Dieser Aufsatz befasst sich mit der Theorie der "International Real Business Cycles", welche ihren Ursprung haben in Artikeln von Kydland und Plosser (1982) und Long und Plosser (1983). Diese Artikel wirkten zur Zeit ihres Erscheinens revolutionär,
denn sowohl inhaltlich als auch methodisch lagen sie weit abseits des Spektrums traditioneller Konjunkturtheorie.
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Grundmodell: „Real-Business-Cycles“
2.1 Annahmen
2.2 Das Modell
3 „International Real Business Cycles“
3.1 Annahmen
3.2 Das Modell
4 Empirie
4.1 Hodrick-Prescott-Filter
4.2 Empirischer Vergleich
5 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die empirische Anwendbarkeit von "International Real Business Cycles"-Modellen. Das primäre Ziel ist es, die Wirkungsweise dieser neoklassischen Konjunkturtheorie zu analysieren, ihre Modellannahmen kritisch zu hinterfragen und die Güte der theoretischen Simulationen im Vergleich mit empirischen Beobachtungen zu bewerten.
- Grundlagen der Real-Business-Cycle-Theorie und ihre neoklassischen Annahmen
- Erweiterung zum internationalen Mehr-Sektoren-Modell
- Methodische Aspekte der Zeitreihenanalyse mittels Hodrick-Prescott-Filter
- Empirische Validierung durch den Vergleich von Simulationsdaten mit realen Konjunkturdaten
Auszug aus dem Buch
3.1 Annahmen
Die „International Real Business Cycles“-Theorie baut auf den Grundprämissen der „Real Business Cycles“-Theorie auf (Backus 1992, S. 747). Die neoklassische Sichtweise bleibt also bestehen, Preise und Löhne sind völlig flexibel. Unvollkommenheiten und Heterogenitäten werden ausgeblendet, ebenso wie suboptimales oder beschränkt rationales Verhalten der Wirtschaftssubjekte Ein benevolenter Auktionator garantiert die jederzeitige Markträumung.
Weiter geht die freiwillige Selbstbeschränkung der „Real Business Cycles“-Modellierer, indem vom Geld völlig abstrahiert wird, qua Konstruktion ist die „Konjunktur“ im prototypischen „Real Business Cycles“-Modell also von jedwedem monetärem Einfluss frei. Es gibt also weder Liquiditätsfallen noch Liquiditätsbeschränkungen und natürlich auch keine Wechselkursparitäten, denn modelliert wird eine geschlossene Ökonomie ohne Staat. So können schließlich weder die Transmission internationaler konjunktureller Impulse noch Fiskalpolitik konjunkturrelevant sein. Das vorherige Ein-Sektoren-Modell wird nun zu einem Zwei-Sektoren-Modell erweitert (Backus 1992, S. 754).
In der Logik des „Real Business Cycles“-Ansatzes liegt es daher, das zu konstruierende Modell aller Einflussfaktoren zu entkleiden, die in der traditionellen Konjunkturtheorie für konjunkturell maßgeblich gehalten wurden. Folglich wird nun in der „International Real Business Cycles“-Theorie von zwei Ländern ausgegangen, die jeweils durch eine große Zahl von identischen Haushalten vertreten sind. Die Präferenzstrukturen der Haushalte sind gleich und können somit nicht als Ursache für wirtschaftliche Fluktuationen herhalten. Die Länder erzeugen denselben Nutzen. Unterschiedliche Nutzenniveaus können zu Wanderungsbewegungen zwischen den Regionen führen und Heterogenitäten zwischen den Regionen verstärken bzw. auslösen. Folgerichtig sind somit auch die Annahmen, dass für beide Länder dieselbe Produktionstechnologie existiert; Präferenzen und Technologien weisen dieselbe Struktur und dieselben Parameter auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Theorie der "International Real Business Cycles" ein und stellt deren neoklassische Ursprünge sowie das Ziel der Untersuchung dar.
2 Das Grundmodell: „Real-Business-Cycles“: Dieses Kapitel erläutert die neoklassischen Annahmen, wie die vollkommene Flexibilität von Preisen und Löhnen, und stellt das grundlegende mathematische Modell mit seinem Optimierungskalkül vor.
3 „International Real Business Cycles“: Hier wird das Grundmodell auf eine internationale Ökonomie erweitert, wobei insbesondere die Spill-over-Effekte und die länderspezifischen Technologieschocks behandelt werden.
4 Empirie: Dieses Kapitel widmet sich der methodischen Anwendung des Hodrick-Prescott-Filters sowie dem empirischen Vergleich zwischen den simulierten Modellwerten und realen Wirtschaftsdaten.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kritisiert die starke Einschränkung durch neoklassische Annahmen sowie die Diskrepanzen bei der Modellierung von Konsum und Arbeitsinput.
Schlüsselwörter
International Real Business Cycles, Konjunkturtheorie, Neoklassik, Technologieschocks, Hodrick-Prescott-Filter, Zeitreihenanalyse, Spill-over-Effekte, Produktionsfunktion, Optimierungsproblem, Modellökonomie, Konjunkturzyklen, Wirtschaftsdaten, Arbeitsmarkt, Kapitalstock, Konsumvolatilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Theorie der "International Real Business Cycles", die Konjunkturschwankungen primär durch technologische Schocks in einem neoklassischen Rahmen erklärt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die neoklassische Modellbildung, die Erweiterung auf internationale Zusammenhänge, die Anwendung statistischer Filtermethoden und die empirische Überprüfung von Konjunkturmodellen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die theoretische Durchdringung der Modelllogik sowie eine kritische Bewertung der empirischen Treffsicherheit dieses vereinfachten ökonomischen Ansatzes.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine modelltheoretische Analyse auf Basis von Optimierungskalkülen des repräsentativen Agenten genutzt, kombiniert mit einer empirischen Zeitreihenbetrachtung mittels Hodrick-Prescott-Filter.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des geschlossenen Real-Business-Cycle-Grundmodells, dessen internationale Erweiterung sowie die anschließende empirische Validierung anhand von Testdaten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie International Real Business Cycles, Technologieschocks, Modellökonomie, Konjunkturzyklen und empirische Zeitreihenanalyse charakterisiert.
Warum wird im Modell vom Geld abstrahiert?
Die Modellierer abstrahieren vom Geld, um die Konjunktur ausschließlich als Reaktion auf reale, technologische Veränderungen darzustellen, wodurch monetäre Einflüsse wie Liquiditätsbeschränkungen systembedingt ausgeschlossen werden.
Wie bewertet der Autor die Übereinstimmung des Modells mit der Realität?
Der Autor stellt eine erstaunlich gute Übereinstimmung für Output und Investitionen fest, bemängelt jedoch die mangelnde Genauigkeit bei der Abbildung von Konsum und Arbeitsinput.
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- Elmar Hüskes (Author), 2004, International Real Business Cycles, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32628