Die Vorstellung einer dauerhaften ökonomischen und in ihrem Gefolge auch sozialen Ausgrenzung wird vor allem in der Entwicklungssoziologie schon seit längerem diskutiert. Die Erkenntnis, daß es soziale Spaltungen gibt, die nicht in dem traditionellen Klassen- oder Schichtungsschemata aufgehen, kommt bereits in den Dependenztheorien mit ihrer Unterscheidung von Zentrum und Peripherie, den unterschiedlichen Konzeptionen informeller Sektoren der Ökonomie und den Marginalisierungs- und Peripherisierungsansätzen zum Ausdruck. Neu an der aktuell geführten Diskussion um die Armut ist deren Fokus auf die kapitalistischen Zentren selbst und deren Einbettung in die Prozesse der Globalisierung. Die in dieser Kontroverse oft gegenübergestellten Konzepte der Underclass, der Kultur der Armut und der sozialen Ausgrenzung sollen hier kurz erläutert werden, um anschliessend die im Zusammenhang mit der Globalisierung verstärkt auftretenden Ausgrenzungs- und Armutsprozesse in den Städten des Nordens, am Beispiel von Berlin darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Underclass, Culture of Poverty und social exclusion , eine semantische Analyse der Begriffe, die oft verwendet werden, um eine Intervention, die die Sozialen Segregationserscheinungen verhindern soll, zu rechtfertigen
3. Ausgrenzung als Auswirkung der Globalisierung in den Städten des Nordens
4. Räumliche Ausgrenzung in Berlin
4.1 Die Veränderungen der räumlichen Bedingungen von Standortentscheidungen
4.2 Strukturwandel in der Wohnungsversorgung
5. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen globalen ökonomischen Umstrukturierungsprozessen und der zunehmenden sozialen sowie räumlichen Ausgrenzung in modernen Städten, mit einem spezifischen Fokus auf der stadtentwicklungspolitischen Situation in Berlin.
- Analyse der theoretischen Konzepte "Underclass", "Culture of Poverty" und "social exclusion"
- Untersuchung der Auswirkungen der Globalisierung auf urbane Räume
- Kritische Beleuchtung der Stadtentwicklungspolitik in Berlin seit der Wiedervereinigung
- Diskussion über den Paradigmenwechsel im sozialen Wohnungsbau und dessen Folgen für die soziale Segregation
Auszug aus dem Buch
Die Veränderungen der räumlichen Bedingungen von Standortentscheidungen
Seit der Wende haben sich die räumlichen Bedingungen für Standortentscheidungen grundlegend verändert. Westberlin war vor der Wende aufgrund seiner von der DDR eingeschlossenen Lage in der räumlichen Mobilität extrem eingeschränkt Sowohl die Anwohner als auch die öffentlichen Unternehmen und privaten Betriebe waren in der Standortwahl auf Berlin beschränkt. Dieser Nachteil für private Betriebe sollte durch die Berlin Zulage ausglichen werden und dafür sorgen, daß sich in Westberlin trotz schlechterer infrastruktureller Lage Betriebe ansiedeln und die Wirtschaft ankurbeln.
Auch in Ostberlin war die räumliche Mobilität eingeschränkt, hier aber aufgrund des planwirtschaftlichen Systems, daß für Betriebe keine freie Standortwahl zuließ und aufgrund des sozialstaatlichen Systems, daß den Anwohnern keine freie Standortwahl ließ, sondern statt dessen nach eigenem Ermessen Wohnungen zuteilte.
Seit der Öffnung der Grenzen muß Berlin jetzt nicht nur mit lukrativeren Standorten im Umland konkurrieren (z.B. mit dem prosperierendem Speckgürtel um Berlin des Landes Brandenburg), sondern auch noch versuchen, sich in diesem Wettbewerb ohne die Berlin Zulage behaupten zu können. In der Vergangenheit hat Berlin diesem Standortwettbewerb oft nicht Stand halten können , und dadurch zahlreiche Arbeitsplätze und hohe Einkommensquellen aufgrund zu hoher Auflagen und eigener Überschätzung verloren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der ökonomischen und sozialen Ausgrenzung ein und verortet die Diskussion im Kontext der Globalisierung und der städtischen Entwicklung.
