Einflüsse Marshall McLuhans auf Manuel Castells Theorie der Informationsgesellschaft


Seminararbeit, 2004
33 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Marshall McLuhan – Prophet und Kassandra des Medienzeitalters
2.1 McLuhans Methode
2.1.1 Theorie als Mosaik, Analogie als Bindemittel
2.1.2 Die Methode des schwebenden Urteils
2.2 Querschnitte im Mosaik: McLuhans Medientheorie
2.2.1 Auf den Schultern von Harold Innis
2.2.2 Das Medium ist die Botschaft
2.2.3 Extensions of Man
2.2.4 Das Ende der Gutenberg-Galaxis
2.2.5 Das elektrische Zeitalter: The Global Village
2.3 Soziale Folgen der Technologieentwicklung
2.3.1 Raum und Zeit
2.3.2 Chancen und Risiken

3. McLuhans Einfluss auf Castells Konzept des Informationszeitalters
3.1 Kommunikationstechnologien und Kultur
3.1.1 Die McLuhan-Galaxis
3.1.2 Die Kultur der realen Virtualität
3.2 Der Raum der Ströme und die zeitlose Zeit

4. Fazit

Literatur

1. Einleitung

„Mr. McLuhan, was zum Teufel machen sie eigentlich“

(Eric Norden, „Playboy-Interview mit Marshall McLuhan)

Rund vierzig Jahre nach dem Erscheinen von „Understanding Media“ soll die Medientheorie Marshall McLuhans auf ihre gegenwärtige Konsistenz, ihre Vorhersagekraft und ihr Erklärungspotenzial geprüft werden.

Begriffe wie das „Globale Dorf“ sind in Zeiten einer weitgehend realisierten instantanen weltweiten Datenkommunikation zu Schlagworten geworden. Nicht zuletzt durch die Antizipation in der postmodernen Medientheorie Baudrillards hat McLuhans Theorie seit den 1990er Jahren eine Renaissance erfahren. Die Theorie McLuhans soll hinsichtlich der Ursachen und Wirkungen des (medien-) technologischen Wandels und möglicher Querverweise bezüglich des von Castells beschriebenen Epochenbruchs untersucht werden .

Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf McLuhans Einfluss auf die Betrachtung des heraufziehenden Informationszeitalters, wie es von Manuel Castells in seiner umfassenden Analyse „Das Informationszeitalter“ beschrieben worden ist. Nachdem in einem ersten Schritt die für diese Arbeit relevanten Theoreme McLuhans herausgearbeitet werden, sollen sie anschließend mit Castells Konzept der Netzwerkgesellschaft in Beziehung gesetzt werden. Was vereint McLuhan und Castells bei der Beschreibung des angebrochenen Medienzeitalters, wo liegt gewissermaßen die Schnittmenge beider Theorien? Welche Bedeutung wird McLuhans in dieser neuesten Theorie der Informationsgesellschaft zugewiesen?

Neben den Schnittstellen ist jedoch auch nach den Bruchstellen zu fragen, nach Differenzen, Abweichungen und Missverständnissen. Welche Teile des oftmals überbordenden Mosaiks von McLuhans Theorie werden verwendet, welche dagegen ausgelassen?

Im Hintergrund soll die grundsätzliche Frage nach dem Ursache-Wirkungs-Verhältnis von Technologie und Gesellschaft immer mitgedacht werden: Wie verhalten sich die Theorien gegenüber der politikwissenschaftlichen Fragestellung der Beziehungen von technologischer Entwicklung und gesellschaftlich-politischer Steuerung?

2. Marshall McLuhan – Prophet und Kassandra des Medienzeitalters

1964 erschien „Understanding Media“, das Hauptwerk des kanadischen Anglisten Marshall McLuhan, dessen Erfolg ihn in den gesellschaftlich-kulturellen Umbrüchen der späten 1960er Jahre zum „international anerkannten Guru des elektronischen Zeitalters“ (Philip Marchand[1]) erhoben hat.

