Interdependenztheorie


Hausarbeit, 1999
25 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Erläuterung des Begriffs „Interdependenz“
1.2 Abgrenzung zwischen Interdependenz und Realismus
1.3 Fragestellung

2. Interdependenz-Debatte
2.1 Geschichte der Interdependenz-Debatte
2.2 Ideologische Einordnung der „Komplexen Interdependenz“

3. Interdependenz gemäß Rohen Keohane und Joseph Nye
3.1 Komplexe Interdependenz
3.2 Interdependenz-,,Empfindlichkeit“ und -„Verwundbarkeit“ (Diagramm 1 + 2)
3.3 Vergleich zwischen Realismus und Komplexer Interdependenz (Tabelle 1)
3.4 Interdependenz als intervenierende Variable (Diagramm 3 + 4)

4. Symmetrische und asymmetrische Interdependenz (Diagramm 5)

5. Kritik am Interdependenzansatz

6. Kritik an der Komplexen Interdependenz gemäß Keohane und Nye

7. Fazit

8. Anmerkungen

9. Literaturverzeichnis

Anhang [siehe folgende Seiten]

1. Einleitung

1.1 Erläuterung des Begriffs „Interdependenz“

Interdependenz bedeutet gegenseitige Abhängigkeit. In der internationalen Politik wird Interdependenz häufig als („modischer“) Begriff gebraucht, um zwischenstaatliche Bezieh­ungen in der Gegenwart zu beschreiben.

Allgemein läßt sich Interdependenz dadurch definieren, daß zwischen (mindestens zwei) Akteuren eine Interessengleichheit vorliegt, die nach einer globalen politischen Ordnung im Weltgeschehen strebt.

Interdependenz führt zu steigenden Verflechtung und wechselseitige Abhängigkeit von Akteuren im Staatensystem.

1.2 Abgrenzung zwischen Interdependenz und Realismus

Der Realismus stellt die Welt als ein dezentrales, anarchisches Staatensystem dar, in dem weder eine internationale Rechtsgrundlage noch eine übergeordnete Institution für Ordnung sorgt. Im Gegensatz dazu geht der Interdependenzansatz davon aus, daß die Welt aus einem Geflecht internationaler Transaktionen besteht, die wechselseitige Abhängigkeiten schafft und die Entstehung internationaler Organisationen unterstützt. Die Stabilität im Weltsystem wird nicht (wie im Realismus) durch einen übergeordneten Hegemon, sondern durch internationale Kooperation hergestellt.

1.3 Fragestellung

So stellt sich die Frage, welche neuen (zusätzlichen) Erkenntnisse der Interdependenzansatz im Allgemeinen und das Modell der Komplexen Interdependenz gemäß Robert Keohane und Joseph Nye im Speziellen aufgrund des neuen, vom Realismus abweichenden Ansatzes gewinnt. Ist das Interdependenzmodell universell auf alle Akteure im internationalen Staatensystem anwendbar, oder gibt es auch Ausnahmesituationen?

Zur Beantwortung dieser Frage wird zunächst auf die Geschichte der Interdependenz-Debatte eingegangen. Der nächste Abschnitt behandelt die Komplexe Interdependenz gemäß Robert Keohane und Joseph Nye, zwei der bedeutensten Vertreter des Neoliberalismus. Hier sollen (mit Hilfe von Diagrammen und Tabelle) die (neuen) Wege des Erkenntnisgewinnes der Komplexen Interdependenz aufgezeigt werden und wie sie sich von denen des Realismus unterscheiden. Danach folgt die Differenzierung zwischen zwei divergierenden Verständnissen der Interdependenz (symmetrische und asymmetrische). Nach einer allgemeinen Kritik am Interdependenzansatzes wird speziell das Modell der Komplexen Interdependenz kritisiert. Abschließend soll das Fazit versuchen eine Antwort auf die Fragestellung zu geben und einen möglichen Lösungsweg anzubieten.

2. Interdependenz-Debatte

2.1 Geschichte der Interdependenz-Debatte

Vor dem Thematisieren in der Politologie findet der Begriff der Interdependenz, als Beschrei­bung für die wechselseitigen Beziehungen zwischen internationalen Akteuren und ihre Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, Währungspolitik, und die Volkswirtschaften einzelner Staaten Eingang in die klassischen Lehre der Wirtschaftswissenschaften.

In der Politikwissenschaft setzte das „Interdependenzverständnis“ der Welt / des Welthandels erst später (in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts) ein. Während der ersten großen, traditionellen Debatte zwischen dem Realismus und dem Idealismus, bei der sich Ende der 40er Jahre die realistische Weitsicht durchsetzte, verlor der Begriff der Interdependenz an normativer, prägender Bedeutung und wurde zur simplen Beschreibung internationaler Aktivitäten. Gründe für das Durchsetzen des Realismus, als dominierende Sichtweise in den internationalen Beziehungen, lassen sich u.a. im Scheitern des (idealistisch geprägten) Völkerbundes (Ausbruch des Zweiten Weltkrieges) und in der starken Hegemonialstellung der USA in der Welt unmittelbar nach Kriegsende finden.

In den 60er Jahren findet der Interdependenzbegriff in der amerikanischen Außenpolitik eine neue Bedeutung. Hier beschrieb er aber nicht die steigende Vernetzung und gegenseitige Abhängigkeit, sondern das (amerikanische) Streben, die Welt (durch Interventionspolitik) zu verändern.

