1 Relevante Theorien
Die Absicht, das Projekt mit vier männlichen Jugendlichen mit geistiger Behinderung durchzuführen, veranlasste mich zu folgenden Überlegungen:
Worin liegen die Vorteile einer geschlechter getrennten Lernsituation? Welche theoretischen Grundlagen zur sexuellen Entwicklung von Buben gibt es?
Gibt es eine „behinderte“ Sexualität? Worin liegen die Unterschiede, die Besonderheiten der Sexualität von geistig Behinderten?
Wie kann der Angst des sexuellen Missbrauchs begegnet werden? Kann das Risiko zum Opfer oder zum Täter zu werden vermindert werden?
Inhaltsverzeichnis
1 AUSGANGSLAGE
1.1 DIE INSTITUTION
1.2 MEINE FUNKTION
1.3 SEXUALPÄDAGOGIK IN DER INSTITUTION
1.3.1 DIE GESCHICHTE
1.3.2 VERÄNDERUNGEN IN JÜNGSTER ZEIT
1.4 KLASSE SCHERRER
1.4.1 DIE SCHÜLER UND DEREN BEEINTRÄCHTIGUNGEN
1.4.2 AUFTRAG DER KLASSENLEHRPERSON
2 PROBLEMSTELLUNG
2.1 ES IST NORMAL VERSCHIEDEN ZU SEIN – SICHTWEISE VON BEHINDERUNG
2.2 WIE MÜSSEN INHALTE VERMITTELT WERDEN; BZW. WAS BEI HOCHSCHULABSOLVENTEN BEWIESEN WERDEN MUSS IST BEI MENSCHEN MIT BEHINDERUNG NORMAL
3 RELEVANTE THEORIEN
3.1 MÄNNLICHE SEXUALISATION
3.2 SEXUALITÄT UND GEISTIGE BEHINDERUNG
3.3 SEXUELLE AUSBEUTUNG UND GEISTIGE BEHINDERUNG
3.4 RELEVANTE SCHNITTPUNKTE DER THEORIEKOMPLEXE
4 PRAXISPROJEKT
4.1 RAHMENBEDINGUNGEN
4.2 INHALTE
4.2.1 EINSTIEG
4.2.2 HAUPTTEIL
4.2.3 AUSSTIEG
4.3 BESCHRIEB EINER DER EINHEITEN
4.3.1 EINSTIEG
5 GEWONNENE ERKENNTNISSE
5.1 WIE IST ES MIR ERGANGEN
5.2 WIE IST ES DEN BUBEN ERGANGEN
5.3 WAS HAT SICH VERÄNDERT
6 ANHANG
6.1 LITERATURLISTE
6.2 ARBEITSDOKUMENTATIONEN
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit verfolgt das Ziel, männliche Jugendliche mit geistiger Behinderung umfassend sexuell aufzuklären und dabei zentrale Aspekte wie Identitätsfindung, Beziehungsgestaltung und Prävention vor sexueller Ausbeutung zu berücksichtigen. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie ein solches Projekt methodisch gestaltet werden muss, um den individuellen kognitiven Fähigkeiten der Jugendlichen gerecht zu werden und ihre Mündigkeit zu fördern.
- Methodik der geschlechtergetrennten Sexualpädagogik bei Jugendlichen mit geistiger Behinderung
- Vermittlung von Wissen über den eigenen Körper, Intimität und sexuelle Identität
- Implementierung von Präventionsregeln gegen sexuelle Ausbeutung und Missbrauch
- Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen und persönlichen Werten im Kontext von Behinderung
- Integration situativer Lernangebote in den schulischen Alltag zur Förderung der Selbstbestimmung
Auszug aus dem Buch
4.3.1 Einstieg
Sobald die Jugendlichen das Schulzimmer betreten finden sie es toll, dass sie heute anscheinend schlafen dürfen und nehmen den Raum auf den ausgelegten Matten ein. Sie bejahen die Frage ob sie gerne mit Tennisbällen den Rücken massiert bekommen und bilden gleich Paare. Ich bin Frank behilflich, da es ihm mit nur einem Ball besser gelingt als beidhändig. Langsam wird es etwas ruhiger im Zimmer mit Unterbrüchen wie stöhnen, ächzen oder lachen. Abschliessend wünschen alle von mir massiert zu werden, was ich auch kurz mit jedem Einzelnen mache. Als Gegenleistung erhalte ich eine Massage von vier Jugendlichen gleichzeitig, welche ich als angenehm empfinde.
Folgend ein Gesprächsauszug (Die Namen der Jungen sind abgeändert):
Ich nehme Bildmaterial hervor aus dem Buch „Zeig mal Mehr“ und schlage die Seite mit einem erigierten Penis auf.
Dani: Dieses Buch kenne ich, ach Scheisse.