McLuhan represents the new media as in line with the most spaced out representatives of 1960s counter-cultural movements. The new mode of perception, for those tuned in enough not to have dropped out, eradicates social difference and involves human beings in a drug-like embrace of togetherness. (Stevenson 1995, 121)

Die Brisanz von McLuhans Thesen und Gedankenspielen brachten ihm heftige Kritik ein, unter politisch-kulturellen, medientheoretischen und methodischen Aspekten. Dem nachlassenden Interesse an der sperrigen und provokativen (Medien-) Theorie McLuhans folgte in den 1980er Jahren eine Renaissance, nicht zuletzt bedingt durch die Rezeption in der postmodernen Gesellschaftstheorie (Baudrillard) und die einsetzende „Informatisierung der Gesellschaft“ (Nora/ Minc). Durch diese Entwicklung, die nach neuen Erklärungsansätzen verlangte, hat McLuhan heute als „prominentester Pionier der Medientheorie“ (Kloock/ Spahr) seinen umstrittenen Platz in der Medien- und Techniktheorie gefunden.

2.1 McLuhans Methode

How does one understand Marshall McLuhan? The answer is a quintessentially

McLuhanesque paradox: To understand McLuhan, you must read McLuhan, but to read

McLuhan, you must first understand McLuhan. (Federman 2003, 1)

Die Paradoxie dieser wohlwollend formulierten Rezeptionsanleitung bezeichnet die Schwierigkeit, den Gedankenfluss des Medientheoretikers McLuhan adäquat zu erfassen. Durch die unorthodoxe Methode McLuhans entziehen sich seine Texte zunächst dem systematischen Zugriff. Die vorangestellte Untersuchung der Methode McLuhans eröffnet jedoch Möglichkeiten, quer zum Text verschiedene Kernelemente der Medientheorie zu isolieren und zu bündeln. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit soll anhand dieser systematischen Linien ein Vergleichsmaß angelegt werden, ohne den ursprünglichen Gehalt und Zusammenhang der Texte zu verzerren.

Um die pointierten Kernaussagen wie „the medium is the message“ und das Schlagwort vom „global village“ herum entwickelt McLuhan einen Text, der durch Gedankensprünge und häufig unzureichend belegte Querverweise aus Literatur, Philosophie und Naturwissenschaft gekennzeichnet ist. Der Autor erweist sich als vielseitig belesener und im heutigen Sinne transdisziplinär arbeitender Gelehrter, dessen Beweisführung und Thesen jedoch mitunter esoterische Züge annehmen. Die unorthodoxe Wissenschaftsauffassung McLuhans hat seinen Ideen schon früh fundamentale Kritik eingebracht, die jedoch häufig zu kurz greift. „Die zwanghafte Eingemeindung McLuhans in eine Kultur akademischer Distanz und perspektivenneutraler Objektivierungen führt – wie die vielen Sekundärtexte zu McLuhan belegen [...] – notwendigerweise zu einer Karikierung seiner Denkfiguren.“ (Schultz 2004, 31) McLuhans Methode, die Wissenschaft mit künstlerisch-literarischen Ansätzen wie denen von James Joyce, William S. Borroughs und Ezra Pound zu verbinden sucht, erfuhr erst mit den popkulturellen Bezügen der Postmoderne eine größere Akzeptanz.

McLuhans literarischer, zuweilen eklektizistischer Argumentationsstil erschwert Rezeption und Verständnis seiner Texte. „Man könnte sogar sagen, dass sein Stil das Ablenkungsmanöver zur Verdunkelung seiner Botschaft war, nämlich dass die Tage der buchdruckorientierten Bastarde, der tyrannischen Herrschaft der linken Hirnhälfte und des fragmentierten Sensoriums gezählt sind.“ (Neil Postman in: Marchand 1999, 11)

McLuhan selbst hat sich nur vereinzelt zu seiner Methode geäußert. Dennoch sollen im folgenden zwei methodische Prinzipien betrachtet werden, um ein möglichst angemessenes Verständnis der Texte zu ermöglichen: Die Mosaikform seiner Arbeit und die Analogieschlüsse seiner Argumentation sowie die Methode des „schwebenden Urteils“.

2.1.1 Theorie als Mosaik, Analogie als Bindemittel

McLuhan’s work is mosaic. It cannot be understood as a linear construction, beginning at the beginning and proceeding through the middle to the end. He presents no linear argument, no consistently built case of evidence, yet his body of work is remarkably consistent, except when it’s not. His evidence is clearly presented, except when it’s obscure. (Federman 2003, 1)

Die Form von McLuhans Argumentation ist verzahnt mit einer seiner Hauptthesen, dem kulturellen Epochenbruch zwischen der „Gutenberg-Galaxis“ und dem Zeitalter der Elektrizität – wie Neil Postman formulierte: „Die Methode ist die Botschaft“ (Marchand 1999, 8). Die aus dem Buchdruck entstandene Form der linearen Argumentation, die den Regeln der induktiven oder deduktiven Logik folgen ersetzt McLuhan durch die Form des Mosaiks. „Das Verfahren analytischer Trennungen soll durch den Aufweis von Konstellationen, Wechselwirkungen und Beziehungen zwischen Phänomenen auf verschiedenen Ebenen abgelöst werden.“ (Kloock/ Spahr 2000, 41).

