Die Hansische Schifffahrt


Hausarbeit (Hauptseminar), 1999
30 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Forschungsstand

2. Die chiffahrt der Hanse
2.1 Die Kogge
2.2 Kogge oder Holk - eine Kontroverse
2.2.1 Der Holk
2.3 Das Kraweel

3. Die Binnenschiffahrt

4. Tragfähigkeiten der hansischen chiffe
4.1 Geschwindigkeiten

5. eerecht
5.1 Bordorganisation und Besatzung

6. Die Navigation der Hanse
6.1 Das eebuch

7. Die hansischen chiffe im Kampf

8. chlußbetrachtung

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Hanse war eine Handelsmacht zur ee, der hansische Handel und die hansische chiffahrt sind seit den frü­hesten Anfängen der hansischen Geschichte nicht vonein­ander zu trennen.[1]

Deutlich wird diese Tatsache vor allen Dingen in einer Aussage, die Karl-Friedrich Olechnowitz[2] 1960 getroffen hat :

"Auf welchen Gebieten auch immer man sich der hansi­schen Geschichte nähert, immer ist sie meerbezogen und meerbedingt, [...]."[3]

Ohne die chiffahrt selbst, und natürlich die Entwick­lung der chiffahrt, wäre also eine Ausdehnung, wie sie die Hanse über die Jahrhunderte erlebt hat, nicht mög­lich gewesen.

1.1 Fragestellung

Diese Hausarbeit beabsichtigt, sich mit der chiffahrt auseinanderzusetzen, die sich größtenteils auf die han­sische Frühzeit beschränkt, teilweise aber auch schon in die neuere Zeit der Hanse hineinreicht.

Am Anfang dieser Arbeit soll eine kurze Einführung ste­hen, die einen allgemeinen Überblick zur hansischen chiffahrt gibt.

Der Hauptteil wird sich dann verstärkt mit den chiffs­typen der Hanse befassen, mit denen die Hanse groß ge­worden ist und die sich für ihren Aufstieg verantwort - lich zeichneten: der Kogge, dem typischen Hanseschiff, der der größte Teil dieser Arbeit gewidmet ist, dem Holk und dem Kraweel.

In groben Zügen soll auch die Binnenschiffahrt behan­delt werden.

Um sich die ungefähren Größen der chiffe vorstellen zu können, werden in einem kleineren Abschnitt die Tragfä­higkeiten der Handelsschiffe dargestellt.

Der nächste größere Abschnitt erläutert, soweit dies möglich ist, das eerecht mit besonderem Hinblick auf die Besatzungen und die Hierarchie an Bord.

Neben chiffstypen und eerecht ist natürlich im Bezug auf die heutige Navigation in der chiffahrt eine Frage äußerst interessant: Wie navigierten die Hansekapitäne ihre chiffe? Die Antwort auf diese Frage soll unter Berücksichtigung des eebuches gegeben werden.[4] Hansische chiffe befanden sich natürlich auch in Aus­einandersetzungen mit ihren Gegnern. Daher bildet eine kurze Darstellung über die hansischen chiffe im Kampf den chluß dieser Arbeit.

Im Anhang dieser Arbeit befinden sich einige Abbildun­gen, die chiffe und chiffstypen der Hanse darstellen.

1.2 Forschungsstand

Als grundlegende Arbeiten, welche die wissenschaftliche Erschließung der hansischen chiffahrt einleiteten, sind vor allen Dingen die Arbeiten von Walther Vogel und Bernhard Hagedorn zu nennen. Diese Werke sind aber bereits kurz nach der Jahrhundertwende verfaßt worden und erschienen. Auf den Forschungsergebnissen dieser beiden Historiker haben dann Karl-Friedrich Olechnowitz und Paul Heinsius ihre Arbeiten 1960 bzw. 1956 aufge­baut.

Aktuelle Arbeiten sind über die hansische chiffahrt nicht greifbar.

