In dieser Arbeit werden zunächst allgemeine Informationen zum frühkindlichen Autismus und einer Auswahl anderer Entwicklungsstörungen geben. Anschließend die Symptome, Ursachen und mögliche Behandlungsmethoden des frühkindlichen Autismus aus der klinischen Lernpsychologie vorgestellt und erläutert.
Unter Autismus versteht man eine schwere Entwicklungsstörung, die vor allem gekennzeichnet ist durch einen Mangel an Sprach- und Kontaktfähigkeit – das Wort „autos“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „selbst“. Erstmals verwendet wurde der Begriff „autistisch“ 1911 von Eugen Bleuler, einem Schweizer Psychiater, um schizophrene erwachsene Patienten zu beschreiben, die durch starke Selbstbezogenheit und sozialen Rückzug auffielen. 1943 benutzte der Kinderpsychologe Leo Kanner den Begriff Autismus bei Kindern, deren Verhalten sich von schizophrenen und behinderten Kindern unterschied. Auffallend bei den von ihm beobachteten autistischen Kindern war eine Einschränkung der Sprachfähigkeit, die Unfähigkeit, mit anderen Personen Kontakt aufzunehmen, und die sogenannte autistische Einsamkeit, die Abkapselung von der menschlichen Welt, welche schon im ersten Lebensjahr erkennbar ist. Reize aus der Umwelt können von dem Kind nicht richtig aufgenommen werden oder werden teilweise völlig ignoriert. Aufgrund des frühen Auftretens der Symptome dieser Entwicklungsstörung im Lebensalter, prägte Kanner den Begriff des frühkindlichen Autismus oder Kanner-Syndroms.
Erst in den achtziger Jahren wurde Autismus schließlich als eigenständige diagnostische Krankheit anerkannt, die sich von Schizophrenie unterscheidet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was bedeutet frühkindlicher Autismus?
3. Ein Vergleich mit ähnlichen psychischen Störungen
4. Symptomatik
4.1. Einschränkungen in der Sprach- und Kommunikationsentwicklung
4.1.1. Echolalie
4.1.2. Vertauschen der Pronomen
4.1.3. Der metaphorische Sprachgebrauch
4.2. Abweichungen im sozialen Verhalten
4.3. Widerstand gegenüber Veränderungen
4.4. Körperliche und motorische Auffälligkeiten
4.5. Spielverhalten
4.6. Einschränkungen in der sensorischen Wahrnehmung
5. Intelligenz autistischer Kinder
6. Ursachen des frühkindlichen Autismus
6.1. Psychologische Ursachen
6.2. Biologische Ursachen
6.2.1. Genetische Disposition
6.2.2. Biochemische Faktoren
6.2.3. Hirnorganische Abweichungen
7. Behandlungsmöglichkeiten des frühkindlichen Autismus
7.1. Verhaltenstherapien
7.1.1. Erlernen sozialer Kompetenzen
7.1.2. Abbau unerwünschter Verhaltensweisen
7.1.3. Sprachtraining
7.2. Psychodynamische Methode
7.3. Medikamentöse Therapie
8. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Syndrom des frühkindlichen Autismus, um ein umfassendes Verständnis über das Störungsbild, seine Symptomatik und die daraus resultierenden therapeutischen Herausforderungen zu vermitteln. Ziel ist es, den aktuellen Stand der klinischen Lernpsychologie darzulegen und die komplexen biologischen sowie psychologischen Einflussfaktoren zu analysieren.
- Historische Einordnung und Definition des Kanner-Syndroms
- Detaillierte Analyse autistischer Symptome (Sprache, Sozialverhalten, Wahrnehmung)
- Diskussion potenzieller biologischer und psychologischer Ursachen
- Evaluierung verhaltenstherapeutischer Interventionsansätze
- Untersuchung der Rolle von Modelllernen und Verstärkern in der Therapie
Auszug aus dem Buch
4.4. Körperliche und motorische Auffälligkeiten
Autistische Kinder sehen eigentlich völlig gesund und „normal“ aus und zeigen gegenüber Gleichaltrigen keine physischen Unterschiede. Sofern keine zusätzliche Erkrankung vorliegt, offenbaren sich bei Kindern mit frühkindlichem Autismus keine Einschränkungen in ihrer Motorik. Es sind manchmal minimale Besonderheiten im Gang der Kinder sichtbar, da sie gelegentlich nur auf Zehenspitzen laufen, jedoch kann dies bei gesunden Kindern genauso auftreten.
