In den zwanziger Jahren bildet das Rechnungswesen die Domäne der deutschen Betriebswirtschaft. Erich Gutenberg überspitzt die vorliegende Situation damit, dass er diese Disziplin in den ersten Jahrzehnten als eine „Betriebswirtschaftslehre der Wirtschaftsprüfer“ bezeichnet. Dort wurden die wissenschaftlich relevanten Leistungen erbracht. Eine einheitliche Betriebswirtschaftslehre gab es nicht, sie lag zerstückelt in vielen kleinen Einzeldisziplinen vor. Zu dieser Zeit standen sich grundsätzlich zwei Lager gegenüber. Eine Richtung die sich als Kunstlehre verstand, praxis- und anwendungsorientiert arbeitete und sich als Verfechter der Gemeinwirtschaft ansah und eine entgegengesetzte Richtung, die konsequent theoretisch und einkommensorientiert wissenschaftlichen Charakter besaß. Zunächst setzte sich die erste Richtung mit seinem Vertreter Eugen Schmalenbach durch.
Bereits zu dieser Zeit, in der sich die Betriebswirtschaftslehre noch am Anfang ihrer zweiten Entwicklungsphase befand, wählte Erich Gutenberg als Thema seiner Habilitationsschrift „Die Unternehmung als Gegenstand betriebswirtschaftlicher Theorie “. Erich Gutenberg wurde von der Idee geleitet die betrieblichen Teilbereiche Produktion, Absatz und Finanzierung in einen Gesamtzusammenhang zu bringen. Gutenberg schreibt 1929: „So gesehen kann man die Unternehmung als einen Komplex von Quantitäten bezeichnen, die in gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnissen zueinander stehen (funktional verbunden sind) (...) “. In den 1951 folgenden „Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre“ steht die Produktivitätsbeziehung zwischen Faktoreinsatz und Faktorertrag im Mittelpunkt. Die Verbindung erfolgt mikroökonomisch unter Ausschaltung des Irrationalen mit Hilfe einer Produktionsfunktion. Das Werk löste absolute Zustimmung wie auch strikte Ablehnung aus. Mit Hilfe seines Gesamtwerks, bestehend aus Band 1 Produktion, Band 2 Absatz und Band 3 Finanzierung, gelang es Erich Gutenberg, ein geschlossenes Einflussgrößensystem zu etablieren. Das Erscheinen der „Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre“ kann durchaus als das bedeutsamste Ereignis für die Entwicklung der betriebswirtschaftlichen Theorie angesehen werden und hat damit den theoretischen Grundstein für die allgemeine Betriebswirtschaft gelegt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gutenbergs Theorie
2.1 Vorgehensweise
2.2 System der Unternehmung
2.3 Bedingungen der menschlichen Arbeitsleistung
3 Kritische Anwendung auf das Thema Personal
3.1 Der ökonomischer Kern des Personalwesens
3.2 Leerstellen der Theorie Gutenbergs
3.2.1 Erweiterter Bezugsrahmen der Personalwirtschaftslehre
3.2.2 Übertragbarkeit der Theorie auf die heutige Praxis
4 Generelle Kritik
4.1 Zweiter Methodenstreit
4.2 Vollkommene Information
4.3 Vorgehensweise
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Relevanz und Anwendung der Theorie von Erich Gutenberg, insbesondere hinsichtlich des Personals als Produktionsfaktor, unter kritischer Beleuchtung moderner personalwirtschaftlicher Anforderungen.
- Grundlagen der betriebswirtschaftlichen Theorie nach Erich Gutenberg
- Analyse des Systems der Produktionsfaktoren und menschlicher Arbeitsleistung
- Kritische Reflexion der "Leerstellen" in Gutenbergs Modell aus heutiger Sicht
- Diskussion genereller Kritikpunkte wie Methodenstreit und Informationsannahmen
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Erweiterter Bezugsrahmen der Personalwirtschaftslehre
Obwohl die vielen Einflussgrößen mit den Mitteln der Zeit zusammengestellt wurden, besitzen sie keinen statischen Charakter, so dass sich die einzelnen Einflussgrößen mit der Zeit ausdifferenzierten und sich die Theorie stetig weiterentwickelte. Dies spricht für die Elastizität des Systems, das es scheinbar mühelos erlaubt, neue Forschungsergebnisse in die Systematik einzubauen. Gesellschaftliche Trends, wie die Globalisierung, die Ausbreitung der sozialen Marktwirtschaft, zunehmende Frauenarbeit oder das Umweltbewusstsein, verändern die Gesellschaft und mit ihr die Unternehmen. Ein Kennzeichen dafür, dass Gutenberg diese Dynamik erkannte, ist das Kapitel in Band 1, in dem er sich zur Veränderbarkeit der Arbeitsverrichtung äußert. Das von ihm vorgeschlagene permanente Streben nach Verbesserungen in der Arbeitsverrichtung, hat auch in der Personalwirtschaftslehre eine permanente Suche nach neuen Bestimmungsgrößen der Ergiebigkeit menschlicher Arbeitsleistung ausgelöst. Dementsprechend stellt Gutenbergs Theorie nur einen Teil des Bezugsrahmens der Personalwirtschaftslehre dar.
