (halten bzw. verrauchen). Es handelt sich in diesen Fällen (2.5. und 2.6.) also um Nomen – Verb – Kombinationen, die auf bestimmte Weise fest zusammen gehören und sich nicht rein semantisch begründen lassen.

Schließlich soll nun das folgende Beispiel genauer betrachtet werden:

2.7. Susis Party ist ins Wasser gefallen.

Bei der Kombination in 2.7. handelt es sich um eine sehr feste Kombination, in welcher keines der Wörter seine ursprüngliche Bedeutung behält, und keines der Wörter durch ein Synonym austauschbar ist. So haben ins Meer gefallen oder ins Wasser geplumpst keine übertragene Bedeutung wie 2.7., sondern eine wörtliche; auch eine Erweiterung der Kombination, wie z.B. ist ins kalte Wasser gefallen, ist hier nicht möglich.

Die vorausgegangenen Beispiele zeigen also, dass die Festigkeit einer Wortverbindung stark variieren kann. Die Pole dieses Kontinuums bilden auf der einen Seite die sog. freien Kombinationen (wie in 2.1. und 2.2.). Auf der anderen Seite stehen dagegen die sehr festen Kombinationen, wie in 2.7., die sog. Redensarten oder Idiome beinhalten. Kollokationen befinden sich zwischen diesen beiden Ebenen und wie sich in der weiteren Arbeit zeigen wird sind die Grenzen nur sehr schwer zu ziehen. Darüber hinaus ist der Kollokationsbegriff, wie es auch die später angeführten Definitionen zeigen werden, je nach Interessenlage und Zielsetzung weiter oder enger gefasst.

2.2 Die verschiedenen Definitionen des Kollokationsbegriffs - Vorwort

Im Folgenden soll ein Einblick in linguistische Ansätze zum Umgang mit Kollokationen gegeben werden. Es kann sich dabei nicht um einen vollständigen Überblick handeln; vielmehr soll die große Bandbreite bei der Definition von Kollokationen angedeutet werden, die zum großen Teil aus unterschiedlichen Zielsetzungen bei der Beschäftigung mit Kollokationen resultiert.

Zwischen den lexikalischen Einheiten eines Satzes oder eines Textes bestehen eine Vielzahl semantischer Zusammenhänge, die in ihrer Gesamtheit die Semantik des Satzes oder Textes formen. Eine automatische Extraktion dieser Zusammenhänge setzt normalerweise die Kenntnis der Semantik der einzelnen Bestandteile voraus.

Der „einfache“ Ansatz baut sich auf der Annahme auf, dass semantisch in Beziehung stehende Einheiten in verschiedenen Umgebungen vermehrt gemeinsam auftauchen. Diese Eigenschaft bezeichnet man als Kollokation.

Der Begriff Kollokation geht auf das Lateinische collocatio zurück und bedeutet im Deutschen Stellung oder Anordnung. Er wurde im Rahmen des britischen Kontextualismus von J.R. Firth (siehe Punkt 2.3.1) geprägt. Dieser bezeichnet damit die Verbindung von Wörtern, den sog. Kollokaten. Wörter, die zusammen eine Verbindung eingehen können, weisen demnach Kollokabilität auf.

Hausmann (1984) definiert den Kollokationsbegriff als „typische, spezifische und charakteristische Zweierkombination von Wörtern“.

Im Rahmen der deutschsprachigen Germanistik spricht man weiterhin von Kollokation, wenn die Kombination von Lexemen sich so oft wiederholt, dass ihr Gebrauch allgemein üblich und normgerecht wird (Fleischer 1997). So handelt es sich im Englischen bei to draw a conclusion um eine geläufig Kollokation, die „Produktion“ von to make a conclusion wäre dagegen zwar verständlich, in dieser Verwendung jedoch nicht üblich bzw. korrekt. Unter einer Kollokation versteht man demnach also die Verbindung zweier autosemantischer lexikalischer Einheiten, die einen unterschiedlichen Status haben.

Eine der beiden Komponenten ist semantisch autonom und wird als Basis bezeichnet, die andere Komponente, der sog. Kollokator, erhält seine Bedeutung erst durch die Realisierung der gesamten Kollokation, z.B. history book, to commit a crime, pretty girl usw.. So fungiert der einer der beiden Kombinationspartner der Kollokation als determinierende Basis (history), wogegen der andere den determinierten Kollokator darstellt.