2. Underclass, Culture of Poverty und social exclusion , eine semantische Analyse der Begriffe, die oft verwendet werden, um eine Intervention, die die Sozialen Segregationserscheinungen verhindern soll, zu rechtfertigen: Dieses Kapitel erläutert und differenziert die zentralen theoretischen Begriffe, die zur Beschreibung sozialer Randgruppen und Ausgrenzungsprozesse verwendet werden.
3. Ausgrenzung als Auswirkung der Globalisierung in den Städten des Nordens: Es wird untersucht, wie globale wirtschaftliche Verflechtungen zur Marginalisierung in westlichen Industriestädten führen und welche Rolle dabei die Standortentscheidungen spielen.
4. Räumliche Ausgrenzung in Berlin: Das Kapitel analysiert die spezifischen Auswirkungen des Strukturwandels auf die Stadt Berlin und die daraus resultierende räumliche Segregation.
4.1 Die Veränderungen der räumlichen Bedingungen von Standortentscheidungen: Hier werden die historischen Rahmenbedingungen der Berliner Standortpolitik und der Wandel nach der Grenzöffnung detailliert betrachtet.
4.2 Strukturwandel in der Wohnungsversorgung: Dieses Unterkapitel beleuchtet den Wandel der Wohnungspolitik, die Auswirkungen der Privatisierung und die Konsequenzen für das Angebot an preiswertem Wohnraum.
5. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hinterfragt kritisch die aktuelle "Qualitätspolitik" der Berliner Stadtentwicklung vor dem Hintergrund sozialer Exklusionsgefahren.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Soziale Exklusion, Underclass, Stadtentwicklung, Berlin, Segregation, Wohnungsbau, Arbeitslosigkeit, Armut, Strukturwandel, Gentrification, Standortpolitik, Standortwettbewerb, Dienstleistungsmetropole, Soziale Ausgrenzung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Zusammenhänge zwischen globalen ökonomischen Prozessen und der sozialen Ausgrenzung, insbesondere wie sich diese im städtischen Raum von Berlin manifestieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Globalisierung, urbane Armut, soziale Segregation, Stadtentwicklungspolitik und die Veränderung der Wohnungsversorgung in Berlin.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Auswirkungen der Globalisierung auf die soziale Struktur Berlins aufzuzeigen und zu hinterfragen, ob die aktuelle Stadtentwicklungspolitik der sozialen Exklusion entgegenwirkt oder diese eher verschärft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf einer Auswertung sozialwissenschaftlicher Fachliteratur sowie statistischer Daten und stadtplanerischer Studien basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsanalyse, die Auswirkungen der Globalisierung auf das urbane Umfeld sowie eine konkrete Untersuchung der räumlichen Ausgrenzung und Wohnungspolitik in Berlin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Schlüsselwörtern zählen Soziale Exklusion, Globalisierung, Underclass, Stadtentwicklung und Segregation.
Wie beeinflusst die Privatisierung der Wohnungsbaugesellschaften die soziale Struktur in Berlin?
Laut der Arbeit führt die Privatisierung zu einer drastischen Abnahme des Bestandes an Sozialwohnungen, was das Marktsegment für preiswerten Wohnraum verkleinert und die Verdrängung einkommensschwacher Bevölkerungsschichten begünstigt.
Inwiefern unterscheidet sich die soziale Situation in Berlin von anderen globalen Städten?
Berlin stellt aufgrund seiner 40-jährigen Teilung einen Sonderfall dar, weist jedoch wie andere "Global Cities" Tendenzen zur räumlichen Spaltung und Segregation auf, die durch den Wandel zur Dienstleistungsmetropole verstärkt werden.
- Quote paper
- Nikola Rass (Author), 2000, Urban Underclass und Soziale Exklusion im Kontext der Stadtentwicklungspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3314