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Ist die Freiheit noch zu retten? Lösungsvorschläge zur Vereinbarkeit von Freiheit und Determinismus

Title: Ist die Freiheit noch zu retten? Lösungsvorschläge zur Vereinbarkeit von Freiheit und Determinismus

Seminar Paper , 2003 , 27 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jörn-Jakob Surkemper (Author)

Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
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Summary Excerpt Details

Die Frage, ob wir tun können, was wir wollen, lässt sich gemeinhin leicht beantworten. Schwieriger wird es hingegen schon, wenn sich die Frage stellt, ob wir denn auch wollen können, was wir wollen. Die Antwort auf diese, vielleicht im ersten Moment unsinnig klingende Frage, ist weit reichender als man zunächst vermuten möchte. Sie hat Konsequenzen auf unsere gesamte rechtliche und vor allem ethische Praxis. Denn mit ihr zusammen hängt die Frage, inwieweit wir verantwortlich sind für unsere Handlungen. Wären wir nicht frei – so scheint es jedenfalls –, machte es keinen Sinn, uns für unsere Handlungen zur Verantwortung zu ziehen. Vorschriften, Normen und Gesetze, die in unserem alltäglichen sozialen Leben überall auftauchen wären hinfällig. Was sollte es auch bringen, mir zu sagen: Du sollst nicht stehlen, wenn ich nicht anders könnte?

Dass wir für unsere Handlungen verantwortlich sind, scheint selbstverständlich zu sein, doch gerade das wird zunehmend durch die Fortschritte der Genetik und Gehirnforschung in Frage gestellt. Wurde früher angenommen, es gebe einen Dualismus von Körper und Geist, lassen sich heute viele unserer mentalen Zustände neuro-physiologisch erklären. D.h. letztlich: Alles was in uns psychisch passiert, hat eine biologische Grundlage und ist damit naturwissenschaftlich erklärbar. So ist theoretisch auch das menschliche Verhalten in allgemeinen Gesetzen beschreibbar und vorhersagbar. Auf der anderen Seite beanspruchen wir aber für uns, dass das, wofür wir uns entscheiden eben nicht von vornherein feststeht, also determiniert ist, denn das würde unserer Freiheit widersprechen.

Die Frage, um die es hier geht, lautet also: Wie kann Freiheit neben dem Determinismus bestehen? Oder müssen wir uns eingestehen, dass Freiheit eben eine Illusion ist, mit all den Konsequenzen, die daraus für unser soziales Miteinader erwachsen würden. Der Preis wäre jedenfalls hoch. Wir müssten auch unser menschliches Selbstverständnis als Personen grundlegend überdenken. Ist es möglich, dass wir als geistige Wesen mit unserem Körper in einer Welt leben, die durch und durch determiniert ist? Stellen wir einen Bruch dar in der endlosen Kette kausaler Ereignisse? Sind wir so etwas, wie ein unbewegter Beweger? Dies sind Fragen, die im Laufe dieser Arbeit angesprochen und in einen argumentativen Zusammenhang gestellt werden sollen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

1 DETERMINISMUS – ERKENNTNISTHEORETISCHE GRUNDLAGEN

2 GEGENENTWÜRFE ZUM DETERMINISMUS

2.1 SARTRES FREIHEITSBEGRIFF

2.2 DIE SELBSTWIDERLEGUNGEN DES DETERMINISMUS

3 VEREINBARKEIT VON FREIHEIT UND DETERMINISMUS

3.1 ONTOLOGISCHER DUALISMUS

3.1.1 Notwendig oder bloß möglich - Zweifel am Kausalgesetz?

3.1.2 Die Modalität des Möglichen oder der Sinn des Wortes können

3.1.3 Die Freiheit der reinen Vernunft – Kants Freiheitsantinomie

3.1.4 Ursachen nötigen – Gründe machen geneigt. Die Unterscheidung von Gründen und Ursachen

3.2 DAS NEBENEINANDER VON DETERMINISMUS UND (BEDINGTER) FREIHEIT – (ONTOLOGISCHER MONISMUS)

3.2.1 Das Argument aus dem Begriff der Entscheidung

3.2.2 Das Scheinproblem

SCHLUSS

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das klassische philosophische Spannungsfeld zwischen der deterministischen Weltsicht und dem menschlichen Anspruch auf Willensfreiheit. Ziel ist es, die Vereinbarkeit beider Positionen kritisch zu beleuchten und zu prüfen, ob Freiheit unter den Bedingungen eines determinierten Universums als Illusion zu betrachten ist oder ob sich neue, plausible Ansätze zu ihrer Begründung finden lassen.