Frank: Das ist huere geil.
Dani: Das ist aber ein grosser Penis.
Frank: Schau der geht in die Scheide rein. Der reibt ja schon dran.
Gelächter
Karl: Schau mal der ist steif, der ist steif, schau mal.
Frank: Der kann ein Kondom anziehen.
Ich: Ja was ist denn das ganz besondere an einem Penis?
Heinz: Man kann ihn wixen.
Dani: Und damit pissen.
Ich: Genau, das besondere ist, dass wir einen Penis für mehr als nur etwas gebrauchen können. Mann kann ihn zum pinkeln brauchen und...
Heinz: zum ficken.
Ich: Für den Geschlechtsverkehr, richtig. Und dann gibt es ja noch zwei verschiedene Sachen..
Karl: zum operieren wenn er verstopft ist.
Ich: Ich meinte noch, dass das Besondere ist, dass er schlaff und steif sein kann. Kommt wir schauen zuerst mal was alles zum Penis gehört.
Zusammenfassung der Kapitel
1 AUSGANGSLAGE: Beschreibt die institutionellen Rahmenbedingungen des Heilpädagogischen Zentrums Hagendorn sowie den Anlass für die Durchführung des Sexualpädagogik-Projekts.
2 PROBLEMSTELLUNG: Reflektiert die Sichtweise auf geistige Behinderung und die pädagogische Notwendigkeit, sexuelle Bildung an die individuellen kognitiven Fähigkeiten der Lernenden anzupassen.
3 RELEVANTE THEORIEN: Erörtert theoretische Ansätze zur männlichen Sexualisation, Sexualität bei Behinderung sowie die Problematik sexueller Ausbeutung.
4 PRAXISPROJEKT: Dokumentiert die konkrete Planung, Durchführung und methodische Gestaltung der sexualpädagogischen Einheiten mit den Jugendlichen.
5 GEWONNENE ERKENNTNISSE: Evaluiert die Erfahrungen des Autors und der Jugendlichen, reflektiert den Lernerfolg und zeigt auf, wie das Projekt zukünftig weiterentwickelt werden kann.
6 ANHANG: Enthält die verwendete Literatur sowie Arbeitsdokumentationen und Lektionsvorbereitungen als Grundlage für die praktische Arbeit.
Schlüsselwörter
Sexualpädagogik, Geistige Behinderung, Jungenarbeit, Männliche Sexualität, sexuelle Aufklärung, Prävention, sexuelle Ausbeutung, Identitätsfindung, Selbstbestimmung, Körperbild, sexuelle Integrität, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption und Umsetzung eines sexualpädagogischen Projekts für männliche Jugendliche mit geistiger Behinderung in einem heilpädagogischen institutionellen Rahmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die sexuelle Entwicklung, geschlechtsspezifische Identitätsbildung, Aufklärung über den eigenen Körper, Prävention sexueller Gewalt sowie der Umgang mit Nähe, Distanz und Intimität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den beteiligten Jungen einen Beitrag zur Identitätsfindung zu leisten, ihren Wissensstand über Sexualität zu komplementieren und sie durch das Erlernen von Präventionsregeln zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen praxisorientierten Ansatz, der theoretische Konzepte zur Jungenarbeit und Sexualpädagogik mit der situativen, erfahrungsorientierten Arbeit am Jugendlichen (z.B. durch Anschauungsmaterial, Traumreisen und Gruppengespräche) verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen das konkrete Praxisprojekt mit seinen Rahmenbedingungen, den Inhalten der sechs Lerneinheiten (vom Einstieg über den Hauptteil bis zum Ausstieg) sowie eine detaillierte Dokumentation einer beispielhaften Einheit dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Sexualpädagogik, geistige Behinderung, Prävention, sexuelle Integrität, Identitätsfindung und Selbstbestimmung.
Wie ging der Autor mit dem hohen Informationsbedürfnis und der Unruhe der Jugendlichen um?
Der Autor integrierte die direkten Fragen und Bedürfnisse der Jugendlichen aktiv in die Planung der Folgestunden, um so eine höhere Relevanz und Beteiligung sicherzustellen, während er gleichzeitig klare Strukturen für den Umgang mit dem Thema beibehielt.
Warum wurde in diesem Projekt eine geschlechtergetrennte Lernsituation gewählt?
Die Trennung erfolgte aus der Überzeugung, dass Jungen eine höhere reflektive Selbstwahrnehmung entwickeln können, wenn sie nicht unter dem Erwartungsdruck oder der Bewertung durch Mädchen stehen und die Solidarität innerhalb der Gruppe gefördert wird.
- Quote paper
- Markus Betschart (Author), 2002, Sexualpädagogisches Projekt für Jungen mit geistiger Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33051