Im amerikanischen Raum sind Ratings durch Rating-Agenturen bereits weit verbreitet und haben immense Auswirkungen auf Unternehmen und Volkswirtschaften. Eine Zunahme der Bedeutung auch in Europa, insbesondere eine Ausstrahlung auf den Mittelstand, dürfte aufgrund von Basel II2 und steigender Insolvenzen3 zu erwarten sein.
Ratings im Sinne dieser Arbeit beurteilen die Fähigkeit einzelner Unternehmen, ihre Schulden (Zins und Tilgung) zukünftig zu begleichen. Die Frage der Prognosequalität des Ratings ist selbst im amerikanischen Schrifttum kaum dezidiert diskutiert worden. Da Ratings aber letztlich nur das Produkt bewerteter zu Grunde gelegter Kriterien sind, müssen ohnehin eben diese näher beleuchtet werden.
Beurteilungskriterien müssen an ihrem Ziel, der zutreffenden Prognose über Ausfallwahrscheinlichkeiten, gemessen werden. Dabei sind drei Aspekte von Bedeutung. Die Kriterien müssen prognosefähig sein, also eine potenzielle Korrelation mit dem Ausfallrisiko aufweisen. Darüber hinaus müssen sie eine hohe Prognosequalität aufweisen, d.h. eine hohe tatsächliche Korrelation. Schließlich sollten sie objektiv und damit überprüfbar sein, um Missbrauch zu verhindern, die Vergleichbarkeit zu erhöhen und letztlich zu steigender Prognosequalität beizutragen.
Die konstitutive Unterscheidung in die noch zu definierenden quantitativen und qualitativen Kriterien zeigt, dass dabei die o.g. Aspekte mitunter diametral ausgeprägt sind. Die vorliegende Arbeit geht daher folgenden Fragen nach: Welche Kriterien gibt es? Welche Kriterien sind prognosefähig? Welche Kriterien verfügen über hohe Prognosequalität und welche regulierenden Maßnahmen existieren bzw. müssen ergriffen werden, um hohe Prognosequalität und - soweit nötig - Objektivität sicherzustellen?
Diese Arbeit beschränkt sich auf Ratings des unternehmerischen Emittenten. Zwar werden vor allem in den USA Ratings einzelner Emissionen bevorzugt, da unter-schiedliche Emissionen einzelner Emittenten erheblich divergieren können, jedoch kann grundsätzlich keine Emission höher beurteilt werden als ihr Emittent. Außerdem ist die Sicherheit einzelner Emissionen durch Vertragsbedingungen und Besicherungsrangfolge weitgehend objektiv zu unterscheiden. Bisher wurden durch Rating-Agenturen nur größere Unternehmen beurteilt.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Rating-Agenturen
2.1 Hintergrund und Entwicklung
2.2 Nutzen von Rating-Agenturen
2.2.1 Grundsätzliches
2.2.2 Vorteile durch Arbeitsteilung
2.2.3 Reduzierung von Fehlinvestitionen
2.3 Schädigung durch Rating-Agenturen
2.3.1 Grundsätzliches
2.3.2 Oligopol-Preise und Auftragszwang
2.3.3 Missbrauch
3 Beurteilungskriterien als Essenz des Ratings
3.1 Grundsätzliches
3.2 Ablauf eines Ratings
3.3 Auswahl zielgerechter Beurteilungskriterien
3.3.1 Grundsätzliches
3.3.2 Quantitative Kriterien
3.3.2.1 Definition
3.3.2.2 Auswahlverfahren
3.3.2.3 Identifizierte Kriterien
3.3.3 Qualitative Kriterien
3.3.3.1 Definition
3.3.3.2 Auswahlverfahren
3.3.3.3 Identifizierte Kriterien
3.4 Beschaffung und Bewertung der notwendigen Informationen
3.5 Gewichtung und Aggregation der Rating-Kriterien
3.5.1 Grundsätzliches
3.5.2 Quantitative Kriterien
3.5.3 Qualitative Kriterien
3.6 Würdigung
3.6.1 Grundsätzliches
3.6.2 Quantitative Kriterien
3.6.2.1 Vorteile quantitativer Kriterien
3.6.2.2 Nachteile quantitativer Kriterien
3.6.3 Qualitative Kriterien
3.6.3.1 Grundsätzliches
3.6.3.2 Vorteile qualitativer Kriterien
3.6.3.3 Nachteile qualitativer Kriterien
3.6.4 Fazit
4 Reduzierung der Nachteile von qualitativen Kriterien
4.1 Grundsätzliches
4.2 Status quo
4.2.1 Geltendes Recht und Rechtsprechung
4.2.2 Reputation
4.2.3 Würdigung des Status quo
4.4 Diskussion weiterer Maßnahmen
4.4.1 Grundsätzliches
4.4.2 Mögliche Maßnahmen im Einzelnen
5 Thesenförmige Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Rolle und Arbeitsweise von Rating-Agenturen, wobei ein besonderer Fokus auf den Beurteilungskriterien liegt. Das Hauptziel besteht darin, die Eignung und Prognosequalität dieser Kriterien zu bewerten sowie Ansätze zur Regulierung und Qualitätssteigerung im Hinblick auf das Kreditrisiko und die Objektivität der Urteilsbildung zu analysieren.
