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Bildungssysteme in Europa: PISA und die Folgen. Perspektiven und Konzepte zum Abbau der sozialen Ungleichheit

Title: Bildungssysteme in Europa: PISA und die Folgen. Perspektiven und Konzepte zum Abbau der sozialen Ungleichheit

Seminar Paper , 2003 , 32 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Claudia Karrasch (Author)

Sociology - Work, Education, Organisation
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Summary Excerpt Details

[...] Sätestens dann, wenn man sich noch die
PISA-E Ergebnisse anschaut, fragt man sich welche Gründe für ein solches Abschneiden
vorliegen und welche Konsequenzen dies für das deutsche Bildungssystem hat.
Mitte 1960 wurde das deutsche Bildungssystem reformiert in der Hoffnung, mehr soziale
Gerechtigkeit und Chancengleichheit zu erzeugen. Die Hochschulen wurden ausgebaut,
der Zugang zum sekundären Bildungssystem vereinfacht und das dreigliedrige
Schulsystem, mit Haupt-, Realschule und Gymnasium eingeführt. Jedoch musste die
aktuelle Sozialstrukturanalyse feststellen, dass die, durch die Bildungsreform ausgelöste
Bildungsexpansion nicht, wie erwartet, zu mehr Chancengleichheit und einer Öffnung des
Bildungssystems für sozial unterprivilegierte Schichten geführt hat. Allerdings sind
Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit in der modernen u. demokratischen
Gesellschaft wie der BRD allgemein wichtige und akzeptierte Werte. Die aktuellen
Gegebenheiten zeigen aber deutlich, dass das deutsche Bildungssystem, als
Verteilungsinstanz formaler Bildungsabschlüsse, noch weit von seinem Anspruch auf
Chancengleichheit entfernt ist. Da aber Erfolg in Bildungssystem und das Erlangen
formaler Bildungsabschlüsse direkte Auswirkungen auf den sozialen Status der Individuen
haben, bedeutet eine ungleiche Verteilung von Bildungschancen eine Reproduktion
sozialer Ungleichheit.
Um ein besseres Verständnis für den Sachverhalt zu erzielen wird anfangs näher auf die
PISA-Studie und auf deren Ergebnisse eingegangen. Darauf basierend wird dann im
Folgenden auf den Begriff der Chancengleichheit und der damit verbundenen Problematik
bzgl. der Strukturen der sozialen Ungleichheit im Bildungssystem eingegange n. Auf
Grundlage dieser Erkenntnis werden die Perspektiven eines sozial gerechten
Bildungssystem, also ein Bildungssystem, das die Problematik der sozialen Ungleichheit
im Bildungssystem als solche erkennt und aktiv bemüht ist sie zu bekämpfen, diskutiert.
Dabei soll die Konzeption der Gesamtschule hervorgehoben werden, die zwar oftmals
kritisiert wird, aber gerade im Kontext der PISA-Studie wieder in den Mittelpunkt der
Diskussion gerückt ist, da der europäische Spitzenreiter Finnland mit seinen staatlichen
Gesamtschulsystem sehr gute Ergebnisse, vor allem auch unter dem Gesichtspunkt des
Abbaus herkunftsspezifischer Chancenungleichheit, erzielt hat.