Auffällig bei Autisten sind dagegen merkwürdige Hand- und Körperbewegungen, die sie auffallend häufig wiederholen. Diese „selbststimulierenden Verhaltensweisen“, wie Fuchteln mit den Armen, Schaukeln des Körpers oder grimassieren können sie scheinbar endlos ausführen. In besonders extremen Fällen führen diese stereotypen Bewegungen sogar zur Selbstverletzung. Diese Kinder reißen sich beispielsweise Haare aus oder schlagen ihren Kopf gegen Wände oder Tische. In Untersuchungen wurde festgestellt, dass die stereotypen Verhaltensweisen, die bis zur Selbstverletzung führen können, eine Art Schutzfunktion für autistische Kinder darstellen, denn es wurde eine Zunahme dieser Handlungen ermittelt, wenn eine Situation aufgetreten ist, in der die Kinder sich gefährdet und unsicher fühlen. Die selbstverletzenden Verhaltensweisen deuten daher auf eine möglicherweise sehr große Not der Kinder hin, wobei die hervorgerufenen Aggressionen sich gegen die eigene Person umorientiert haben, da sie der empfundenen Bedrohung nicht entgegentreten können oder wollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert den Autismusbegriff und erläutert die historische Entwicklung der Diagnose durch Bleuler und Kanner.
2. Was bedeutet frühkindlicher Autismus?: Beschreibt das Krankheitsbild und die Herausforderungen für die Lebensführung der Betroffenen.
3. Ein Vergleich mit ähnlichen psychischen Störungen: Grenzt den Autismus von verwandten Störungen wie dem Asperger- oder Rett-Syndrom ab.
4. Symptomatik: Detailliert die vielfältigen Erscheinungsformen in Bereichen wie Sprache, soziales Verhalten und Wahrnehmung.
5. Intelligenz autistischer Kinder: Erörtert die kognitive Varianz und die Problematik bei der Durchführung standardisierter Intelligenztests.
6. Ursachen des frühkindlichen Autismus: Analysiert biologische und psychologische Erklärungsmodelle für die Entstehung der Störung.
7. Behandlungsmöglichkeiten des frühkindlichen Autismus: Stellt verhaltenstherapeutische Ansätze sowie medikamentöse und psychodynamische Methoden vor.
8. Zusammenfassung: Fasst die Belastung durch die Störung zusammen und betont die Notwendigkeit individueller therapeutischer Betrachtung.
Schlüsselwörter
Frühkindlicher Autismus, Kanner-Syndrom, Entwicklungsstörung, Echolalie, soziale Kompetenzen, Verhaltenstherapie, Modelllernen, Neurotransmitter, genetische Disposition, sensorische Wahrnehmung, Selbststimulation, Kommunikationstraining, pädagogische Programme, Verhaltensweisen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet eine fundierte Übersicht über das Syndrom des frühkindlichen Autismus, beleuchtet seine Kennzeichen und diskutiert Behandlungsmöglichkeiten.
Welche Themenbereiche stehen im Fokus?
Die zentralen Felder sind die Symptomatologie, die Ursachenforschung sowie die praktische Anwendung von lernpsychologischen Therapiemethoden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird das Ziel verfolgt, das Verständnis für die Bedürfnisse autistischer Kinder zu vertiefen und therapeutische Ansätze zur Steigerung der Lebensqualität aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse klinisch-psychologischer und lernpsychologischer Erkenntnisse zur Entstehung und Behandlung des Autismus.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Sprachauffälligkeiten, soziales Rückzugsverhalten, motorische Besonderheiten sowie die Wirksamkeit von verhaltenstherapeutischen Interventionen.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Wichtige Begriffe sind frühkindlicher Autismus, Kanner-Syndrom, Verhaltenstherapie, Modelllernen und kommunikative Einschränkungen.
Warum ist der Einsatz von Bestrafungen in der Therapie umstritten?
Obwohl Bestrafungen unerwünschtes Verhalten reduzieren können, belasten sie das Vertrauensverhältnis zwischen dem Kind und dem Therapeuten stark und hemmen den Aufbau sozialer Beziehungen.
Welche Bedeutung hat die häusliche Umgebung bei der Therapie?
Die Einbindung der Eltern ist essenziell, da autistische Kinder Schwierigkeiten haben, Erlerntes auf neue Situationen zu übertragen; die Übung im Alltag erleichtert diesen Transfer erheblich.
- Quote paper
- Darina Damm (Author), 2004, Frühkindlicher Autismus. Symptome, Ursachen und Therapien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33052