Das Konzept der Kollokation wird weiterhin dadurch charakterisiert, dass eine Kollokation an ihren Kontext, bzw. an Kommunikationssituationen, Sachverhalte, Textsorten usw. gebunden ist. Demnach treten Kollokationen in bestimmten Texten häufiger auf als in anderen. Diese sog. textsortenspezifischen Kollokationen kommen besonders in fachsprachlichen Texten vor, bzw. in Textsorten, die stark an Konventionen gebunden sind, wie z.B. Gesetzestexte, Bedienungsanleitungen, Wetterberichte usw.

Nach Lipka (2002) handelt es sich bei dem Begriff der Kollokation um einen sog. notational term.[2] Dafür sprechen auch die verschiedenen Definitionsansätze und deren Weiterentwicklungen, welche in den folgenden Punkten behandelt werden.

Bartsch (2004:27ff) schreibt dazu : Various attempts, at capturing the essence of collocations, the concepts is still a notoriously difficult one in linguistics. “

2.3 Kollokationen im Britischen Kontextualismus

Der Kollokationsbegriff ist in seiner ursprünglichen Bedeutung untrennbar mit der sprachwissenschaftlichen Schule des Britischen Kontextualismus sowie dessen sprachtheoretischen und methodologischen Prämissen verbunden.

Nach Leech (1981:61) „Contextualism, as I shall call this tendency, has a superficial attractiveness for anyone who aspires to the ideal of scientific objectivity. “

John R. Firth gilt als Begründer dieser Kontextualistischen Schule und untersucht im Rahmen dieser den tatsächliche Sprachgebrauch in einem bestimmten Kontext:

„I propose to split up meaning or function into a series of component functions. Each function will be defined as the use of some language form or element in relation to some context. Meaning, that is to say, is to be regarded as a complex of contextual relations, and phonetics, grammar, lexicography and semantics each handles its own components of the complex in its appropriate contexts.” (Firth 1952 /1968, 24)

Viele Sprachwissenschaftler setzten sich in der Vergangenheit sehr kritisch mit dem Modell des Britischen Kontextualismus auseinander; so bemerkt Berry-Rogghe (1973:103), dass das Analyseverfahren, welches im Rahmen des britischen Kontextualismus entwickelt wurde, aufwendig ist und ohne den Einsatz von Computern lediglich für kleine Sprachausschnitte herangezogen werden könnte. Die Verfasserin ist der Ansicht, dass dieser Kritikpunkt durch den technischen Fortschritt der jüngeren Zeit wohl an Relevanz verloren hat.

Im Hinblick auf den britischen Kontextualismus macht die Linguistik Aussagen darüber, was „Sprechern und Sprecherinnen einer Sprachgemeinschaft gemeinsam ist.“ Firth betrachtet in seinen Untersuchungen also die Sprache im Rahmen des Sprachgebrauchs bzw. der Sprachverwendung, nicht als ein System. „But la langue, une langue, any socially established language, is a function of ‘la masse parlante’.”

2.3.1 Kollokationen bei Firth

John R. Firth hat nicht nur den Begriff der Britischen Kontextualismus geprägt, sondern auch den Begriff der Kollokation im Jahre 1957 in die sprachwissenschaftliche Diskussion eingeführt.

Firth Untersuchungen liegt der folgende Gedanke zugrunde:

“If we regard language as „expressive“or „communicative“we imply that it is an instrument of inner mental states. And as we know so little of inner mental states, even by the most careful introspection, the language problem becomes more mysterious the more we try to explain it by referring it to inner mental happenings which are not observable. By regarding words as acts, events, habits, we limit our inquiry to what is objective in the group of life of our fellows.” (1934:18ff)

Unter den Kollokationen seines gegebenen Wortes versteht Firth „statements of the habitual or customary places of that word“ und stellt des weiteren fest, dass „we know a word by the company it keeps“.

Er schreibt, dass habituelle Kollokationen bestimmten Konventionen entsprechen müssen:

„The habitual collocations in which words under study appear are quite simply the mere word accompaniment, the other word-material in which they are most commonly or most characteristically embedded.”

Ein einmaliges gemeinsames Auftreten zweier Wörter würde demnach nicht ausreichen, um von einer habituellen Kollokation zu sprechen.

