How Religion Works


Seminararbeit, 2004

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Vorüberlegungen zum Topos Religion

3. Gegenintuitivität als Charakteristikum von Religion

4. Pyysiäinens Kritik an Clifford Geertz und Emile Durkheim

5. Religiöse Vorstellungen und Erfahrung im Lichte einer neurowissenschaftlichen Emotionstheorie

6. Weitere Überlegungen zum Zusammenhang von Emotion und Religion

7. Evaluation und Kritik der Arbeit Pyysiäinens

8. Bibliographie

Vorgelegt von:

René Kaufmann

Ethnologie/Religionswissenschaften

rene.kaufmann@web.de

1. Einleitung

Illka Pyysiäinen verschreibt sich in seiner Arbeit „How Religion Works“ einer großen Aufgabe. Er will eine natürliche Erklärung für die Mechanismen liefern, die religiöses Denken und Verhalten bestimmen. Komparatistisch gesehen taucht die Kategorie Religion in wiederkehrenden Mustern und Ideen auf, die man laut Pyysiäinen durch die kognitions-wissenschaftliche Betrachtung von Religion erklären kann.

Nachdem ich einige grundlegende Prämissen Pyysiäinens vorgestellt habe, soll auf seine Idee von Gegenintuitivität als maßgebliches Charakteristikum für Religion eingegangen werden. Einen weiteren Abschnitt meiner Analyse von Pyysiäinens Arbeit widme ich seiner Kritik an Clifford Geertz und Emile Durkheim. Näher eingehen will ich auf Pyysiäinens Überlegungen zu Emotion als wichtigem Faktor für religiöses Erleben und Denken, da er hier Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften verarbeitet, die für mich eine neuartige Betrachtungsweise von Religion darstellt. Bevor ich seine Arbeit einer eher allgemein gehalteneren Evaluation und Kritik unterziehe, werde ich seine Überlegungen zu Religion als einer spezifisch kognitiven Domäne rekapitulieren, die für Ilkka Pyysiäinen Religion zu einem Gegenstand kognitionswissenschaftlicher Betrachtungen macht.

2. Vorüberlegungen zum Topos Religion

Für Illka Pyysiäinen ist Religion zunächst eine Kategorie, die ein akademisches Konstrukt ist, ein heuristisches Instrument zur Beschreibung von Phänomenen, die sich scheinbar ähneln, aber letztlich im westlich-wissenschaftlichen Kontext deshalb brauchbar sind, weil sie an jüdisch-christliche Ideen und Verhaltensweisen erinnern. Als distinkte Kategorie ist Religion weder in der Realität noch als wissenschaftlich analysierbarer Gegenstand zu finden. Trotzdem gibt es eine Möglichkeit Religion zu betrachten, indem man es als Phänomen von Ähnlichkeiten und wiederkehrenden Mustern betrachtet, das auf der Grundlage beruht, das Menschen darüber nachdenken und Religion erleben. Da Nachdenken und Erleben mentale Prozesse sind, eignet sich ein kognitionswissenschaftlicher Zugang zu Religion, ohne Religion dabei als zusammenhängende Kategorie betrachten zu müssen (Pyysiäinen 2001:5). Der Beitrag der Kognitionswissenschaften soll einen empirischen Rahmen für die Untersuchung liefern, wie religiöse Konzepte angeeignet, repräsentiert und weitergegeben werden.

Was sind nun die besonderen Ähnlichkeiten und wiederkehrenden Muster, die es möglich machen, Religion als Untersuchungsgegenstand auszumachen? Pyysiäinen will dies an dem Konzept übernatürlicher Wesen und dem transzendentalen Bezug, den viele Religionen haben, verdeutlichen. Er schlägt aber vor, diese Konzepte begrifflich zu ersetzen, wovon im Fogenden die Rede sein soll.

