Die Zagheit Dietrichs von Bern


Hausarbeit, 2003

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Heroisches Ethos

2 Eckenlied, Laurin und Rosengarten
2.1 Eckenlied
2.2 Laurin
2.3 Rosengarten D

3 Zagheit

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Thema der nun folgenden Darlegung soll das in der aventiurehaften Dietrichepik auftretende Motiv der Zagheit Dietrichs von Bern sein. Es stellen sich die Fragen: Wie und warum entstand dieses Motiv? Wozu wurde es eingesetzt? Wie ist es in den Texten dargestellt?

Im Verlauf der Ausführungen soll versucht werden zu zeigen, wie die Zagheit in den verschiedenen Texten ausgearbeitet wurde, welche Gründe für das Entstehen dieses Motivs in Frage kommen, und inwieweit ein »verzagter« Dietrich vom üblichen Heldenbild überhaupt abweicht.

Ich möchte mich hierbei auf drei Texte aus der aventiurehaften Dietriche- pik beschränken: Den Laurin, das Eckenlied, und den Rosengarten D. Hier zeigt sich die Verzagtheit Dietrichs in verschiedenen Situationen und Aus- formungen, so dass diese Texte mir als Beispiele besonders geeignet erschei- nen.

1 Heroisches Ethos

Das Interessante an dem Phänomen der Zagheit Dietrichs von Bern ist, dass hier ein Held unheldenhaft handelt. Um aber beurteilen zu können, in- wieweit sein Zögern wirklich unheroisch ist, soll zuerst einmal festgehalten werden, was das Bild eines Helden eigentlich ausmacht. Nach Mecklen- burg zeichnet sich »heroisches Handeln [...] durch Rücksichtslosigkeit und Kompromißlosigkeit« aus.1 Ein Held sollte eine Tat demzufolge »ohne Zö- gern zu Ende [führen], das heißt auch [...] ohne Reflexion«.2 Genau so handelt Dietrich in der aventiurehaften Dietrichepik aber eben nicht. Auch andere Kriterien, die zum Heldentum gehören, wie beispielsweise myste- riöse Begleitumstände bei Geburt oder Tod des Helden spielen hier kaum eine Rolle.3 Im Gegensatz zur historischen Dietrichepik kommen Kämpfe gegen Riesen und Zwerge vor. Obwohl Dietrich in der historischen Dietri- chepik als weitaus heroischer dargestellt wird, fehlen solche Kämpfe dort, die nach Haustein integrale Bestandteile des Heldentums sind.4 So unter- scheidet Mecklenburg auch zwischen »heroischen Helden« und »höfischen Helden«.5 Den Dietrich der historischen Dietrichepik rechnet er zu den he- roischen Helden, obwohl auch dieser reflektiert und Kompromisse eingeht, aber in »Situationen heroischen Handelns« keine Handlungsalternativen zu erschließen sucht.6

Hier stellt sich die Frage, ob der Dietrich in der aventiurehaften Dietrichepik ein höfischer Held geworden ist.

