Die SchülerInnen haben zunächst im Rahmen einer Unterrichtsreihe zur Förderung der Selbstwahrnehmung sich selbst näher kennen gelernt und beschrieben – ‚Ich bin Ich’ (anhand des Bilderbuchtextes „Das kleine Ich-bin-Ich“). Nun sollen sie im direkten Anschluss daran den nächsten Schritt zum ‚Du bist Du’ vollziehen und an dem jeweiligen Anderen Besonderheiten entdecken, durch die sich die Kinder voneinander unterscheiden, sowie begreifen jeden als etwas Besonderes anzuerkennen. Dieses Ziel soll wiederum durch die Konfrontation mit einem Bilderbuchtext erreicht werden, dem die SchülerInnen handlungsorientiert und produktiv begegnen und ihn dadurch in seiner Gesamtheit und Tiefe erfassen, mit eigenen Erfahrungen in Verbindung bringen und somit umfassend verstehen.
Fachdidaktischer Schwerpunkt: Textrezeption
Fachlicher Zielschwerpunkt: Handlungs- und produktionsorientierter Umgang mit dem Bilderbuch „Irgendwie Anders“
Thema der Unterrichtsstunde:
Irgendwie Anders und das Etwas bekommen Besuch von…
Die SchülerInnen sollen sich an die bisher erarbeiteten Szenen / Abschnitte des Bilderbuchtextes erinnern und deren Inhalt wiedergeben können. Anhand der Einstiegssequenz mit dem Spiegel erkennen sie zunächst, wer zum Ende des Buches hin zu Besuch kommt. Sie malen zu der letzten Szene des Bilderbuchtextes unter der Fragestellung „was passiert wohl, wenn Irgendwie Anders und das Etwas jetzt Besuch bekommen?“ eigene Bilder und stellen diese im Plenum vor. Am Ende der Unterrichtsstunde werden die letzten beiden Seiten des Buches – ‚das Original’ - erlesen.
Inhaltsverzeichnis
1. „Wer ist Irgendwie Anders?“
2. „Was ist anders an Irgendwie Anders und wie fühlt er sich?“
3. „Wer steht da vor der Tür? Irgendwie anders bekommt Besuch“
4. „Irgendwie Anders hat einen Freund gefunden.“
5. „Irgendwie Anders und das Etwas bekommen Besuch von…“
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel der Unterrichtseinheit ist es, die Schülerinnen und Schüler durch einen handlungs- und produktionsorientierten Umgang mit dem Bilderbuch „Irgendwie Anders“ dazu zu befähigen, Unterschiede bei anderen Menschen zu entdecken, diese als Besonderheiten wertzuschätzen und ein Verständnis für gegenseitige Akzeptanz sowie Klassengemeinschaft zu entwickeln.
- Förderung der Selbstwahrnehmung und Identitätsbildung
- Entwicklung von Akzeptanz und Wertschätzung gegenüber dem „Anderen“
- Handlungs- und produktionsorientierte Textrezeption
- Förderung der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit und Perspektivenübernahme
- Stärkung der Klassengemeinschaft durch gemeinsames Erleben
Auszug aus dem Buch
Irgendwie Anders
Draußen stand jemand – oder etwas.
„Hallo!“ sagte es. „Nett, dich kennen zu lernen.
Darf ich reinkommen?“
„Wie bitte?“, sagte Irgendwie Anders.
„Guten Tag!“, sagte das Etwas und
hielt ihm die Pfote hin – das heißt,
eigentlich sah sie mehr wie eine Flosse aus.
Irgendwie Anders starrte auf die Pfote.
„Du hast dich wohl in der Tür geirrt“, sagte er.
Das Etwas schüttelte den Kopf. „Überhaupt nicht,
hier gefällt’s mir. Siehst du…“
Und ehe Irgendwie Anders auch nur bis drei zählen konnte,
war es schon im Zimmer…
…und setzte sich auf die Papiertüte.
„Kenn ich dich?“, fragte Irgendwie Anders verwirrt.
„Ob du mich kennst?“, fragte das Etwas und lachte. „Natürlich!
