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Historische Untersuchungen zur Arginusenschlacht und zum sogenannten Arginusenprozess des Jahres 406 v. Chr.

Title: Historische Untersuchungen zur Arginusenschlacht und zum sogenannten Arginusenprozess des Jahres 406 v. Chr.

Seminar Paper , 2003 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Maike Berhorst (Author)

World History - Early and Ancient History
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Summary Excerpt Details

In der vorliegenden Arbeit werde ich mich mit der Arginusenschlacht und dem darauf
folgenden Arginusenprozess des Jahres 406 v. Chr. in Athen beschäftigen. Vor allem der
Arginusenprozess hat sowohl in der Antike als auch in unserer Zeit großes Aufsehen
erregt, da er zum Teil als Justizskandal angesehen wird und vielleicht ein großes Stück
zum schlechten Ruf des athenischen Gerichtswesens beigetragen hat.
Für diese Ereignisse stehen mit der Hellenika von Xenophon und der Griechischen
Weltgeschichte Diodors nur zwei Hauptquellen zur Verfügung. Xenophon war Zeitzeuge
und Diodor, der im 1. Jh. v. Chr. lebte, hängt möglicherweise zum Teil von der
Hellenika Oxyrhynchia eines unbekannten Verfassers sowie von Ephoros ab. Ein großes
Problem in diesem Sachverhalt ist, dass sich diese beiden Quellen teilweise in wichtigen
Punkten grundlegend unterscheiden. Herauszufinden, welche Sichtweise eher der
Wahrheit entsprechen könnte und wie die moderne Forschung dazu Stellung bezieht,
wird einen Teil meiner Arbeit umfassen. An diesem Thema kann sehr deutlich gezeigt
werden, wie unterschiedlich die Darstellung eines Ereignisses in den verschiedenen
Quellen sein kann und was diese Unterschiede für Konsequenzen in der anschließenden
Bewertung nach sich ziehen.
Zudem möchte ich der Fragestellung nachgehen, inwieweit der Prozess nun wirklich
gegen die bestehenden Gesetze verstoßen hat und ob die Angeklagten nicht doch in
einem rechtmäßigen Verfahren zum Tode verurteilt wurden. Dabei möchte ich auch auf
das gewählte Anklageverfahren sowie das ungeschriebene Recht der Bestattungspflicht
eingehen. Des Weiteren werde ich die Frage verfolgen, ob möglicherweise politische
Gründe zu der Verurteilung der Angeklagten beigetragen haben und wie sie zu erklären
wären.
Die moderne Forschung hat sich mehrfach und ausführlich mit dem Justizfall
beschäftigt. Sie kommt aber nicht zu einem übereinstimmenden Urteil über den Prozess
und lässt teilweise noch viele Fragen offen. Einig sind sich die Forscher jedoch in
einigen massiven Kritikpunkten an den Quellen, die ich im Laufe der Arbeit noch
darlegen werde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. 1. Verlauf der Arginusenschlacht nach Xenophon und Diodor

2. Der Arginusenprozess

2.1. Die Darstellung des Prozesses bei Xenophon und Diodor

2.2. Xenophon, Diodor und die ‘historische Wahrheit‘

2.3. Bergung von Schiffbrüchigen oder von Leichen?

2.3.1. Die Bedeutung der Bestattungspflicht im 5. Jh. v. Chr. in Athen

2.4. Unrechtmäßiges Verfahren oder gerechte Verurteilung?

2.4.1. Individuelle und unrechtmäßige Verfahren

2.4.2. Der Eisangelie-Prozess

2.5. Die politische Dimension des Prozesses

III. Schlussbemerkung

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Arginusenschlacht und den darauffolgenden Arginusenprozess von 406 v. Chr. im antiken Athen. Ziel ist es, die Diskrepanzen in den antiken Hauptquellen (Xenophon und Diodor) kritisch zu analysieren, die Rechtmäßigkeit des Gerichtsverfahrens gegen die Strategen zu hinterfragen und den Einfluss politischer Motive sowie religiöser Bestattungspflichten auf das Urteil zu bewerten.

  • Quellenkritische Gegenüberstellung von Xenophons Hellenika und Diodors Weltgeschichte
  • Analyse des Spannungsfeldes zwischen Bestattungspflicht und militärischer Notwendigkeit
  • Untersuchung des athenischen Strafverfahrens (Eisangelie) und der Kollektivverurteilung
  • Evaluation der Rolle politischer Akteure wie Theramenes
  • Bewertung der athenischen Demokratie und ihrer Justizpraxis in Krisenzeiten

Auszug aus dem Buch

2.3. Bergung von Schiffbrüchigen oder von Leichen?

Xenophon beschreibt, dass die Strategen angeklagt worden seien, weil sei die Bergung der Schiffbrüchigen unterlassen hätten, Diodor spricht dagegen von einer nicht unternommenen Bergung der Leichen als Straftatbestand. Welcher Version darf man nun eher Glauben schenken?

