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Der Dichter und die Politik - Gerhart Hauptmanns Politikbegriff vor dem Hintergrund seiner Äußerungen zum oberschlesischen Plebiszit im Jahre 1921

Titel: Der Dichter und die Politik - Gerhart Hauptmanns Politikbegriff vor dem Hintergrund seiner Äußerungen zum oberschlesischen Plebiszit im Jahre 1921

Wissenschaftlicher Aufsatz , 2004 , 31 Seiten , Note: ohne

Autor:in: M.A. Dirk Mathias Dalberg (Autor:in)

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Beitrag wird der Versuch unternommen, das Verhältnis Gerhart Hauptmanns zur Politik vom Kaiserreich bis zu seinen öffentlichen politischen Auftritten im Zusammenhang mit dem im Versailler Vertrag festgelegten Plebiszit über Oberschlesien am 20. März 1921 vor dem Hintergrund der deutschen Kulturtradition darzustellen.
Der Text ist hierzu in sechs Teile untergliedert. Im ersten Teil werden die theoretischen Grundlagen für die Einordnung Hauptmanns in die deutsche Kulturtradition und auch für sein Politikverständnis gelegt. Neben der Darstellung von Aussagen ausgewählter Exponenten des deutschen Geisteslebens hinsichtlich des Verhältnisses von Kultur und Politik, wird der Begriff der Apolitie definiert und mögliche Verbindungen von Kultur und Politik aufgezeigt.
Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Entwicklung der Beziehung Hauptmanns zur Politik vom Kaiserreich bis zum Ende des Ersten Weltkrieges.
Daran anschließend wird der historische Rahmen Hauptmanns Oberschlesienreden, das Plebiszit über Oberschlesien, beleuchtet.
Der vierte Teil des Beitrages beschreibt den Übergang von dem sich aus der Politik heraushaltenden zu einem In-die-Politik-greifenden Dichter, und beinhaltet eine Analyse seiner Oberschlesienreden.
Im fünften Teil werden die in den Reden deutlich werdenden Grundprinzipien Hauptmanns (Einheit und Frieden) herausgearbeitet.
Im abschließenden Teil wird Hauptmanns Politikbegriff in den Zusammenhang mit seinen Reden gestellt. Hierbei wird deutlich, dass Hauptmanns Politikbegriff eng an den für Deutschland typischen Gegensatz Politik – Kultur angelehnt ist. Seine Vorstellung von der Politik, gründet sich nicht auf Macht, Opportunismus und Tagesinteressen, sondern auf Geist und Kultur , also auf den beiden maßgeblichen Begriffe der deutschen Kulturtradition.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

I Die deutsche Tradition der Apolitie

II Gerhart Hauptmanns Apolitie

III Historischer Rahmen

IV Hauptmanns Oberschlesienreden

V Die Grundprinzipien Hauptmanns Gedankenwelt

VI Hauptmann Kulturbegriff

VII Hauptmanns Politikbegriff. Die Unterscheidung Realpolitik und Kulturpolitik

VII.I Realpolitik

VII.II Kulturpolitik

VIII Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Entwicklung des Verhältnisses des Dichters Gerhart Hauptmann zur Politik und erarbeitet sein spezifisches Politikverständnis vor dem Hintergrund der deutschen Kulturtradition und der Ereignisse rund um das oberschlesische Plebiszit im Jahr 1921.

  • Die historische Auseinandersetzung mit der deutschen Tradition der Apolitie.
  • Die Analyse der politischen Wandlung Hauptmanns vom Kaiserreich bis zur Weimarer Republik.
  • Die Untersuchung der Oberschlesienreden als Ausdruck eines spezifischen politischen Denkens.
  • Die theoretische Differenzierung zwischen Realpolitik und Kulturpolitik im Werk Hauptmanns.
  • Die Bedeutung von Frieden und Einheit als zentrale Grundprinzipien in Hauptmanns Gedankenwelt.

Auszug aus dem Buch

VII Hauptmanns Politikbegriff. Die Unterscheidung Realpolitik und Kulturpolitik

Hauptmanns Verhältnis zur Politik war, wie insbesondere Teil II dieses Beitrages zeigte, ein kritisches. Seine differenzierte Position zur Politik wird auch an folgender Grundsatzäußerung deutlich: Politik ist „äußerste Charakterverderbnis“ und „Morast“, sie „entzweit sofort und stellt in den Kampf etc.“ (nach Erdmann 1997: 161). Vor diesem Hintergrund und unter Beachtung seines Begriffes der Kultur unterscheidet Hauptmann zwei Arten von Politik, eine den Charakter verderbende und in den Kampf stellende, die er Realpolitik nennt, und eine „echte Politik“ (nach Erdmann 1997: 161), die er Kulturpolitik bezeichnet.

Der Begriff „Realpolitik“ wurde erstmal von Ludwig August von Rochau verwendet. In seiner Schrift „Grundsätze der Realpolitik“ (Rochau 1853) empfahl Rochau dem deutschen liberalen Bürgertum, sich von den hohen – aber weltfremden – Idealen von Demokratie und Freiheit abzuwenden und sich stattdessen lieber mit dem preußischen Polizei- und Militärstaat zu arrangieren. Dieser habe sich mit der erfolgreichen blutigen Niederschlagung der Revolution von 1848 zur Genüge legitimiert.