Auch das schriftliche Quellenmaterial ist für die Er­forschung der chiffahrt äußerst spärlich. Die zahl­reichsten und zugleich wichtigsten Quellen sind die vielen Darstellungen auf iegeln oder zeitgenössischen Bildern. Auch die Bodenfunde, allen voran der Fund der „Bremer Kogge" 1962, geben Aufschluß über die hansische chiffahrt.

Generell erscheint jedoch die Quellenlage zu diesem Thema ungünstig.

Als grundlegende Werke dieser Arbeit können die Werke von Heinsius, Olechnowitz und Hagedorn sowie die hansi­sche Gesamtdarstellungen von Dollinger und Pagel gese­hen werden.

2. Die chiffahrt der Hanse

Die rasche Ausdehnung des deutschen[5] hansischen Handels in die nordeuropäischen Länder seit der Mitte des 12. Jahrhunderts ist mit der Entwicklung der hansischen eefahrt eng verknüpft.[6] (Abb. I)

Über zwei Jahrhunderte fast schienen die deutschen chiffe, die Voraussetzung für eine florierende ee­schiffahrt waren, aufgrund ihrer technischen Überlegen­heit für die Transportbedingungen geeigneter gewesen zu sein als ihre Konkurrenten.[7]

Aber auf ein oder zwei chiffstypen beschränken läßt sich die hansische Geschichte nicht. Die hansische chiffahrt ist erheblich vielseitiger als vielleicht erwartet: das miteinander verbundene Benutzen großer, mittlerer und kleiner Fahrzeuge prägte sowohl die Hoch­seeschiffahrt als auch die Binnenschiffahrt mit ihren vielgestaltigen Kähnen, Prähmen und Flößen.

Das chiff mit dem die Hanse jedoch groß wurde, war die Kogge[8].

Die Bedeutung dieses Typs für die Hanse und die ganze Epoche zeigt sich schon in der Bezeichnung „Hansekog­ ge" .[9]

2.1 Die Kogge

Die ersten , den Koggen ähnliche, chiffe werden in das hohe 12. Jahrhundert datiert, entstanden also etwa zeitgleich mit der Gründung Lübecks 1143[10] und kamen mit den friesischen Händlern nach Haithabu (bei chles­wig) .[11] Ihr Ursprung oder ihre Herkunft ist bei den friesischen Wattenseglern zu suchen.[12]

Die Koggen tauchte gegen Ende des 12. Jahrhunderts bald überall im Norden als breitbauchige chiffe auf.[13] Der Parzifal Wolframs von Eschenbach kennt um 1197-1210 den „kocken" als großes Transportschiff der Kreuzfah­rer.[14] Im Jahre 1188 werden bei der Abfahrt von Köln vier große chiffe genannt, deren Tragfähigkeit je­weils auf über 80 Last[[1]] geschätzt werden kann und die Kreuzfahrer ins Heilige Land trugen.[15] [16]

Einen ersten Urkundenbeleg hat man für das Jahr 1206. Der Chronist Heinrich von Lettland berichtet, daß die tadt Riga durch Ankunft zweier Koggen, „bis zum Kragen voll mit Getreide", vor der Hungersnot gerettet worden sei.[17]

Wir treffen somit die Koggen im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts sowohl als Frachtschiffe mit Verpflegung und Getreide, also Massengut, an Bord als auch beim Transport von Kreuzfahrerheeren.[18] Was aber war die Kogge für ein chiff?

