Der Deutsche Gewerkschaftsbund nach 1945


Hausarbeit, 1999
31 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Anfänge der deutschen Gewerkschaftsbewegung

3. Vom Ende des Dritten Reiches bis zum Gründungskongreß des DGB

4. Die Gründung des DGB

5. Die Geschichte des DGB von 1949 bis in die Neunziger Jahre

6. Aufbau und Organisation des DGB

7. Satzung des DGB

8. Ziele des DGB

9. Zukunft der Gewerkschaften

10. Zusammenfassung

11. Literaturverzeichnis

12. Anlagen

1. Einleitung

Diese Hausarbeit soll die Geschichte, den Aufbau und die Organisation des Deutschen Gewerkschaftsbundes darstellen. Des weiteren sollen Satzung und Programm, sowie die Politik und die Zukunft des Bundes besprochen werden.

Was aber überhaupt sind Gewerkschaften? Dieter Schuster beschreibt Gewerkschaften in der Einleitung zu seinem Buch „Der Deutsche Gewerkschaftsbund“ als „Organisationen, die die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen ihrer Mitglieder im besonderen, aber auch der Arbeitnehmer insgesamt vertreten. Die Gewerkschaften versuchen, auf demokratischem Wege die volle gesellschaftliche, wirtschaftliche und soziale Gleichberechtigung aller Arbeitnehmer zu erreichen.“[1]

Diese Definition verdeutlicht das Selbstverständnis des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

An den Grundlagen der Gewerkschaftsbewegung hat sich in den vergangenen zwei Generationen nichts geändert: der sozialen Unterlegenheit und der Abhängigkeit der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber. Der Arbeitnehmer ist als einzelne Person der Übermacht der Arbeitgeber ausgeliefert. Nur solidarisch und mit Hilfe gemeinsamer Aktionen kann er sich gegen diese Übermacht behaupten.

Die Überzeugung, nur gemeinsam ihre Lage verbessern zu können, führte bis heute viele Berufstätige der einzelnen Branchen in den Gewerkschaften zusammen.[2]

Am Beginn dieser Arbeit werden kurz die Anfänge der deutschen Gewerkschaftsbewegung aufgeführt, die dann im

folgenden Teil der Arbeit von der Geschichte der Gewerkschaften nach dem Kriegsende 1945 bis in die neunziger Jahre ergänzt werden.

Im Anschluß daran erfolgt eine Beschreibung des Aufbaus des Bundes und seiner Organisation. Ebenfalls wird der Aufbau einer Einzelgesellschaft dargestellt.

Der zweite Teil der Arbeit befaßt sich mit der Satzung des DGB und seinen Zielen. Diese werden erklärend dargestellt. Im Anschluß folgt ein Ausblick auf die Zukunft der Gewerkschaften, welche Herausforderungen an sie herantreten und wie sie diese bearbeiten.

Das Thema erläuternde Abbildungen sind am Ende der Arbeit beigefügt.

Ziel dieser Arbeit soll es nicht sein, die deutsche Gewerkschaftsbewegung in ihrem Entstehen und Wirken vollends zu analysieren. Vielmehr sollen das Entstehen der Bewegung –hauptsächlich nach 1945- im allgemeinen und ihr Programm erläutert werden.

Die Literatur, die zur Bearbeitung des Themas herangezogen und benutzt wurde, beschränkt sich überwiegend auf Werke aus den siebziger und achtziger Jahren. Weiterhin wurden Informationsmaterialien des DGB und dessen Seiten im Internet für aktuelle Zahlen und Informationen verwendet, da die vorhandene Literatur dieses nicht hergibt.

Die Gewerkschaften stehen in der Bundesrepublik zwar permanent im Mittelpunkt, ihre Geschichte hat aber erst seit einigen Jahren das verstärkte Interesse der historischen Sozialwissenschaften gefunden. Dennoch kann man sagen, daß der Forschungsstand auf dem Gebiet der deutschen Gewerkschaftsbewegung relativ ausreichend ist, um objektiv und ausreichen darüber berichten und informieren zu können.

2. Die Anfänge der deutschen

Gewerkschaftsbewegung

Ausschlaggebend für die Entstehung der ersten deutschen

Gewerkschaften war ohne jeden Zweifel der soziale

Konflikt.[3]

Auch die fortschreitende Industrialisierung führte bei den Arbeitern zur Einsicht, daß sie nur durch Kooperation und Solidarität ihren im Prinzip rechtlosen sozialen und wirtschaftlichen Status ändern können.[4]

Die ersten Gewerkschaften, sogenannte Arbeitsver-brüderungen, entstanden dann auch während der revolutionären Ereignisse der Jahre 1848 und 1849.