Firth geht von einem fünfstufigen Sprachbeschreibungsmodell aus, welches eine semantische, eine lexikalische, eine syntaktische, eine phonologische und schließlich eine phonetische Ebene impliziert.[3]

Er orientiert sich in seinen Untersuchungen an Funktionalismus– und Empirie-Postulaten des Anthropologen Malinowski[4] und basiert darauf die Formulierungen des functional point of view sowie des Terminus context of situation. Die Vertreter des Kontextualismus sehen die Bedeutung der Kollokation als eine Funktion in einem Kontext, die auf den fünf Beschreibungsebenen des sprachlichen Kontexts gegeben ist (Lehr 1996, 15-17).

In seinem Artikel Modes of Meaning (1957a) erwähnt Firth schließlich erstmals die Termini Kollokation, Kollokabilität und kollokative Bedeutung, ohne jedoch Definitionen bzw. nähere Erklärungen für diese Begriffe zu liefern (1957b:21).

Firth unterscheidet in seinen Untersuchungen (1957b: 8) verschiedene Ebenen der linguistischen Analyse. Zwei davon sind Grammar und Lexis. Die Ebene der Grammar enthält das Phänomen der colligation[5]. Es handelt sich dabei um syntagmatische Beziehungen zwischen grammatischen Kategorien.

Auf der Ebene der Lexis ist dagegen die Kollokation angesiedelt.

„Collocations, for Firth refers to the syntagmatic relations into which lexical items habitually enter, and is considered as a part of the meaning of the lexical items concerned.“ (Butler 1985:7)

Als Beispiele nennt Firth (1957) silly + ass, milk + cow, dark + night. Eine der Bedeutungen von night ist demnach seine Kollokabilität mit dark und umgekehrt. Er schreibt dazu:

„One of the meanings of ass is its habitual collocation with an immediately preceding you silly, and with other phrases of address or personal reference.“ (1957a:195).

Was Firth genau mit Kollokabilität meinte, ist nie ganz klar geworden. Er hat sich vor allem programmatisch geäußert, und „viele seiner theoretischen Ansätze sind erst von seinen Schülern aufgenommen und aufgearbeitet worden.“ (Bahns 1996, 7). Offensichtlich versteht Firth unter Kollokationen ein häufig gemeinsames Vorkommen zweier Begriffe, die sich hauptsächlich aus semantischen Gründen ergibt. Firth Verständnis von Kollokation hängt eng zusammen mit dem Begriff der Kookkurenz. Gerade durch den Gedanken des häufigen gemeinsamen Auftretens besteht eine Verbindung zu einem statistisch orientierten Kollokationsverständnis.

2.3.2 Kollokationen bei Halliday

In Anlehnung an Firth unterscheidet auch Halliday in seinen Ausführungen zwischen der Ebene der Grammatik und der Ebene der Lexis. Nach Bahns (1996:8) lassen sich auf beiden Ebenen jeweils chain relations und choice relations unterscheiden. Die vier zentralen Begriffe, die sich auf beiden Ebenen bei Unterscheidung der beiden Arten von Relationen ergeben, sind structure und system, sowie collocation und set. Halliday illustriert diese Relationen anhand folgender Darstellung, welche ich Bahns (1996:8) entnommen habe:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach Halliday sind die sog. lexical sets nicht auf dieselbe Art und Weise gebunden wie die grammatikalischen Systeme. So kann man im Bereich der Grammatik zwar sagen „at this place in structure, these terms are possible, and all others are impossible“ im Bereich Lexis kann dagegen nicht behauptet werden, dass „only these items are possible“. Lexical sets sind nach Halliday also nur aufgrund einer Wahrscheinlichkeit miteinander verbunden.

„Given the item chair, we are more likely to find in the same utterance the items sit or comfortable or high than, say haddock or reap, though no one could maintain that the latter are impossible. This tendency to co-occurrence is the basic formal pattern into which lexical items enter. It is known as COLLOCATION, and an item is said to “collocate with” another item or items.” (Halliday / Mcintosh / Strevens; 1964:35)

Unter einem lexical set versteht Halliday die Verbindung von items, welche dieselbe Kollokationsbreite (range of collocation) haben. So sind z.B. chair, seat und settee Teil eines lexical set, weil die Wahrscheinlichkeit, dass sie viele Kollokationen gemein haben, sehr hoch ist. Demnach kollokieren alle drei Lexeme mit comfortable oder auch mit sit.