Im Wesentlichen hat Gutenberg an der Bereitstellung des Personals seine Systematik angesetzt. Der Blick auf den Menschen ist gesteuert von der Vorstellung, die naturwissenschaftlichen Geheimnisse, d.h. Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Körpers zu entdecken und damit ein verbessertes Verhältnis von Faktorertrag zu Faktoreinsatz zu erzeugen. Der Personalbestand muss geplant, das Personal rekrutiert, ausgewählt, eingesetzt, entwickelt und entlohnt werden. Diese Fragen können auch heute als instrumentell orientierter Kern der Personalwirtschaftslehre angesehen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet den historischen Kontext der Entstehung der Betriebswirtschaftslehre und führt in das zentrale Thema der Arbeit ein.
2 Gutenbergs Theorie: Hier werden die methodischen Ansätze Gutenbergs, sein System der Unternehmung und die spezifischen Bedingungen menschlicher Arbeitsleistung systematisch dargelegt.
3 Kritische Anwendung auf das Thema Personal: Das Kapitel analysiert den ökonomischen Kern des Personalwesens und deckt durch den Vergleich mit modernen Standards "Leerstellen" in Gutenbergs Theorie auf.
4 Generelle Kritik: Es folgt eine Auseinandersetzung mit grundlegenden theoretischen Kontroversen wie dem Methodenstreit und den Annahmen über Informationsverfügbarkeit.
5 Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse der Analyse zusammen und würdigt die Bedeutung von Gutenbergs Theorie als Fundament der Betriebswirtschaftslehre.
Schlüsselwörter
Erich Gutenberg, Personalwirtschaftslehre, Produktionsfaktor, Faktorkombination, Arbeitsleistung, Dispositiver Faktor, Betriebswirtschaftliche Theorie, Methodenstreit, Personalstrategie, Humankapital, Organisation, Gewinnmaximierung, Rationalität, Unternehmung, Arbeitsbedingungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der betriebswirtschaftlichen Theorie von Erich Gutenberg und wendet diese kritisch auf das Thema "Personal als Produktionsfaktor" an.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Systematik der Produktionsfaktoren, der menschlichen Arbeitsleistung, der Personalwirtschaftslehre sowie der kritischen Reflexion über die Anwendbarkeit klassischer Theorien in der heutigen Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Gutenbergs theoretische Systematisierung in die heutige Personalwirtschaftslehre integriert wurde und wo die Grenzen sowie Leerstellen seines Modells liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt einer strukturierten Analyse und kritischen Reflexion, indem sie Gutenbergs theoretische Grundlagen mit modernen personalwirtschaftlichen Ansätzen und zeitgenössischer Fachliteratur vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Gutenbergs Vorgehensweise, die Übertragung der Theorie auf das Personalwesen sowie eine Diskussion genereller Kritikpunkte wie den zweiten Methodenstreit und die Annahme vollkommener Information.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Erich Gutenberg, Personalwirtschaftslehre, Produktionsfaktor, Arbeitsleistung, Dispositiver Faktor, Methodenstreit und Betriebswirtschaftliche Theorie.
Wie bewertet der Autor Gutenbergs Sicht auf den Menschen als "Faktor"?
Der Autor kritisiert, dass Gutenberg den Menschen primär als manipulierbares Objekt in der technischen Faktorkombination sieht, während moderne Ansätze den Menschen als eigensinniges Gut mit eigenen Werten betrachten.
Warum wird Gutenbergs Ansatz als "theorieimmanent blind" bezeichnet?
Die Bezeichnung bezieht sich insbesondere auf die Annahme über "vollkommene Information", da dies Entscheidungssituationen voraussetzt, die in der komplexen Realität kaum existieren und eine rationale Problemlösung oft erschweren.
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- Kai Eickhof (Author), 2004, Erich Gutenberg - Personal als Produktionsfaktor. Eine kritische Anwendung auf das Thema Personal, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33063