Mit dem von McLuhan postulierten „Ende der Gutenberg-Galaxis“ sei es notwendig, zu einer neuen Form der wissenschaftlichen Analyse zu kommen. „Heute, im Zeitalter der Elektrizität, steht es uns frei, nicht-lineare Logiken zu erfinden, genauso wie das für nicht-euklidische Geometrie der Fall ist.“ (McLuhan 1995, 135) Dabei versetzt er seine medientheoretischen Überlegungen häufig mit literarischen Vergleichen:

Es könnte die spitzfindige Frage aufgeworfen werden, ob Shakespeare sich in diesen bekannten Versen aus „Romeo und Julia“ nicht auf das Fernsehen beziehe. (McLuhan 1995, 24)

Für den Anglisten McLuhan mögen Vergleiche wie dieser schlüssig und beweiskräftig gewesen sein. Dennoch können seine absurd anmutenden Gedankenspielen nicht gerade als intersubjektiv nachvollziehbare Belege gelten, zumal McLuhan seine Zitate und Verweise häufig nur unzureichend belegt.

Um die Segmente seiner Mosaike zu verbinden, bedient sich McLuhan vor allem des Analogieschlusses. Bereits Oswald Spengler hatte den Analogieschluss als das Mittel zur Erkenntnis des Wesens der Geschichte erklärt:

„Das Mittel, tote Form zu erkennen, ist das mathematische Gesetz. Das Mittel, lebendige Form zu verstehen, ist die Analogie.“ (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, München 1983, 4) Das erkenntnistheoretische Problem des Analogieschlusses ist jedoch seine Ungenauigkeit, die viele Faktoren außer acht lässt und nur zu annähernden Ergebnissen führt – was sowohl Spengler wie auch McLuhan den Vorwurf der Demagogie eingebracht hat. Dass McLuhan sich mit Spengler auseinandergesetzt hat, geht aus seinen Texten hervor. McLuhan bezeichnet seine Vergleiche jedoch nicht als Analogien, sondern als Metaphern. Inhaltlich distanziert er sich von Spenglers „Untergang des Abendlandes“: „Wir müssen apokalyptischen Schriftstellern wie Spengler, die unsere Techniken als Besucher aus dem All sehen, nicht dankbar sein. Leute wie Spengler sind dem Stammeszauber erlegen und verlangen gierig danach, in das kollektive Unbewusste und den ganzen Rausch der Zahlen zu versinken.“ (McLuhan 1995, 173)

2.1.2 Die Methode des schwebenden Urteils

Es war Bertrand Russell, der sagte, dass die Methode des „schwebenden Urteils“ die größte Entdeckung des zwanzigsten Jahrhunderts gewesen sei. (McLuhan 1995, 104)

Die ,,Methode des schwebenden Urteils" schließt einen ,,festen Standpunkt" der Wissenschaften und Denkmethoden aus und fordert statt dessen die Relativität der eigenen Perspektive. Nach McLuhan ergibt sich diese Notwendigkeit aus unserer heutigen medialen Situation. Diese sei gekennzeichnet durch die Bedingungen simultaner Informationsbewegungen und totaler menschlicher Interdependenz und mache einen ,,festen Standpunkt" in diesem dynamischen Gefüge nicht mehr möglich. (Vgl. McLuhan 1995, S. 80 und McLuhan 1995: Die Gutenberg-Galaxis, S. 342) Zur Verdeutlichung seiner Theoriebildung verweist McLuhan auf Edgar Allan Poes Erzählung ,,A Descent into the Maelström" Einige Fischer geraten mit ihrem Boot in einen gewaltigen Meeresstrudel und werden in immer schnelleren Kreiselbewegungen zum Grund gezogen. Nur einer der Fischer kann sich retten, indem er seine Panik bekämpft und die Bewegungen des Wirbels studiert. Schließlich erkennt er seien Funktionsweise und kann dieses Wissen zum Überleben nutzen. Nach dieser Parabel gäbe es keinen archimedischen Punkt, von der eine Theorie heute ausgehen könnte (McLuhan spricht von der „Illusion des ‚eigenen Standpunktes’“). Ohne festen Boden unter den Füßen muss sie eine eigene Position finden, und so die Vorgänge in ihrer Umwelt nachvollziehen.