3. Gegenintuitivität als Charakteristikum von Religion

Die Idee einer unsichtbaren, transzendenten Realität jenseits der Beobachtbaren ist eine alte, kulturübergreifend vorkommende Vorstellung. Ob in Mesopotamien, in schamanistischen Vorstellungen oder der indianischen Idee einer allem innewohnendern Kraft; Menschen haben sich zu allen Zeiten und in den meisten Teilen der Welt Gedanken über die Möglichkeit einer transzendenten Realität gemacht. In der westlichen Denktradition bildet die platonische Idee des Seins den Ausgangspunkt für eine spätere judeo-christliche Systematisierung des Konzeptes von Transzendenz und schließlich dem Konzept Gott als Absolutem Wesen, das die christliche Theologie beherscht. Das Konzept Gott war vor allem ein aquinatischer Beitrag zur christlichen Theologie . Demnach ist Gott körperlos, pure Essenz, pure Existenz, Einheit, etc.. Problematisch dabei ist, daß dieses abstrakte Konzept keineswegs der Wahrnehmung von einzelnen Gläubigen entspricht. Im „täglichen“ Gebrauch benutzen religiöse Menschen nicht solche Abstraktionen, das gilt für den christlichen Gott ebenso wie für andere, kulturüber-greifend vorkommender Arten übernatürlicher Wesen, seien es Ahnen, Buschgeister, Engel und Dämonen oder polytheistische Gottheiten.

In Menschen setzen sich Konzepte des Übernatürlichen als individuelle Repräsentationen in der mentalen Konfiguration fest. Präzise Studien über die Frage nach religiösen Konzepten müssen auf der Analyse individueller Repräsentationen beruhen, bei der eine emische Sicht erforscht wird. Ein Ausweg besteht also darin, „Übernatürliche Wesen“ als die Beschreibung eines Konzeptes im emischen Kontext zu begreifen. Was im emischen Kontext wiederum als natürlich, bzw. Un-oder übernatürlich begriffen wird, ist eine andere Frage.

Die bessere Alternative ist, „übernatürlich“ oder „übermenschlich“ als das zu bezeichnen, was von Menschen jeweils in Relation dazu als natürlich angesehen wird.

Hier lauert ein Problem. Religiöse Menschen würden durchaus sagen, es gibt Gott und daß Gott die Züge einer Person hat, andersherum würde kaum ein Mensch sagen, es gibt eine Person ohne Körper. Wie Boyer feststellt: intuitiv unnatürliche Dinge können demnach als durchaus real angesehen werden (Boyer 1996:629). Für übernatürliche Wesenheiten gilt demnach: sie sind gegenintuitiv im Verhältnis dazu, was Menschen intuitiv von ihrer Beschaffenheit erwarten. Genau diese Gegenintuitivität übernatürlicher Wesen unterscheidet sie von Menschen. Gemeinsam ist beiden jedoch, daß sie Agenzen sind.

Agenzen, im Sinne selbstgetriebener Träger von Handlung, die 1.zielgerichtet ist, 2.reagiert/agiert und 3.kognitive Fähigkeiten wie Denken, Wissen, Erinnern besitzen.

„We can therefore specify the category ‚god’ using the notion of agency as a key. Gods are agents like humans, but they have such counterintuitive properties as not growing old, not needing food, etc.” (Pyysiäinen 2001:18)

Ausgangspunkt für Religion ist nicht die Frage nach der objektiven Realität religiöser Konzepte oder Agenzen, sondern die Frage, was Menschen intuitiv als natürlich sehen. Es gibt also Konzepte, die für uns intutitiv in natürliche Kategorien passen. Diese Konzepte sind universell, weil sie auf der Informationsverarbeitung unseres kognitven System beruhen. Dieses hat universelle, intuitive Prinzipien, nach dem es beurteilt, was z.B. ein Lebewesen ausmacht, ob und warum sich ein Objekt bewegt, Unterscheidung zwischen Mensch und Tier, etc.. Die materielle Umgebung wird als mehr oder weniger überall gleichartig wahrge-nommen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
How Religion Works
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Religionswissenschaften)
Veranstaltung
Kognition und Religion
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V33017
ISBN (eBook)
9783638335959
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit stellt vergleichend die neuesten theoretischen Überlegungen zum Thema Kognition und Religion dar. Gibt es eine neuronale Essenz, aus der sich Religion begründen lässt? Ist Religion in den kognitiven Strukturen unseres Gehirns "vorprogrammiert"? Anhand der Theorien von u.a. Ilkka Pyysiäinen und Antonio Damasio geht die Arbeit der Frage nach, wieviel die Neurowissenschaften zur Erklärung des Phänomens Religion beitragen kann.
Schlagworte
Religion, Works, Kognition, Religion
Arbeit zitieren
Rene Kaufmann (Autor), 2004, How Religion Works, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33017

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