Unser Interesse an einer Auseinandersetzung mit der Thematik der Essstörungen wurde durch verschiedene universitäre Veranstaltungen sowie die Teilnahme an dem in diesem Jahr stattgefunden Kongress „Traumkörper-Körpertraum(a)“ geweckt. Des weiteren absolviert Kathrin Häfke ihr erstes Praktikum bei Kabera e.V., einer Kasseler Beratungsstelle für Essstörungen. Anorexia nervosa und Bulimia nervosa werden von uns wegen des häufigen Auftretens und den dramatischen Krankheitsverläufen als Thema gewählt. Es ist gleichermaßen faszinierend und erschreckend, dass in unserer heutigen Wohlstandsgesellschaft, in der es kaum jemandem an materiellen Dingen mangelt, insbesondere junge Menschen zu Maßnahmen wie Hungern und Erbrechen greifen. Da diese Symptome von Großteilen der Bevölkerung noch immer zu pubertären, vorübergehenden Verhaltensweisen bagatellisiert werden, möchten wir mit dieser Studienarbeit vor allem informieren und Verständnis wecken. Laut einer Studie von Kabera haben bereits 46% der 11-13jährigen Mädchen und 17% der 11-13jährigen Jungen in Deutschland Diäterfahrung. Diese erschreckenden Zahlen verdeutlichen, dass das durch die Medien propagierte Schönheitsideal bis heute hauptsächlich die weibliche Bevölkerung beeinflusst. Nur ca. 5% aller Erkrankten sind männlich. Dies, und der begrenzte Rahmen einer Studienarbeit, begründen die ausschließliche Betrachtung der weiblichen Erkrankten. Frauke Koch beschäftigt sich mit der Anorexia nervosa, während Kathrin Häfke die Bulimia nervosa genauer betrachtet. Trotz dieser Aufteilung weisen wir darauf hin, dass bei vielen Patientinnen die Krankheitsbilder nicht immer klar voneinander abzugrenzen sind. Mögliche Hilfsangebote werden dann gemeinsam erläutert. Die Arbeit beginnt mit allgemeinen Informationen und einem historischen Überblick. Anschließend wird das jeweilige Krankheitsbild ausführlich dargestellt. Wir folgen hier den von der American Psychiatric Association und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgegebenen Klassifikationssystemen, dem Diagnostischen und Statistischen Manual psychischer Störungen (DSM- IV) und der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD- 10). [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.1. Historische Aspekte
2.2. Das Krankheitsbild
2.2.1 Diagnosekriterien
2.2.3 Komorbide Erkrankungen
2.2.4 Symptomatisches Verhalten
2.2.5 Somatische Begleiterscheinungen
2.2.6 Krankheitsverlauf
2.3. Suchtimmanente Aspekte
2.4. Ätiologie
2.4.1 Familiensituation
2.4.2 Individuelle Faktoren
2.4.3 Gesellschaftliche Faktoren
2.4.4 Biologische Faktoren
2.6. Therapieansätze
2.6.1 Psychoanalytischer Ansatz
2.6.2 Verhaltenstherapeutischer Ansatz
2.6.3 Familientherapeutischer Ansatz
2.6.4 Feministischer Ansatz
3. Bulimia nervosa
3.1. Das Krankheitsbild
3.1.1 Diagnosekriterien
3.1.2 Komorbide Erkrankungen
3.1.3 Symptomatisches Verhalten
3.1.4 Somatische Begleiterscheinungen
3.1.5 Krankheitsverlauf
3.2. Ätiologie
3.2.1 Familiäre Ursachen
3.2.2 Sexueller Missbrauch
3.2.3 Individuelle Faktoren
3.2.4 Gesellschaftliche Faktoren
3.2.5 Biologische Ursachen
3.3 Therapieansätze
3.3.1 Psychoanalytischer Ansatz
3.3.2 Verhaltenstherapeutischer Ansatz
3.3.3 Familientherapie
4. Hilfsangebote
4.1. Ambulante Behandlung
4.2. Stationäre Behandlung
4.3. Selbsthilfe
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit den Krankheitsbildern Anorexia nervosa und Bulimia nervosa auseinander, mit dem Ziel, über die Symptomatiken zu informieren und das Verständnis für betroffene Frauen zu fördern. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Ursachen, den verschiedenen Erscheinungsformen sowie den gängigen therapeutischen Ansätzen.
- Historische Entwicklung und Einordnung der Krankheitsbilder
- Diagnostik nach DSM-IV und ICD-10
- Familiäre und gesellschaftliche Einflussfaktoren
- Vergleich psychotherapeutischer Behandlungsansätze
- Hilfsangebote und Reintegrationsmöglichkeiten
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Familiensituation
Für die Anorektikerin spielt die Familie vermutlich eine noch größere Rolle als für die Bulimikerin, denn die anorektischen Mädchen sind meist noch in der Pubertät und leben bei ihren Eltern. Daher erscheint die Betrachtung der Familie als besonders wichtig.