Die Kogge war das gerade Gegenteil des schlanken ge­schmeidigen Winkingerschiffes, ein mächtiges, schweres chiff, kurz und gedrungen, halb so hoch wie lang und wohl ebenso breit ausladend.[19] (Abb. II u. III)

Aus den kleinen, niedrigen „chlickrutschern" der Frie­sen hatten sich hochbordige eeschiffe entwickelt.[20] Die eitenwände der Kogge waren geklinkert, das heißt das die Plankengänge dachziegelartig übereinander grif­fen, wobei sie nicht wie die Wikingerschiffe durch Nie­ten, sondern durch umgebogene[21] Nägel zusammen gehalten wurden. [22] Durch die Klinkerbauweise wurde eine sehr widerstandsfähige und elastische Außenhaut konzi­piert .[23]

Die Kogge war ein Kielschiff, Kiel und teven waren spitz und gerade.[24] Ihr flacher, zum Trockenfallen ge­eigneter Boden, wies sie besonders als Wattenfahrzeuge aus.[25]

Der Antrieb erfolgte durch ein einziges großes egel, zuerst das breite Luggersegel, später das hohe Rahse­gel[26]. Trotz eines einzigen egels war die Kogge rela­tiv wendig, konnte gegen den Wind kreuzen und war ver­hältnismäßig schnell, insbesondere als zu Beginn des Jahrhunderts das eitenruder durch ein Heckruder er­setzt wurde[27], das am Achtersteven in schweren eisernen Ruderösen angebracht war.[28] Nachzuweisen ist das Heck­ruder erstmals auf dem Elbinger tadtsiegel von 1242. eitdem hat sich das Heckruder bei allen seegehenden chiffen durchgesetzt.[29]

Waren die Wikingerschiffe offen gewesen, so besaßen die ersten Koggen Querbalken und eine Decksbeplanckung, die zum Laden teilweise abgenommen werden konnte. Gegen En­de des Jahrhunderts übernahmen die chiffbauer aus Eng­land Kastellaufbauten über dem Vor- und dem Achter­schiff und bauten den Raum darunter als wettergeschütz­ten Raum für den Rudergänger, später dann zu Kajüten aus.[30]

Da die Größen der Koggen recht unterschiedlich waren, läßt sich dies beispielhaft an der Bremer Kogge veran­schaulichen: Länge über alles 23,27 m, Kiellänge 15,60 m, eitenhöhe 4,26 m, Breite 7,62 m, Mastlänge ca. 22 m, egelfläche ca. 210 Quadratmeter, chiffsgewicht ca. 55 t, Zuladung ca. 90 t und Tiefgang (beladen) ca. 2,25 m.[31]

Daß man sich in der Forschung über die Größe der Koggen nicht einig ist, läßt sich daran erkennen, daß z.B. Dollinger die durchschnittliche Größe der Kogge mit ca. 30 m Länge, 7 m Breite und 3 m Tiefgang angibt.[32] Letztlich bleibt noch zu klären welchen Ursprungs der Name Kogge ist. Alle führenden Hanse-Forscher sind sich darin einig, daß der Name, wie das chiff, friesischen Ursprungs ist, und soviel bedeuten mag wie Kufe oder Gefäß.[33] Ganz sicher trifft man das Wort Kogge im 10. Jahrhundert im Bistum Utrecht in drei Urkunden in Ver­bindung mit einer Abgabe, als „cogsuld"[34]. Möglicher­weise gehören auch die als „cokingi" genannten Friesen in diesen Zusammenhang. Desweiteren ist in chriftstü­cken die Bezeichnung „kogcho" für ein kurzes chiff zu finden.[35]

War die Kogge lange Zeit das chiff der Hanse gewesen, so schien im 15. Jahrhundert ihre Zeit vorbei. Als „Hanse-Kogge" ist der hansische Bezug der Kogge bereits in den Namen gelegt. Vergessen werden darf jedoch nicht, daß die Kogge nur über eine bestimmte Zeitspanne der hansischen Zeit das wesentliche Fahrzeug hansischer chiffahrt darstellte. Andere chiffe schienen bald ge­eigneter und begannen die Kogge zu verdrängen, allen voran der Holk.

[...]


[1] Heinsius, Paul: Das chiff der hansischen Frühzeit, 2., verbesserte Auflage, Böhlau 1986, . 5.

[2] Karl-Friedrich Olechnowitz besuchte zwischen 1955 und 1960 fast alle Archive der Hansestädte an Nord- und Ostsee um seine Arbeit über den hansischen chiffbau zu verfassen.

