„Während in Entwicklungsländern Kinder von ihren Eltern oft nicht ernährt werden können, landen sie in Deutschland auf der Straße, da sie emotional verhungern.“ 1
Diese Arbeit befasst sich mit Kindern und Jugendlichen, die die Straße - zumindest zeitweise - als ihr Lebensumfeld gewählt haben oder wählen mussten. Was treibt oder zieht die jungen Menschen auf die Straße? Ist es emotionale Kälte in den Familien, eine Antwort auf eine sich wandelnde Gesellschaft, ein Versagen der Schulen oder gar der Jugendhilfe?
Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Ursachen dieses Phänomens aufzuzeigen, die Arbeit seitens der Jugendhilfe -auch kritisch - zu betrachten und nach Ansätzen zu suchen, wie diese verbessert werden könnte.
Ausgehend von der Lebensphase Jugend, um dem Leser einen kurzen Einblick in die Problematik dieser Lebensphase geben, werden anschließend die vorhandenen Fakten des Phänomens Straßenkinder und -jugendliche (Definition, Zahlen, rechtliche Grundlagen) geklärt. Es folgt die eingehende Auseinandersetzung mit den Ursachen im gesellschaftlichen, familiären und schulischen Bereich. In wieweit die Ursachen in einer Anziehungskraft der Straße oder im Versagen der Jugendhilfe zu finden sind, sollen die dann folgenden Kapitel klären.
Am Ende der Arbeit wird ein innovatives Projekt der Jugendhilfe in den Niederlanden vorgestellt und der Frage nachgegangen, inwiefern sinnvolle präventive Maßnahmen in Deutschland v orhanden sind.
Zur besseren Lesbarkeit dieser Arbeit werde ich ausschließlich die männliche Version von Personen- und Berufsbezeichnungen verwenden (z.B. Sozialarbeiter anstatt Sozialarbeiterin), meine aber - außer es ist ausdrücklich vermerkt - beide Geschlechter.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Das Jugendalter
1.1 Definition des Jugendalters
1.2 Probleme des Jugendalters
2. Straßenkinder und -jugendliche in Deutschland
2.1 Definition
2.2 Zahlen und Umfang
2.3 Rechtliche Grundlagen
2.4 Ursachen
2.4.1 Gesellschaftliche Ursachen
2.4.2 Familiäre Ursachen
2.4.3 Schulische Ursachen
2.4.4 Ursachen in der Anziehungskraft der Straße
2.4.5 Ursachen im Jugendhilfesystem (?)
2.4.5.1 Das niederländische Modell INSTAP – eine Alternative?
2.4.5.2 Forderungen an die Präventionsarbeit
3. Was fehlt
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Straßenkinder und -jugendlichen in Deutschland, analysiert die Ursachen für das Entstehen von "Straßenkarrieren" und hinterfragt kritisch die Ansätze der bestehenden Jugendhilfe, um Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
- Analyse der Lebensphase Jugend und deren Herausforderungen
- Untersuchung gesellschaftlicher, familiärer und schulischer Ursachen für Obdachlosigkeit
- Kritische Auseinandersetzung mit rechtlichen Rahmenbedingungen und dem Jugendhilfesystem
- Vorstellung innovativer Präventionsmodelle (z.B. INSTAP)
Auszug aus dem Buch
2.4.5 Ursachen im Jugendhilfesystem (?)
Bei oberflächlicher Betrachtung erscheint es zunächst etwas befremdend zu sein, die Ursachen für ein Phänomen in den angebotenen Hilfe zu suchen, die ja darauf ausgerichtet sein sollte, diesen entgegenzuwirken. In Deutschland gibt es ein weit gefächertes Angebot an Hilfen für Straßenkindern und –jugendlichen, angefangen von Beratungsleistungen über „niedrigschwellige“ Angebote wie z.B. Streetwork und Notschlafstellen, bis hin zu sogenannten „hochschwelligen“ Angeboten wie betreutes Wohnen oder Heimunterbringung.
In Anlehnung an die Ergebnisse der Untersuchung von Permien und Zink werden Zustände in der Jugendhilfe offensichtlich, die Straßenkarrieren verursachen oder zumindest fördern können: 1. Während die Einrichtungen der niedrigschwelligen Angebote (wie Streetwork und Notschlafstellen) zwar eine Basisversorgung, aber keinen wirkliche Hilfestellung beim Ausstieg aus der Straßenkarriere bieten, scheitern Hilfsangebote in hochschwelligen Angeboten (wie Heimen und Wohngruppen) daran, dass sich die Kinder und Jugendlichen nicht an die Regelwerke dieser Einrichtungen anpassen wollen oder können. Die Autorinnen bemängeln ein Angebot, das zwischen den niedrigschwelligen und den hochschwelligen liegt.