  • Kritische Analyse des erkenntnistheoretischen Determinismus
  • Gegenüberstellung von ontologischem Dualismus und Monismus
  • Untersuchung der Freiheitskonzepte von Sartre und Kant
  • Bedeutung der Unterscheidung zwischen Gründen und Ursachen
  • Perspektivenwechsel als Lösungsansatz (Peter Bieri & Daniel Dennett)

Auszug aus dem Buch

Die Modalität des Möglichen oder der Sinn des Wortes können

Bleibt die Möglichkeit, dass wenigstens der menschliche Wille – und auf den kommt es uns ja an – nicht kausal determiniert ist. Gerade darin, dass die (zukünftige) empirische Welt durch die geistige Analyse, also durch unsere Vorstellungskraft, die Modalität des Möglichen erhält, wir uns also verschiedene Handlungsmöglichkeiten und ihre Konsequenzen vorstellen können, könnte unsere Freiheit liegen. – Hier würde ich vermutlich mit Sartre auf einer Linie liegen. – Peter Bieri räumt der Phantasie hier eine wichtige Rolle ein. Einiges von dem, was wir uns für unsere Zukunft vorstellen, verwerfen wir wieder, da es vielleicht doch zu unwahrscheinlich ist, anderes halten wir als Möglichkeit fest. Auch wenn wir uns dann nicht dafür entscheiden, werden wir im Nachhinein sagen: „Wir hätten damals auch etwas anderes tun können. Wir taten es aber nicht, weil wir es vielleicht nicht wollten.“

Hier ließe sich George Edward Moore mit seiner Analyse des Wortes können anführen. Ihm zufolge müsse es einen bestimmten Sinn des Satzes, ich hätte auch etwas anderes tun können, geben. Es müsse zwischen der Aussage, „ich hätte heute morgen zwei Kilometer in 20 Minuten gehen können“, und, „ich hätte heute morgen vier Kilometer in fünf Minuten laufen können“, in Bezug auf ihren Wahrheitsgehalt einen Unterschied geben. Würde der Determinismus gelten, könnte man hingegen, nie etwas anderes tun als man tatsächlich tut und die Sätze wären beide falsch. Das Wort können überhaupt wäre sinnlos. Dies hält Moore für eindeutig falsch, und ich glaube, man kann ihm hier Recht geben.

Zusammenfassung der Kapitel

EINLEITUNG: Einführung in die Problematik der Handlungs- und Willensfreiheit vor dem Hintergrund naturwissenschaftlicher Determinierung.

1 DETERMINISMUS – ERKENNTNISTHEORETISCHE GRUNDLAGEN: Erörterung der deterministischen Lehre als konsequente Anwendung des Kausalprinzips auf alles Geschehen.

2 GEGENENTWÜRFE ZUM DETERMINISMUS: Vorstellung alternativer Positionen, insbesondere des phänomenologischen Ansatzes von Sartre.

3 VEREINBARKEIT VON FREIHEIT UND DETERMINISMUS: Analyse dualistischer und monistischer Versuche, Freiheit trotz deterministischer Kausalketten theoretisch zu verorten.

SCHLUSS: Zusammenfassende Bewertung, die den Lösungsansatz über eine Perspektive der ersten Person (nach Bieri) als am plausibelsten hervorhebt.

Schlüsselwörter

Freiheit, Determinismus, Willensfreiheit, Kausalprinzip, Ontologischer Dualismus, Monismus, Entscheidung, Verantwortung, Handlungsfreiheit, Phänomenologie, Vernunft, Bieri, Sartre, Kant, Naturgesetze

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der zentralen Frage, ob menschliche Freiheit in einer Welt existieren kann, die naturwissenschaftlich als determiniert verstanden wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Felder sind die erkenntnistheoretischen Grundlagen des Determinismus, das Verhältnis von Körper und Geist sowie die Differenzierung zwischen Handlungs- und Willensfreiheit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die kritische Evaluation verschiedener philosophischer Lösungsansätze, um eine theoretische Brücke zwischen deterministischer Notwendigkeit und der menschlichen Freiheitserfahrung zu schlagen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Untersuchung, die durch die Analyse zentraler Primärtexte und die dialektische Gegenüberstellung konkurrierender Theorien zur Freiheit und Kausalität methodisch strukturiert ist.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des ontologischen Dualismus, der Kants Freiheitsantinomie und Sartres Freiheitsbegriff thematisiert, sowie in eine monistische Perspektive, die Freiheit als Phänomen der ersten Person deutet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Determinismus, Freiheit, Kausalität, Entscheidung, Bedingtheit und die Unterscheidung zwischen Gründen und Ursachen.

Wie löst die Arbeit das Problem der Kausalität bei menschlichen Handlungen?

Der Autor argumentiert, dass Gründe und Ursachen nicht zwingend Gegensätze sein müssen, sondern dass der Mensch innerhalb des deterministischen Rahmens durch sein Selbstbewusstsein als handelndes Subjekt wirksam wird.

Warum reicht Handlungsfreiheit allein laut Autor nicht aus?

Der Autor folgt der Ansicht, dass eine bloße Freiheit von äußeren Zwängen nicht ausreicht, um einen starken Begriff von Verantwortung zu begründen; dafür müsse auch der Wille selbst (Willensfreiheit) analysiert werden.

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Details

Title
Ist die Freiheit noch zu retten? Lösungsvorschläge zur Vereinbarkeit von Freiheit und Determinismus
College
Ruhr-University of Bochum  (Institut für Philosophie)
Course
Freiheit und Determinismus
Grade
1,0
Author
Jörn-Jakob Surkemper (Author)
Publication Year
2003
Pages
27
Catalog Number
V32900
ISBN (eBook)
9783638335041
Language
German
Tags
Freiheit Lösungsvorschläge Vereinbarkeit Freiheit Determinismus Freiheit Determinismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jörn-Jakob Surkemper (Author), 2003, Ist die Freiheit noch zu retten? Lösungsvorschläge zur Vereinbarkeit von Freiheit und Determinismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32900
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