Die gesellschaftliche Aufarbeitung von Krieg und Diktatur ist ein langwieriger Akt, der häufig von Krisen begleitet wird. Selbst heute noch sind die traumatischen Erfahrungen des Spanischen Bürgerkriegs immer noch nicht vollständig aufgearbeitet. Dabei versuchten schon in der Franco-Ära Regisseure wie Carlos Saura, die furchtbaren Ereignisse der 30er Jahren zu begreifen und in ihren Filmen ein Spiegelbild der spanischen Gesellschaft zu schaffen.
Der Autor untersucht aus verschiedenen Blickwinkeln, wie diese filmische Aufarbeitung vonstatten ging und bezieht sich dabei eng auf die Symbolik von Carlos Saura, wobei er den Schwerpunkt auf das Drama "La prima Angelica" legt. Einem Werk, das in der Spätzeit des Franco-Regimes entstand
und den Bürgerkrieg erstmals aus Sicht der Verlierer thematisierte. In seiner Analyse kommt der Autor zu überraschenden Schlussfolgerungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Fragestellung
1.2. Inhaltsangabe von „La prima Angélica“
2. Biographie von Carlos Saura
2.1. Kindheitserinnerungen
2.2. Sauras filmische Werke
3. Politische Situation im Spanien unter Franco
3.1. Die Zensur
3.2. Der Staat
4. Ideologie
5. Analyse von „La prima Angélica“
5.1. Das Aufschlüsseln der Handlungsebenen
5.2. Analyse der Personenkonstellation
5.3. Deutung weiterer Symbole
5.4. Politische Aspekte
6. Fazit
7. Bibliographie
8. Sequenzanalyse
9. Filmographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das filmische Schaffen von Carlos Saura, insbesondere seinen Film „La prima Angélica“, unter der zentralen Forschungsfrage, ob zum Zeitpunkt der Entstehung in der Spätphase der Franco-Diktatur bereits von einer tatsächlichen filmischen Aufarbeitung des Spanischen Bürgerkriegs gesprochen werden kann oder ob diese im Ansatz scheitert.
- Biographische Prägung von Carlos Saura durch Kindheitserlebnisse während des Bürgerkriegs.
- Einfluss der frankistischen Zensur auf die filmische Ästhetik und den symbolischen Diskurs.
- Analyse der narrativen Struktur und Zeitebenen von „La prima Angélica“.
- Psychoanalytische Deutung von Träumen, Phantasien und Symbolen im Film.
- Interpretation des Familienhauses als Metapher für den spanischen Staat und die Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
1.1.: Fragestellung:
In den vergangenen 15 Jahren erschienen mehrere Filme auf dem spanischen Markt, die für sich den Anspruch hatten, die Zeit des Spanischen Bürgerkriegs aufzuarbeiten. Als Beispiel dienen die Filme „Dragon Rapid“ von 1986 (Jaime Camino), „Amantes“ von 1991 (Vicente Aranda) und „Pasodoble“ von 1989 (José Luis García Sánchez). Doch bereits Mitte der 50er Jahre bis zum Ableben Francos entstanden während der Diktatur in Spanien Filme, die die Zensur passierten, obwohl sie kritische politische Aussagen enthielten. Im Rahmen der Magisterarbeit soll untersucht werden, ob man bereits von einer filmischen Aufarbeitung des Spanischen Bürgerkriegs in der Zeit der Franco-Dikatatur sprechen kann. Um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen, wird sie sich ausschließlich auf die Arbeiten von Carlos Saura stützen.
Das scheint berechtigt, da Saura seit den 60er Jahren als „bekanntester spanischer Regisseur“ gilt, und seine Filme sowohl in Spanien als auch im europäischen Ausland die höchsten Besucherzahlen erzielten. Saura selbst weist auf das Vorhandensein einer tieferen Bedeutungsebene in seinen Filmen hin: „Es ist evident, daß während der Zeit des Frankismus allen meinen Filmen eine politische Absicht zugrunde lag.“ Die Vergangenheit ist in den Filmen von Saura stets Thema, sei es in Gestalt von Historienfilmen wie „Llanto por un bandido“ und „El dorado“ oder anhand von Erinnerungen der in den Filmen agierenden Personen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt das Forschungsziel vor, den Grad der Aufarbeitung des Spanischen Bürgerkriegs in Carlos Sauras Filmen kritisch zu hinterfragen.
2. Biographie von Carlos Saura: Beleuchtet die persönlichen Kindheitserlebnisse des Regisseurs und deren Einfluss auf die Motive und das autobiographische Fundament seiner Filme.
3. Politische Situation im Spanien unter Franco: Analysiert den repressiven Einfluss der Zensur sowie die staatliche und religiöse Ideologie als Rahmenbedingungen für die Filmproduktion.
4. Ideologie: Erläutert das Konzept der „Totalen Realität“ bei Saura unter Einbeziehung psychoanalytischer Ansätze von Freud und Zizek zur Deutung der Erzählweise.
5. Analyse von „La prima Angélica“: Untersucht die Handlungsebenen, Personenkonstellationen und Symbole, um die These der gescheiterten Aufarbeitung konkret am Filmbeispiel zu prüfen.
6. Fazit: Kommt zu dem Schluss, dass trotz der politischen Intention keine echte Aufarbeitung stattfindet, da psychologische Blockaden eine solche verhindern.
Schlüsselwörter
Carlos Saura, La prima Angélica, Spanischer Bürgerkrieg, Franco-Diktatur, Zensur, Psychoanalyse, Vergangenheitsbewältigung, Identität, Symbolik, Totale Realität, Filmgeschichte, Spanien, Ideologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Carlos Sauras Film „La prima Angélica“ eine echte filmische Aufarbeitung des Spanischen Bürgerkriegs darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft Filmwissenschaft mit Geschichte und Psychoanalyse, um die Darstellung von Vergangenheit, Ideologie und Zensur unter Franco zu analysieren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird gefragt, ob der Film lediglich politische Absichten andeutet oder tatsächlich eine bewusste Aufarbeitung des traumatischen Bürgerkriegs leistet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine detaillierte Inhalts- und Sequenzanalyse, ergänzt durch psychoanalytische Theorien von Freud und soziopolitische Ansätze von Zizek.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die filmischen Mittel wie Doppelrollen und Traumszenen, um die psychologische Ebene der Charaktere und die politische Ebene der Gesellschaft im Film zu entschlüsseln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Totale Realität“, „Zensur“, „Identitätssuche“ und „Franco-Diktatur“ definiert.
Wie deutet die Arbeit die Rolle der Frau in den Filmen?
Die Arbeit interpretiert Frauenfiguren in Sauras Filmen als oft unterdrückte, innerhalb häuslicher „Huis clos“-Strukturen gefangene Individuen, deren Ausbruchsversuche häufig scheitern.
Welche Bedeutung hat das Filmende für die These der Arbeit?
Das Ende, das keine wirkliche Befreiung bietet, sondern eine Flucht des Protagonisten zeigt, stützt die These, dass eine Aufarbeitung der Vergangenheit zu diesem Zeitpunkt unmöglich war.
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- Sven Leimbach (Author), 2000, Die Vermittlung von Vergangenheit in den Filmen von Carlos Saura mit Schwerpunkt auf 'La prima Angelica', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32629