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

2. Anliegen von Pisa

2.1 Wer nimmt an Pisa teil?

2.2 Bereichsspezifische Konkretisierung der Untersuchungen

2.3 Basiskompetenzen und Lebensführung

2.4 Kompetenzerwerb in der Schule: Ein allgemeines Erklärungsmodell

2.5 Ergebnisse der PISA – Studie

3. PISA-E Allgemein

3.1 Was und wie wurde untersucht?

3.2 Ergebnisse der PISA-E Studie

3.2.1 Ergebnisse hinsichtlich der Geschlechterunterschiede

3.2.2 Ergebnisse hinsichtlich der sozialen Herkunft

3.2.3 Ergebnisse hinsichtlich der Lebens- und Lernbedingungen

4. Das deutsche Bildungssystem

4.1 Das deutsche Schulsystem

4.1.1 Elementarbereich

4.1.2 Sekundarbereich I

4.1.3 Sekundarbereich II

4.2 Die Bedeutung formaler Bildungsabschlüsse

4.3 Chancengleichheit im Bildungssystem

4.4 Soziale Ungleichheit trotz Bildungsexpansion

4.5 Soziale Ungleichheit durch Habitus und Lebensstiel

5. Perspektiven eines sozial integrierenden Schul- und Bildungssystem

5.1 Ökonomische Benachteiligung

5.2 Benachteiligung durch das dreigliedrige Schulsystem

5.3 Soziokulturell bedingte Benachteiligung

6. Die Gesamtschule – Versuch einer Chancengleichheit abbauenden Konzeption

6.1 Konzept der Gesamtschulen

6.2 Die Gesamtschule und Chancengleichheit

6.3 Probleme der Gesamtschule

7. Schlussbemerkung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit analysiert das deutsche Bildungssystem vor dem Hintergrund der PISA-Studie und der damit verbundenen Kritik an der Reproduktion sozialer Ungleichheit. Ziel ist es, Konzepte zu erörtern, wie herkunftsspezifische Chancenungleichheiten durch ein integrativeres Schulsystem abgebaut werden können.

  • Analyse des PISA-Programms und der Ergebnisse für Deutschland.
  • Untersuchung der strukturellen Ursachen sozialer Ungleichheit im deutschen Schulsystem.
  • Diskussion der Bedeutung von "Habitus" und soziokulturellen Faktoren für den Bildungserfolg.
  • Evaluation der Gesamtschule als Instrument zur Förderung von Chancengleichheit.
  • Entwicklung von Anforderungen an ein sozial integrierendes Unterrichtskonzept.

Auszug aus dem Buch

4.5 Soziale Ungleichheit durch Habitus und Lebensstiel

Der Begriff des Habitus ist ursprünglich auf Pierre Bourdieu zurückzuführen. In seinen frühen Arbeiten über Algerien stellte er fest, dass der Ansatz des ökonomisch rationalen Handelns keine allgemeingültige Art des Denkens und Handelns darstellt, sondern an soziale Voraussetzungen geknüpft ist. Des Weiteren stellt sich heraus, dass selbst das Handeln, welches nicht rationalen Vorgaben folgt, seinerseits ebenfalls an soziale Verhältnisse und Strukturen geknüpft ist. Dieses Handeln wird nach Bourdieu durch den Habitus bestimmt. Bourdieu geht von einer Art Klassengesellschaft aus, würde man nach ihm die „Existenz von Klassen“ leugnen, so würde man nach Bourdieu „die Existenz von Unterschieden und Unterscheidungsprinzipien überhaupt“ leugnen. Da für ihn aber der Klassenbegriff jedoch nicht ausreichend ist, lehnt er es ab von sozialen Klassen zu sprechen.

Als typisch für ständische Gesellschaften kann die von Max Weber beobachtete Tendenz angesehen werden, dass soziale Gruppen ihre eigenen Standesmerkmale gegenüber Nichtangehörigen abzuschließen versuchen, um die Chance auf ein hohes Sozialprestige dauerhaft zu monopolisieren. Neu hingegen ist die Begründung durch den Habitus, also nicht durch ein reines materialistisches Machtstreben nach sozialem Kapital, sondern durch die Entstehung der Identität vermittels der eigenen Lebenswelt. Das durch die Auslebung des Habitus eine Reproduktion von sozialen Klassen gefördert wird ist hierbei wichtig, aber nur sekundär, da dies nicht das alleinige Ziel der einzelnen Schichten ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert das deutsche Bildungssystem nach den PISA-Ergebnissen und die Kritik an der mangelnden Chancengleichheit durch die Bildungsexpansion.

2. Anliegen von Pisa: Dieses Kapitel erläutert das PISA-Programm als Instrument zur Erfassung basaler Kompetenzen und dessen methodische Grundlagen.