2. Die Jugendlichen beklagen wenig Einfühlungsvermögen und Hilfestellung seitens der Ämter, fühlen sich nicht ernst genommen und an der Hilfeplanung zu wenig beteiligt. Sie werfen den Ämtern vor, in Konfliktsituationen eher Partei für die Eltern als für sie als Betroffene zu ergreifen. Sie werden vorschnell, ohne detaillierte Kenntnisse der familiären Situation und ohne weitere pädagogische Begleitung, wieder zu den Eltern zurückgeschickt. Bei einer Fremdplatzierung wird ebenso das geringe Mitspracherecht, der Einfluss der Eltern und die zu hohen Erwartungen an die Betroffenen in den Einrichtungen kritisiert (s.o).
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung führt in das Problem emotionaler Verwahrlosung ein und stellt das Ziel der Arbeit vor, die Ursachen des Phänomens "Straßenkinder" zu ergründen und die Jugendhilfe kritisch zu betrachten.
1. Das Jugendalter: Dieses Kapitel definiert das Jugendalter soziologisch und psychologisch und beleuchtet die damit verbundenen Entwicklungsaufgaben sowie die Folgen, wenn diese nicht bewältigt werden können.
2. Straßenkinder und -jugendliche in Deutschland: Hier werden Definitionen des Begriffs diskutiert, Zahlen zum Umfang der Problematik eingeordnet und die rechtlichen Rahmenbedingungen für minderjährige Obdachlose analysiert.
3. Was fehlt: Der Autor grenzt den Untersuchungsgegenstand ein und reflektiert, welche Aspekte (wie das Überleben auf der Straße) aufgrund mangelnder Quellenlage oder mangelnder Relevanz für die Ursachenforschung ausgeklammert wurden.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Ursachen meist in belasteten familiären Strukturen liegen, fordert eine bessere Vernetzung der Jugendhilfe und verweist auf das erfolgreiche niederländische Modell INSTAP als Alternative.
Schlüsselwörter
Straßenkinder, Jugendliche, Jugendhilfe, Straßenkarriere, Obdachlosigkeit, Sozialisation, Familiäre Probleme, Prävention, INSTAP, Jugendhilfesystem, Inobhutnahme, Entwicklungsaufgaben, Vernetzung, Streetwork, Sozialpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, die ihre häusliche Umgebung verlassen haben und die Straße als Lebensraum wählen mussten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Jugendalter, die Ursachen für den Weggang von Zuhause (gesellschaftlich, familiär, schulisch), die rechtliche Situation sowie die Analyse und Verbesserung der Jugendhilfe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Ursachen für das Phänomen Straßenkarrieren aufzuzeigen, die bestehende Jugendhilfe kritisch zu hinterfragen und nach besseren Ansätzen für die Präventions- und Integrationsarbeit zu suchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung bestehender sozialwissenschaftlicher Studien und Untersuchungen zum Thema.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Ursachenbereiche, diskutiert die Problematik des Jugendhilfesystems und stellt mit dem INSTAP-Modell eine mögliche Alternative vor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Straßenkinder, Jugendhilfe, Straßenkarriere, Obdachlosigkeit, Familiäre Belastungen und Präventionsarbeit.
Welche Rolle spielt das INSTAP-Modell in den Überlegungen der Autorin?
Das niederländische Modell INSTAP dient als positives Beispiel dafür, wie durch Vernetzung und Einbeziehung des sozialen Umfelds die Defizite des klassischen deutschen Jugendhilfesystems überwunden werden können.
Warum ist laut der Arbeit eine interdisziplinäre Vernetzung so wichtig?
Da Probleme meist in verschiedenen Lebensbereichen gleichzeitig auftreten, ist eine Zusammenarbeit von Ämtern, Schulen, Familie und Jugendhilfe notwendig, um "Verschiebebahnhöfe" zu vermeiden und den betroffenen Jugendlichen konstanten Halt zu bieten.
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- Gabi Miller (Author), 2004, Straßenkinder und -jugendliche in Deutschland. Eine Suche nach Ursachen und Lösungsansätzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32874