Definitheitsmarker im Amharischen - Der Artikel in der Nominalphrase


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Amharisch und die Semantische Sprachfamilie:

III. Syntax des Amharischen

IV. Die vier Definitmarker des Singular nach Kupeliuk
IV.1. Bildung der Definitmarker und ihre Anwendung
IV.1.a. Der unmarkierter indirekte Artikel
IV.1.b. <and>: unbestimmte Artikel oder Zahlwort?
IV.1.c. Der bestimmte Artikel
IV.1.d. Null-Markierung

V. Der Plural Definitmarker

VI. Schluss

VII. Bibliografie

I. Einleitung

Das Amharische hat viele Möglichkeiten eine Aussage unterschiedlich zu gewichten. Je nach verwendetem Definitmarker ist zum Beispiel ein Nomen unterschiedlich genau bestimmt oder näher bestimmt. Dabei ist in der Verwendung der Definitmarker nicht immer eine festgelegte Regel zu erkennen. Im Folgendem wird die Verwendung und Art der Definitmarker mithilfe der Titel von Robert Hetzrons (1997) The Semitic Language, Olga Kapeliuks Syntax of the Noun in Amharic (1994) und Nominalization in Amharic (1988) , Geoffrey Khans (1988) Studies in Semitic Syntax und Baye Yimam (1996) Definitness in Amharic discourse genau untersucht. In meiner Arbeit beziehe ich mich hauptsächlich auf die Arbeiten von Hetzron (1997), Kupliuks (1994) Syntax of Amharic und den darauf aufbauenden Artikel von Yimam (1996). Während ich mich mit den Definitmarkern des Amharischen beschäftigte, wurde mir bewusst wie umfassend und widersprüchlich das Definitheitssystem ist. Da eine ausführliche Besprechung aller Definitmarker einen zu großen Umfang einnehmen würde, werde ich hier ausschließlich die Artikel behandeln und weitere Möglichkeiten der Definitheit nur am Rande erwähnen. Leider sind die Beispiele Kupeliuks schlecht übersetzt, weshalb ich mich meist auf die Beispiele Yimams beziehen werde. Weitere Beispiele entnehme ich aus dem Kursbuch Amharic: Basic Course 1-50 und 51-60. Im Gegensatz zu Kupeliuk verwende ich nicht die Amharischen Syllographen, da diese nur gut ausgebildeten Amharisch-Sprechern zugänglich sind.

Die Definitmarker des Amharischen sind im Vergleich zu vielen anderen Sprachen, wie zum Beispiel den indo-europäischen, ungewöhnlich in ihrem Auftreten und ihrer Verwendung. Während oftmals nur zischen dem bestimmten und nicht markierten Nomen unterschieden wird ist, nach Kupeliuk (1994), die Regel des Amharischen weitaus komplizierter. In Hinblick auf den historischen Verlauf der Sprache ist eine deutliche Bewegung zu erkennen, die sich immer mehr einer einheitlichen Form angleicht. Trotzdem gibt es mehr oder weniger feste Regeln, die den Gebrauch der Artikel beschreiben. Im Folgenden wird die Verwendung und Besonderheit der Artikel erklärt und aufgezeigt. Außerdem werde ich die Probleme und Schwierigkeiten der Anwendung innerhalb des realen Sprachgeschehens aufzeigen. Die tatsächliche Verwendung von Definitmarkern lässt sich ausschließlich nur im Kontext erörtern. Darüber hinaus ist oftmals eine gewisse Subjektivität im Spiel und die Anwendung der Regeln wird oftmals im Hinblick auf pragmatische Inhalte angewandt (Kapeliuk 1994: 2-3).

II. Amharisch und die Semantische Sprachfamilie:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(SIL International 2003)

Amharisch wird innerhalb des Afroasiatischen in die semantische Sprachfamilie eingeordnet und ist wiederum in die südsemitische Gruppe und dort unter äthiopisch eingeordnet. Hier wird vor allem das Amharische aus Äthiopien behandelt (SIL International 2003).

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Quellen berichten von einer Sprecherzahl von etwa 17 Millionen (SIL 2003) bis zu sogar 30 Millionen (Alemu 2003) Muttersprachensprechern in Äthiopien. Darüber hinaus lassen sich noch einmal etwa 5 Millionen Zweitsprachensprecher (SIL 2003; Alemu 2003) dazuzählen. Damit ist Amharisch innerhalb der afroasiatischen Sprachfamilie eine der Sprachen mit der größten Sprecherzahl. Die Bedeutung des Amharischen in Äthiopien ist groß und viele Menschen sprechen oft neben ihrer Muttersprache Amharisch. Andere in Äthiopien verwendete Sprachen sind vor allem: Tigrinia, Somali, Oromo und Gurage. (SIL International 2003). Regionale amharische Dialekte sind Shoa, Begemder, Gojjam, und Menz-Wello (Hetzron 1997: 457).

