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Politische Bildung in Deutschland zwischen 1945 und 1960

Title: Politische Bildung in Deutschland zwischen 1945 und 1960

Term Paper , 2004 , 15 Pages , Grade: 2

Autor:in: Lenka Eiermann (Author)

Politics - History of Political Systems
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Nach der Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai 1945 übernahmen die alliierten Großmächte Frankreich, Amerika, Großbritannien und die Sowjetunion die politische Führung Deutschlands. Auch die politische Bildung wurde ab 1945 durch die Umerziehungspolitik der Alliierten geprägt. Besonders die Amerikaner engagierten sich für die Erziehung beziehungsweise für die Umerziehung der Deutschen. Aber auch die übrigen Besatzungsmächte hatten eigene Vorstellungen und Positionen zur Politischen Bildung. Im Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 wurden die Ziele der Besatzungspolitik von den Alliierten festgelegt. Man war sich einig, dass die Abrüstung und Entmilitarisierung, die Entnazifizierung, die Verurteilung von Kriegsverbrechern sowie die Entfernung von Nazis aus öffentlichen Ämtern und aus der Wirtschaft, besonders wichtig seien. Außerdem sollte, durch die Umgestaltung des deutschen politischen Lebens, die Demokratisierung durchgesetzt werden. Das deutsche Erziehungswesen sollte von nazistischen und militaristischen Lehren befreit werden, damit die junge Generation gegenüber dem Nationalsozialismus unempfindlich wird.

Da allerdings nicht der alliierte Kontrollrat, sondern Militärgouverneure der jeweiligen Besatzungsmacht, die Beschlüsse ausführte, drifteten, bedingt durch unterschiedliche Traditionen sowie das politisch-kulturelle Selbstverständnis der Besatzungsmächte, besonders die östlichen und die westlichen Bestatzungszonen auseinander. Alle Besatzungszonen bildeten ihr eigenes Programm für die Umerziehung der Deutschen und für die Veränderung des deutschen Schulwesens. Während der ersten Phase der Umerziehungspolitik bis 1947 lag der Schwerpunkt der westlichen Alliierten, neben der Erneuerung der Lehrpläne, auf dem Verlangen das Bildungssystem im Sinne des amerikanischen Demokratiebegriffs zu reformieren. Nach 1947, also mit der Zuspitzung des Kalten Krieges, trat der sozialpsychologische und kulturanthropologische Aspekt der Re-education in den Vordergrund. Es wurde deutlich auf einen institutionellen Wandel verzichtet, da nicht das Erziehungswesen sondern die Charakterbildung Mittel der gesellschaftlichen Umerziehung seien. Für Westdeutschland begann die Politik der Westintegration und damit verbunden der Aufbau eines stabilen, marktorientierten Wirtschaftssystems.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Die Umerziehungspolitik der Alliierten

1.1. Die Re-education der Amerikaner

1.1.1. Die Phasen der Re-education

1.1.2. Das neue Unterrichtsfach

1.2. Die sowjetische Umerziehung

1.3. Die britische Erziehungspolitik

1.4. Das französische Umerziehungskonzept

2. Nachkriegsvorstellungen und Widerstände der Deutschen

2.1. Das konservative Lager

2.2. Das reformwillige Lager

3. Die Anfänge der Bundesrepublik

3.1. Konzeptionen zur politischen Bildung in den 50er Jahren

4. Die politische Weiterentwicklung nach 1955

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Entwicklung der politischen Bildung in Deutschland zwischen 1945 und 1960. Das zentrale Ziel ist es, die Auswirkungen der alliierten Umerziehungspolitik (Re-education) sowie die deutsche Reaktion darauf zu analysieren und aufzuzeigen, wie sich politische Bildungskonzepte im Kontext der Gründung der Bundesrepublik und der darauffolgenden gesellschaftlichen Stabilisierung wandelten.

  • Die unterschiedlichen Ansätze der alliierten Besatzungsmächte zur demokratischen Umerziehung.
  • Die Wahrnehmung und Widerstände der deutschen Bevölkerung und politischer Akteure gegenüber dem Umerziehungsbegriff.
  • Die bildungspolitische Restauration des dreigliedrigen Schulsystems in Westdeutschland.
  • Die Entwicklung von Konzeptionen politischer Bildung, wie die "Partnerschaftserziehung" und die "didaktische Wende".

Auszug aus dem Buch

1.1. Die Re-education der Amerikaner

Unter den amerikanischen Alliierten gab es konkurrierenden Positionen. Die eine wollte ein Bestrafungskonzept durchsetzen, das deutsche Industriepotenzial sollte zerstört werden außerdem sollte eine Reagrarisierung, die Entnationalisierung sowie die politische Dezentralisierung durchgesetzt werden. Die Realpolitiker hatten sich dagegen einen schnellen Wiederaufbau und die Westintegration zum Ziel gemacht. Die Konflikte um beide Konzepte führten dazu, dass die amerikanische Besatzungsmacht nach dem Krieg kein einheitliches Re-educationsprogramm hatte.

In der amerikanischen Besatzungspolitik hatte die Erziehung einen besonders hohen Stellenwert. Die Amerikaner strebten eine Demokratie durch Erziehung der Deutschen an. Die Demokratisierung des deutschen Bildungssystems sowie die Umerziehung der Jugend war, nach Meinung der Amerikaner, eine Vorraussetzung für die Erholung Deutschlands.