Guck mich doch mal ganz genau an, na los doch!“
Und Irgendwie Anders guckte.
Er lief um das Etwas herum, guckte vorn, guckte hinten.
Und weil er nicht wusste, was er sagen sollte, sagte er nichts.
„Verstehst du denn nicht!“, rief das Etwas. „Ich bin genau wie du!
Du bist irgendwie anders - und ich auch.“
Und es streckte wieder seine Pfote aus und lächelte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. „Wer ist Irgendwie Anders?“: Einführung des Protagonisten und seines Problems des Andersseins, verknüpft mit der eigenen Identitätswahrnehmung der Schüler.
2. „Was ist anders an Irgendwie Anders und wie fühlt er sich?“: Auseinandersetzung mit Gefühlen von Ablehnung und Zurückweisung durch den Transfer auf die eigene Erfahrungswelt.
3. „Wer steht da vor der Tür? Irgendwie anders bekommt Besuch“: Akustische Konfrontation mit abweisendem Verhalten und szenische Darstellung des Dialogs zwischen den Protagonisten.
4. „Irgendwie Anders hat einen Freund gefunden.“: Förderung der Perspektivenübernahme durch das Erzählen der Geschichte in Ich-Form aus der Sicht der handelnden Figuren.
5. „Irgendwie Anders und das Etwas bekommen Besuch von…“: Kreative Weiterführung der Geschichte durch die Schülerinnen und Schüler sowie abschließender Vergleich mit dem Originaltext.
Schlüsselwörter
Bilderbuch, Irgendwie Anders, Textrezeption, Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht, Selbstwahrnehmung, Identität, Akzeptanz, Anderssein, Perspektivenübernahme, Grundschule, Sprachbehinderung, Sozialkompetenz, Klassengemeinschaft, Identitätsbildung, Erzählfähigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Unterrichtsplanung grundsätzlich?
Die Arbeit beschreibt eine schriftliche Unterrichtsplanung für eine Klasse der Erich Kästner-Schule, in der anhand des Bilderbuchs „Irgendwie Anders“ das Thema Akzeptanz und soziale Inklusion behandelt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Reihe?
Die Reihe fokussiert sich auf die Förderung der Selbstwahrnehmung, den konstruktiven Umgang mit Anderssein, die Entwicklung von Mitgefühl sowie die Stärkung der Klassengemeinschaft.
Welches Ziel verfolgt die Lehrkraft primär?
Das primäre Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, Unterschiede als Besonderheiten zu begreifen und diese anzuerkennen, wobei sie sich handlungsorientiert mit dem Text auseinandersetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Stunde angewendet?
Es wird die Methode der handlungs- und produktionsorientierten Textrezeption angewandt, die durch Rollenspiele, kreatives Malen und den Einsatz von Symbolen und Hilfsmitteln unterstützt wird.
Was wird im Hauptteil der Unterrichtseinheit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Analyse der Identität des Protagonisten, das Nachvollziehen seiner emotionalen Situation bei Ablehnung, die szenische Darstellung von Dialogen und die produktive Weiterentwicklung der Geschichte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Bilderbuch, Selbstwahrnehmung, Identität, Akzeptanz, Perspektivenübernahme und handlungsorientierter Unterricht.
Welche Rolle spielt die „Hilfekarte“ für die Schüler?
Die Hilfekarte dient der Binnendifferenzierung und individuellen Unterstützung, indem sie der Lehrkraft signalisiert, welche Kinder bei der Aufgabenbewältigung Schwierigkeiten haben und Unterstützung benötigen.
Warum wird im Einstieg mit einem Spiegel gearbeitet?
Der Spiegel dient als Einstiegssequenz, um die Spannung zu erhöhen und die Schüler persönlich in das „Geheimnis“ des Besuchs einzubeziehen, wodurch ein direkter Bezug zur eigenen Person hergestellt wird.
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- Kerstin Holländer (Author), 2004, Vom 'Ich bin Ich' zu 'Irgendwie Anders'. Handlungs- und produktionsorientierter Umgang mit dem Bilderbuch 'Irgendwie Anders', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32891