Damit also lexical sets gebildet werden können, müssen lexical items darauf untersucht werden, mit welchen anderen lexical items sie kollokieren (können).

Halliday bezeichnet diejenigen Elemente, deren Kollokationsverhalten er untersucht als die nodes. Unter cluster dagegen versteht er diejenigen Kollokate, die mit diesen nodes eine Verbindung eingehen bzw. kollokieren.

Auch wenn in Hallidays Ansatz von 1966 im Vergleich zu Firth Grundtheorie schon eine eindeutige Weiterentwicklung zu erkennen ist, da darin „die Lexis – Ebene der sprachwissenschaftlichen Analyse schon etwas fundierter und explizierter ausgedrückt ist […]“(Bahns, 1996:9), vernachlässigt auch er jedoch weiterhin den Bereich der Grammatik (vgl. Halliday 1961). Nach Steiner (1983:193) ist es erst der Sprachwissenschaftler Sinclair, der in seinen Untersuchungen versucht „die Lexis als linguistische Beschreibungsebene ganz auszuformulieren.“

2.3.3 Automatische Gewinnung von Kollokationen mit der Unterstützung statistischer Verfahren – Kollokationen nach Sinclair

Im Sinne Firths gibt es Wörter, die besonders häufig zusammen in einem Text auftreten. Diesen Ansatz verfolgt John Sinclair, ein Schüler Firths.

Sinclairs Ausführungen zum Verständnis des Kollokationsbegriffs stehen weiterhin in der Tradition des Britischen Kontextualismus und unterscheiden daher ebenfalls zwischen der Ebene der Grammatik und der Ebene des Lexikons. Ziel seiner Arbeit ist es, die wichtigsten patterns einer sprachlichen Ebene zu beschreiben. Dabei werden grammatische von den lexikalischen patterns unterschieden. Bei der Sprachproduktion gibt es auf der Ebene der Grammatik Wahlentscheidungen, die durch Kontraste bedingt sind, wie z.B. beim Aktiv – Passiv System (he teaches – he is tought) oder beim Tempus-System (he knows – he knew).

Diese Kontraste gibt es auf der Ebene des Lexikons nicht. Auf der Ebene der Lexis liegt das Interesse Sinclairs nicht auf der semantischen, sondern auf den formalen Unterschieden lexikalischer Items. „Lexis is an independent part of language form.“ (1966:410). Die Ähnlichkeit zweier Lexeme wird also nicht aufgrund semantischer Kriterien erstellt, sondern rein formal über Wörter, die in der Nähe der betrachteten Lexeme auftauchen, die also mit ihnen kollokieren. So könnte man, im Sinne von Hallidays lexical sets (siehe Punkt 2.3.2.) formale Beziehungen zwischen z.B. tome und paperback herstellen, indem man sie im Hinblick auf ihre gemeinsamen Kollokationspartner untersucht. Grundlage solcher formaler Beschreibungen ist die Untersuchung möglichst großer Textkorpora.

Problematisch ist nach Bahns (1996:10) der Begriff der „Nähe“; er wirft folgende Fragen auf:

- Wie weit dürfen zwei Lexeme voneinander entfernt sein, um noch als Kollokation zu zählen?
- Handelt es sich hier um ein binäres Maß (also „nah“ bzw „nicht nah“?) oder um ein Kontinuum (je näher sich zwei Lexeme sind, umso stärker kollokieren sie)?

Obwohl Sinclair nach Bahns Ansicht dazu gezwungen ist „willkürlich festzulegen, innerhalb welcher Entfernung voneinander zwei Lexeme als miteinander kollokierend anzusehen sind“ entscheidet Sinclair sich für ersteres. Nach Sinclair soll also die der „Stärke“ einer Kollokation nicht davon abhängen, wie nah sich die einzelnen Kollokate stehen.

„The primary structure criterion is that of co-occurrence, in any sequence with or without intervening material; features such as preferred sequences, or habitual interventions, are secondary in structure.“ (1966:414)

Sinclair verwendet im diesem Sinne folgende Terminologie: diejenigen Lexeme, deren lexikalische patterns festgestellt werden (sollen) bezeichnet Sinclair als die sog. nodes; diejenigen Elementen, die mit eben diesem node kollokieren benennt er als dessen collocates (entspricht dt. Kollokate). Den Abstand vom node, innerhalb dessen Lexeme mit diesem kollokieren, wird von Sinclair als die sog. collocational span bezeichnet. Die Festlegung der collocational span ist willkürlich und hängt von praktischen Erwägungen des jeweiligen Sprachwissenschaftlers ab.