Die Initiative ging dabei von einer Gruppe aus Berlin aus, die im August 1848 auch den ersten Arbeiterkongreß nach Berlin einberief. Man forderte die Festlegung von Minimallöhnen und Maximalarbeitszeiten, Erziehung und unentgeldlichen Unterricht für die Jugend, Versorgung aller Hilflosen durch den Staat, usw.

Das Scheitern der Revolution verhinderte vorerst jedoch alle weiteren organisatorischen Bemühungen.[5]

Erst mit Beginn der 1860er Jahre regte sich wieder eine größere politische Aktivität, nachdem in Sachsen 1861 das Koalitionsverbot aufgehoben wurde. Nach der Reichsgründung 1871 wurde die Koalitionsfreiheit auf das ganze Reich übertragen.

Die Gewerkschaften verfolgten von Anfang an drei Grundziele:

- Schaffung von Unterstützungskassen und – einrichtungen um eine eigene soziale Schutzfunktion zu übernehmen
- Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen, und
- Vermittlung von Bildung.[6]

Die Tätigkeit der Gewerkschaften war in dieser Zeit ständigen polizeilichen und gerichtlichen Eingriffen ausgesetzt.

Der nächste schwerwiegende Eingriff in das Entstehen der gewerkschaftlichen Bewegung, war 1878 das Sozialistengesetz Bismarcks. Hiermit versuchte der Staat die Gewerkschaften zu unterdrücken während er andererseits mit der Sozialgesetzgebung versuchte, die Arbeiterbewegung den Gewerkschaften abspenstig zu machen.[7] Diese Absicht wurde vom Staat aber nie erreicht. Das Sozialistengesetz unterbrach jedoch vorübergehend die organisatorische Entwicklung der Gewerkschaften.

Um die Jahrhundertwende erlebten die Gewerkschaften aufgrund der Gründerzeit und der darauffolgenden „Großen Depression“ ihren größten Zulauf und ihre stärkste Konstituierung.

Der Erste Weltkrieg versetzte die Gewerkschaften nach der Niederlage der Monarchie dann in die Lage, sich in der Weimarer Republik an die Spitze zu setzen.[8]

Zusammenfassend kann man sagen, daß die Entwicklung bis 1933 drei weltanschaulichen bzw. parteipolitischen Richtungen folgte. Demnach gab es die:

- Sozialistischen Gewerkschaften, darunter der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) mit ca. 4,7 Mio. Mitgliedern
- Christlichen Gewerkschaften, zusammengeschlossen im ursprünglichen Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) mit
ca. 1,3 Mio. Mitgliedern
- Liberalen Verbände, die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine, mit ca. 600 000 Mitgliedern.[9]

Das Bestehen der freien deutschen Gewerkschaftsbewegung endete am 2. Mai 1933 mit der Erstürmung vieler Gewerkschaftshäuser und der Verhaftung zahlreicher Mitglieder und Funktionäre. Zwar erklärte sich die ADGB-Führung gegenüber Hitler neutral, dennoch zerschlugen SA-Trupps die Bewegung.[10] Für die nächsten 12 Jahre unter der Diktatur der Nationalsozialisten wurden die Gewerkschaften durch die „Deutsche Arbeitsfront“ ersetzt. Man stand nun unter dem Kommando von Wirtschaftsführern und wurde in die autoritäre betriebliche Herrschaftsordnung eingepaßt.[11]

3. Vom Ende des Dritte Reiches bis zum

In den westliche Besatzungszonen war die sofortige Gründung von Gewerkschaften ein zentrales Ziel der Initiativgruppen, die sich bereits in den letzten Kriegs-tagen in einzelnen Städten zusammenschlossen.[12]

Schon vor Kriegsende war eine erste Gewerkschaft in Aachen gegründet worden, weitere Gruppen bildeten sich in den ersten Maitagen 1945 an vielen Orten im besetzten Deutschland.[13]

Man war sich nun darin einig, daß die weltanschauliche Zersplitterung innerhalb der deutschen Gewerkschaftsbewegung der Vergangenheit angehören und die neuen Organisationen Einheitsgewerkschaften, d.h. parteipolitisch unabhängig und religiös neutral sein sollten.[14] Man orientierte sich konzeptionell an im Widerstand bewahrten und im Exil weiterentwickelten Modellen.

