Das Thema der nun folgenden Darlegung soll das in der aventiurehaften Dietrichepik auftretende Motiv der Zagheit Dietrichs von Bern sein. Es stellen sich die Fragen: Wie und warum entstand dieses Motiv? Wozu wurde es eingesetzt? Wie ist es in den Texten dargestellt? Im Verlauf der Ausführungen soll versucht werden zu zeigen, wie die Zagheit in den verschiedenen Texten ausgearbeitet wurde, welche Gründe für das Entstehen dieses Motivs in Frage kommen, und inwieweit ein »verzagter« Dietrich vom üblichen Heldenbild überhaupt abweicht.
Ich möchte mich hierbei auf drei Texte aus der aventiurehaften Dietrichepik beschränken: Den Laurin, das Eckenlied, und den Rosengarten D. Hier zeigt sich die Verzagtheit Dietrichs in verschiedenen Situationen und Ausformungen, so dass diese Texte mir als Beispiele besonders geeignet erscheinen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Heroisches Ethos
2 Eckenlied, Laurin und Rosengarten
2.1 Eckenlied
2.2 Laurin
2.3 Rosengarten D
3 Zagheit
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Motiv der Zagheit des Helden Dietrich von Bern innerhalb der aventiurehaften Dietrichepik. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich dieses Motiv in verschiedenen Texten darstellt, welche Entstehungsgründe vorliegen und inwiefern ein zögerlicher Dietrich vom traditionellen Heldenbild abweicht.
- Analyse des heroischen Ethos im Vergleich zum höfischen Heldenbild.
- Untersuchung des Motivs der Zagheit im "Eckenlied", "Laurin" und "Rosengarten D".
- Diskussion der literarischen Funktion des Zögerns als Reflexionsmittel oder parodistisches Element.
- Herleitung der Entstehung des Zagheitsmotivs im 13. Jahrhundert unter dem Einfluss des Artusromans.
- Reflektion über die Entwicklung eines "Heldentums des Gewissens".
Auszug aus dem Buch
2.3 Rosengarten D
Anders als im Laurin und im Eckenlied stellt sich die Situation im Rosengarten D dar. Dietrich erfährt von Hildebrand, dass er gegen Siegfried antreten soll. Er beginnt hier nicht wie üblich eine Diskussion, in der er sinnvolle Alternativen zum Kampf anbietet oder seinem Gegenüber den Kampf auszureden versucht, sondern nennt Hildebrand einen Verräter und Siegfried des »tiuvels man«. Danach reitet er einfach davon. Hildebrand folgt ihm, wirft ihm Feigheit vor, erreicht aber erneut nichts als Dietrichs Ablehnung. Dieser äußert den Wunsch, dass er doch lieber gegen einen »andern biderman,/ der sî von vleische und beine« zu kämpfen. Auch indem Hildebrand Dietrich anklagt – wie auch Ecke es tat – gar nicht der Fürst von Bern zu sein, erreicht er nichts. Dietrich fragt hingegen, was Hildebrand denn davon habe, wenn Dietrich »mit dem tiuvel strit« und stirbt. Dietrichs Argumente drücken hier also nichts weiter aus, als die Angst vor einem übermächtigen Gegner. Er muß erst von Hildebrand ausgetrickst werden um schließlich doch noch zu kämpfen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Motivs der Zagheit Dietrichs von Bern und Darlegung der Untersuchungsschwerpunkte anhand ausgewählter Texte.
1 Heroisches Ethos: Abgrenzung des heroischen vom höfischen Heldenbild sowie Reflexion über Dietrichs Position innerhalb dieser Kategorien.
2 Eckenlied, Laurin und Rosengarten: Analyse der Ausprägung und Funktion des Zögerns in den drei spezifischen Erzählungen.
2.1 Eckenlied: Untersuchung der Zagheit als Argumentationsmittel im Kontext von Ehre und Frauendienst.
2.2 Laurin: Betrachtung der Zagheit Dietrichs als Mittel zur Reflexion höfischer Tugenden gegenüber einem zwergischen Kontrahenten.
2.3 Rosengarten D: Aufzeigen der parodistischen Nutzung des Motivs zur bewussten Brechung heroischer Konventionen.
3 Zagheit: Diskussion über die historische Entstehung und die Motivation hinter dem Zagheitsmotiv im 13. Jahrhundert.
Schluss: Zusammenfassende Bewertung der Zagheit als Element zur Übertragung des höfischen Ritterbildes auf die Heldendichtung.
Schlüsselwörter
Dietrich von Bern, Dietrichepik, Zagheit, Heldenbild, Aventiure, Eckenlied, Laurin, Rosengarten D, heroisches Ethos, höfischer Held, Literaturgeschichte, 13. Jahrhundert, Rittertum, Parodie, Frauendienst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das spezifische literarische Motiv der "Zagheit" (Zögern, Feigheit) der Figur Dietrich von Bern innerhalb der sogenannten aventiurehaften Dietrichepik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das heroische Ethos, die Abgrenzung zwischen heroischem und höfischem Heldentum sowie der Einfluss zeitgenössischer Artusromane auf die mittelalterliche Heldendichtung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu ergründen, warum Dietrich als Held plötzlich zaghaft agiert, welche Funktionen dieses Motiv in den Texten erfüllt und ob es sich um eine Abkehr vom traditionellen Heldenbild handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär textimmanente Beobachtungen (Textstellenvergleiche) mit literaturhistorischen Kontextualisierungen verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert drei Werke – das "Eckenlied", den "Laurin" und den "Rosengarten D" – und vergleicht, wie dort das Zögern des Protagonisten jeweils unterschiedlich eingesetzt wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Dietrich von Bern, Dietrichepik, Zagheit, heroisches Ethos, höfischer Held, Aventiure und literarische Parodie.
Warum tritt Dietrich im "Rosengarten D" anders auf als in anderen Texten?
Im "Rosengarten D" wird das Motiv der Zagheit nicht zur ernsthaften philosophischen Reflexion über Ehre genutzt, sondern dient als bewusste parodistische Zuspitzung des Heldenbildes.
Spielt die historische Einordnung der Texte eine Rolle?
Ja, die Arbeit argumentiert, dass das Zagheitsmotiv erst im 13. Jahrhundert entstand, um die Heldendichtung an den populären Artusroman anzugleichen und Dietrich als reflektierenden Helden darzustellen.
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- Daniela Rabe (Author), 2003, Die Zagheit Dietrichs von Bern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32685