In dem vorliegenden Referat beschäftige ich mich mit der Geschichte Israels und Judas im Zeitraum der sogenannten Josianischen Reform im Jahre 622 v. Chr. bis hin zur Rückkehr der Deportierten aus Babylon nach Jerusalem, die mit der Einweihung des neuen Jahwetempels gekrönt wird. Dabei werde ich auch auf die Folgen eingehen, die sich für Juda aus den sich entwickelnden weltpolitischen Veränderungen ergeben. Ich habe den zu behandelnden Zeitraum in Abschnitte untergliedert, innerhalb derer ich mich um chronologische Darstellung der Ereignisse bemühe.
Zunächst gebe ich jedoch eine kurze Darstellung der politischen Situation in Israel/Juda vor der Thronbesteigung des Königs Josia.
Im Jahr 722 war das Nordreich Israel von den Assyrern erobert worden und hatte damit endgültig seine Unabhängigkeit verloren. Dem Südreich Juda war es nur unwesentlich besser ergangen. Die Niederschlagung des Aufstandes in Palästina-Syrien durch den assyrischen Herrscher Sanherib im Jahre 701 hatte zur Folge, daß das gesamte Gebiet des Staates Juda besetzt wurde. Der judäische König Hiskija mußte sich unterwerfen und erhielt lediglich die Kontrolle über den Stadtstaat Jerusalem zurück; alle weiteren judäischen Gebiete fielen unter die Herrschaft philistischer Könige.
Manasse, der Nachfolger König Hiskijas, betrieb eine Politik des Ausgleichs mit den Assyrern. Das ist auch der Grund für die Wiedereinführung des assyrischen Staatskultes, die gegen nicht unerheblichen Widerstand beispielsweise von Seiten der Leviten durchgesetzt wurde. Manasses Nachfolger Amon, der 641/40 den Thron bestiegen hatte, wurde bereits ein Jahr später aus unbekannten Gründen ermordet, so daß der erst achtjährige Josija die Regierung des Staates Juda antritt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung und Darstellung der politischen Situation in Israel/Juda vor dem Regierungsantritt Josias
II. Die Josianische Reform im Zuge des Niedergangs Assyriens (639-609)
1.) Stadt Jerusalem
2.) Stadtstaat Jerusalem und Städte Judas
III. Judas Verlust der Unabhängigkeit und Deportation (609-586)
IV. Vorherrschaft Babylons – Die Zeit des Exils (586-539/38)
1.) Das Deuteronomistische Geschichtswerk
2.) Deutero-Jesaja
V. Etablierung des persischen Großreiches – Edikt des Kyros (539/38-515)
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die politisch-religiöse Geschichte Israels und Judas im Zeitraum von 622 bis 515 v. Chr., beginnend mit der josianischen Reform bis hin zur Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels nach dem Exil, wobei der Fokus auf den Auswirkungen weltpolitischer Umbrüche liegt.
- Die politische Entwicklung unter den assyrischen, babylonischen und persischen Großreichen.
- Die religiösen Reformbestrebungen unter König Josia und deren Zielsetzung der Kultuseinheit.
- Die Auswirkungen der babylonischen Deportation auf die judäische Gesellschaft und Identität.
- Die Rolle religiöser Schriften und Propheten in der Krise des Exils.
- Der Übergang zur persischen Herrschaft und der Wiederaufbau des Tempels unter dem Edikt des Kyros.
Auszug aus dem Buch
Die Josianische Reform im Zuge des Niedergangs Assyriens (639-609)
In die Regierungszeit Josias (639/40-609 v. Chr.) fällt der Niedergang des assyrischen Großreiches, das seit Jahrzehnten eine Hegemonialstellung innehat. Der Untergang Assyriens ermöglicht aufgrund der rivalisiernden Großreiche eine kurze Periode der Eigenständigkeit Judas.