Dieses rasche Wiedererstehen der deutschen Gewerk-schaftsbewegung schaffte die organisatorischen Vorraus-setzungen für eine stärkere Einflußnahme der Arbeitnehmer.[15] Das Ziel war es jetzt, zentral organisierte und dadurch besonders durchsetzungsfähige Gewerkschaften aufzubauen. Dabei stieß man jedoch auf den Widerstand der drei Westmächte. Sie bestanden auf einem langsamen Aufbau „von unten her“. So entstanden zunächst nur betriebliche bzw. örtliche Gewerkschaften.[16] Diese alliierten Vorstellungen widersprachen den Auffassungen vieler Gewerkschaftsfunktionäre, die sich von vornherein für starke zentrale Gewerkschaften aussprachen, da sie darin eine Festigung und Stabilisierung der demokratischen Verhältnisse im Nachkriegsdeutschland sahen.

Lediglich in der sowjetischen Zone entstand bereits 1945 eine zentrale Organisation, der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB).

Die Gewerkschaften der ersten Stunden standen vor sehr schwierigen Aufgaben. Fast alle Verbindungen waren unterbrochen, die Industrieproduktion zum größten Teil eingestellt und der von den Alliierten verhängte und beibehaltene Lohnstopp verhinderte dazu gewerkschaftliche Aktivitäten.[17]

Der nächste Schritt der organisatorischen Zusammen-fassung der einzelnen Gruppen zu zentralen Verbänden, erfolgte in der britischen Zone. Den Abschluß dieser Phase bildete im April 1947 der Bielefelder Gründungskongreß des Deutschen Gewerkschaftsbundes für die britische Zone. In den Jahren 1946 und 47 wurden auch in den beiden anderen westlichen Zonen zentrale Organisationen gebildet, die sich aber nur auf die Länderebene beschränkten. Die Vereinigung über die Zonengrenzen hinweg, scheiterte fürs erste am massiven sowjetischen, aber auch französischen Einspruch. Im November 1947 kam es dann in der britischen und amerikanischen Zone zum Zusammenschluß eines gemeinsamen Gewerkschaftsrates, dem sich ein Jahr später auch die französische Zone anschloß.

[...]


[1] Schuster, Dieter: Der Deutsche Gewerkschaftsbund. Ämter und Organisationen der Bundesrepublik Deutschland, Düsseldorf 1977, S. 9

[2] ebd.: S. 9

[3] Schönhoven, Klaus: Die deutschen Gewerkschaften, Frankfurt a. M. 1987, S. 18

[4] Schuster, Gewerkschaftsbund, S.10

[5] Schuster, Dieter: Die Deutsche Gewerkschaftsbewegung DGB, Bonn 1976, S.10/11

[6] Schuster, Gewerkschaftsbund, S.11/12

[7] ebd.: S.12

[8] Otto, Bernd: Gewerkschaftsbewegung in Deutschland. Entwicklung, geistige Grundlagen, aktuelle Politik, Köln 1975, S.64

[9] Jühe, Reinhard; Niedenhoff, Horst-Udo; Pege, Wolfgang: Gewerkschaften in der Bundesrepublik Deutschland. Daten, Fakten, Strukturen, 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Köln 1982, S.12

[10] hhtp://www.dgb.de/d/geschichte2.htm

[11] Otto, Gewerkschaftsbewegung, S. 90

[12] Schönhoven, Gewerkschaften, S.201

[13] Schuster, Gewerkschaftsbund, S.23

[14] ebd. , S. 23

[15] Otto, Gewerkschaftsbewegung, S.95

[16] Jühe; Niedenhoff; Pege, Gewerkschaften, S. 13

[17] Schuster, Gewerkschaftsbewegung, S. 75

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Der Deutsche Gewerkschaftsbund nach 1945
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Fachbereich Pädagogik)
Veranstaltung
Grundlagen des Personalmanagments II
Note
2,3
Autor
Jahr
1999
Seiten
31
Katalognummer
V3257
ISBN (eBook)
9783638119771
Dateigröße
717 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsche, Gewerkschaftsbund, Grundlagen, Personalmanagments
Arbeit zitieren
Axel Möhring (Autor), 1999, Der Deutsche Gewerkschaftsbund nach 1945, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3257

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