Genauso wie die unterlassene Bergung von Lebenden wurde die Nichtbergung von Toten im Athen des 5. Jhdt. als eine skandalöse Tat angesehen, die zu bestrafen war. Nach Schlachten war es allgemein Pflicht sofort die Toten zu bestatten und die Leichen der Feinde zu übergeben, da es eine „religiös und sittlich fundierte Pflicht der Bestattung“ war. Einige moderne Autoren geben der Version Xenophons, andere der Diodors den Vorzug. Für die Anklage mußte es aber von Bedeutung gewesen sein, ob es sich um die Bergung von Toten oder Lebenden gehandelt hatte. Die unterlassene Bergung der Lebenden konnte mit dem aufkommenden Sturm entschuldigt werden, aber die Leichen konnten durchaus noch nach einem Sturm aufgesammelt werden. So wären die Angeklagten nach Xenophons Version tatsächlich unschuldig, müssten aber nach Diodor wegen unterlassener Bergung der Toten verurteilt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in das Thema, Vorstellung der Quellensituation und Formulierung der zentralen Forschungsfragen zum Arginusenprozess.

II. 1. Verlauf der Arginusenschlacht nach Xenophon und Diodor: Detaillierte Rekonstruktion der Seeschlacht und Analyse der widersprüchlichen Angaben zu Flottenstärke und Taktik.

2. Der Arginusenprozess: Untersuchung des rechtlichen und politischen Rahmens des Prozesses unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Anklagepunkte bei Xenophon und Diodor.

2.1. Die Darstellung des Prozesses bei Xenophon und Diodor: Vergleich der Prozessabläufe und der Darstellung der Anklage und Verteidigung in den antiken Quellen.

2.2. Xenophon, Diodor und die ‘historische Wahrheit‘: Reflexion über die Objektivität der Quellen und die Historizität der bei Xenophon überlieferten Verteidigungsreden.

2.3. Bergung von Schiffbrüchigen oder von Leichen?: Untersuchung der Frage, welcher Anklagegrund (Lebende oder Tote) für das Urteil ausschlaggebend war.

2.3.1. Die Bedeutung der Bestattungspflicht im 5. Jh. v. Chr. in Athen: Historische Einordnung der religiösen Pflicht zur Bestattung und deren Stellenwert in der athenischen Gesellschaft.

2.4. Unrechtmäßiges Verfahren oder gerechte Verurteilung?: Diskussion über die Verfahrensform der Kollektivverurteilung und die Einhaltung rechtlicher Standards.

2.4.1. Individuelle und kollektive Verfahren: Analyse der Debatte um individuelle Schuldzuweisung versus kollektives Kommandoversagen.

2.4.2. Der Eisangelie-Prozess: Erläuterung der spezifischen Verfahrensweise der Eisangelia zur Verfolgung von Amtsträgern.

2.5. Die politische Dimension des Prozesses: Analyse der politischen Hintergründe, insbesondere der Rolle des Theramenes und des Einflusses des Alkibiades-Kreises.

III. Schlussbemerkung: Fazit zur historischen Einordnung des Prozesses und dessen langfristigen Folgen für den Peloponnesischen Krieg.

Schlüsselwörter

Arginusenschlacht, Arginusenprozess, Peloponnesischer Krieg, Xenophon, Diodor, Bestattungspflicht, Eisangelia, athenische Demokratie, Theramenes, Strategen, antike Justiz, Quellenkritik, Alkibiades, politischer Prozess, Justizskandal.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Rekonstruktion der Ereignisse rund um die Arginusenschlacht 406 v. Chr. und dem anschließenden, kontrovers diskutierten Prozess gegen die athenischen Strategen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die antike Quellenkritik, die Bestattungspflicht im klassischen Athen, die Funktionsweise athenischer Strafverfahren sowie die politische Instrumentalisierung von Justizfällen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit möchte klären, warum sich die antiken Berichte so stark unterscheiden, ob der Prozess tatsächlich "unrechtmäßig" war und welche politischen Motive hinter der Verurteilung der Feldherren steckten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine historisch-kritische Analyse der antiken Primärquellen (Hellenika des Xenophon, Weltgeschichte des Diodor) durchgeführt, die mit moderner Forschungsliteratur konfrontiert wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung des Schlachtverlaufs, die Untersuchung des Prozessverlaufs, eine Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen und eine Bewertung der politischen Akteure.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Arginusenprozess, Quellenkritik, Bestattungspflicht, Eisangelia, Demokratiekritik, Theramenes, athenische Rechtsgeschichte.

Wie unterscheidet sich die Anklage bei Xenophon und Diodor?

Bei Xenophon werden die Strategen beschuldigt, die Bergung der Schiffbrüchigen unterlassen zu haben, während bei Diodor die unterlassene Bergung und Bestattung der Leichen den zentralen Straftatbestand bildet.

Welche Rolle spielte Theramenes in diesem Prozess?

Theramenes wird als Hauptankläger dargestellt, der vermutlich aus Selbsterhaltungstrieb oder parteipolitischen Motiven handelte, um sich selbst von der Mitverantwortung für das Scheitern der Bergungsmission zu entlasten.

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Details

Title
Historische Untersuchungen zur Arginusenschlacht und zum sogenannten Arginusenprozess des Jahres 406 v. Chr.
College
University of Münster  (Seminar für Alte Geschichte)
Course
Der Peloponnesische Krieg
Grade
1,3
Author
Maike Berhorst (Author)
Publication Year
2003
Pages
18
Catalog Number
V32651
ISBN (eBook)
9783638333177
Language
German
Tags
Historische Untersuchungen Arginusenschlacht Arginusenprozess Jahres Peloponnesische Krieg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Maike Berhorst (Author), 2003, Historische Untersuchungen zur Arginusenschlacht und zum sogenannten Arginusenprozess des Jahres 406 v. Chr., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32651
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