Sinclair arbeitet mir einer collocational span von +/- 3 und +/- 4 Wörtern. Zu einem node werden anschließend die collocates gezählt. Sinclair unterscheidet casual und significant collocations Für letztere ist nicht nur wichtig, wie häufig ein collocate mit dem node kollokiert; diese Häufigkeit wird auch in Bezug gesetzt zur Häufigkeit des collocates in der gesamten Untersuchungsbasis. Ein Wort, das besonders häufig innerhalb und nur selten außerhalb der collocational span eines anderen auftaucht, bildet gemeinsam mit diesem node eine significant collocation.

„Collocation is the co-occurence of two items in a text with a specified environment. Significant collocation is regular collocation between items such that they cooccur more often than their respective frequencies and the length of text in which they appear would predict. Standard statistical tests can be used to tell whether the association between word A and word B is a significant one.” (Jones / Sinclair 1974:19)

In Sinclair (1978) werden als Beispiel Kollokationen mit „back“ genannt. Bahns (1996) listet einige auf (die Kollokationspartner von „back“ sind jeweils unterstrichen):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Ergebnisse, die auf automatisierten statistischen Verfahren beruhen zeigen das recht weite Kollokationsverständnis Sinclairs. Viele Linguisten würden etwa (2.11.) und (2.12.) nicht als Kollokationen ansehen : „hotel“ und „kitchen“ stehen hier in keiner engen Beziehung zu „back“. Um solche Ergebnisse zu vermeiden, filtert etwa Kjellmer (1987) die statistisch gewonnenen Ergebnisse durch „linguistische Filter“. Er definiert den Begriff der Kollokation wie folgt:

„A collocation is a sequence of words that occurs more than once in identical form […] and which is grammatically well structured.” (Kjellmer, 1987, 133)

Demnach ist eine Kollokation also eine zusammenhängende Wortkombination, die mehr als einmal identisch im zu Grunde liegenden Korpus auftaucht und deren Bestandteile in einer syntaktischen Beziehung zueinander stehen. Letztere untersucht Kjellmer manuell. Sein eher technisches Kollokationsverständnis führt dazu, dass etwa had been oder United States als Kollokationen klassifiziert werden. Diskontinuierliche Kombinationen und durch Tempuswechsel oder Passivierung umgestellte Kombinationen können dagegen nicht als Kollokation identifiziert werden.

Zweifellos bietet eine statistische Herangehensweise an Kollokationen viele Chancen: Statt sie mühsam von Hand aufzulisten, können Kollokationen automatisch extrahiert werden, und statt Beispiele selbst zu konstruieren, kann ein Linguist „real existierende“ Verwendungen aus großen Korpora gewinnen. Ein solches automatisiertes Verfahren geht aber eben einher mit einigen Nachteilen. So kritisiert Breidt (1995):

„Collocations in the sense of ´frequently occurring words’ can quite easily be extracted from corpora by statistic means. From a linguistic point of view, however, a more restricted use of the term is preferable.” (Breidt 1995, 2)

Die Häufigkeit einer Wortkombination ist nicht unbedingt ein gutes Kriterium für Kollokationen. Auch die Forderung nach identischer Wiederholung im Korpus und nach einer zusammenhängenden Kombination beschneidet den Kollokationsbegriff, nach Ansicht der Verfasserin, an der falschen Stelle. Letztendlich hängt es sehr stark von der jeweiligen Zielsetzung eines Linguisten ab, ob und inwieweit ein statistischer Ansatz sinnvoll ist.

Abschließend sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass Sinclair bereits 1966 (1966:410) die Notwendigkeit bei der Auswertung größerer Textkorpora die Unterstützung des Computers heranzuziehen, erkannte. Diese „Idee“ realisierte er 1974, zusammen mit Jones (Jones / Sinclair 1974) , als er einen Textkorpus mit insgesamt 150 000 Wörtern untersuchte und damit völlig neue Dimensionen der Kollokationsforschung eröffnete.