In den späten sechziger und frühen 70er Jahren wurde der Interdependenzansatz erstmals als wissenschaftliche Methode zum Erkenntnisgewinn über internationale Zusammenhänge benutzt. Drei wichtige Werke prägen das Interdependenzverständnis während der 70er und 80er Jahre.

Bei dem ersten Werk handelt es sich um „International Organization“ aus dem Jahre 1971/72 von Robert Keohane und Joseph Nye, das sich auf die transnationalen Beziehungen und auf die Weltpolitik bezieht. Es hinterfragt die Homogenität des Staates (wie aus realistischer Sicht) und behandelt die Wichtigkeit nicht-staatlicher Akteure, wie z.B. die Römisch­Katholische Kirche, die Ford Foundation und multinationale Firmen.

„Power and Interdependence“ (1977), ebenfalls von den beiden Autoren, stellt das zweite bedeutende Werk dieser Zeit dar. Hier diskutieren Keohane und Nye, in Abgrenzung wir Realismus, die Rolle von Akteuren und internationalen Organisationen in den internationalen Beziehungen, die Bedeutung von militärischer Macht und die Rangfolge bzgl. außenpolitischer Ziele.

Das dritte Werk „International Organization“ aus dem Jahre 1982 von Stephen D. Krasner bezieht sich auf internationale Regime, wobei realistische als auch liberale Sichtweisen behandelt werden.

Trotz des großen Einflusses dieser Werke konnte sich das Interdependenz-Modell nicht als dominierende Sichtweise durchsetzen.

Unter den Vertretern der Gegenrichtung, dem (Neo-)Realismus, befindet sich u.a. Joseph M. Grieco, Robert Gilpin und Kenneth Waltz. Sie sind es, an die sich die neoliberale Kritik adressiert.

Die Interdedependenz-Debatte beschäftige sich weniger mit der Richtigkeit der empirische Ergebnisse über den Zustand der internationalen Beziehungen, sondern mehr mit der Frage, ob die zwischenstaatliche Abhängigkeit Auswirkungen auf die Innenpolitik und den Handlungsspielraum in der Gestaltung der Außenpolitik der einzelnen Staaten habe.

Einerseits wird die steigende wechselseitige Abhängigkeit als Verlust des Handlungsspiel­raums nationalstaatlicher Politik angesehen. Mit anderen Worten, die politische Einflußnahme der einzelnen Staaten auf das internationale Kräftespiel wird durch die gegenseitige Abhängigkeit eingeschränkt.

Andererseits existiert die Vorstellung, daß es durch die Ausweitung der Einflußnahme der Staatsführung in den Bereichen der nationalen Wirtschaft und Gesellschaft zu einer Relativierung von externen Einflüssen und damit zu größeren staatlicher Unabhängigkeit komme.

Ein Versuch, die Unterschiede in der Auffassung durch die Beschränkung der Analyse auf Sicherheits- und Wirtschaftsfragen zu beschränken, brachte keine wirkliche Zufrieden-stellung.

2.2 Ideologische Einordnung der „Komplexen Interdependenz“

Das Modell der Komplexen Interdependenz ist in den „Neoliberalismus“ einzuordnen, obwohl Keohane und Nye sich in ihrem Werk „Power and Interdependence“ nicht in eine spezielle Denkrichtung einordnen: „[...] although our analysis was clearly rooted in interdependence theory, which shared key assumptions with liberalism, we made no effort to locate ourselves with respect to the liberal tradition.“[1] Dennoch handelt es sich um ein idealistisches Modell. Der Neoliberalismus geht davon aus, daß die internationalen politischen Prozesse nicht (wie aus realistischer Sicht) auf dem Prinzip des Nullsummenspiels; der Zuwachs an Macht eines Akteurs bedeutet automatisch Verlust an Macht eines anderen Akteurs beruhen. Das neoliberale Ziel ist es durch Kooperation nationale Wohlfahrt zu erreichen. Die Vertreter des Neoliberalismus wenden sich vom Realismus ab, der ihrer Auffassung nach zu sehr auf sicherheits- und konfliktpolitischem Denken basiert. Dieses Verständnis vertreten auch Robert Keohane und Joseph Nye in ihrem Werk „Power and Interdependence“.

[...]


[1] Keohane, Robert O. und Nye, Joseph: „Power and Interdependence“, Seite 248

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Interdependenztheorie
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Aktuelle Beiträge zur Theorie der Internationalen Beziehungen
Note
1,3
Autor
Jahr
1999
Seiten
25
Katalognummer
V32707
ISBN (eBook)
9783638333627
Dateigröße
4036 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interdependenztheorie, Aktuelle, Beiträge, Theorie, Internationalen, Beziehungen
Arbeit zitieren
Roderik Gross (Autor), 1999, Interdependenztheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32707

Kommentare

  • Gast am 12.6.2008

    Interdepedenztheorie.

    Habe mir die Arbeit Interdependenztheorie heruntergeladen, da ich mich im Rahmen meiner Magisterarbeit mit dem Thema befasse. Über die inhaltliche Qualität des Textes kann ich nicht viel sagen, da ich nach den ersten Seiten aufgehört habe zu lesen. Das große Manko für mich waren die fehlenden Literaturangaben. Weite Teile des Textes - darunter auch zentrale Textstellen z. B. zur Begriffserläuterung und zur Geschichte der Interdependenz-Debatte - werden überhaupt nicht belegt. Genau deshalb bringt diese Hausarbeit für eine wissenschaftliche Weiterverwertung keinen Nutzen. Ich hatte von einer Arbeit, die mit 1,3 benoteten ist, mehr erwartet.

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