3. PISA-E Allgemein: Es werden die spezifisch deutschen Daten des nationalen Ergänzungstests sowie geschlechts- und herkunftsspezifische Unterschiede bei den Ergebnissen dargelegt.

4. Das deutsche Bildungssystem: Das Kapitel beschreibt den Aufbau des Schulsystems, die Bedeutung von Abschlüssen und die soziokulturelle Verstärkung sozialer Ungleichheit.

5. Perspektiven eines sozial integrierenden Schul- und Bildungssystem: Hier werden ökonomische und kulturelle Benachteiligungen diskutiert sowie Anforderungen an Lehrpersonal zur Förderung von Chancengleichheit formuliert.

6. Die Gesamtschule – Versuch einer Chancengleichheit abbauenden Konzeption: Dieses Kapitel analysiert das Konzept, die Stärken und die spezifischen Probleme der Gesamtschule als Alternative zum dreigliedrigen Schulsystem.

7. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Notwendigkeit, soziale Ausleseprozesse zu erkennen und durch ein integratives Schulsystem entgegenzuwirken.

Schlüsselwörter

PISA, deutsche Bildungssystem, Chancengleichheit, soziale Ungleichheit, Bildungsexpansion, Habitus, Pierre Bourdieu, Gesamtschule, Migration, Schichtspezifische Benachteiligung, Leistungsbewertung, Schulerfolg, Soziokulturelle Integration, Schulformwechsel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das deutsche Bildungssystem im Kontext der PISA-Studie und analysiert, wie soziale Ungleichheit trotz Bildungsreformen reproduziert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen, das Konzept des Habitus sowie der Vergleich zwischen dem dreigliedrigen Schulsystem und der Gesamtschule.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, die ungleichheitsverstärkenden Strukturen im deutschen Schulwesen aufzuzeigen und Perspektiven für ein sozial integrierendes Bildungssystem zu diskutieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit soziologischen Konzepten (insb. von Pierre Bourdieu) sowie eine Auswertung empirischer Ergebnisse aus PISA-Studien.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden das PISA-E Projekt, der Aufbau des deutschen Schulsystems, die Rolle sozialer Herkunft und Kultur sowie die Möglichkeiten und Probleme der Gesamtschule detailliert analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind unter anderem PISA, Chancengleichheit, soziale Ungleichheit, Habitus, Schichtspezifische Benachteiligung und Gesamtschule.

Warum spielt der "Habitus" nach Bourdieu eine so große Rolle für den Schulerfolg?

Der Habitus prägt die Denk- und Verhaltensweisen der Individuen. Da das Schulsystem an Werten der Mittelschicht orientiert ist, haben Schüler, deren Habitus davon abweicht, systematische Nachteile beim Schulerfolg.

Warum hat die Gesamtschule laut der Autorin ein Imageproblem?

Das Imageproblem resultiert aus der Sorge vieler Eltern, dass das Bildungsniveau hinter dem des Gymnasiums zurückbleiben könnte, was dazu führt, dass begabte Schüler seltener an Gesamtschulen angemeldet werden.

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Details

Title
Bildungssysteme in Europa: PISA und die Folgen. Perspektiven und Konzepte zum Abbau der sozialen Ungleichheit
College
University of Wuppertal
Course
Spezielle Soziologie
Grade
2,3
Author
Claudia Karrasch (Author)
Publication Year
2003
Pages
32
Catalog Number
V32745
ISBN (eBook)
9783638333955
ISBN (Book)
9783656818823
Language
German
Tags
Bildungssysteme Europa PISA Folgen Kontext Ungleichheit Schul- Bildungssystem Perspektiven Konzepte Abbau Chancenungleichheit Spezielle Soziologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Claudia Karrasch (Author), 2003, Bildungssysteme in Europa: PISA und die Folgen. Perspektiven und Konzepte zum Abbau der sozialen Ungleichheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32745
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