Der Ursprung der Realpolitik liegt für Rochau im dynamischen Grundgesetz des Staatswesens. Dieses geht aus der Einsicht hervor, dass „das Gesetz der Stärke über das Staatsleben eine ähnliche Herrschaft ausübt wie das Gesetz der Schwere über die Körperwelt“ (ebd. 25 – HiO), nämlich die unbeschränkt bestimmende. Da allein die Macht fähig sei, zu herrschen, könnten ideale Größen in der Politik nur dann umgesetzt werden, wenn sie Macht besitzen. Mit den „Grundsätzen der Realpolitik“ wollte Rochau keineswegs ein bestimmtes politisches Verfahren unter mehreren möglichen erläutern oder empfehlen. Vielmehr erhob er den Anspruch, die Prinzipien der allein „richtige[n] Politik“ (ebd. 32, vgl. Sellin 1992: 866) zu entwickeln. Auch wollte Rochau die Politik keinesfalls der „sittlichen Pflicht“ entbinden. Er wollte nur aufzeigen, „dass es eine Grenze gibt, an welcher die tatsächliche Möglichkeit der Erfüllung dieser Pflicht aufhört“ (ebd. 31).

Zusammenfassung der Kapitel

0 Einleitung: Einführung in das widersprüchliche Verhältnis von Gerhart Hauptmann zur Politik und Darlegung der methodischen Vorgehensweise.

I Die deutsche Tradition der Apolitie: Analyse der historischen deutschen Kulturtradition, die den Dichter als unpolitisch und die Politik als zweitrangig betrachtete.

II Gerhart Hauptmanns Apolitie: Untersuchung der unpolitischen Haltung Hauptmanns im Kaiserreich und seiner bewussten Distanzierung von tagespolitischen Einflüssen.

III Historischer Rahmen: Darstellung der geopolitischen Situation nach dem Ersten Weltkrieg und der spezifischen Problematik des Plebiszits in Oberschlesien.

IV Hauptmanns Oberschlesienreden: Analyse des Übergangs Hauptmanns zum in die Politik greifenden Dichter anhand seiner öffentlichen Reden zum Plebiszit.

V Die Grundprinzipien Hauptmanns Gedankenwelt: Herausarbeitung von "Frieden" und "Einheit" als zentrale Säulen im politischen Denken des Autors.

VI Hauptmann Kulturbegriff: Definition der Kultur bei Hauptmann als Ausdruck geistigen Überflusses und ihre enge Verbindung mit dem Menschsein.

VII Hauptmanns Politikbegriff. Die Unterscheidung Realpolitik und Kulturpolitik: Gegenüberstellung der verwerflichen Realpolitik und der erstrebenswerten Kulturpolitik.

VIII Zusammenfassung: Resümee der Ergebnisse bezüglich Hauptmanns Entwicklung und seines politiktheoretischen Verständnisses.

Schlüsselwörter

Gerhart Hauptmann, Apolitie, Kulturpolitik, Realpolitik, Oberschlesien, Plebiszit, deutsche Kulturtradition, politisches Denken, Weimarer Republik, Dichtung und Politik, Friedensidee, nationale Einheit, Macht, Geist, Ideale.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die politische Entwicklung des Dichters Gerhart Hauptmann von einer betont apolitischen Haltung während des Kaiserreiches bis hin zu seinem engagierten öffentlichen Auftreten anlässlich der Abstimmung über Oberschlesien 1921.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen das Spannungsfeld zwischen Kunst und Politik, die Bedeutung der deutschen Kulturtradition für das Selbstverständnis von Künstlern und die theoretische Unterscheidung zwischen Real- und Kulturpolitik.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Politikbegriff Hauptmanns zu ergründen und aufzuzeigen, wie seine normativen Vorstellungen von "Frieden" und "Einheit" sein politisches Handeln in der Weimarer Zeit leiteten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine geistesgeschichtliche und politiktheoretische Analyse, die Hauptmanns Äußerungen, Reden und Zeitzeugnisse vor dem Hintergrund zeitgenössischer gesellschaftlicher und politischer Strömungen einordnet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Apolitie, die historische Einbettung der Oberschlesien-Frage und eine detaillierte Analyse von Hauptmanns Begriffen der Real- und Kulturpolitik.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Apolitie, Kulturpolitik, Realpolitik und das spezifische Verständnis von geistiger versus territorialer Einheit geprägt.

Wie bewertet Hauptmann den Kompromiss in der Politik?

Hauptmann betrachtet den Kompromiss als notwendiges, aber charakterloses Übel der Realpolitik, das die konsequente Umsetzung ideeller Ziele verhindert und den Dichter vom "reinen" Schaffen entfremdet.

Warum sieht Hauptmann in der Oberschlesien-Frage eine moralische Pflicht?

Für Hauptmann war der Erhalt Oberschlesiens ein Akt der Wiederherstellung einer natürlichen deutschen Einheit und ein notwendiges Aufbegehren gegen die aus seiner Sicht ungerechte und fremdbestimmte Politik der Alliierten nach dem Versailler Vertrag.

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Details

Titel
Der Dichter und die Politik - Gerhart Hauptmanns Politikbegriff vor dem Hintergrund seiner Äußerungen zum oberschlesischen Plebiszit im Jahre 1921
Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Görlitz  (Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen)
Note
ohne
Autor
M.A. Dirk Mathias Dalberg (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
31
Katalognummer
V32661
ISBN (eBook)
9783638333269
ISBN (Buch)
9783638651929
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dichter Politik Gerhart Hauptmanns Politikbegriff Hintergrund Plebiszit Jahre
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M.A. Dirk Mathias Dalberg (Autor:in), 2004, Der Dichter und die Politik - Gerhart Hauptmanns Politikbegriff vor dem Hintergrund seiner Äußerungen zum oberschlesischen Plebiszit im Jahre 1921, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32661
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Leseprobe aus  31  Seiten
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