[3] Olechnowitz, Karl-Friedrich: Der chiffbau der Hansischen pätzeit. Eine Untersuchung zur ozial- und Wirtschaftsgeschichte der Hanse, Weimar 1965, . 5.

[4] Eine in der Mitte des 15. Jahrhundert erfolgte Zusammenfassung des nautischen Erfahrungs­schatzes für den hansischen eeraum.

[5] Wird im folgenden der Begriff „deutsch“ verwendet, so ist damit das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ gemeint.

[6] Dollinger, Phillipe: Die Hanse, 4., erweiterte Auflage, tuttgart 1989, . 187.

[7] ebd., .187.

[8] In der Hansischen Geschichtsschreibung ist auch die Bezeichnung „der Koggen“ gängig.

[9] Bracker, Jörgen, u.a. : Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos, 2., verbesserte Auflage, Lü­beck 1998.

[10] toob, Heinz: Die Hanse, Graz 1995, . 130.

[11] Hanse in Europa. Brücke zwischen den Märkten, 12.-17. Jahrhundert, herausgegeben vom Köl­nischen tadtmuseum, Köln 1973, .59.

[12] Pagel, Karl: Die Hanse, neu bearbeitet von Friedrich Naab, Braunschweig 1983, . 143.

[13] Dollinger, Hanse, .187.

[14] toob, Hanse, .130.

[15] Im Mittelalter wurde die Größe der deutschen chiffe immer in „Last“ ausgedrückt. Die Last war keine Raum- sondern eine Gewichtseinheit, die sich auf die Fracht bezog, die von dem chiff geladen werden konnte. Das Gewicht der Last wechselte je nach der Ware, aber im ganzen kann man zwei Tonnen (2000 kg) für eine Last rechnen.

[16] Dollinger, Hanse, . 187.

[17] toob, Hanse, . 130.

[18] Heinsius, Das chiff, . 75.

[19] Hagedorn, Bernhard: Die Entwicklung der wichtigsten chiffstypen bis ins 19. Jahrhundert, Berlin 1914, . 13.

[20] Pagel, Hanse, . 143.

[21] Die Nägel wurden von außen durch die Planken getrieben, dann zweimal geknickt und wieder ins Holz zurückgeschlagen.

[22] ebd., . 143.

[23] Vogel, Walther: Geschichte der deutschen eefahrt, Berlin 1915, . 478.

[24] Dollinger, Hanse, . 187.

[25] Bracker, Hanse, . 764.

[26] Viereckiges, später trapezförmiges egel, das an einem Rundholz, der Rah, befestigt ist und vor dem Mast angeschlagen wird.

[27] Dollinger, Hanse, . 187.

[28] Bracker, Hanse, . 763.

[29] Ellmers, Detlev: Kogge, Kahn und Kunststoffboot, 10000 Jahre Boote in Deutschland, Bremer­haven 1976, . 28.

[30] Pagel, Hanse, . 143.

1 Bracker, Hanse, . 763.

[32] Dollinger, Hanse, . 187.

[33] Hagedorn, Entwicklung, . 23.

[34] Diese „cogsuld“ war ein königlicher Zehnt, der auf der Zuidersee, zweifellos von Fischerfahr­zeugen, erhoben wurde. Als solche hat man die ältesten Koggen anzusehen.

[35] Bracker, Hanse, . 764.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Die Hansische Schifffahrt
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Fachbereich Geschichte)
Veranstaltung
Hauptseminar Mittelalterliche Geschichte - Die Hanse I
Note
2,0
Autor
Jahr
1999
Seiten
30
Katalognummer
V3260
ISBN (eBook)
9783638119801
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hansische, Schifffahrt, Hauptseminar, Mittelalterliche, Geschichte, Hanse
Arbeit zitieren
Axel Möhring (Autor), 1999, Die Hansische Schifffahrt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3260

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