2.4 Kollokationen in der Lexikographie

2.4.1 Kollokationen nach Cowie

Schon lange spielen Kollokationen auch im Bereich der Lexikographie eine sehr große Rolle. Dabei stellt sich die Frage, welche Kollokationen in ein Wörterbuch aufgenommen werden sollen und welche nicht.

Lexikographen befinden sich daher in einem Konfliktfeld, denn einerseits soll ein Lexikoneintrag so ausführlich wie nötig sein, gleichzeitig so knapp wie möglich. Ein zu umfangreiches Lexikon ist zu unübersichtlich und schwer zu handhaben; daher müssen insbesondere Redundanzen vermieden werden.

Anthony P. Cowie befasste sich beispielsweise mit der Kollokationsproblematik, um praktische Probleme zu lösen, die bei der Arbeit am Oxford Dictionary of Current Idiomatic English (ODCIE) auftraten (vgl. Cowie 1983). Hierbei geht es laut Bahns (1996:15) darum, welche Wortverbindungen auf welche Weise in das ODCIE aufgenommen werden sollen. Der Begriff Idiom schließt nach Cowies Auffassung auch die Kollokationen mit ein.

Er unterteilt solche Wortverbindungen in vier Kategorien (Oxford Dictionary of Idiomatic English 1983:XIII)

1. Pure idioms tragen ausschließlich eine nicht kompositionelle Bedeutung
und sind nicht variierbar.
2. Figurative Idioms haben neben der übertragenen auch eine wörtliche Bedeutung und sind selten variierbar.
3. Restricted Collocations umfassen Kombinationen, in denen der eine Bestandteil eine übertragene, der andere dagegen seine ursprüngliche Bedeutung trägt; dabei ist ein gewissen Maß an lexikalischer Variation möglich. Die Gruppe der Restricted Collocations wird in zwei weitere Untergruppen unterteilt: Unter die erste Gruppe fallen diejenigen Kollokationen, die einen Austausch der Konstituenten nur noch in einer Richtung zulassen, weil eine ihrer Konstituenten in denotativ – übertragener Bedeutung auftritt, z.B. to run a farm, to run a hotel. Diese Art von Kollokationen bezeichnet man im Rahmen der englischen Phraseologie als „semiidioms“. Die zweite Gruppe beinhaltet diejenigen Kollokationen, die einen Austausch ihrer Konstituenten nur innerhalb einer bestimmten Gruppe von Lexemen mit einem gemeinsamen semantischen Merkmal zulassen. Als Beispiele dafür werden cardinal error, cardinal sin, cardinal virtue und cardinal grace angeführt.
4. Open collocations umfassen schließlich diejenigen Kombinationen, welche einen freien Austausch der Konstituenten der syntaktischen Verbindung zulassen. Ihre Bestandteile tragen wörtliche Bedeutung und sind daher frei kombinierbar, wie z.B. in to clean the sink, to fill the sink, to fill the basin.

Abgesehen von den Kollokationen der letzten Kategorie (4.) sind nach Cowies Ansicht alle diese Wortverbindungen ins Lexikon aufzunehmen.

Nachdem die Entscheidung darüber getroffen wurde, welche Wortverbindungen ins Lexikon integriert werden sollen, muss seiner Ansicht nach darüber entschieden werden, an welcher Stelle, bzw. unter welchen Lemma Kollokationen angeführt werden sollen.

In dieser Hinsicht ist die Arbeit von Franz Joseph Hausmann interessant. Er vertritt einen syntaktisch orientierten Ansatz zur Beschreibung von Kollokationen und stellt fest, dass die Kollokationspartner funktional nicht gleichgestellt sind. Hausmanns Definition des Kollokationsbegriffs soll unter dem nächsten Punkt genauer betrachtet werden.

2.4.2 Definition des Kollokationsbegriffs nach Hausmann

Franz Joseph Hausmann darf „innerhalb der Sprachwissenschaft in Deutschland […] zweifellos als derjenige betrachtet werden, der sich am intensivsten mit dem Kollokationsbegriff auseinander gesetzt […]“ (Bahns 1996, 22) und damit die aktuelle Kollokationsdiskussion mit zahlreichen theoretischen Ausführungen und seinen Bemühungen um die Erstellung eines Kollokationswörterbuches entschieden vorangetrieben hat. Neben den lexikographischen Aspekten der Kollokationsforschung befasst er sich auch mit der fremdsprachlichen Problematik, die mit Kollokationen verbunden ist.