Die Verwendung der literarischen Parabel ist typisch für McLuhans Stil. Im Vorgriff auf Abschnitt 2.2.3 lässt sich jedoch sagen, dass sich die „Methode des schwebenden Urteils“ nicht zuletzt aus der Revolution der Newtonschen Physik durch Einstein und Heisenberg[2] speist. „Mit Albert Einsteins Relativitätstheorie verliert im zwanzigsten Jahrhundert die bisherige Grundlage einer philosophischen Erkenntnistheorie an Relevanz.“ (Hartmann 2000, 263) Die logisch-lineare Form des cartesianischen Weltbildes und die Vorstellung Bacons, dass erkennende Subjekte auf unverrückbare Objekte einwirken, ist nach der von Heisenberg eingeführten Idee der notwendigen Unschärfe wissenschaftlicher Erkenntnis nicht mehr aufrechtzuerhalten. Der Beobachter ist zugleich Teilnehmer eines Geschehens, dass er durch seine Teilnahme verändert. Das lineare Denken, für McLuhan vor allem durch Gutenbergs Buchdruck hervorgerufen und symbolisiert, kommt zu einem Ende:

Heute ist das große Prinzip der klassischen Physik, Wirtschafts- und Staatswissenschaft, nämlich das der Teilbarkeit jedes Prozesses durch reine Ausweitung, in die ganzheitliche Feldtheorie umgeschlagen; und die Automation in der Industrie ersetzt die Teilbarkeit eines Prozesses durch die organische Verflechtung aller Funktionen zu einem Komplex. (McLuhan 1995, 67)

McLuhan stellt die mechanistische und lineare Weltauffassung von Newton und Locke bezeichnenderweise den mythischen Dichtungen William Blakes gegenüber: „Newton gelang es, im Zeitalter der Uhren das materielle Universum im Bild der Uhr vorzustellen. [... ] Blake sprach von der Notwendigkeit einer Befreiung ‚vom Sehen allein und von Newtons Schlaf’, und er wusste sehr gut, dass Newtons Antwort auf die Herausforderung des neuen Mechanismus selbst nur eine mechanische Wiederholung der Herausforderung war.“ (McLuhan 1995, 48)

2.2 Querschnitte im Mosaik: McLuhans Medientheorie

2.2.1 Auf den Schultern von Harold Innis

McLuhans technologisch fundierte Kulturtheorie basiert auf den Arbeiten des kanadischen Wirtschafthistorikers Harold Adams Innis. Innis untersuchte zunächst die gesellschaftsprägende Bedeutung der Entwicklung des Transportwesens und weitete seine Untersuchung auf die Effekte von Kommunikationsmedien aus. Er stellt die These auf, „dass die Zivilisation in ihren verschiedenen Stadien von unterschiedlichen Kommunikationsmedien beherrscht worden ist [...]“[3]. Deren Entwicklung habe nicht nur einen kulturellen Einfluss auf die Individuen, sondern einen geradezu allumfassenden Effekt, etwa auf die Entwicklung politischer Organisation: „Transportable media favoured the growth of administrative relations across space, thereby faciliating the decentralised growth of secular and political authority.” (Stevenson 1995, 116) Es ist Innis grundlegende Annahme - später zentral für McLuhans Medientheorie - dass weniger der Inhalt der Kommunikation, als vielmehr die technischen Imperative des Mediums selbst die individuelle psychische wie auch die gesellschaftliche Entwicklung bestimmen. „Medien werden als materielle Träger der Kommunikation verstanden, welche die soziale Welt formbildend und verhaltenssteuernd prägen.“ (Hartmann 2000, 240)

2.2.2 Das Medium ist die Botschaft

Vor diesem Hintergrund fällt es leichter, die zentrale These McLuhans nachzuvollziehen. Nach McLuhan ist es irreführend, die (Massen-)Medien auf ihre Inhalte und deren Effekte hin zu untersuchen, solange man dabei die immanenten Effekte des Mediums an sich nicht zu erfassen vermag. Als Beispiel führt er das elektrische Licht an. Es ist in seiner Betrachtungsweise ein Medium ohne Inhalt, das dennoch aus reiner Information besteht. Begreift man das elektrische Licht als Kommunikationsmedium, werden die durch das Medium hervorgerufenen Umwälzungen offensichtlich.