Seit dem 14. Jahrhundert gibt es amharische Texte und auch heute steigen die amharischen Publikationen weiter an. Amharisch ist eine Schrift- und Schulsprache und außerdem Lingua Franca so wie verfassungsmäßig anerkannte Nationalsprache Äthiopiens (Alemu 2003; Hetzron 1997: 457). Ursprünglich war das Amharische in den zentralnördlichen Bergregionen Begember, Westwello, Gojjam und Menz beheimatet. Heute wird es zusätzlich in den meisten Städten gesprochen (Hetzron 1997, 457). Außer in Äthiopien kommt Amharisch auch in Ägypten, Israel und Schweden vor (SIL International 2003).

Amharisch ist eine Silbensprache und wird ursprünglich in einer Schrift geschrieben, die sich vom Ge’ez ableitet. Diese Schriftsprache besitzt 33 Grundzeichen und sieben Formen für jede Konsonant-Vokal-Kombination (Alemu 2003). Trotzdem wird Amharisch heute in vielen Arbeiten mit dem Lateinischen Buchstaben und zusätzlichen diakritischen Zeichen geschrieben.

III. Syntax des Amharischen

Das Amharische hat einen Satzaufbau der in der Regel aus der Folge Subjekt-Objekt-Verb (SOV) besteht. (Hetzron 1997: 480):

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Durch Fokussierung oder auch bei der Verwendung der Definitmarker lassen sich auch unterschiedliche Anordnungen ausmachen. Innerhalb des Aufbaus der Nominalphrase befindet sich der Kopf[1] am Ende der Phrase.

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IV. Die vier Definitmarker des Singular nach Kupeliuk

Das Amharische besitzt eine Vielfalt von Definitmarkern, wie die Artikel, die Possessivmarker, Demonstrativpronomen und andere unabhängige Determinanten. Ich beschränke mich hier auf die verschiedenen Artikel und ihre unterschiedlichen Formen und Anwendungen.

Nach Kupeliuk (1994) werden die Definitmarker in vier Stufen unterteilt: Die erste Stufe ist ohne Suffix am Nomen und beschreibt ein nicht spezifiziertes Nomen. Die zweite Stufe ist mit dem indirekten Artikel <and> gekennzeichnet und beschreibt ein Nomen dass nicht näher bestimmt ist, aber auch nicht gänzlich unbekannt. Bei der dritten Stufe wird ein direkter Artikel gebraucht, der das Nomen als bekannt oder speziell kennzeichnet. In der vierte Stufe allerdings bleibt, wie bei der ersten Stufe, das Objekt[2] ungekennzeichnet, allerdings ist der Grad der Definitheit extrem ausgeprägt und wird daher „hyper-definite“ (Kupeliuk 1994: 1) genannt. Schwierig ist dieses System in der Anwendung jedoch, weil die Stufen einander überlappen und die Verwendung daher oftmals subjektiv oder sogar willkürlich ist und pragmatisch begründet wird und nicht syntaktisch (Kupeliuk 1994: 2-3). Yimam (1996) dagegen bestreitet die Richtigkeit von Kupeliks Annahmen an verschiedenen Stellen. Worauf ich in den einzelnen Kapiteln eingehen werde.

Des Weiteren wird innerhalb der Definitheit noch zwischen weiblich und männlich unterschieden, so wie in manchen Stufen auch in Singular und Plural (Kupelik 1994: 1-3). Der Definitartikel hat mehrere Anwendungsarten. Zum einen legt er den Definitheftsgrad fest. Darüber hinaus fügt er bereits bekannten Determinanten eine genauere Bestimmung zu. Außerdem ist er wichtig für die Substantivierung von zum Beispiel Verben (Kupeliuk 1994: 28).

IV.1. Bildung der Definitmarker und ihre Anwendung

IV.1.a. Der unmarkierter indirekte Artikel

Es gibt zwei Stufen in denen der Gegenstand nicht weiter gekennzeichnet auftritt. Die Bedeutungen der beiden Stufen könnten jedoch nicht unterschiedlicher sein. Zum ersten handelt es sich bei der ersten Stufe um ein völlig ungekennzeichnetes Objekt, dass nicht näher spezifiziert ist und keine Individualität besitzt. Bei der vierten Stufe allerdings handelt es sich um ein Objekt oder eine Person, die nicht näher bestimmt werden müssen, da sie bereits allen bekannt sind (Kupeliuk 1994: 10-19). Vorerst will ich mich mit der ersten Stufe befassen

Das ungekennzeichnete Objekt ist meist ein Gegenstand, der im allgemeinen Sinn gebraucht wird und etwa eine Gattung beschreibt, oder etwas vollkommen allgemeines. Dabei verweist das genannte nicht auf Individuen. Der Gegenstand bleibt aus grammatischen Gründen unmarkiert und es wird auch keine Pluralmarkierung vorgenommen, selbst wenn es sich semantisch um eine Mehrzahl handelt. Normalerweise wird der Plural nicht bestimmt, sondern von einer Gattung im Singular gesprochen. (Kupeliuk 1994: 15-17). (Vergleichen Sie hierzu auch Kapitel V. Bsp 28 und 29)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine andere Anwendung verweist das genannte nicht auf etwas bereits erwähntes oder bekanntes. Kupeliuk (1994) gebraucht daher den Begriff „non-referantial“ (10). So wird in einem Text beispielsweise in neues Objekt eingeführt, dass jedoch nicht näher bestimmt ist und auch nicht bekannt ist. Der Gegenstand wird vom Sprecher willkürlich unmarkiert gebraucht. Dabei wird ein Gegenstand bezeichnet der nicht näher bestimmt ist. Entweder der Sprecher weiß selbst nichts über dieses Objekt oder er will die fehlende Individualität des Genannten betonen (14), wie etwa das in Bsp4 nicht näher definierte Buch.