Hausmann negiert die Vorstellung von der Freiheit des Wortgebrauchs und verdeutlicht dadurch, dass die Kombinierbarkeit von Wörtern und deren Fähigkeit Verbindungen zu bilden bzw. einzugehen, viel begrenzter sind, als der Sprachbenutzer es eigentlich annimmt (Hausmann, 1993:5).

Er erstellt eine Typologie von Wortverbindungen (1984) und unterscheidet fixierte und nicht fixierte Wortverbindungen. Zu der ersten Gruppe gehören Redewendungen, sowie Wortbildungen bzw. Komposita, welche als lexikalische Einheiten aufgefasst werden können. Des weiteren werden fixierte Wortverbindungen, nach Hausmann, als ein sprachliches Zeichen aufgefasst, während es sich bei den nicht fixierten Wortverbindungen um die Kombination sprachlicher Zeichen handelt.

Ausgehend von der syntagmatischen Ebene erarbeitet Hausmann, je nach Grad der Kombinierbarkeit, die folgende Typologie bzw. Unterteilung der nicht - fixierten Wortkombinationen. Er unterscheidet:

1. Ko-kreationen: Darunter versteht er freie Kombinationen, die bezüglich ihrer Kombinierbarkeit nur durch semantische Restriktionen eingeschränkt und sich daher mit fast unbegrenzter Kombinierbarkeit verbinden. Sie werden „entsprechend den Regeln des Sprachsystems“ (1984:398) kreativ zusammengestellt. (z.B. to read a book, a beautiful house).
2. Kollokationen: Wörter dieser Verbindungen zeichnen sich durch eine begrenzte Kombinierbarkeit aus, die entsprechend differenzierter semantischer Regeln „und einer gewissen zusätzlichen Üblichkeit“ (1984:398) und des Sprachgebrauchs erfolgt. Hausmann bezeichnet sie als „Halbfertigprodukte der Sprache“ (1984:398), da sie nicht kreativ zusammengesetzt werden und als Kombinationen aus dem Gedächtnis abgerufen werden (a pretty woman, a handsome man).
3. Konter-Kreationen: Obwohl die Kombinierbarkeit dieser Wörter begrenzt ist, verbinden sie sich dennoch mit Wörtern, die „außerhalb ihres normalen Kombinationsbereichs“ stehen und somit bewusste Verstöße gegen die Kombinierbarkeit zweier Wörter sind. Konter-Kreationen besitzen nach Bahns (1996:24) eine stärkere `kreative` Kompetente als Ko-Kreationen (schwarze Milch).

Hausmann charakterisiert die drei Typen nicht-fixierter Kombinationen abschließend wie folgt:

„Unter dem Gesichtspunkt der Üblichkeit sind die Kollokationen Kombinationen von auffallender Üblichkeit, die Ko-Kreationen solche von unauffälliger Üblichkeit und die Konter-Kreationen solche von auffälliger Üblichkeit.“ (1984:399)

Hausmann versteht unter Kollokationen also syntagmatische Einheiten, die sich aufgrund des Sprachgebrauchs gefestigt haben und dementsprechend häufig verwendet werden. Dabei nimmt die begrenzte syntaktische Kompatibilität der Elemente Einfluss auf die semantische Ebene.

Bezug nehmend auf die Interaktion von Syntagmatik und Paradigmatik (siehe Punkt 3.1.) argumentiert Hausmann, dass sich die für Wörterbücher notwendige Kollokationssystematik an den Wortklassen orientierten muss. Ausgehend von Ballys (1990) Aussagen zu Wortkombinationen negiert er mögliche Gegenargumente bzgl. der Konzeption von Kollokationswörterbüchern (Hausmann 1979:189ff). Hausmann untersucht des weiteren detailliert, inwieweit Wörterbücher Kollokationen integrieren und welche Systematik dabei verwendet wird. Dieser Auffassung stellt sich jene der strikten Trennung von grammatischen und lexikalischen Kollokationen gegenüber, um die es im nächsten Punkt (2.4.3.) gehen soll.