Das deutsche Schulsystem sollte reformiert werden, weil dieses dreigliedrige System Mitschuld am Nationalsozialismus habe. Durch das deutsche Schulsystem seien die Klassenunterschiede betont worden, was zu Minderwertigkeitsgefühlen bei vielen Deutschen geführt habe, auf welchen das Führerprinzip gedeihen konnte.

Die Amerikaner waren für ein Gesamtschulsystem nach amerikanischem Vorbild, welches die Demokratie stabilisieren sollte. Die weiterführende Bildung sollte kein Privileg mehr für die oberen Klassen, sondern ein Recht für alle Fähigen sein. Weiter wollten die Amerikaner die Elementarschule auf sechs Jahre verlängern und die Schulpflicht auf mindestens neun Jahre anheben. Demokratische Erziehung bedeutete für die amerikanische Besatzungsmacht eine egalitäre Erziehung basierend auf Chancengleichheit, Erziehung zu selbstständigem Denken und Handeln, Vermittlung von Grundwerten und sozialer Mobilität. Die Bildungsreform der Amerikaner sollte die hierarchischen Strukturen des deutschen Bildungswesens aufheben und statt Dogmatismus den freien Meinungsaustausch fördern.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die Umerziehungspolitik der Alliierten: Dieses Kapitel beschreibt die durch das Potsdamer Abkommen legitimierten Ziele der Alliierten zur Demokratisierung und Entnazifizierung des deutschen Erziehungswesens, wobei die jeweiligen Besatzungsmächte unterschiedliche Ansätze verfolgten.

2. Nachkriegsvorstellungen und Widerstände der Deutschen: Hier wird thematisiert, dass die deutsche Bevölkerung den Begriff der Umerziehung als erniedrigend empfand und besonders das konservative Lager bestrebt war, das traditionelle dreigliedrige Schulsystem gegen alliierte Reformversuche zu verteidigen.

3. Die Anfänge der Bundesrepublik: Das Kapitel analysiert die Phase nach der Staatsgründung 1949, in der die deutsche Bildungspolitik weitgehend zu alten Traditionen zurückkehrte und erste, wenn auch uneinheitliche, Ansätze für ein Fach politische Bildung entstanden.

4. Die politische Weiterentwicklung nach 1955: Dieser Abschnitt beleuchtet die bildungspolitische Stagnation der 50er Jahre und die Entwicklung der "didaktischen Wende", die erstmals eine fundierte Auseinandersetzung mit Inhalten und Zielen des politischen Unterrichts einleitete.

Schlüsselwörter

Politische Bildung, Umerziehung, Re-education, Besatzungspolitik, Demokratisierung, Schulsystem, Bundesrepublik, Partnerschaftserziehung, Didaktische Wende, Politische Erziehung, Alliierten, Sozialkunde, Schulerziehung, Staatsbürgerkunde

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Entwicklung und die Konzepte politischer Bildung in Deutschland im Zeitraum von 1945 bis 1960 unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Einflüsse der Siegermächte und der deutschen Reaktion darauf.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die alliierte Umerziehungspolitik (Re-education), der Widerstand gegen strukturelle Schulreformen, die Etablierung des Sozialkundeunterrichts und die theoretische Entwicklung der politischen Bildung in den 1950er Jahren.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Transformationsprozess politischer Erziehung nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus und dessen Einbettung in die gesellschaftliche und staatliche Neuordnung Westdeutschlands aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit ist als eine historische Analyse angelegt, die auf der Auswertung fachwissenschaftlicher Literatur und zeitgenössischer bildungspolitischer Konzepte basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der alliierten Besatzungspolitik, die Analyse der deutschen Widerstände und Reformbemühungen sowie die Erörterung theoretischer Ansätze wie der "Partnerschaftserziehung" und der "didaktischen Wende".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselbegriffe sind Politische Bildung, Re-education, Demokratisierung, Schulstruktur und didaktische Wende.

Warum scheiterte die amerikanische Re-education-Politik aus Sicht der Autorin?

Die Politik scheiterte vor allem daran, dass die Amerikaner auf Widerstände bei relevanten deutschen Gruppen stießen und den Widerspruch verkannten, dass man Demokratie nicht durch autokratische Anordnungen lehren kann.

Welche Rolle spielte der "Deutsche Ausschuss für das Erziehungs- und Bildungswesen"?

Der Ausschuss forderte ab 1955 eine einheitliche Zielsetzung für die politische Bildung und kritisierte das problematische Verhältnis zwischen einer demokratischen Erziehung und den autoritären Strukturen des bestehenden Schulsystems.

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Details

Title
Politische Bildung in Deutschland zwischen 1945 und 1960
College
University of Frankfurt (Main)
Course
Theorie und Praxis Politischer Bildung
Grade
2
Author
Lenka Eiermann (Author)
Publication Year
2004
Pages
15
Catalog Number
V32878
ISBN (eBook)
9783638334914
Language
German
Tags
Politische Bildung Deutschland Theorie Praxis Politischer Bildung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lenka Eiermann (Author), 2004, Politische Bildung in Deutschland zwischen 1945 und 1960, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32878
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