Nach dem Tod Assurbanipals 630 besteigen seine beiden Söhne, Assur-etil-ilani – er stirbt bereits 627 – und Sin-sar-iskum den assyrischen Thron. Allerdings schicken sich zwei Teilreiche Assyriens an, für ihre Unabhängigkeit zu kämpfen, und stellen damit eine ernstzunehmende Bedrohung für die Hegemonie Assyriens dar. Das Reich der Meder, die das iranische Hochland bevölkern und Babylonien, am südlichen Tigris und am Euphrat gelegen, sind in den folgenden Jahren für den Untergang des assyrischen Reiches verantwortlich. Im Jahr 627 kommt es zu Aufständen der aramäischen Bevölkerung unter Nabopolassar in Südbabylonien. Babylon kämpft sich 626 endgültig frei und erklärt Nabopolassar zum König.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung und Darstellung der politischen Situation in Israel/Juda vor dem Regierungsantritt Josias: Dieses Kapitel skizziert die Ausgangslage Judas nach dem Untergang des Nordreichs und unter der assyrischen Hegemonie vor der Regierungszeit Josias.
II. Die Josianische Reform im Zuge des Niedergangs Assyriens (639-609): Der Text analysiert die durch das Machtvakuum ermöglichte Unabhängigkeit Judas und die zentrale religiöse Reform Josias zur Etablierung eines einzigen Kultortes in Jerusalem.
III. Judas Verlust der Unabhängigkeit und Deportation (609-586): Hier wird der erneute Verlust der Souveränität durch die babylonische Expansion unter Nebukadnezar und die schrittweise Deportation der judäischen Oberschicht behandelt.
IV. Vorherrschaft Babylons – Die Zeit des Exils (586-539/38): Dieses Kapitel beleuchtet die schwierige Lebenssituation der in Juda verbliebenen Bevölkerung sowie die religiöse Identitätsstiftung der Deportierten durch das Deuteronomistische Geschichtswerk und Deutero-Jesaja.
V. Etablierung des persischen Großreiches – Edikt des Kyros (539/38-515): Der abschließende Teil beschreibt die Befreiung der Juden durch Kyros, die Herausforderungen des Wiederaufbaus und die letztliche Einweihung des neuen Tempels im Jahr 515 v. Chr.
Schlüsselwörter
Josia, Josianische Reform, Juda, Assyrien, Babylonien, Persien, Tempel, Exil, Nebukadnezar, Kyros, Deuteronomistisches Geschichtswerk, Deutero-Jesaja, Kultuseinheit, Deportation, Jahwe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Geschichte Israels und Judas im Zeitraum von 622 v. Chr. bis 515 v. Chr., also von der josianischen Reform bis zum Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem nach dem Exil.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen umfassen die geopolitische Abhängigkeit Judas von Großmächten (Assyrien, Babylonien, Persien), religiöse Reformen sowie die identitätsstiftende Rolle des Jahweglaubens in der Exilszeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die chronologische Darstellung der politischen Ereignisse und die Analyse ihrer Auswirkungen auf die religiöse Praxis und die staatliche Existenz Judas.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verfolgt eine chronologische, historisch-analytische Methode, um die Ereignisse innerhalb des festgelegten Zeitrahmens strukturiert darzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Josianische Reform, den Verlust der Unabhängigkeit an Babylonien, das Leben im Exil und die anschließende Rückkehr unter der persischen Herrschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Josianische Reform, Exil, Tempel, Kyros-Edikt, Babylonien und Jahweverehrung.
Warum war die Josianische Reform laut dem Text überhaupt möglich?
Die Reform war möglich, da das assyrische Großreich durch interne Rivalitäten und den Aufstieg neuer Mächte wie den Medern und Babyloniern geschwächt war, was Juda eine kurze Periode politischer Freiheit bot.
Welche Rolle spielten die Propheten, speziell Deutero-Jesaja, während des Exils?
Deutero-Jesaja vermittelte Trost und stärkte das Bewusstsein, dass der Jahweglauben auch ohne Tempel lebendig bleiben kann, indem er alte Traditionen wie die Sabbatheiligung in den Fokus rückte.
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- Jörg Röder (Author), 2003, Die Geschichte Israels und Judas im Zeitraum von 622 bis 515 v. Chr., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33141