- Hintergrund, Entwicklung und Funktionsweise von Rating-Agenturen
- Unterscheidung und Anwendung quantitativer versus qualitativer Kriterien
- Prognosefähigkeit und Validität der herangezogenen Bewertungskriterien
- Diskussion von Haftungsfragen und Regulierungsmöglichkeiten zur Missbrauchsvermeidung
Auszug aus dem Buch
Unterscheidung in qualitative und quantitative Kriterien
Die bei Unternehmens-Ratings zugrundegelegten Kriterien lassen sich in quantitative und qualitative Kriterien unterscheiden. Bevor eine dezidierte Definition unter 3.3.2 bzw. 3.3.3 erfolgt, muss hier bereits erwähnt werden, dass innerhalb dieser Arbeit unter quantitativen Kriterien originär numerische Daten verstanden werden, wie bspw. Bilanzkennziffern, während qualitative Kriterien entweder Eigenschaften beurteilen oder numerische Daten prognostizieren, also durch Subjektivität geprägt sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Einführung in die wachsende Bedeutung von Ratings für Unternehmen und Volkswirtschaften vor dem Hintergrund regulatorischer Rahmenbedingungen wie Basel II.
2 Rating-Agenturen: Detaillierte Betrachtung der Entstehung, des Nutzens, der Marktstruktur und der potenziellen Risiken bzw. Schäden durch Rating-Agenturen.
3 Beurteilungskriterien als Essenz des Ratings: Kernanalyse des Rating-Prozesses, der Auswahl von Kriterien, deren Kategorisierung in quantitative und qualitative Faktoren sowie deren Aggregation.
4 Reduzierung der Nachteile von qualitativen Kriterien: Untersuchung des aktuellen rechtlichen Status quo und Diskussion möglicher Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität und Objektivität von Ratings.
5 Thesenförmige Zusammenfassung: Zentrale Erkenntnisse und Ergebnisse der Arbeit, zusammengefasst in elf prägnanten Thesen zur Rolle, Problematik und Verbesserung von Rating-Agenturen.
Schlüsselwörter
Rating-Agenturen, Kreditrisiko, Ausfallwahrscheinlichkeit, quantitative Kriterien, qualitative Kriterien, Basel II, Insolvenzprognose, Bilanzanalyse, Markttransparenz, Kapitalallokation, Rating-Qualität, Regulierung, Haftung, Reputation, Unternehmensrating.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine kritische Würdigung der von Rating-Agenturen verwendeten Beurteilungskriterien, um die Bonität und das Ausfallrisiko von Unternehmen zu bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Kriterienselektion, der Unterscheidung zwischen harten (quantitativen) und weichen (qualitativen) Faktoren sowie den Auswirkungen dieser Bewertungsmethoden auf den Finanzmarkt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, welche Kriterien tatsächlich prognosefähig sind, über welche Qualität sie verfügen und welche regulatorischen Maßnahmen notwendig sind, um Objektivität und Prognosegüte sicherzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine systematische Literaturanalyse der einschlägigen Theorie und Praxis des Rating-Prozesses, ergänzt um die Auswertung von Kriterienanforderungen aus Sicht der Krisen- und Insolvenzforschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit dem Rating-Ablauf, der methodischen Trennung zwischen quantitativen Bilanzdaten und qualitativen Management- oder Strategiebewertungen sowie der kritischen Diskussion der Aggregationsverfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Rating-Qualität, Insolvenzprognose, Basel II, qualitative vs. quantitative Kriterien, Kapitalmarkteffizienz und regulatorische Anforderungen.
Warum ist die Unterscheidung zwischen quantitativen und qualitativen Kriterien so wichtig?
Während quantitative Kriterien zwar objektiv und kosteneffizient sind, weisen sie durch ihre Vergangenheitsorientierung Defizite bei der Prognose zukünftiger Krisen auf, weshalb qualitative Kriterien zur Ergänzung notwendig sind, obwohl sie subjektiv geprägt sind.
Welche Rolle spielt die Reputation für Rating-Agenturen?
Die Reputation fungiert als Marktzutrittsschranke und Anreiz für Qualität, wobei gleichzeitig die Gefahr besteht, dass etablierte Agenturen aufgrund ihrer starken Marktstellung weniger Anreize für stetige Innovationen haben.
- Quote paper
- Christian Klein (Author), 2004, Beurteilungskriterien von Rating-Agenturen - eine kritische Würdigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32976