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Hier wird nun kein Artikel verwendet. Jedoch ergibt sich nach Kupeliuk (1994: 14) hier ein Problem, da der indirekte Artikel <and> oftmals in der selben Situation benutzt werden kann. Yimam (1996) bestreitet das jedoch und führt auf, dass der bei Kupeliuk als indirekte Artikel bezeichnete <and> gar kein Artikel sondern eine Nummerierung ist (54). Darauf werde ich im Kapitel V.1.b. näher eingehen.

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Würde er dem Gegenstand stärkere individuelle Bedeutung beimessen, so würde der Sprecher den indirekten Artikel <and> verwenden Kupeliuk (1994: 14). Jedoch ist bei dem Beispiel Bsp.3 <and> kein indirekter Artikel, sondern das Zahlwort eins.

IV.1.b. <and>: unbestimmte Artikel oder Zahlwort?

Der Indirekte Artikel <and> ist im Gegensatz zum direkten Artikel ein unabhängiges lexikalisches und nicht nur grammatisches Morphem und ist identisch mit der Zahl „eins“. Oft lässt sich demnach nicht unterscheiden, ob es sich in einem Satz tatsächlich um den indirekten Artikel oder das Zahlwort handelt (Kupeliuk 1994: 20). Den unbestimmten Artikel gibt es in den zwei Formen maskulin <and> und feminin <andit>.

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Aus den Beispielen 7 und 8 lässt sich nicht ablesen ob es sich tatsächlich um den indirekten Artikel handelt, oder um das Zahlwort. Kupeliuk (1994) behauptet, dass im Vergleich zu der unmarkierten Form, der unbestimmte Artikel näher definiert und zumindest dem Sprecher bekannt ist. Jedoch suggeriert der Sprecher bei der Verwendung des unbestimmten Artikel, dass der Hörer den genannten Gegenstand noch nicht näher zuordnen kann. Dies heißt jedoch nicht dass er die Art des Gesagten nicht kennt, sondern dass das Objekt für den Hörer noch keine weitere Individualität besitzt. Vor allem bei Einführung eines neuen Objekts wird dieses mit dem unbestimmten Artikel gekennzeichnet (20-21).

Da aber in diese Fall oft auch die unmarkierte Form gebraucht wird muss der Satz hinsichtlich der Pragmatik und des Sprachstiles untersucht werden. „But in a language such as Amharic, in which indefiniteness may also be rendered by another means, namely by the bare unmarked noun in the singular , [<and>] assumes an additional, independent function belonging to the domain of pragmatics and text strategy.“ (Kupeliuk 1994: 21) Laut Kupeliuk (1994) beinhaltet der unbstimmte Artikel eine Betonung des besagten Gegenstandes. Der Hörer weiß nun, dass das Objekt weiterhin bedeutend für die Erzählung ist. Und es erregt seine Aufmerksamkeit, wie bei einer Technik, die Kupeliuk „cinema’s close-up“ (21) nennt.

Bei einer unmarkierten Form ist der Gegenstand im Kontext weniger bedeutsam. Der unbestimmte Artikel vermittelt also laut Kupeliuk mehr Individualität. Bei weiterem Verlauf wird das genannte Objekt dann mit dem bestimmten Artikel weiter definiert. Aber auch wenn dies der Fall ist kann es beim Eintreten von semantischen Wendungen wieder zur Kennzeichnung des Gegenstandes mit einem unbestimmten Artikel kommen (Kupeliuk 1994: 23). Damit wird wieder die Aufmerksamkeit erregt und die Veränderung herausgehoben.

[...]


[1] aus dem englischen „head“ (Kupeliuk 1994: ??) übernommen. Bedeutet hier soviel wie etwa das Hauptnomen oder der prägende Part der Phrase.

[2] Mit Objekt ist hier nicht die linguistische Bezeichnung des Satzteiles gemeint, sondern das jeweils definierte Gegenstand im semantischen Sinne.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Definitheitsmarker im Amharischen - Der Artikel in der Nominalphrase
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Afrikanische Philologie)
Veranstaltung
Introduction to the Syntax of Ethio-Semitic Languages
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V33071
ISBN (eBook)
9783638336451
Dateigröße
979 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Amharisch Der Artikel in der Nominalphrase
Schlagworte
Definitheitsmarker, Amharischen, Artikel, Nominalphrase, Introduction, Syntax, Ethio-Semitic, Languages
Arbeit zitieren
Marion Geiss (Autor), 2004, Definitheitsmarker im Amharischen - Der Artikel in der Nominalphrase, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33071

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