„Das elektrische Licht machte der Herrschaft von Tag und Nacht, von Unter-Dach-Sein und Im-Freien-Sein ein Ende. Aber gerade wenn das Licht auf schon bestehende menschliche Organisationsformen stößt, wird hybride Energie frei. [...] Mit einem Wort, die Botschaft des elektrischen Lichts ist die vollkommene Veränderung.“ (McLuhan 1995, 90)

Der Satz „Das Medium ist die Botschaft“ begründet also in erster Linie die Forderung McLuhans, nicht die Inhalte des Mediums, sondern die Logik des Mediums selbst und seine gesellschaftlichen Effekte untersuchen. ,,Denn die ‚Botschaft’ jedes Mediums oder jeder Technik ist die Veränderung des Maßstabs, Tempos oder Schemas, die es der Situation des Menschen bringt." (McLuhan 1995, S. 22)

2.2.3 Extensions of Man

Das Leitmotiv dieses Buches ist der Gedanke, dass alle Techniken Ausweitungen unserer Körperorgane und unseres Nervensystems sind, die dazu dienen, Macht und Geschwindigkeit zu vergrößern. (McLuhan 1995, 142)

In diesem Satz fasst McLuhan den Kern seiner Theorie der Technikentwicklung zusammen: Alle Technologien die Menschen hervorgebracht haben, sind Ausweitungen und Auslagerungen des menschlichen Körpers. Das Rad sei die Ausweitung des Fußes, Kleidung und Wohnung seien Ausweitungen der Haut, Werkzeuge Ausweitungen der Hand. Mit dem Anbrechen des elektrischen Zeitalters habe der Mensch begonnen, sein Zentrales Nervensystem in die elektronische (Informations-) Technik zu erweitern und auszulagern.

Alle Technologien[4] gehen also auf Eigenschaften und Fähigkeiten des Menschen zurück. Sie sind von ihrer Grundlage her keine Erfindungen im Sinne originärer Schöpfungen, insofern ist McLuhans Techniktheorie anthropozentrisch. Für McLuhan ist die Technikentwicklung jedoch nicht nur Ausweitung, sondern zugleich auch Verlagerung oder „Amputation“. Die Auslagerung verursacht einen Schock, in dessen Folge die Wahrnehmung blockiert wird. „Es ist die Funktion des Körpers, als eine Gruppe lebenserhaltender und schützender Organe des Zentralnervensystems, als Stoßdämpfer für plötzlich auftretende Reizveränderungen in der natürlichen und sozialen Umwelt zu wirken.“ (McLuhan 1995, 76)

[...]


[1] Marchand in: Baltes/ Höltschl: Absolute McLuhan, Freiburg 2002, S. 56

[2] In „Understanding Media“ bezieht sich McLuhan nur implizit Heisenberg (vgl. McLuhan 1995, 105)

[3] Harold A. Innis: Die Presse, ein vernachlässigter Faktor in der Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts (1952), zitiert nach Hartmann 2000, 240

[4] McLuhans Medienbegriff ist höchst unscharf, „Medium“ verwendet er häufig analog zu „Technik“ und „Technologie“. Aus Sicht der Medientheorie ist seine unklare Terminologie häufig kritisiert worden. Im Sinne einer Theorie der Technikentwicklung kann der Begriff „Medien“ unter den Begriffen „Technologie“ oder „Technik“ subsumiert werden, denn unzweifelhaft handelt es sich bei jedem Medium um eine solche.

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Details

Titel
Einflüsse Marshall McLuhans auf Manuel Castells Theorie der Informationsgesellschaft
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar Politische Theorie der Technikentwicklung
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
33
Katalognummer
V32980
ISBN (eBook)
9783638335645
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einflüsse, Marshall, McLuhans, Manuel, Castells, Theorie, Informationsgesellschaft, Seminar, Politische, Technikentwicklung
Arbeit zitieren
Jan Tilman Günther (Autor), 2004, Einflüsse Marshall McLuhans auf Manuel Castells Theorie der Informationsgesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32980

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