Die biografische Literatur des meist im Zusammenhang mit dem Surrealismus genannten Max Ernst (1891 – 19761), ist hauptsächlich aus der Sicht des Künstlers selbst geschrieben. Die darin beschriebenen Einflüsse basieren vorwiegend auf der eigenen Geschichte des Künstlers, z. B. den familiären Hintergründen und der Beeinflussung durch Künstlerfreunde. Max Ernst identifizierte sich während seiner Schaffensphasen mit Künstlervereinigungen und setzte deren Vorstellungen in seinen Techniken um.
Max Ernsts Werk lässt eine Einteilung in Schaffensperioden zu, jedoch ist diese nicht so offensichtlich, wie zum Beispiel bei seinem Zeitgenossen Pablo Picasso. Bei einem zusätzlichen Vergleich der biografischen Hintergründe beider Künstler lässt sich erst bei genauerer Betrachtung feststellen, dass die Frauen keine unwesentliche Rolle in ihrem Leben und Werk spielten.
Die Notwendigkeit dieser Arbeit findet ihre Bestätigung in einem Zitat von Ingrid Mössinger anlässlich der Ausstellung „Picasso, et les femmes“:
„[...] Da aber selbst ein so außergewöhnlicher, begabter, produktiver Mensch wie Picasso Anregung, Gespräch, Auseinandersetzung und Zuneigung braucht, ist die Frage berechtigt, wer diese Frauen waren oder sind, die einem derart schöpferischen Geist für kürzere oder längere Zeit standhielten. [...]“
Über Max Ernst gibt es hinsichtlich seiner Frauen noch kein umfassendes literarisches Werk. Er war mit vier seiner Lebensgefährtinnen verheiratet. Zusätzlich führte er mehrere „Wilde Ehen“ und kurze Affären. In dem Katalog „Max Ernst, Graphik von 1936 – 1976“, der 170 Blätter aus der Sammlung Harald Loebermann zeigt, findet sich ein informatives Zitat des Seeheimer KunsthistorikersDietrich Mahlow: „Immer wieder ist es eine Frau, die uns in Max Ernsts Wirklichkeiten führt.“ Auf die Frage nach der genauen Bedeutung und dem Hintergrund dieser Aussage, berichtete mir Herr Mahlow von einem Gespräch mit Max Ernst in den 50er Jahren. Max Ernst hat demnach besonders in den Collageromanen „La femme 100 têtes“ und „Une semaine de bonté“ der Frau die Hauptrolle zugeteilt. Auf diese beiden ganz besonderen Werke wird in den entsprechenden Kapiteln noch intensiver eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. INSPIRATION
2.1. Die Inspiration zur Zeit von Max Ernst
3. EINFLÜSSE AUF MAX ERNST
3.1. Magie und Okkultismus
4. DIE FRAU IM WERK VON MAX ERNST
4.1. Die erste Frau
4.1.1 Loni und die Psychoanalyse
4.2. Louise Strauss 1918 – 1926
4.2.1. Armada von Duldgedalzen
4.3. Gala – die Muse der Surrealisten ~ 1922
4.4. Marie-Berthe Aurenche 1927 – 1936
4.4.1. Die Kunst bricht aus
4.4.2. Die Collageromane
4.4.3. Der Traum vom Karmelitermädchen
4.4.4. Das Leben mit Marie-Berthe Aurenche
4.5. Meret Oppenheim ~ 1937
4. 6. Leonora Carrington 1938 – 1940
4.6.1. Die ovale Dame
4.6.2. Loplop nimmt Gestalt an
4.7. Peggy Guggenheim 1941 – 1943
4.7.1. Das Ende des Triplex
4.8. Dorothea Tanning 1943 – 1976
4.8.1. Abschied von der Vergangenheit
4.8.2. Das kleine Einmaleins der Liebe
4.8.3. Bis in den Tod
5. RESÜMEE
6. DIDAKTISCHE RELEVANZ
6.1. Kunstgeschichtlicher Ansatz
6.2. Praktischer Ansatz
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Frauen im Leben und Werk des Surrealisten Max Ernst, wobei der Fokus auf dem Einfluss dieser Frauen als Inspirationsquellen liegt. Ziel ist es, aufzuzeigen, inwiefern der Künstler diesen weiblichen Einfluss in seinem Schaffen zugelassen hat und wie sich dieser in seinen Werken manifestiert.