2 Eckenlied, Laurin und Rosengarten

2.1 Eckenlied

Im Eckenlied zeigt sich Dietrichs Zögern besonders in den Strophen 73- 1001, in denen Ecke versucht, Dietrich zum Kampf zu überreden. Zuerst bittet Dietrich Ecke, ihm dessen Rüstung zu beschreiben, was offensichtlich nicht als Zögern aufgefasst wurde, da Dietrich noch als »unverzagit«2 be- zeichnet wird. Nachdem Ecke Rüstung und Schwert ausführlich beschrie- ben hat, weigert sich Dietrich zu kämpfen, mit der Begründung, dass das Schwert »so gůt ist, das es risen schaden tůt«3, und er sich in Bedrängnis brächte, wenn er jetzt kämpfen würde. Ecke erwidert sogleich, dass er ge- logen hat, und die Herkunft des Schwertes gar nicht kennt. Noch in der selben Strophe (85,11-13) stellt er Dietrichs Ehre als Fürst von Bern in Frage. Dietrich erklärt sich auf Grund der Beleidigung zum Kampf am nächsten Tag bereit. Ecke hat nun eigentlich sein Ziel erreicht, gibt sich damit aber nicht zufrieden. Er beschimpft Dietrich in der folgenden Strophe gleich zwei Mal als »zage«4. Hier wird Dietrichs Zagheit zum ersten Mal direkt erwähnt, nämlich kurz nachdem er einen ganz unheroischen Kompromiss schließen wollte5. Da die Situation nur mit einem Kampf enden kann, hat eine Fortsetzung der Diskussion hier nur für das Durchspielen von Argu- menten Sinn, nicht aber für den Handlungsablauf. Ein Beleg hierfür findet sich in der nächsten Strophe, in der Dietrich Ecke über den Frauendienst belehrt6. Er selbst distanziert sich zwar davon7, aber er »kennt das System, das für ihn nicht mehr relevant ist, und erkennt es - für andere, die es aus Karrieregründen noch brauchen – an«8. Man kann hier mit Sicherheit nicht von einer Grundsätzlichen Kritik am Frauendienst ausgehen, da Dietrich den Frauen, denen Ecke dient, seinen Dienst - wenn auch nur Formelhaft - anbietet. Er kritisiert vielmehr den »falsch verstandenen Frauendienst«9 Eckes, der sich aus »úberm ůt«10 in einen Kampf stürzt, der nur mit dem Tod von einem der beiden enden kann. Ecke wirft Dietrich erneut »zaghait«11 vor, beklagt, dass er ohne Kampf keine Ehre erlangen kann, und versucht schließlich erneut Dietrich mit seiner kostbaren Rüstung zu locken. Die Ar- gumente, mit denen Ecke die Diskussion begann, tauchen hier nun wieder auf. Erneut spricht er von seiner Rüstung und seinem Schwert, bezweifelt Dietrichs Ehre und fordert für seine den Kampf. Erneut wiederholt auch Dietrich seine Zusage zum Kampf am nächsten Tag. Auch noch ein drittes Mal werden Eckes Argumente und Dietrichs Absage durchgespielt. Da die Ecke »zur Verfügung stehenden Argumentationswege andauernd blockiert sind, er aber sein Ziel erreichen muß, da ihm eine andere Denkweise nicht zur Verfügung steht, bleibt nur noch ein drastisches Mittel«12 - der Verzicht auf Gottes Hilfe. Dabei ging es sicher nicht darum, Dietrich als Ritter Gottes darzustellen, sondern es ist »die Verkehrung der topischen Gottesanrufung im Kampf.«13 und es gilt wahrscheinlich, »die den Fürsten zum Kampf be- wegende Motivation antithetisch vom Frauendienst Eckes abzuheben«14.

Die Zagheit Dietrichs scheint dazu zu dienen, verschiedene Argumentati- onswege vorzuführen, vor allem zu den Themen Ehre und Frauendienst.

[...]


1 Michael Mecklenburg: Parodie und Pathos. Heldensagenrezeption in der historischen Dietrichepik. München 2002, S. 31.

2 Ebd.

3 Vgl. Jens Haustein: Die »zagheit« Dietrichs von Bern. In: Gerhard R. Kaiser (Hrsg.): Der unzeitgemäße Held. Heidelberg 1998, S. 47.

4 Ebd.

5 Mecklenburg: Parodie und Pathos, 2002, S. 32.

6 Ebd., S. 32/33.

1 Das Eckenlied. Text, Übers. u. Kommentar von Francis B.Brévart. Stuttgart 1986.

2 Ebd., 76,1.

3 Ebd., 84,2.

4 Ebd., 87,5 und 87,12.

5 Vgl. Mecklenburg 2002, S. 31.

6 Eckenlied, 88-89.

7 Ebd., 88,5.

8 Matthias Meyer: Die Verfügbarkeit der Fiktion. Interpretationen und poetologische Untersuchungen zum Artusroman und zur avantiurehaften Dietrichepik des 13. Jahrhunderts. Heidelberg 1994, S. 210.

9 Ebd.

10 Eckenlied, 89,5.

11 Ebd., 90,3.

12 Meyer 1994, S. 211.

13 Ebd.

14 Manfred Zips: Dietrichs Aventiure-Fahrten als Grenzbereich spätheroischer mittelhoch- deutscher Heldendichtung. In: Egon Kühebacher (Hrsg.): Deutsche Heldenepik in Tirol. König Laurin und Dietrich von Bern in der Dichtung des Mittelalters. Bozen 1977,S.157.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Zagheit Dietrichs von Bern
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V32685
ISBN (eBook)
9783638333443
ISBN (Buch)
9783640137282
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zagheit, Dietrichs, Bern, Dietrichepik, Heldenepik, Dietrich von Bern, Rosengarten, Eckenlied, Laurin
Arbeit zitieren
Daniela Rabe (Autor), 2003, Die Zagheit Dietrichs von Bern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32685

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