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wiesen Gull und Lasègue auf mögliche Zusammenhänge zwischen familiären Bedingungen bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Anorexia nervosa hin. „Die beiden (der Kranke und die Familie) sind eng miteinander verbunden, und wir würden eine falsche Vorstellung dieser Krankheit erwerben, wenn wir uns nur auf die Untersuchung des Patienten beschränken würden“ (Lasegèue zit. in Gerlinghoff/Backmund/Mai 1988, S. 142).
Die Familien anorektischer Patientinnen legen großen Wert auf die Einhaltung gesellschaftlicher Normen. Pflichterfüllung, Anstand, Leistung und Bildung sind von großer Bedeutung. Die Rollenverteilung entspricht der Tradition, das heißt der Vater ist der Kopf der Familie und der Ernährer, die Mutter übernimmt die Haushaltsführung und Kindererziehung. Sie achtet auf ihren Mann und ihre Kinder und sorgt dafür, dass alles harmonisch abläuft. Da in diesen Familien großer Wert auf Karriere, Erziehung, Ausbildung und Fitness gelegt wird, bestimmen die damit verbundenen Arbeiten und Termine den Alltag.
Mit der Ausnahme von konventionellen, gesellschaftlichen Kontakten leben die Familien von Magersüchtigen sehr isoliert. Da die Magersüchtigen durch den Mangel an Außenkontakten wenig Alternativen zum Umgang mit der Familie kennen, kann ihnen dadurch die Loslösung vom Elternhaus erschwert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Verfasserinnen erläutern ihre Motivation, sich mit Essstörungen zu beschäftigen, und führen in die medizinische sowie gesellschaftliche Relevanz des Themas ein.
2. Anorexia nervosa: Dieses Kapitel detailliert das Störungsbild der Magersucht, inklusive historischer Aspekte, Diagnosekriterien, Ursachenforschung und diverser therapeutischer Strategien.
3. Bulimia nervosa: Hier wird das Krankheitsbild der Bulimie mit Fokus auf Symptomatik, Suchtcharakteristik, Ätiologie und spezifische Behandlungsmethoden analysiert.
4. Hilfsangebote: Das Kapitel bietet einen Überblick über ambulante, stationäre Behandlungsformen sowie Selbsthilfemodelle als Unterstützung im Genesungsprozess.
5. Schluss: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion der Ergebnisse und betont die Notwendigkeit einer individuellen, spezialisierten Therapie.
Schlüsselwörter
Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Essstörungen, Magersucht, Familiendynamik, Psychotherapie, Körperbild, Gewichtsreduktion, Essattacken, Diagnose, Sucht, Sozialwesen, Pubertät, Weiblichkeit, Prävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den psychischen Störungen Anorexia nervosa und Bulimia nervosa, ihren Ursachen, Symptomen und den Möglichkeiten ihrer Behandlung bei weiblichen Patienten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören das Krankheitsbild, die Familienstruktur der Betroffenen, individuelle psychische Faktoren sowie gesellschaftliche Einflüsse und therapeutische Ansätze.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, fundiert über das Krankheitsgeschehen zu informieren und Verständnis für die komplexe Situation der Betroffenen zu wecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die Klassifikationssysteme wie DSM-IV und ICD-10 sowie verschiedene psychoanalytische, verhaltenstherapeutische und systemische Konzepte miteinbezieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist in die zwei Krankheitsbilder gegliedert und behandelt jeweils deren Historie, Diagnose, somatische Folgen, Ätiologie und Therapiemöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Essstörungen, Sucht, Familiendynamik, Körperbild und Therapieansätze charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die familiäre Situation bei Anorexie und Bulimie laut der Studie?
Während bei Anorektikerinnen oft ein gehobenes Bildungsbürgertum und hohe Erwartungen im Vordergrund stehen, sind Bulimikerinnen häufiger häuslicher Gewalt und Konflikten in größeren Familien ausgesetzt.
Warum ist der feministische Therapieansatz in dieser Arbeit kritisch betrachtet worden?
Die Verfasserinnen bewerten ihn kritisch, da er sich ihrer Meinung nach zu stark auf eine rein gesellschaftliche Betrachtungsweise stützt und andere wichtige individuelle Faktoren vernachlässigt.
- Quote paper
- Kathrin Häfke (Author), Frauke Koch (Author), 2004, Anorexia nervosa und Bulimia nervosa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32826