- Biografische Analyse der wichtigsten Lebensgefährtinnen von Max Ernst
- Untersuchung des Begriffs "Inspiration" im Kontext des Surrealismus
- Analyse ausgewählter Hauptwerke und ihrer Entstehungszusammenhänge
- Didaktische Überlegungen zur Integration des Themas in den Kunstunterricht der Hauptschule
Auszug aus dem Buch
4.2. Louise Strauss 1918 – 1926
Die Mutter des einzigen Sohnes Max Ernsts, spielt im Leben des Künstlers eine bedeutende Rolle. Die 1893 in Köln geborene und 1944 in Auschwitz ermordete, promovierte, jüdische Kunstkritikerin war eine Studienkollegin Max Ernsts. Während der gemeinsamen Vorlesungen in Kunstgeschichte, half er ihr, ihre Zeichnungen nicht nur zu vervollständigen, sondern schaffte es mit Leichtigkeit „in ein paar Strichen die ganze Zeichnung hinzuwerfen“. Diese Hilfeleistung war an die Bedingung geknüpft, mit ihm Wanderungen entlang des Rheines zu unternehmen. Dies war der Beginn ihrer Beziehung.
Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Carl, trat Max Ernst im August 1914 den Militärdienst an und kämpfte im Ersten Weltkrieg an der Front. Während des Krieges, am 07. Oktober 1918, heiratete er Louise Straus. Einen Monat später wurde er aus dem Heer entlassen. Zu seiner Teilnahme am Krieg äußerte er sich wie folgt:
„Max Ernst starb am 01. August 1914. Er kehrte am 11. November 1918 ins Leben zurück, als ein junger Mann, der die Mythen seiner Zeit finden wollte.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Problematik der biographischen Forschung bei Max Ernst und Aufzeigen der zentralen Fragestellung zur Rolle der Frau.
2. INSPIRATION: Untersuchung der Begriffsherkunft und der verschiedenen Inspirationsvorstellungen in der Moderne, insbesondere im Dadaismus und Surrealismus.
3. EINFLÜSSE AUF MAX ERNST: Analyse der frühen biographischen Einflüsse auf Max Ernst, wie das väterliche Vorbild und die Bedeutung von Magie und Okkultismus.
4. DIE FRAU IM WERK VON MAX ERNST: Detaillierte, chronologische Untersuchung der verschiedenen Lebenspartnerinnen und deren spezifischen Einflusses auf das künstlerische Werk.
5. RESÜMEE: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse über die Rolle der Frau als Inspirationsquelle für Max Ernst.
6. DIDAKTISCHE RELEVANZ: Reflexion über die Vermittlung des Themas im Kunstunterricht durch kunstgeschichtliche und praktische Ansätze.
Schlüsselwörter
Max Ernst, Surrealismus, Dadaismus, Inspiration, Muse, Collagen, Loplop, Weiblichkeit, Kunstunterricht, Biographie, Marie-Berthe Aurenche, Leonora Carrington, Dorothea Tanning, Psychoanalyse, Bildanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die biographische und künstlerische Bedeutung der Frauen im Leben von Max Ernst und deren Rolle als Inspirationsquellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Surrealismus, biographische Analysen von Künstlerbeziehungen, die Bildsprache von Max Ernst und die Verbindung von Kunst und Leben.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es soll untersucht werden, ob und wie Max Ernst weibliche Einflüsse in seinem Werk zugelassen und verarbeitet hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine chronologische biographische Untersuchung in Verbindung mit einer kunsthistorischen Analyse ausgewählter Werke.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich ausführlich den einzelnen Frauen an Max Ernsts Seite, angefangen bei Louise Strauss über Gala, Marie-Berthe Aurenche, Meret Oppenheim, Leonora Carrington, Peggy Guggenheim bis hin zu Dorothea Tanning.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernelemente sind Max Ernst, Surrealismus, Inspiration, Muse und biographische Analyse.
Welche Rolle spielt die Psychoanalyse in den Werken von Max Ernst?
Die Arbeit zeigt auf, dass Max Ernst sich intensiv mit Freuds Theorien auseinandersetzte, was sich besonders in seinen surrealistischen Bildmotiven und der Verarbeitung von Kindheitserinnerungen widerspiegelt.
Inwiefern ist das Werk von Max Ernst für den Unterricht relevant?
Die Arbeit arbeitet didaktische Möglichkeiten heraus, etwa durch die Collage-Technik oder die Auseinandersetzung mit surrealistischen Bildkonzepten in der Sekundarstufe.
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- Bianca Pfeffer (Author), 2004, Die Frau als Inspirationsquelle im Werk von Max Ernst - Didaktische Überlegungen für den Kunstunterricht in der Hauptschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32972