Hausmann hat also ein recht enges Kollokationsverständnis. Bei der Untersuchung von Kollokationpartners unterscheidet er zwischen Basis und Kollokator. Eine Kollokation ist demnach eine Kombination aus einem semantisch autonomen Bestandteil, der innerhalb der Kollokation eine Bedeutung trägt (die er auch in Ko-Kreationen innehat) – diesen Kollokationspartner bezeichnet Hausmann als Basis – und einem Bestandteil, dessen Bedeutung zumindest zum Teil nur mit Hilfe der Basis definiert werden kann – dem Kollokator. Hausmann unterteilt Kollokationen des weiteren nach ihrer syntaktischen Struktur und nennt vier Klassen von Kollokationen.

1. Adjektiv – Nomen – Kollokationen, z.B. eingefleischter Junggeselle
2. Verb – Nomen- Kollokationen, z.B. eine Rede halten
3. Adverb – Adjektiv – Kollokationen, z.B. peinlich genau
4. Adverb – Verb- Kollokationen, z.B. verbissen kämpfen

In allen diesen Klassen lassen sich eine Basis und ein Kollokator bestimmen. In Beispiel 1. ist das Nomen die Basis, das Adjektiv der Kollokator: eingefleischt lässt sich nur mit Rückgriff auf Junggeselle vollständig definieren, während die Definition der Bedeutung von Junggeselle ohne einen solchen Rückgriff auch ohne einen solchen auskommt. In 2. ist ebenfalls das Nomen die Basis, das Verb ist der Kollokator (um die Bedeutung von halten vollständig zu klären, muss die Kollokation eine Rede halten vollständig realisiert werden. In den Kollokationen des Typs 3. und 4. ist jeweils das Adverb der Kollokator, Adjektiv bzw. Verb sind die Basis.

In seinen späteren Untersuchungen (1990) unterscheidet Hausmann schließlich sogar sechs Typen von Kollokationen. Bartsch (2004:40) stellt sie in folgender Tabelle dar. Die Basen der Kollokationen werden durch Fettdruck hervorgehoben, Kollokatoren dagegen werden nicht gekennzeichnet.

[...]


[1] Die Synonymie der genannten Begriffe wäre sicherlich diskussionsfähig – jedoch nicht im Rahmen dieser Arbeit. An dieser Stelle soll es um „Gleichbedeutung“ im weiteren Sinne gehen.

[2] Lipka (2002) hat den Begriff der Kollokation im Rahmen der Lexikologie geprägt. Er räumt mit diesem Terminus ein, dass für einen bestimmten Begriff, wie z.B. der Kollokation, verschiedene zulässige Definitionsansätze geben kann.

[3] Nach Lehr (1996:17) operieren auf den fünf Ebenen zwei Beschreibungsachsen, nämlich eine syntagmatische und eine paradigmatische. Dabei versteht man unter der syntaktischen Achse den Kontext der Struktur, bei der paradigmatischen Achse dagegen den Kontext des Systems. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die syntagmatischen und die paradigmatischen Beziehungen zu einem späteren Zeitpunkt (Punkt 3.1.) ausführlich behandelt werden.

[4] Der Anthropologe B. Malinowski hat das Sprachverhalten primitiver Sprachgruppen untersucht (1923 / 1935). Er fand es angemessen Sprache als „mode of actions, not as instrument of reflection“ zu betrachten. Diese beiden Begriffe wurden nach Leech (1981:61) auch zu den Leitsprüchen seiner Untersuchungen.

[5] Unter dem Begriff der colligation versteht Firth syntagmatische Beziehungen zwischen grammatischen Kategorien.

Ende der Leseprobe aus 95 Seiten

Details

Titel
Die Berücksichtigung englischer Verb-Noun-Collocations in einsprachigen Wörterbüchern. Untersuchungen anhand wissenschaftlicher Artikel in Time und Newsweek
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Englische Philologie)
Veranstaltung
Zulassung zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien
Autor
Jahr
2004
Seiten
95
Katalognummer
V32482
ISBN (eBook)
9783638331906
Dateigröße
947 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berücksichtigung, Verb-Noun-Collocations, Wörterbüchern, Untersuchungen, Artikel, Time, Newsweek, Zulassung, Ersten, Staatsprüfung, Lehramt, Gymnasien
Arbeit zitieren
Claudia Vannella (Autor), 2004, Die Berücksichtigung englischer Verb-Noun-Collocations in einsprachigen Wörterbüchern. Untersuchungen anhand wissenschaftlicher Artikel in Time und Newsweek, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32482

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